Sex, Musik und Licht im Dunkeln
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Gefährlich ist ja nur Der, der gleichzeitig modern und verständlich ist:
deswegen schweigt man ja so systematisch Leute wie Joyce tot."

Arno Schmidt

Love and peace und all die Hippies

Liebe und Frieden. Dies ist einer meiner Lieblingsartikel, geschrieben anno 1997. Da rief ein richtig netter Redakteur von der Welt an, und wollte rechtzeitig zum dreißigsten Jubiläum von "The Summer of Love" ein Stück für die Wochenendausgabe. Soll ich für ein Springerblatt schreiben?, hab ich kurz überlegt. Schließlich gehörte ich zu den Leuten, die Ostern 1968 das Buchgewerbehaus in der Münchner Schellingstraße belagert und lautstark "Enteignet Springer!" geschrieen haben. Und dann hab ich mir gedacht, warum nicht? Wenn die gut bezahlen, setze ich doch genau diese Forderung um: Enteignet Springer! Und außerdem: Der Schornstein musste rauchen.
 

© 2008 Hans Pfitzinger

Keep a fire burning in your eyes / pay attention to the open sky / you never know what will be coming down

Jackson Browne


Wohnen est omen

Vor 25 Jahren, als mir Schwabing zu eng und zu laut wurde, bin ich in den Herzogpark gezogen, in dieselbe Straße, in der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das Haus von Thomas Mann stand. Er hat in "Herr und Hund" sehr ausführlich beschrieben, wie die Gegend zur Zeit des ersten Weltkriegs ausgesehen hat. Wie es im Herzogpark heute aussieht, und was seitdem mit dem Haus von Thomas Mann geschehen ist, stand in der Gazette. Meine Nachbarin, Frau von Negelein, meinte dazu: "Das ist sehr liebevoll-pfiffig geschrieben, aber schon a bisserl frech."
Mehr über die Gegend können Sie in "Stille Winkel in München" (siehe unten) nachlesen, im Kapitel "Mann-Haus am Urwald". Jetzt wohne ich auf halbem Weg zwischen dem Haus, in dem Erich Kästner gewohnt hat, und dem Friedhof, auf dem er begraben liegt. Das ist mir Symbol und Verpflichtung.
In "Delfina Paradise - eine Liebe in München" gibt's im Kapitel "Der Regenspaziergang" eine Passage über das Haus von Erich Kästner. Als seine Lebensgefährtin Luiselotte Enderle starb, vermachte sie den gesamten Inhalt der Doppelhaushälfte in der Flemingstraße 54 inklusive Bibliothek und Schreibtisch dem Erich-Kästner-Kinderdorf. Die pflegen die Erinnerung an den Dichter mit einer rührend schönen Webseite. Unbedingt lesen: die Gedichte bei Reclam! Und den Roman "Fabian". Der ist von 1931, und wenn man das liest und mit heute vergleicht, kriegt man Gänsehaut. Auch Kästner musste sich dem Vorwurf aussetzen, "Fabian" sei pornografisch.



- Webseitensonderveröffentlichung -

"Hans Pfitzinger schreibt eben cool. Wenn  'cool'  die  meisterhaft kontrollierte Inszenierung des heißen Herzens bedeutet." 
Brigitte Werneburg in der tageszeitung über:


Mehr dazu erfahren Sie, wenn Sie hier klicken!

"Also Leute, schaut euch die Sache mal an. Das Buch ist wirklich gut." www.doors-online.de

-Ende der Webseitensonderveröffentlichung-


...und lang die Kunst

Den Artikel über Uwe Nettelbeck, mein großes Vorbild als Journalist, finden Sie bei schmoll-et-copains, wenn Sie hier auf seinen Namen klicken. Der Text entstand im Dezember 2007, als ich gerade an "Delfina Paradise - eine Liebe in München" gearbeitet und viel Arno Schmidt gelesen habe. Da ist mir aufgegangen, wie begrenzt die Zeit hier ist für uns alle: Das Leben ist zu kurz, um Dinge zu tun, an die man nicht glaubt.

Einzeln und frei wie ein Baum

Das Merhaba in der Pariserstraße in Haidhausen war zehn Jahre lang meine Stammkneipe. Ramo, der Wirt, ein fränkischer Türke, führt jetzt ein anderes Lokal, direkt am Pariser Platz (Ramo). Der Koch hieß Mehmet und war ein belgischer Kurde. Es gab eine Reihe von Gründen, weshalb ich fast jeden Tag ins Merhaba gegangen bin - die türkischen Frauen, die türkische Musik (Sabo und seine Saz! Gökhan und seine Gitarre! Yahya und seine Trommeln!), das türkische Essen, das Holzkirchner Bier, der Aufkleber an der Eingangstür: "Leben! Einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht." Das war aus einem Gedicht von Nazim Hikmet, und über den wollte ich mehr wissen.


- Werbeunterbrechung
Silence is golden

Als mich der Hamburger Verleger Gerhard Richter im Sommer 2006 bat, den ersten Band für eine neue Reihe "Stille Winkel in ..." zu schreiben, war ich höchst entzückt. Schließlich hatte ich das Thema schon seit gut dreißig Jahren auf meinen Stadtwanderungen recherchiert. Es wurde ein schönes Büchlein:

                                              

(Unter dem Link finden Sie die Besprechung im Münchner Monatsprogramm.) Das Buch stand am Jahresende 2007 auf Nummer 1 der Bestsellerliste - leider nicht im Spiegel, sondern "nur" bei den München-Büchern des Buchversands amazon.de. Aber gefreut hab ich mich schon: Wer will nicht wenigstens einmal im Leben einen Hit auf Nummer 1!
Franz Freisleder hat das Buch für die Süddeutsche Zeitung zuerst besprochen, am 7. 5. 2007. Hier ein Auszug:
Stillen Winkeln auf der Spur

"Es gibt die City-Guides, die jede Menge Fakten vermitteln. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dem Leser eine Stadt durch literarische Charakter- und Stimmungsbilder nahe zu bringen. Mit seinen 20 Spaziergängen, auf denen er „Stille Winkel in München” – so der Buchtitel – aufsucht, bietet Hans Pfitzinger beides: Information und Atmosphäre."

"Man kommt als literarischer Spaziergänger auf manch unerwarteten Gedanken - dieses Buch ist voll davon. Pfitzingers Ode an seine ganz persönliche Wiese im Englischen Garten ist zum Niederknien."
Die Welt

Ende der Werbeunterbrechung!


Der Zauberbus

Wie? Sie haben noch nie etwas von Ken Kesey gehört? Das ist der Mann, der das Buch "Einer flog übers Kuckucksnest" geschrieben hat; der die Acid-Tests veranstaltet hat; der mit dem psychedelisch bemalten Bus "Further" kreuz und quer durch die USA gefahren ist; der ... aber lesen Sie selbst!

Songs in dunkelblau

Es gibt Leute, die halten Townes van Zandt für den größten Songschreiber, den die US of A hervorgebracht haben, größer als Dylan. Das ist natürlich Unfug, genau wie die Sache mit dem größten Gitarristen ("Who plays the best guitar? Who gives a shit!" Iggy Pop). Superlative sind wertlos, wenn es um Musiker geht. Jeder drückt sich selbst aus, so gut er kann. Aber wer eher melancholische Songs in der Farbe Dunkelblues mag, wird Townes van Zandt von Herzen mögen. Hier ist der Artikel, den ich über ihn geschrieben habe. Drei seiner Songs pflege ich in meinem Repertoire. Ich spiel sie Ihnen vor, wenn Sie mal vorbeikommen.

Fangt Fische und seid friedlich!

Langsam aber sicher will ich nichts mehr sehen, hören und lesen über "1968 und die  Folgen". So wie die inflationäre Hitlerei in Film, Funk und Fernsehen von den politisch-militärischen Verbrechen ablenken soll, die in der Gegenwart durchgezogen werden, so scheint es auch mit den Berichten über das Jahr 1968 und die damals Beteiligten zu laufen. Vielleicht sollte man lieber über den Mauerbau in Israel und den USA reden. Oder über die Kriegsverbrechen in Palästina, im Irak und in Afghanistan. Oder über das KZ-ähnliche Gefängnis in Guantanamo und andere Menschenrechtsverletzungen der  US-amerikanischen Regierung. Und über die Unsäglichkeiten, die uns die Schröder-Fischer-Gang hinterlassen hat: Den zertrümmerten Sozialstaat, den Feuerschutz für Bush und Rumsfeld, die Unterstützung krimineller Angriffskriege, die Verteidigung der deutschen Landesgrenzen am Hindukusch. Von der unverschämten Pro-Auto-Politik der Angela Merkel will ich gar nicht erst anfangen.
Aber was reg ich mich auf. Vielleicht hat Arlo Guthrie recht, der in einem Interview im April 2008 gemeint hat: "Meine Vision bleibt eine kleine: Seid nett, ehrlich und gut zueinander. Macht das, worauf ihr Lust habt. Umarmt Bäume, fangt Fische und seid friedlich." Und: "Meine Hoffnung liegt in der Zukunft und nicht in dem, was vor 40 Jahren mal passiert ist."
Was 68 betrifft, da hab ich mich schon vor fünf Jahren geäußert. Das Stückchen gehört zu dem bio-pornografischen Roman "Alles Wugg!", wo brav darauf hingewiesen wird, dass es zuerst online erschienen ist, in der
Gazette.

4:33

Was für eine Freude John Cage den Menschen gemacht und bei seinem Tod hinterlassen hat! Er war mehr als ein Musiker und Komponist - er war Revolutionär, Visionär, fröhlicher Anarchist und sein Leben lang ein spielendes Kind. Für Die Gazette hab ich mal zusammengestellt, was mich an ihm so fasziniert hat. Sein berühmtestes Werk, "4:33", das ursprünglich für Klavier vorgesehen war, habe ich einmal im "Jazzclub Hirschen" in Moosburg an der Isar mit meiner Zwölfsaitigen aufgeführt. Das Publikum war hingerissen. Gruß an die Ingrid!

Der Bär ging über den Berg

William Kotzwinkle ist kein Pseudonym. Er heißt tatsächlich so. Wie das kam mit seinem Namen, können Sie hier lesen. Sie wissen ja, diese Website hat sich ganz der Aufrichtigkeit gewidmet, und deshalb geb ich auch zu: Ich mach hier Werbung für ihn, weil wir befreundet sind, mittlerweile seit 26 Jahren. Könnte ja sein, dass Sie sein in Deutschland beliebtestes Buch gelesen haben: "Ein Bär will nach oben" (Originaltitel: The Bear went over the Mountain).
 
                                    Foto (c) Hans Pfitzinger

Aber ich vermute mal, ich würde auch auf ihn hinweisen, wenn ich ihn nie persönlich kennengelernt hätte. Zum ersten Mal fiel mir sein Name an einem heißen Strand in Kalifornien auf. Das war in Stinson Beach, und mein Kumpel Douglas reichte mir ein kleines Bändchen mit dem Titel Swimmer in the Secret Sea über den Bauch seiner Freundin Deeana hinweg: "Musst du lesen!" Das hab ich dann in einem Zug verschlungen, und zwischendurch hab ich Gänsehaut gekriegt und nicht mal gemerkt, dass ich mir einen später sehr schmerzhaften Sonnenbrand eingefangen habe. Als ich nach meinen kalifornischen Jahren wieder nach München zurückkam, habe ich die kleine Novelle übersetzt. Es war mir ein Bedürfnis: Das sollten auch Menschen kennenlernen, die kein Englisch können. Auf Deutsch hieß das Büchlein dann "Schwimmer im dunklen Strom". Es ist leider nur noch antiquarisch erhältlich. Ein Interview zum Thema übersetzen und William Kotzwinkle hat Jan Schmager auf seine Web-Seite gestellt - ich finde, ich komme seeehr seriös rüber dabei.

Der Mensch als Playboy

Im Jahr 2000 wollte ich mich mal an die Arbeit machen, und ein Büchlein über die deutschen Männermagazine schreiben, war ich doch meines Wissens der einzige Redakteur, der für alle drei gearbeitet hat: Playboy, Lui und Penthouse. Aus dem Buch ist aber bis heute nichts geworden. Dafür entstand ein Zeitschriftenartikel mit dem Titel "Ein Glücksfall namens Marilyn", über Hugh Hefner und die Anfänge des US-Playboy. Und  wie es zur deutschen Ausgabe kam, die der vor zwei Jahren verstorbene Heinz van Nouhuys nach München geholt hatte.

Und nun zum ...

Sie wollen doch sicher wissen, wie heute das Wetter ist in München, hier und jetzt, und in den nächsten zwei Tagen? Klicken Sie, hier und jetzt.

Zitat

"Ein Test für das Wohlbefinden und das Machtbewusstsein des Menschen ist der Grad, bis zu dem er den fürchterlichen und fraglichen Charakter der Dinge anerkennt, und ob er am Ende irgendeinen Glauben benötigt."
              Friedrich Nietzsche