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15. Juni 2008
EM - EU: 1 : 0
Titelzeile: So schlagen wir Österreich. Dazu eine Fotomontage, Joachim Löw kombiniert mit einem Clipboard, auf dem, so die Ankündigung rechts oben schräg, "Exklusiv: Jogi Löws Geheimplan" zu sehen ist. Einer der Punkte: "Der Ball muss ins Tor (Gegner)!" Iss das komisch? Nö, unter meinem Niwoh. Vielleicht bin ich aber auch nur verblüfft, dass die tazler diese Fußball-EM wichtiger oder verkaufsträchtiger finden als die Abstimmung über den EU-Vertrag.
Adorno - Dutschke: 2 : 0
Es musste ja so kommen, einer musste es ja tun: Rudi Dutschke auf Lebensgröße zurechtstutzen. Wo, wenn nicht auf der Wahrheitseite, wer, wenn nicht Jürgen Roth! Der lässt mal wieder seine schlechte Laune am Leser aus, weil er sich über einen "Club 2" aus dem Jahre 78 geärgert hat, in dem Dutschke neben Cohn-Bendit auf der Couch saß. Ausgerechnet Theodor W. Adorno muss mit Zitaten herhalten, um Roths Zorn auf Dutschke und ein paar stumpfe Phrasen zu unterstützen. Es geht 2 : 0 aus für Adorno. Warum son humorloses Genörgel - im Fall Jürgen Roth wäre wohl das Adjektiv "bierernst" treffender - auf der Wahrheitseite steht, weiß wohl der zuständige Redakteur.
Zitat
"Wir mögen heute in Europa skeptisch geworden sein gegenüber den Schlagworten von Freiheit, Verantwortung, gleichem Recht für alle und dergleichen mehr. Aber es genügt, die dumpfe Knechtschaft von nahem gesehen zu haben, die aus Gottes Geschöpfen freudlose, angsterfüllte Wesen macht - und man wird die Entmutigung abschütteln wie einen bösen Traum und wieder der Vernunft das Wort reden, die uns auffordert, an die schlichten Ziele eines menschenwürdigen Daseins zu glauben und sich dafür einzusetzen." Annemarie Schwarzenbach
Gerade bekommt sie viel Beachtung, die Schweizer Fabrikantentochter Annemarie Schwarzenbach, weil ihr 100. Geburtstag gewesen wäre. Gestorben ist sie 1942, da war sie 34 Jahre alt. Christina Puschak schmückt die Reiseseiten mit einem lesenswerten Essay, in dem nicht - wie so oft - die Frage nach der sexuellen Orientierung im Mittelpunkt steht, sondern die außergewöhnliche Persönlichkeit, die brillante Journalistin und Schriftstellerin, die mutige Reisepionierin. In Berlin zeigt das Literaturhaus eine Ausstellung bis zum 3. August.
Menschenverachtend ist nicht links
Keine Ahnung, wer auf "flimmern und rauschen" mit FRA unterzeichnet, ich vermute mal Arno Frank. Diese nassforsche Schreibe ist manchmal schwer erträglich, manchmal unausstehlich. In der Besprechung des Albums "Electrocore" von einem Alexander Marcus schreibt FRA über den Sänger: "Es handelt sich um exakt das gleiche sardonische Lächeln, mit dem man im antiken Sardinien die Alten totgeschlagen hat - und mit dem noch heute beim 'Frühlingsfest der Volksmusik' oder im 'Musikantenstadl' den sogenannten Senioren akustische Sterbehilfe gewährt wird. Wer so lächelt, der lügt. Nun ist der 'volkstümliche Schlager' ein Produkt, dessen Attraktivität streng auf die Zielgruppe der Debilen und Dementen beschränkt bleibt." Das ist nicht cool, das ist eiskalt - zynisch und menschenverachtend.
Weltfriedenswanderer
Ein ganz wunderbares Interview hat Miriam Janke mit Stefan Horvath geführt, einem Österreicher, der seit fast 20 Jahren als Friedenswanderer durch die Welt reist. Janke hat ein gutes Gespür für diesen Menschen, nimmt ihn ernst, stellt die richtigen Fragen. Horvath sieht seine Wanderungen als "Job", als "Berufung". Auf die Frage nach seinem Lebensstil antwortet er: "Ich gehe zu den Menschen hin und bin einfach glücklich, wenn die lachen können und ich auch. Wenn ich dann nur trostlose Jammerei höre, hab ich keinen Bock." Weltfrieden wird nie möglich sein, was ist dann ihr Ziel? "Ich sehe ja die Realität. Das Ziel ist, den Menschen aufzumuntern. Irgendwann einmal, wenn's zu spät ist, werden sie draufkommen: Ah, der hat Recht. Ich wünsch den Menschen alles Gute, dass sie wieder wie bei der WM 2006 sind. Dass sie wieder ehrlich, offen sind die Deutschen. Da haben sie wirklich einmal gezeigt, dass es auch so gehen kann. Feiern, 'komm, da hast Geld, trink ein Bier, find' ich toll, dass du für Toleranz und gegen Rassismus unterwegs bist!'. War super. Das waren drei Monate, da habe ich immer Interviews gehabt."
Weltpopmusik
Also, Celine Dion ist einfach die Größte. Das hätte ich nicht gedacht. Aber Heinrich Dubel hat mich überzeugt. Nach einem Konzert in der Berliner Waldbühne schreibt er in seiner Kritik: "Sie hat mehr Alben verkauft als Madonna." Das beeindruckt mich schon mal. Aber Dubel weiß, wie man den Leser vollends überzeugt. Subtil steigert er die Begründungen, weshalb die kanadische Sängerin unvergleichlich ist, um dann mit einem Argument zu enden, gegen das kein Widerspruch mehr taugt. Aber lesen sie selbst: "Drei Jahre lang trat sie vier mal die Woche in Las Vegas auf." Issjadoll! "Sie hat neben etlichen Branchenpreisen den Respekt des US-Musikestablishments gewonnen, von Phil Spector, Rick Rubin, Timbaland oder Prince." Donnerwetter. "In Ghana spielen die Autoradios der Taxifahrer Celine Dion als Musik eines permanenten Valentinstages." Nicht zu fassen! "Als der kanadische Kulturminister 1998 China besuchte, verlangte die chinesische Regierung offiziell eine Chinatour mit Celine Dion." Offiziell, ja da legsti nieder. "In Jamaica avancierte ihre Musik voll aufgedreht zur 'Soundtapete in üblen Nachbarschaften'". Gibt's doch nicht! "Und ein irakischer Künstler sagte einer amerikanischen Tageszeitung: 'Alle lieben Celine Dion. Sie sehen in ihr den Gipfel der Traurigkeit.'" Ein irakischer Künstler. Einer amerikanischen Tageszeitung. Echt Wahnsinn. Aber Heinrich Dubel holt gerade zum entscheidenden Schlag aus - er gibt mir den Rest: "Übrigens: Am 22. Mai 2008 wurde Celine Dion vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zur Ritterin des Ordens der Ehrenlegion ernannt." Jetzt sag ich nix mehr. "Führer"-schein!
Leser Steffen Barthelmäs aus Schrozberg bringt die Leserbriefe zu "Onkel Baracks Hütte" auf den Punkt und weiß Abhilfe: "Vermutlich fahren einige Redakteure, die im Besitz einer als 'Führerschein' bezeichneten Fahrerlaubnis sind, sogar 'Volkswagen', nennen Schaumzuckerküsse vielleicht 'Mohrenkopf'. Nein, das hat Barack Obama wirklich nicht verdient! Kämpft dagegen an und lest Bild!"
Apropos Barack Obama
Nachdem das Oberste Gericht der USA die Rechtlosigkeit der Gefangenen in Guantanamo für verfassungswidrig erklärt hat, erklärte Dschordsch Dabbeljuh, er nehme den Richterspruch zur Kenntnis, aber "das bedeutet nicht, dass ich dem Urteil zustimme." Auch Kandidat John McCain meckerte herum: "Diese Häftlinge sind feindliche Kämpfer, sie sind nicht amerikanische Bürger." Demnach gelten Menschenrechte nur für US-Bürger? Barack Obama sagte: "Das Urteil ist ein wichtiger Schritt, um die Glaubwürdigkeit der USA als demokratischer Rechtsstaat wiederherzustellen." Ich nehme mal an, Obama muss sich demnächst vor Joseph McCarthys "Komitee für unamerikanische Umtriebe" verantworten.
Irland, zum Zweiten: taz vom Feinsten!
Die taz hat eine Anzahl sehr guter Korrespondenten, und Ralf Sotschek, der aus Dublin über Irland und die Nachbarinsel berichtet, gehört mit Sicherheit dazu. Der Kommentar, mit dem er den EU-Vertrag von Lissabon in seine Einzelteile zerpflückte, hat mir deutlich gemacht, dass meine gefühlsmäßige, auf Hörensagen beruhende Ablehnung mit guten Gründen belegt werden kann. Sein Seite-3-Artikel "Die Querulanten von der Insel" bringt jetzt den Hintergrund zur Sprache, weshalb die Iren dagegen gestimmt haben. Sotschek hat die Zahlen parat, das Wachstum seit der Jahrtausendwende, die Stagnation in den letzten zwei Jahren und: "In keinem Land Europas ist die Spanne zwischen den reichsten und den ärmsten 10 Prozent der Bevölkerung größer als in Irland. Nur die Politiker haben es bisher stets geschafft, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen, selbst während der mageren Jahre. Zahlreiche hochrangige Politiker sind in Bestechungsskandale und Steuerbetrügereien verwickelt." Nun, Irland stellt da keine Ausnahme dar, aber dass der EU-Vertrag gerade in den weniger wohlhabenden Gegenden abgelehnt wurde, zeigt wohl deutlich, dass es vor allem ein Nein zur politischen Klasse gewesen ist. Und da stehen die Deutschen den Iren in nichts nach - man muss sich nur die Wahlbeteiligungen in den letzten Jahren ansehen. Die Hälfte aller Staatsbürger glaubt nicht mehr daran, dass es irgendeinen Unterschied macht, ob sie die eine oder die andere Partei ankreuzen. Wer könnte es ihnen verdenken.
Der Berg der Wahrheiten
Und das taz mag? Ein langes Stück über den Monte Verita bei Ascona, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Zahl von Freigeistern und Lebensreformern angezogen hat, ein Magnet für Maler, Schriftsteller, Anarchisten, Aussteiger, Zivilisationsmüde und vielerlei Weltverbesserer. Jan Feddersen hat vor Ort sorgfältig recherchiert und gewohnt gut geschrieben. Das macht er ja meistens, kommt aber, nachdem er seine Fundsachen allgemeinverständlich dargestellt hat, häufig zu reichlich abstrusen Schlussfolgerungen. Na ja, ich seh die Dinge meist ganz anders als Feddersen - aber wenn er das sooo sieht ... Wahrheit gibt's nicht in der Einzahl, auch nicht am Berg der Wahrheit.
Klassefotos: tvF! Unbedingt erwähnen möchte ich die grandiosen Fotos des 1957 in Bern geborenen Michael von Graffenried, die sich durchs ganze taz mag ziehen. Ein Schweizer fotografiert sein Heimatland - tolle Auswahl, große Klasse! Wer auch immer diese Großformatfotos ins Blatt gebracht hat: Hut ab - tvF- taz vom Feinsten!
17. Juni 2008
Tag der deutschen Einheit
Sie erinnern sich, heute wäre eigentlich Feiertag, wenn nicht alles ganz anders gekommen wäre. Aber es kam so, und deshalb ist heute ein ganz normaler Werkltag, und ich wünsche allen Nostalgikern frohes Schaffen.
Fuuuußballlll
Acht Seiten Berichte über die Europameisterschaft, es darf nicht wahr sein! Da ham die Redakteure ganz schön geschuftet, und bei genauer Prüfung stelle ich fest, die acht Seiten sind schon berechtigt - da sind feine Sachen dabei. Das gefälschte Tom-Kummer-Interview mit Michael Ballack entlarvt sich allerdings ganz schnell: Viel zu hochgestochen, so redet der nicht. Ein ganz wunderbares Kleinod steht zwischen vielen langen Beiträgen: Julian Müller-Meiningens Bericht vom Fußballgucken in der rumänischen Barackensiedlung in Rom. Das ist einfach schön, und es fängt so an: "Wer bei Giorgio an die Pforte klopft, dem wird nicht per Gegensprechanlage geantwortet. Ein Esel schreit, zwei Hunde bellen, drei Hühner gackern und ein paar der 15 Ponys am Fluss grüßen mit einem Wiehern." Und dann beschreibt er die Besonderheiten, wenn Rumänen in Rom das Spiel Italien - Rumänien im Fernsehen gucken. Giorgio erzählt, dass seine Söhne in Trikots des italienischen Fußballstars Francesco Totti herumlaufen: "Damit sie wie die Kinder der Römer aussehen und ihnen nichts passiert."
Volkes Stimme
Online-taz-Leser Carlo Goetz sei hier zitiert, denn es freut sich der Mensch, wenn er sagen kann: Ganz meine Meinung. Zur Ablehnung des EU-Vertrags schreibt Goetz: "Herzlichen und tiefsten Dank an alle Iren, die mit Nein gestimmt haben. Resultat der Volksabstimmung: Ein militaristisches, undemokratisches und unsoziales Europa wurde verhindert." Ein paar Seiten weiter vorn trägt Daniela Weingärtner, die taz-Frau in Brüssel, ihre Bedenken vor und zählt auf, was mit dem EU-Vertrag alles besser geworden wäre. Aber ihre Vergleiche beziehen sich lediglich auf die vorher üblichen Prozeduren. Das nennt man wohl Betriebsblindheit, rein systemimmanente Kritik. Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Franzosen, die Niederländer und die Iren die Verfassung und den Vertrag abgelehnt haben, weil sie der politischen Elite zutiefst misstrauen und diese Art von Europa auf gar keinen Fall unterstützen wollen: Es ist immer noch das Europa der Konzerne und der jetzt herrschenden politischen Klasse. Daran ändern ein paar kosmetische Korrekturen und die Umbenennung der "Verfassung" in "Vertrag" gar nichts.
Mehr Impressum!
Das viel zu sparsame Impressum der taz hab ich ja schon mehrmals kritisiert. Ich will als Leser wissen, wer für die einzelnen Ressorts zuständig ist, welche Redakteure dort arbeiten, und welcher Korrespondent von woher schreibt. So berichtet in dieser Ausgabe ein Mauritius Much vom SPD-Parteitag aus München. Der Name klingt sehr nach Pseudonym. Versteckt sich der Auslandskorspondent für Bayern dahinter, der sonst immer Max Hägler heißt? Auch nachdem ich den Artikel über den Sturm auf das Gefängnis in Kandahar und den Kommentar dazu gelesen hatte, blieben Fragen. Beides waren feine Stücke in bester taz-Manier, und ich dachte: Wer zum Teufel ist Thomas Ruttig? Neuer taz-Mann in Kabul? Experte für die genaue Beschreibung geglückter Gefangenenbefreiung? Rätsel über Rätsel. Warum erfährt der Leser nicht, wenn Korrespondenten wechseln? Ruttig stellt die richtigen Fragen: "Wie kann es sein, dass unsägliche Zustände in Kandahar sowie in anderen Gefängnissen, Folter und mangelnder Zugang zu Verteidigern so lange unbemerkt bleiben, bis die Gefangenen meutern? Was treiben eigentlich die ausländischen Mentoren und Berater?" In dem Gefängnis wurden Häftlinge ähnlich gefoltert wie in dem berüchtigten Abu Ghraib in Bagdad - nur ging in diesem Fall kein Aufschrei durch die westlichen Medien. Wenn jetzt die Taliban mit zwei Tonnen Sprengstoff die Mauer zerstören und nach kurzem Kampf 800 Gefangene befreien, dürfen sie sich des Beifalls vieler Afghanen sicher sein.
Leserin
Noch ein Brief zu dem Kommentar von Hilal Sezgin über den alltäglichen Sexismus in den Medien, der mich letzte Woche so genervt hat. Ich hatte geschrieben, dass ich als Mann wohl schwerlich etwas anderes haben könnte als den männlichen Blick, den Sezgin gern abschaffen würde. Monika Klaiber aus Weilheim spricht mir aus dem Herzen: "Ich bin der Meinung, dass es generell gut wäre, die männliche und die weibliche Intelligenz gleichermaßen zur Kenntnis zu nehmen, gerade in dieser Zeit, die so viele Probleme aufwirft."
Fußballkater
Schluss für heute, nachdem ich leicht beschädigt bin nach dem öden Spiel der deutschen Elf gegen die Austriaken. Ich hab wohl beim Gucken mit Pedro und Daniela den Kummer über die beiden Gurkenmannschaften in zu viel Weißbier ertränkt. Da kann man nur hoffen, dass es Donnerstag zu Ende geht, das Rumgegurke. Hoffentlich erbarmen sich die Portugiesen und schicken den DFB nach Hause schicken. Iss doch wahr!
18. Juni 2008
In eigener Sache: Beschwerde gegen die taz beim Deutschen Presserat
Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat meine Beschwerde gegen die Berichterstattung der taz vom 23. April 2008 „einstimmig für unbegründet erklärt“. Es ging um ein ganzseitiges Foto auf Seite 1, auf dem der „Präsident der ruandischen Hutu-Milizen, Ignace Murwanashyaka, der in Deutschland lebt“ (Zitat Presserat) zu sehen war, dazu die Schlagzeile „Deutschland duldet Terrorchef“. Weiter legte ich Beschwerde ein gegen zwei Artikel über Murwanashyaka im Zusammenhang mit dem Besuch des ruandischen Präsidenten Paul Kagame von Dominic Johnson, auf Seite 3 derselben Ausgabe. Zitat Presserat zu meiner Beschwerde: „Die Berichterstattung verletze den Dargestellten in seiner Ehre. Darüber hinaus fallen nach Meinung des Beschwerdeführers beide Artikel unter den Begriff Sensationsberichterstattung und bedienen sich einer unangemessenen Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid.“ Der Presserat stellte fest: „Das großformatige Foto ist nicht zu beanstanden, die Auswahl liegt im Ermessen der Redaktion.“ Auf den Inhalt der Schlagzeile ging der Presserat nicht ein. Der Anwalt der taz nahm Stellung und behauptete, „es handele sich bei dem Beitrag (von Dominic Johnson) vielmehr um ein Musterbeispiel ausgewogener Berichterstattung.“ Hier die abschließende Stellungnahme des Presserats: „Der Beschwerdeausschuss ist der Auffassung, dass die TAZ mit der Berichterstattung 'Der Fall Ignace M.' vom 23. 04. 2008 nicht gegen presseethische Grundsätze verstoßen hat. (...) Ignace Murwanashyaka wird von der Redaktion nicht als Täter bezeichnet, sondern in der betreffenden Passage wird von einem ‚Umfeld der Täter des Völkermords von 1994’ gesprochen. Im weiteren Verlauf des Textes beruft sich die Zeitung als Quelle auf Recherchen von Menschenrechtsorganisationen. Andere falsche Tatsachenbehauptungen, die der Beschwerdeführer der Zeitung vorwirft, sind nach Meinung des Ausschusses nicht aufklärbar. Hier steht Aussage gegen Aussage. Der Ausschuss ist ferner der Ansicht, dass die TAZ sicherlich eine gewisse Tendenz in ihrer Berichterstattung hat. Doch die Grenze der Meinungsfreiheit wird nicht überschritten. Ignace Murwanashyaka kommt in dem Beitrag selbst zu Wort und erhält ausreichend Gelegenheit, sich z. B. zum Strafverfahren der Bundesanwaltschaft zu äußern. C. Ergebnis Insgesamt liegt damit kein Verstoß gegen die Publizistischen Grundsätze des Deutschen Presserats vor, so dass der Beschwerdeausschuss die Beschwerde einstimmig für unbegründet erklärt.“
Stellungnahme:
Wer sich für die Begründungen meiner Beschwerde interessiert, findet sie in „Achtung: tazblog!“ vom 23., 24. und 25. April hier unter „Blog + Leseproben“. Auch nach der Ablehnung der Beschwerde sehe ich keinen Grund, die Kritik an Dominic Johnsons Bericht zurückzunehmen. Ein paar Fragen bleiben meiner Ansicht nach offen: „Ignace Murwanashyaka wird von der Redaktion nicht als Täter bezeichnet, sondern in der betreffenden Passage wird von einem ‚Umfeld der Täter des Völkermords von 1994’ gesprochen.“ Das halte ich für einen Trick. Indem der Presserat ausdrücklich feststellte, dass er nur die Beschwerde gegen die Seite drei behandelt, kann er darüber hinwegsehen, dass auf Seite eins der Beschuldigte in der Hauptschlagzeile als Terrorchef bezeichnet wird („Deutschland duldet Terrorchef“). Damit wird er nach meiner Meinung ausdrücklich als Täter bezeichnet – was sonst könnte mit „Terrorchef“ gemeint sein? Doch der Presserat teilte mir mit: „Der Beitrag ‚Deutschland duldet Terrorchef’ wurde in der Vorprüfung als offensichtlich unbegründet beurteilt.“ (Gemeint ist wohl: Die Beschwerde gegen den Beitrag, nicht der Beitrag selbst.) Die Formulierung des Presserats, es stünde „Aussage gegen Aussage“ bezieht sich vermutlich auf die Anschuldigungen, dass ein französisches Gericht den Präsidenten von Ruanda, Paul Kagame, als Auslöser des Völkermords bezeichnet und ihn beschuldigt hat, den Auftrag für den Anschlag auf ein Flugzeug gegeben zu haben. Beim Absturz kam der damalige Präsident ums Leben. „Der Ausschuss ist ferner der Ansicht, dass die TAZ sicherlich eine gewisse Tendenz in ihrer Berichterstattung hat.“ Das ist genau das, was ich seit zwei Monaten hier oben im Vorspann zu den täglichen Einträgen behaupte. Und es bleibt eine Frage unbeantwortet, doch dafür ist der Presserat wirklich nicht zuständig: Weshalb wird der Präsident von Ruanda ausgerechnet vom Verteidigungsminister Franz Josef Jung empfangen?
Kommentar
Lieber Herr Pfitzinger, lassen Sie sich nicht beirren: Ihre Beschwerde war sehr gut begründet, und ich kann die Antwort des Presserats überhaupt nicht nachvollziehen. Die Brandmarkung als "Terrorchef" auf Seite eins der taz war mehr als nur eine Geschmacksverirrung - machen Sie weiter so! Gruss - Ihr Hans Chr. Buch (Schriftsteller, Reporter, Essayist. Seinen offenen Brief an Bundespräsident Horst Köhler, der den Präidenten von Ruanda, Paul Kagame, in Berlin empfing, finden Sie hier!)
Österreich – ein Witz
Hier noch ein Nachtrag zum unterirdischen Fußballkick in Wien: Wo verläuft die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn? Irgendwo in der Nähe von Kufstein.
Hilft nix
Mein Boykott der Wahrheitseite am Dienstag wird fortgesetzt. Ein Vorschlag: Vielleicht sollte man einfach die Fotos von Carla Dingsbums, äääh, Bruni noch größer abdrucken, und, bitte, ihren Ehemann rausretuschieren. Ich kann dieses Gesicht nicht mehr sehen. Und das schlecht gelaunte Rumgenöle von Jürgen Roth brauch ich auch nicht alle paar Tage, noch dazu bei diesem Wetter, iss ja deprimierend der Kerl.
Nicht von Audi
Daniel Barenboim dirigiert in seiner Heimatstadt Buenos Aires, und Niklaus Hablützel ist sein Prophet. Das liest sich flott, man erfährt auch Außermusikalisches, und bei der Musik ist er ja eh fit, der Mann kennt sich aus mit der Klassik und der Moderne. Und ein bisschen Politik kommt auch mit rein, weil der Umbau einer großen Halle nicht weitergeht, und Barenboim für seine Aktivitäten in Israel und Palästina ja wirklich nicht oft genug gelobt werden kann. Ganz toll, wenn Hablützel über Anton Bruckners neunte Symphonie schreibt: „Barenboim dirigiert, als gehe es darum, Felsbrocken und Baumstämme aufeinanderzutürmen. Doch im Hintergrund klingt Schönberg mit. Denn auch Bruckner hat Anteil an dieser Kunst, etwa so, wie bei Plato die Dinge teilhaben an ihrer Idee. Der schlechte Saal stört nun schon, weil Bruckner sich nur schwer schnaufend mit riesigen Klangmassen daran heranarbeiten konnte.“ Verstehe ich das? Nö, aber es klingelt ganz hübsch. So wie schon die Überschrift: „Zu Hause in der Idee der Musik“. Und der Sponsor der Reise, ein bekannter Automobilhersteller aus Bayern (nicht Audi) wird auch zwei Mal diskret erwähnt. Ist doch nett, was die alles für die riesigen Klangmassen des schnaufenden Bruckner tun.
68 ohne Ende: Jetzt auch noch die Kinder
Da schreibt eine angehende Akademikerin, Nina Pauer, Kind von Akademikern aus der Generation 68, wie sie sich Mitte zwanzig fühlt, und ich hab’s mit großem Interesse gelesen. Sie nennt es einen „Zwischenruf“, arbeitet sich am Mythos ab, und bedauert, keinen Grund zur Rebellion zu finden. Nachdem ich das gelesen hatte, überkam mich eine tiefdunkelblaue Melancholie. Pauer beschränkt sich auf das Verhältnis zu ihren Eltern, und dass sie gegen die nicht rebellieren will, ist schon einzusehen. Mir scheint, das Problem liegt wo anders: Sie blickt nicht über die Familie hinaus, keiner hat ihr erzählt, dass sich die Verhältnisse keineswegs verbessert haben, außer für sie und ihresgleichen. Dass es jenseits von Akademikerhaushalten heute wesentlich übler zugeht als vor 40 Jahren, kriegt sie gar nicht mit. Sie glaubt offenbar, nicht betroffen zu sein. Ob sie jemals von Menschen gehört hat, die trotz Vollzeitjob in Armut leben? Und sich Gedanken darüber macht, dass das politisch so gewollt und nicht unabwendbares Naturereignis war? Gründe zur Rebellion gibt’s genug, und wer 68 allein als Revolte gegen die Eltern und ganz klein in weiter Ferne sieht, sollte das Fernglas mal umdrehen und scharf stellen.
Rente mit 67
Die Verlogenheit der politischen Klasse prangert Barbara Dribbusch in ihrem Kommentar zur Diskussion über die „Altersteilzeit“ an. Sie zitiert Michael Glos, den Wirtschaftsminister, Sprachrohr der Arbeitgeberverbände, mit den Worten: „Wir brauchen ältere, qualifizierte Mitarbeiter in den Unternehmen und nicht in der Frühpensionierung.“ Dribbusch fügt hinzu: „Ältere auf Jobsuche werden angesichts solcher Äußerungen nur bitter lächeln können. Heute ist nur ein Drittel aller 62-jährigen berufstätig – da sind Selbständige, Mini- und Teilzeitjobber schon eingerechnet.“ Wie ich neulich schon mal angemerkt habe: Ich verstehe schon, dass Glos die Interessen derer vertritt, die ihre Rekordprofite mit niemandem mehr teilen wollen und ihre Angestellten lieber dem Staat zur Versorgung überlassen. Aber ich verstehe einfach nicht, warum er das macht.
19. Juni 2008
Die taz ist tendenziös, grün und sozial
Die Ausgabe vom 17. Juni kam hier im tazblog etwas zu kurz, weil der Presserat und die fragwürdige Ablehnung meiner Beschwerde dazwischenkamen. Aber ich kann jedem Leser dieser Zeilen nur raten, sich noch einmal (oder zum ersten Mal) die Einträge vom 23. 4. 2008 und den folgenden Tagen anzuschauen – der Presserat wird den Teufel tun und sich in die Rüstungsgeschäfte der deutschen Regierung und die Politik des BDI einmischen. Insofern ist es ein Lehrstück im Kapitel „Die herrschende Presse ist die Presse der Herrschenden“. Ja. Noch etwas loben wollte ich die taz von vorgestern, zwei wichtige grüne Themen – Umstellung der Autos auf Flüssiggas ist machbar, kostet aber so viel, dass es sich erst nach mehr als 30.000 Kilometern rechnet. Aber: Flüssiggas verpestet die Natur viel weniger als Benzin und kostet nur die Hälfte. Und dass es keine Tankstellen mit Flüssiggas gibt, stimmt nicht mehr: Sie haben „sich seit Ende 2005 auf 3.853 vervierfacht“, schreibt Tarik Ahmia, also in zweieinhalb Jahren. Seite eins weist auf das neue Konzept der EU hin, das jetzt auch in Kraft treten wird: Lieber Müllverbrennung als Müllvermeidung und Wiederverwertung. Beate Willms tippt sich die Finger wund, und es bringt – nichts. Stefan Reinecke versucht, die Sache mit dem Kindergeld und dem Steuerfreibetrag zu erklären, und auch wenn man sich an den Kopf fasst: Es läuft darauf hinaus, dass Besserverdiener vom Staat mehr Geld bekommen, wenn sie Kinder in die Welt setzen, als die ärmeren Leute, die das Geld dringend brauchen. Das ist so gewollt und entspricht laut Verfassungsgericht von 1998 dem Gleichheitsgrundsatz. Absurd? Ja, aber rechtens.
zur taz vom 18. Juni:
Ode an Tilda Swinton
Die besten Filmkritiken in der taz schreibt Dietrich Kuhlbrodt. Sie wissen ja, solche Aussagen sind immer strikt subjektiv, aber wenn ich etwas überlege, bleibt der Satz so stehen. Ich schätze Cristina Nord, auch Barbara Schweizerhof ist meist in Ordnung, neulich gab’s die feine Besprechung des Films „RR“ von Tobias Rapp, aber Dietrich Kuhlbrodt lese ich am liebsten. Und bei seiner Kritik von „Julia“, die zu einer Ode an die Hauptdarstellerin Tilda Swinton gerät, habe ich den Eindruck, da hat ein ganz außergewöhnlicher Film den taz-Autor gefunden, der ihn geistig erfassen kann. Von dem Regisseur Erick Zonka habe ich noch nie etwas gehört oder gesehen, aber mir scheint da ein Radikaler am Werk zu sein. Laut Kuhlbrodt verstößt er gegen alle Erwartungen: „Wir sind jetzt in einem anderen Film, die Trinkersequenzen vom Anfang können wir vergessen. Eine Exposition war das nicht gewesen. Wohl aber ein Verstoß gegen die Regeln eines Genres (Psychodrama) und eines Drehbuchs sowieso (wieso, weshalb, warum). Und ein Thriller wird es auch nicht. Wird die Entführerin gefasst? Darf eine Frau den kleinen Jungen zur Brust nehmen, nackt im Bett? Darf sie, verfolgt von der Bundespolizei, mit dem Auto die Grenzmauer durchbrechen und sich in Mexiko, dem Land der Freiheit sicher fühlen? Darf sie das alles? Der Film hat uns abgewöhnt, überhaupt diese Fragen zu stellen. Es passiert, was passiert. Die Moral von der Geschicht’, die gibt es nicht.“ Das klingt, als wäre das ein Film ganz nach meinem Herzen, auch wenn er zweieinviertel Stunden dauert. Kuhlbrodt schließt mit dem Hinweis: „Ich bin ein Fan von Tilda Swinton.“
Das weiße Album
So hieß ein Essayband von Joan Didion, ein anderer hieß „Die Stunde der Bestie“. Daraus hat Antje Rávic Strubel ein Auswahl getroffen, neu übersetzt und unter dem Titel „Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben“ im Claasen Verlag herausgebracht. Hoffentlich findet das Buch viele Leser, denn Joan Didion schreibt zum Herzerweichen gut. Elisabeth Raether nimmt die deutsche Neuerscheinung zum Anlass, dem taz-Leser einen Eindruck von Joan Didions Einmaligkeit zu vermitteln, und da stehen ein paar richtig schöne Sätze drin. Zum Beispiel, dass Didion in den fünfziger Jahren, da war sie 20, bei der Vogue anfing, als „Modemagazine sich selbst noch ernst nahmen“. Und Raether beschreibt auch die Irritation der einen, die Faszination der anderen (Leute wie ich) angesichts der kompromisslosen Subjektivität von Joan Didion (wobei sie ja in der Tradition von Autoren wie Jack Kerouac und Hunter S. Thompson steht): „Für Didion ist jede Einsicht eine subjektive, deshalb unterlässt sie es, ihre Ansichten als ’objektive’ zu maskieren. Sie stellt sich selbst in den Mittelpunkt ihrer Texte, um das Perspektivische ihres Denkens, allen Denkens, sichtbar zu machen.“ Elisabeth Raether hat neulich, zusammen mit Jana Hensel, das Buch „Neue deutsche Mädchen“ veröffentlicht. Jemand, der so fachkundig über Joan Didion schreiben kann, wird den Mädels wahrscheinlich keinen Mist erzählen. Hier noch ein Zitat aus der Didion-Besprechung: „’Style is character’, hat Didion gesagt, denn für sie ist Ironie keine Form, die einen Inhalt vermittelt, sondern bereits die politische Idee: die liberale Idee im altmodischen Sinne, die mit der heutigen FDP wenig zu tun hat, die das ‚gute’ Amerika ausmacht, die eigenständiges Denken bedeutet, das Nebeneinander vieler Meinungen, die Verwirklichung eines echten Pluralismus, den eigentlich amerikanischen Traum.“ Cheers!
Zitat I
"Das ist widerlicher als alles was in Bild und Bunte steht. Die Arbeitsbedingungen sind eine Katastrophe, die Bezahlung auch. Das ist der permanente Selbstbetrug." Benjamin von Stuckrad-Barre über seinen ehemaligen Arbeitgeber, die taz
Grandios
Der einzige Mensch, der bei den Auseinandersetzungen zwischen Zeitungsverlegern und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über den, tief Luft holen, Rundfunkänderungsstaatsvertrag noch durchblickt, scheint Steffen Grimberg von der Medienseite der taz zu sein. Sein mit triefender Ironie übergossener „Spielbericht“ sticht aus dem ewigen Fachjargon zum Thema erfrischend heraus. Zur Erinnerung: Es geht ums Online-Geschäft, und ARD und ZDF sollen möglichst beschränkt werden bei ihren Internetnachrichten und beim Online-Fernsehen. Momentan steht es 3 : 3, weil Springer-Boss Mathias Döpfner von der Verlegermannschaft gerade ein Eigentor geschossen hat. Verlängerung dann im Herbst.
Zitat II
"Das ist der liberalste, beste Zeitschriftenverlag, für den ich je gearbeitet habe, mit den vernünftigsten, fleißigsten und variantenreichsten Chefs, die ich je kennengelernt habe." Benjamin von Stuckrad-Barre über seinen jetzigen Arbeitgeber, den Axel-Springer-Verlag Neoliberal – so läuft der Laden
Die ProSieben Sat.1 Media AG gehört den Investmenthäusern KKR und Permira. Und so geht’s dort zu: „Trotz Schuldenstand von 3,4 Milliarden Euro genehmigten sich die Inhaber-Investoren vergangene Woche kräftig erhöhte Dividenden – in Höhe von 270 Millionen Euro.“ Und wenn das Gras abgefressen ist, ziehen die Heuschrecken weiter.
Das Grauen
38 Prozent der deutschen Bevölkerung geben bei einer Allensbach-Umfage an, sie hätten „keine gute Meinung“ von der deutschen Wirtschaftsordnung. Diese "Unzufriedenen" haben „dabei übersehen, dass auch der soziale Bereich mehr leisten könnte, wenn er marktwirtschaftlich organisiert würde.“ Nils aus dem Moore, „Wirtschaftsforscher beim RWI“, auf der Meinungsseite des überregionalen Blattes die tageszeitung
Al Gore für Barack Obama
Ob’s was nützt? Vielleicht schenkt Gore ihm eine Boeing mit Hybrid-Antrieb, damit Obama bei seinen Wahlkampfreisen die Polkappen nicht zum Schmelzen bringt. Was, Sie haben noch nie von Flugzeugen mit Hybrid-Antrieb gehört? Funktioniert ganz einfach: Während des Jet-Antriebs dreht sich ein Windrad mit und lädt eine Batterie auf, die dann automatisch den Strom für den Antrieb liefert. Wenn die Batterie leer ist, schalten sich die Triebwerke wieder ein. Der Verbrauch von Flugbenzin kann auf diese Weise um 40 Prozent gesenkt werden. (Quelle: Populäre Mechanik, Oktoberheft 1954)
Deckel auf den Topf
In bewährter Manier schlagen sie bei der Demo wieder mit den Deckeln auf die Töpfe in Buenos Aires – und die Bildredaktion hat das tollste Reuters-Foto ausgewählt, auf dem ein Mann mit Schiebermütze und verknotetem Halstuch vor dem Obelisken, dem Wahrzeichen der Stadt, einen Topf hoch über den Kopf hält und einen Deckel auf die Öffnung schlägt. Der Fotograf hat in dem Moment auf den Auslöser gedrückt, als zwischen Topf und Deckel noch der nächtlich beleuchtete weiße Obelisk zu sehen ist.
So it goes
Olaf Scholz, Arbeitsminister, SPD, schlägt vor, den Mindestlohn an dem Tarifvertrag auszurichten, der am meisten Beschäftigte und Gewerkschaftsmitglieder umfasst. Er würde alle Verträge verdrängen, die niedrigere Löhne vorsehen. Verträge mit höheren Löhnen blieben in Kraft. Michael Glos, Wirtschaftsminister, CSU, Freund aller Profitgeier, fällt dazu sehr vorhersehbar ein: „Wir Politiker müssen uns aus der Tarifpolitik heraushalten, das ist Sache der Arbeitgeber und Gewerkschaften.“ Glos will bei konkurrierenden Verträgen nur den niedrigsten Mindestlohn dulden, also die Tarifverträge, die Arbeitgeber mit von ihnen gegründeten und bezahlten so genannten „christlichen“ Gewerkschaften ausgehandelt haben. Man könnte meinen, es gäbe tatsächlich ein geschriebenes Gesetz, dass der Wirtschaftsminister immer die Politik der Unternehmer durchzusetzen hat. Irrtum - es ist ein ungeschriebenes.
Die taz mal wieder!
Kaum steht auf der Titelseite „Schweden, Land ohne Geheimnisse“, kaum schreibt Reinhard Wolf, taz-Mann in Stockholm gegen das neue Telefon- und Internet-Überwachungsgesetz – schon wird die Abstimmung im Parlament verschoben und das Gesetz noch mal überarbeitet. So geschehen, gestern in Stockholm. Da sage noch einer, die Presse wäre machtlos! Heh, die taz beeinflusst sogar die Politik in Schweden! Und der Fußballgott lässt die Blaugelben prompt am Abend von den Russen rausschmeißen – es gibt doch noch Gerechtigkeit im Fußball. Wenn jetzt die Portugiesen auch noch diese DFB-Elf zurück über die Grenze schicken, widme ich ihm – dem Fußballgott – ein Extra-Weißbier.
20. Juni 2008
Keine Nörgeleien mehr
Alles wird gut: Wenn die DFB-Auswahl so spielt wie gestern Abend, darf sie meinetwegen sogar Europameister werden. War ganz schön was los auf den Straßen der Münchner Innenstadt kurz nach halb elf - Böller wie an Neujahr! Die portugiesische Fußballlegende Eusebio gestern vor dem Spiel Deutschland - Portugal im taz-Interview: "Bitte vergessen Sie die deutsche Mannschaft nicht. Die ist immer da, wenn sie gefordert wird. Eine Turniermannschaft. Vielleicht können Sie das nicht mehr hören, aber so ist es."
Ronaldo
Die taz zitiert Die Welt zum Thema Cristiano Ronaldo: "Wenn er Fußball spielt, halten die Männer vor Begeisterung den Atem an. Wenn er damit fertig ist und sein Trikot auszieht, tun es die Frauen." Ihr Trikot ausziehen?
Ich mag das Wort Gender nicht mehr lesen
Auf tazzwei berichtet Sonja Vogel über "Gender-Theoretikerinnen", die sich in die "aktuelle Debatte" über "Post-, Neo- oder Alphamädchenfeminismus" einschalten. Ich flehe Sie an, Frau Vogel, bitte benützen Sie dieses unseligerweise eingedeutschte Fremdwort nicht mehr. Was ist denn gegen das deutsche Wort "Geschlecht" einzuwenden? Oder wollen Sie nicht verstanden werden? Die Bildredaktion trägt dazu ein Bild von Jenny Elvers-Elbertzhagen (ich vermute, die heißt wirklich so)und Alice Schwarzer bei, auf dem letztere ihr Gesicht in eine üble Grimasse verzerrt. Da hat sich eine boshafte Fotoredakteurin (so boshaft kann nur eine Frau sein, harr-harr) bestimmt vor Vergnügen die Hände gerieben, als sie das Bild ins Blatt gestellt hat.
Trauerspiel: Hoher ÜQ*
Da findet einer im Internet eine Seite, wo Muslime als "Muselmane" bezeichnet werden, Minarette als "Plärrtürme" und der Islam als "Todesideologie". Eine halbe Druckseite gibt Cigdem Akyol seiner Überzeugung Ausdruck, das sei strafbar und der Verfassungsschutz müsse eingreifen. Und berichtet über einen früheren FAZ-Redakteur - der Name kommt mir nicht in dieses Blog -, der auch gegen den Islam hetzt, ein blödes Buch schrieb "und immer weniger Zuhörer hatte". Na, das ist doch fein so, also lassen Sie's gut sein, Herr Akyol. Das bisschen Islam-Geschimpfe muss man wohl aushalten, wenn einem die Meinungsfreiheit was wert ist. Dass die Redaktion den Titel "Die Meinungsterroristen" gewählt hat, wundert nicht: "Terror" in allen Zusammensetzungen (z. B. "Terrorchef") erfreut sich in der taz großer Beliebtheit. Fast so, wie bei Bush und Schäuble.
*Überflüssigkeitsquotient
Blindflug
Ein Politikwissenschaftler, Lothar Probst, gibt der SPD in staatsmännischer Betriebsblindheit gute Ratschläge, "Wie der Sinkflug zu stoppen ist": Mit einer rot-gelb-grünen Koalitionsaussage vor den Bundestagswahlen im nächsten Jahr. Da lachen doch die Hühner: Weshalb sollte man eine von diesen Parteien wählen, wenn sie in ihren Programm eh nicht mehr zu unterscheiden sind?
Frieden und Hamas
Ein ärgerlicher Kommentar von Susanne Knaul, der taz-Frau in Israel. Blind auf dem Israel-Auge, nölt sie jetzt rum, das wäre der falsche Zeitpunkt für ein Friedensangebot, weil die Hamas in letzter Zeit immer noch Raketen auf Israel geschossen habe. Also hätte man sie zur Strafe weiter auf Friedensentzug setzen und bei der staatlich befohlenen Hinrichtung von Hamas-Kämpfern unbeteiligte Frauen und Kinder mit umbringen sollen? Liebe Frau Knaul! Jedes Friedensabkommen ist zu jeder Zeit besser als eine Fortsetzung des Krieges. Knaul berichtet mit aller politischen Korrektheit. Gelegentlich nimmt sie schon mal die palästinensische Sicht der Dinge wahr, zugegeben. Aber weniger pro-israelisch geht wahrscheinlich nicht im Meinungskartell.
Kleine Demo-Kunde
Sehr verbreitenswert finde ich die folgende Nachricht von taz-Korrespondent Gerhard Dilger aus Porto Allegre. Weil man sich in Südperu nicht über die Verteilung der Gewinne aus der Kupferförderung einigen konnte, hatten Demonstranten tagelang die Panamericana blockiert. Montag kamen 60 Polizisten an, um die Blockade zu beenden. Das ist ihnen nicht gelungen, stattdessen wurden sie von den Demonstranten festgesetzt und in die Kathedrale von Moquegua gebracht. Darauf hin hat die Regierung Gespräche über eine Lösung des Konflikts angeboten, und die Polizisten wurden am nächsten Tag wieder freigelassen. Es gab keine Verletzten bei der Aktion. Vorbildlich!
Autounser oder: Das heilige Rasen
Ralph Bollmann über die Lippenbekenntnisse der CDU in punkto "Umweltschutz": Das Parteipapier heißt "Bewahrung der Schöpfung". Und da steht mal wieder das Glaubensbekenntnis zur Autoindustrie drin: "Die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen lehnen die Christdemokraten aber weiterhin ab." Lasset uns beten: "Auto unser, das du kommst von Daimler ..." Am selben Tag verabschiedet das Bundeskabinett das "zweite Klimapaket". Nick Reimer auf Seite 3: "Gar nicht erst angegangen wurde der Luftverkehr: Hier soll es Brüssel richten. Und das deutsche Rasen bleibt geheiligt: Ein Tempolimit ist kein Thema."
Konzis heißt kurz, gedrängt
Heide Oestreich schreibt über Gesine Schwan, und da steht der Satz: "Die Sozialdemokraten dagegen haben bisher arge Mühe damit, ihre Reformvorhaben zur Rettung des Sozialen als konzises Projekt zu formulieren." Währenddessen macht die Präsidentschaftskandidatin fleißig Hausaufgaben: "Hartz IV muss ich mir nochmal genau angucken." Das kann ich der Kollegin Politikwissenschaftlerin nur empfehlen, wenn sie wissen will, weshalb ihre Partei so tief gesunken ist. Nette Information am Rande: Den Nato-Doppelbeschluss zur Stationierung von Raketen hielt sie 1977 für richtig. Schwan war Mitglied der "Grundwertekommission" der SPD. "1984 wird sie auf Betreiben von Peter Glotz abgewählt - ein einmaliger Vorgang. 1996 wird sie wieder in die Kommission aufgenommen." Hm. Wenn jemand von Peter Glotz gemobbt wird, hege ich gleich die Vermutung, die Frau kann nicht gaaanz schlecht. Meine Erfahrungen mit Peter Glotz finden Sie hier unter dem Link "Die Besetzung".
Uefa heißt jetzt Fifa
Man kann der Fifa schon einiges vorwerfen, aber dafür, dass Joachim "Jogi" Löw auf die Tribüne verbannt wurde, kann der internationale Fußballverband nichts, auch wenn das in der "verboten"-Kolumne auf Seite 1 behauptet wird. Da war die Uefa zuständig. gez. Adelbert Besserwissi
21. Juni 2008
Sommeranfang - der tazblogger nimmt sich heute hitzefrei!
Kurz nach zwei, strahlend blauer Himmel hinter üppig grünen Baumkronen, weiße Wattebauschwolken, eine leichte Brise, 25 Grad, und ich hab nicht die geringste Lust, das tazblog zu schreiben. Um halb zwölf war ich meine Litera-Tour-Runde laufen, immer den schattigen Hang entlang und dann die Opitzstraße lang, und unter den großen alten Bäumen isaraufwärts zurück - mei, ich hab's gut! Schweiß in Strömen, hat schon 22 Grad gehabt um zwölf. Dann hab ich noch n paar Liegestütze gemacht und Hanteln geschwungen, noch mehr Schweißströme. Zum Abkühlen hab ich dann Kartoffeln geschält und mir das berühmte Champignon-Gericht in der Pfanne gebrutzelt - Karotten, Paprika, braune Champs, drei Tofu-Scheiben, Salzkartoffeln angebraten, Ingwer, Knoblauch, Zwiebeln vergessen, Tomaten -, und den doppelten Espresso mit Milch, und wenn ich das hier fertig getippt und auf die Website gestellt habe, leg ich mich in die Badewanne. Danach werde ich nicht an den Schreibtisch zurückkehren, sondern die Wochenend-taz und "Kaff oder Mare Grisium" von Arno Schmidt in den Rucksack packen, mich per Fahrrad zum Tivoli Pavillon aufmachen und mal schauen, ob's wieder Gitarrenmusik gibt - mei, ich hab's gut!
Avancierteste Überflüssigkeit: Die Qualen der Kultur
Da knallte das ÜQ*-Meter wieder nach oben durch, aber an diesem schönen Sommertag werd ich trotzdem nichts weiter zu dem völlig überflüssigen Musikartikel von Uh-Young Kim auf der Kulturseite 12 sagen, nur dass "avancieren" nicht fortschreiten heißt, sondern befördern, und "das gegenwärtig avancierteste Genre" dann nicht das fortschrittlichste bedeutet, sondern das befördertste. Vielleicht meint er aber auch ganz was anderes. Nur so viel: "Tropical" heißt der neue Hype = Rummel um nichts. Dass Musiker aus allen Kulturen schöpfen und daraus was Neues machen, das gibt's seit die Münchner Band Embryo vor 40 Jahren verschiedene Musik aus Nord- und Südamerika, Asien und Afrika zu ihrer eigenen weiterentwickelte, und später hieß das dann Weltmusik, und Tropical ist halt ein neuer Name für uralte Praktiken. Der Bericht aus London ist viel Geklingel um gar nichts, gefühlte fünfzig Band- und Musikernamen, verbunden mit aussagefreien Hohlsätzen, und wenn ich schon "Gentrifizierung" lese, und der Begriff nicht erklärt wird, reicht's mir mal wieder mit der Hochnäsigkeit des taz-Feuilletons - auch wenn es sich "Kultur" nennt. Hier wird nach dem Motto verfahren: Kultur ist, wenn der Leser weiterblättert, weil er mit der entfremdeten Sprache nichts zu tun haben will. Recht hat er.
* Überflüssigkeitsquotient
Noch einer: Es lebe Irland!
Leser Emmo Frey aus Dachau hat's auch bemerkt. Ralf Sotschek (am 12. Juni) "beweist seine Extraklasse als taz-Korrespondent. In wunderbarer Klarheit zählt er alle Argumente auf, warum dem Vertrag nicht zuzustimmen ist. Seine Kolumne sollte an alle Haushalte in Deutschland, besser noch in der ganzen EU, verteilt werden." Ich vermute, Daniela Weingärtner sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, wenn sie die irische Ablehnung des EU-Vertrags kritisiert. Sie steckt schon viel zu lange in der Materie drin und kann über den Brüsseler Tellerrand nicht mehr hinausschauen. Von außen sieht das anders aus. Herr Frey erläutert es sehr schön. Einem Zitat von Karl Kraus - "Die schmutzige Zumutung der Macht an den Geist: Lüge für Wahrheit, Unrecht für Recht, Tollwut für Vernunft zu halten" - folgt die aktuelle Einschätzung: "Ich ergänze: den Lissabon-Vertrag für Fortschritt zu halten."
Waffenruhe à la Israel
Zwar auf Seite 2, aber nur in einer zweispaltigen Kurzmeldung mit einem Satz erwähnt: "Kurz nach dem offiziellen Beginn der Feuerpause schoss die israelische Marine vier Mörsergranaten auf die Küste von Gaza ab."
Schönen Samstag!
22. Juni 2008
Poetik - früh vergreist und hoch gestochen
"Leuchtende Momente" verheißt die Überschrift. Was für eine Dünkelhaftigkeit dieser Beitrag und dieses Projekt ausstrahlen! Schon die Begriffswahl: "Zehn junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller treffen sich in Hildesheim und erzählen sich ihre Poetiken" - meine Fresse, habt ihr's nicht ein bisschen kleiner? Begriffe ändern ihre Bedeutung, aber ursprünglich hatte man sich darauf geeinigt, dass Poetik die Lehre von der Dichtkunst bezeichnete. Sicher, die Dichtkunst selbst konnte Poetik auch sein. In diesem Sinne wird das wohl gemeint sein, wenn sich junge Schreiber "ihre Poetiken erzählen". Könnte es nicht sein, dass die jungen Leute einfach übers Schreiben geredet haben? Ob das dann irgendwann zur Dichtkunst wird - das zu beurteilen, sollten sie gefälligst anderen überlassen. Nein, tun sie nicht, sie nennen es selbst "Poetik", oder, noch schlimmer "Poetiken". Das Buch heißt "Treffen. Ein Werkstattbuch", und Dirk Knipphals findet das Erscheinen wichtig genug, um zwei Spalten im taz mag mit einer Besprechung zu füllen, und noch zwei mit Fotos von jungen Menschen beim Klassentreffen. Offenbar waren die alle auf die Schreibschule in Hildesheim gegangen und dann zu einem Treffen zusammengekommen, und jetzt gibt's ein Buch darüber. Wenn ich mir diese Buchbesprechung anschaue und lese, was Knipphals zitiert, dann juckt es mich in den Fingern, und ich möchte den Besenstil packen und diesen offenbar früh vergreisten Jungmenschen und dem taz-Rezensenten die Laptops wegnehmen, die Rücken prügeln und zurufen: "Hinaus, hinaus in die Welt! Dort lernt ihr schreiben, nicht an der Schreibschule im idyllischen Hildesheim!" Aber vielleicht kann ich den Besen in die Ecke stellen und nur zitieren und dem Leser (und potentiellen Käufer) das Urteil überlassen. Dirk Knipphals: "Der Band versammelt die Poetiken sowie Ausschnitte aus den stattgefunden habenden Diskussionen." Jagoda Marinic: "Es schreibt sich in diesen schönsten, leuchtendsten Momenten etwas von der Zerrüttetheit der Welt." Florian Kessler: "Manchmal, vielleicht, für Momente bloß, könnte etwas wie eine Militanz der Bilder entstehen." Ann Cotten: "Nein, nein: Ich schreibe natürlich einfach, und vor allem solche Poetiken wie diese bloß, weil man davon lebt." Steffen Popp: "Gegen die ständige Bewusstheit und zur Aussteifung des episodischen Erinnerns muss man Strukturen in Anschlag bringen, Handlungen/Geschehen ausfalten, Narration betreiben." Dirk Knipphals: "Darüber hinaus finden sich alle Themen, mit denen sich unweigerlich herumschlägt, wer mit dem Schreiben anfängt. Reflektiert wird, dass man auf einen Buchmarkt trifft, dass man sich zwischen dem Avantgarde-Pol und dem Narrations-Pol verorten muss, dass amerikanische Erzähler oft gute Vorbilder abgeben, dass es auch Leser gibt und manches mehr." Vor allem die Reflektion darüber, "dass es auch Leser gibt und manches mehr" scheint mir Grund genug, Papier zu bedrucken und zwischen Buchdeckel zu binden. Ob ich das kaufen würde? Nein danke, mir ist schon schlecht. "... stattgefunden habende Diskussionen", "solche Poetiken", "Aussteifung des episodischen Erinnerns", "Narration betreiben" - uuuuääääh! - "... sich zwischen dem Avantgarde-Pol und dem Narrations-Pol" - Achtung! - "verorten". Da geh ich doch lieber mit Winnie-the-Pooh auf die Suche nach dem Nordpol.
Kommentar 1
Nun ist er umgefallen, der schiefe Turm von PISA. Nicht in Pisa. In Hildesheim. Da fällt einem auch noch der PEN aus der Hand, dem Herr Professor Doktor Ortheil angehört. Er ist es wohl, dem wir dieses Poetikaeia Popaeia zu verdanken haben. Er wollte mit seinem Studienstuhlgang für Kreatives Schreiben und Journalismus dem Deutschen ein Dichterfundamentlein geben. Ganz im Sinne der Verortung des Guten, des Wahren und des Schönen. In Hildesheim, dem neuen Weimar. Meine Güte, ist das schwül. Zum Umfallen. Wie soll man denn da kreativ schreiben können? Jean Stubenzweig
Kommentar 2
Am 22.06.2008 um 15:06 schrieb Hans Pfitzinger an Jean Stubenzweig:
Mei, ich hab's gut - 32 Grad, trockene Hitze out of Africa (Luftfeuchtigkeit 35 %!), und wenn ich mir die nach Ingwer, Knoblauch und Milchkaffee schmeckenden Zahnreihen gebürstelt habe, schwing ich mich aufs Radl, verorte mich weiter nordwestlich und trinke zwei Halbe unterm Espenlaub am Tivoli-Pavillon, wo wahrscheinlich der olle Dieter Beck mit seinen Spezln unterm Baum sitzt und prädylaneske Folkmusik spielt. Gehabe er sich wohlstens! hap P. S. "Poetiken" schreiben diese Aufschneider!
--------------------------------------------webseitensonderveröffentlichung-----------------------------------------------
Wanted - Verlag gesucht für:
Delfina Paradiese - der aufrechte Gang Sex, Musik und Licht im Dunkeln Eine Liebesnovelle aus München
von Hans Pfitzinger
ca. 120 Seiten (c) 2008
Erste Stimmen: "Heh, das ist Klasse! Hat mich an James Joyce erinnert, dieselbe Power, ich konnt nicht mit lesen aufhören." Klaus Lemke, Filmregisseur "Ich finde der Text liest sich sehr amüsant und vielversprechend. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir nach Erscheinen ein Exemplar des Buches zusenden würden." Arno Makowsky, Chefredakteur der Abendzeitung
"Ich hab's in einem Zug durchgelesen, war bis morgens um vier wach. So genau wie die Frau beschrieben ist, hab ich das Gefühl bekommen, dass ich sie kenne und denselben Typ schon ein paar Mal im Leben getroffen habe - blond, schwarz, rothaarig, mit ganz unterschiedlichen Berufen." Peter Patzak, Regisseur ("Kottan ermittelt")
Hier eine Leseprobe
---------------------------------------------- Ende der Werbeunterbrechung---------------------------------------------
Vier Seiten EM
Na, nun schaltet mal einen Gang zurück, liebe Sportredakteure, sonst muss ich wohl noch mehr Weltbewegendes über das brandneue 4-2-3-1-System des Herrn Löw lesen. Lasst es gut sein, bitte nicht mehr jeden Tag vier Seiten von der EM. Schreibt doch mal wieder was über andere Sportarten, die gibt's doch auch noch. Und: Die Wahrheit ist aufm Platz, der Favorit gestürzt, und alle Prognosen sind eh dummes Zeug beim Fußball.
Freiheit für Franken!
Nach meiner Sicht der Dinge steht da auf der Reiseseite unter "Radfernwege" eine politisch völlig korrekte Unterscheidung: "Bei den beliebtesten Radreiseregionen steht Bayern auf Platz 1 vor Mecklenburg und Franken." Diese Trennung zwischen Bayern und Franken wieder herbeizuführen, die Aufhebung der undemokratischen und totalitär erzwungenen Annektion, die endgültige Teilung Bayerns also, das sei unser Auftrag.
Medinat Weimar
Medinat ist Hebräisch und heißt Republik. Ronen Eidelman, Künstler aus Tel Aviv, will in Thüringen einen jüdischen Staat gründen, Charlotte Misselwitz berichtet darüber. Da könnten dann sechs Millionen Juden unterkommen. Die Idee ist bestechend, und bevor ich mich des Langen und Breiten darüber auslasse, möchte ich Sie um Eigeninitiative bitten: Geben Sie in eine Suchmaschine die Begriffe "Misselwitz Schalom Thüringen" oder "Medinat Weimar" ein - Sie werden verblüfft sein! Die Blogger finden die Idee anscheinend klasse.
Über Hillary Clinton mag ich nichts mehr lesen
Schreiben auch nicht.
Der Leser
Ein ganz wunderbarer Leserbrief steht da auf Seite 10. Wolfgang Neef aus Berlin war anscheinend genauso genervt von diesem Blödsinn, den Nils aus dem Moore neulich auf der Kommentarseite verzapft hat. (siehe unter dem Eintrag vom 19. Juni: "Das Grauen".) Neef: "Dieses Wirtschaftssystem, das die gesamte Komplexität physikalischer, biologischer, sozialer, kultureller Faktoren auf das Steuerinstrument Geld und Markt reduziert, existiert erst seit rund 200 Jahren und hat uns in dieser vergleichsweise kurzen Zeit in den absehbaren globalen Kollaps gebracht, wie uns alle Daten über Klima-, Müll-, Wasser- und chemische Verseuchungsprobleme zeigen. Da waren die Bauern im Feudalismus und ihre Lehnsherren klüger: Die fraßen nicht ihre Saatkartoffeln auf, wenn die Ernte schlecht war, ließ man die Produzenten nicht verrecken, weil man wusste: Man braucht sie noch."
Glaubensfragen
Jetzt meldet sich auch der ältere Staatsmann Christian Semler zur Abstimmung über den EU-Vertrag zu Wort. Er nennt vier Gründe, die "für eine europäische Union mit einem funktionsfähigen Entscheidungsmechanismus sprechen." Ich frage mich, ob er den dann angefügten Grund tatsächlich glaubt: "Erstens eröffnet die Europäische Union die Chance, in der globalen Auseinandersetzung zwischen der industrialisierten und der armen Welt ihre Verhandlungsmacht für verbesserte Chancen der armen Staaten einzusetzen." Lieber Herr Semler, haben Sie sich mal informiert, welche Auswirkungen die Politik der EU auf die Lebensmittelversorgung der "armen Welt", wie Sie das nennen, hat? Wenn Sie sich nur mal e i n Beispiel ansehen, den Zusammenhang zwischen Überfischung der Meere und Flucht der Menschen aus den Staaten an der afrikanischen Westküste, müssen Sie Ihre Hoffnung wohl als das bezeichnen, was sie ist: Wunschdenken, das wenig mit der Realität zu tun hat. Vielleicht sollten Sie statt Jürgen Habermas mal wieder eine Tageszeitung lesen, zur Not tuz die taz.
Stasi 2.0
Rasterfahndung, Lauschangriff, heimliche Online-Durchsuchungen - Dr. Seltsam schlägt wieder zu. Wolfgang Schäuble kriegt den Datenhals nicht voll. Warum? "Wegen der hohen Terrorgefahr." Veit Medick berichtet von der Bundestagsdebatte und zitiert sogar eine Abgeordnete von der Linkspartei, Ulla Jelpke, die meinte, das Bundeskriminalamt werde damit zur "nationalen Superpolizeibehörde. Eine geheim ermittelnde Staatspolizei ist das Letzte, was wir brauchen." Schäuble gibt ihr indirekt recht, wenn er sein Gesetz verteidigt: "Das alles ist nicht neu." Und was sagt die SPD dazu? Dieter Wiefelspütz, ein "innenpolitischer Experte" verkündet, seine Partei sei "grundsätzlich einverstanden" mit Schäubles Gesetz: "Die Sicherheitsarchitektur wird mit Augenmaß weiterentwickelt. Wir reden hier über ein völlig normales Polizeigesetz." Alle Alarmklingeln sollten eigentlich losrattern, wenn ein SPD-Politiker etwas für "völlig normal" hält. "Sicherheitsarchitektur" - ich halt's im Kopf nicht aus. Ex-Innenminister Gerhard Baum von der FDP auch nicht: Er hat Verfassungsklage angekündigt.
Die einflussreichen Bertelsmann-Agenten
Deutschlands unheimlicher, demokratisch nicht kontrollierter Herrscher, die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh, hat wesentlich zur neoliberalen Innenpolitik von Gerhard-Joseph Schröderfischer beigetragen und tut jetzt ihr Bestes, damit kommunale Dienste an profitorientierte Privatfirmen verscherbelt werden. Wenn's geht an ihre eigene. Auch bei der Einführung von Hochschulgebühren hat sie die Fäden im Hintergrund gezogen. Wolf Schmidt berichtet vom Abgang des "heimlichen Bildungsministers" Detlef Müller-Böling als Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), einer Bertelsmann-Denkfabrik, die 1994 zusammen mit der Hochschulrektorenkonferenz gegründet wurde: "Unter Müller-Böling wurde sie zu einer der wichtigsten Schaltzentralen - ohne ein politisches Mandat zu haben." Jetzt zieht er Bilanz, der Bertelsmann-Mann, und die kann sich sehen lassen: Studiengebühren in sieben Bundesländern (alle mit CDU-Regierung), und die Unis erfolgreich auf "Wirtschaftlichkeit und Wettbewerb" getrimmt, weg von der Bildung, hin zur Ausbildung. "Etliche heilige Kühe wurden geschlachtet", meint Herr Müller-Böling. Und Bertelsmann reitet weiter. Einer der beiden Nachfolger wird Jörg Dräger, ehemaliger Wissenschaftssenator in Hamburg: "Der hatte von 2001 an die Hamburger Hochschulen wie keiner vor ihm umgekrempelt, Studiengebühren eingeführt und sich dabei alles andere als beliebt gemacht", schreibt Wolf Schmidt. Nun, Dräger hat den Auftrag ausgeführt, jetzt darf er zur Belohnung aus der Politik in die Wirtschaft wechseln und etwas Geld verdienen gehen. Pikanterweise genau dort, wo der Auftrag herkam.
Morgen ist vermutlich tazblog-Pause. Aber vielleicht fällt mir doch was ein, dann erfahren Sie es hier. Wenn nicht: Alles Gute bis Dienstag! 24. Juni 2008
Goetz-Blog
Da bekommt einer nen Zweispalter in der taz-Kultur, noch dazu von Detlef Kuhlbrodt, weil er mit nem Blog aufhört. Feine Idee von Rainald Goetz, ein Fest zu feiern, wenn man sich aus dem Internet verabschiedet. Ich denk mal drüber nach und sag rechtzeitig Bescheid - Mitte Juli wird's wohl so weit sein. Vielleicht schreibt ja der Goetz dann was über den Abschied von "Achtung: tazblog!"
Küppersbusch & Schweini
Frage an Friedrich Küppersbusch im allmontäglichen Interview: Warum hat der verhältnismäßig hässliche Nationalspieler Bastian Schweinsteiger eine so verhältnismäßig hübsche Freundin? Küppersbusch: Podolski? Na ja. Ernsthaft, Schweinsteigers Aussehen kann es nicht sein, weshalb die 19-jährige Schülerin ihre Jugend vergeudet. Küppersbusch: "Erfolg ist das Parfum des Mannes" (Oscar Wilde). Oder "Reinmachen." (Schweini)
Ernsthaft?
Dschihad und Immermehrismus
Sie wissen nicht, was Immermehrismus ist? So nennt man eine beliebte Spielart von Journalismus: Ein Thema wird für wichtig erklärt, weil immer mehr Leute angeblich dies oder das tun. Achten Sie mal drauf, es steht jeden Tag in der Zeitung. Auch Vielleser - und -schreiber Robert Misik begründet damit, weshalb er seinen Kommentar zum Thema "Terror" schreibt: "Es gibt einen neuen Trend: Dschihadisten gegen den Terror. Immer mehr militante Islamisten wenden sich gegen Massenmorde und Massaker." Wow - das muss ihm erst mal einer nachmachen, in zwei Zeilen so viele Reizwörter unterzubringen und damit Wichtigkeit zu signalisieren! Und das alles, weil Misik einen Artikel in einer US-Zeitschrift gelesen hat, von einem Journalisten, der "sich seit Jahren einen Namen als Rechercheur in terroraffinen Zirkeln gemacht" hat. Bevor wir diese Zirkel verlassen, noch ein Tipp für Herrn Misik: Vielleicht sollten Sie mal wieder ein gutes Buch lesen, zum Beispiel "Warum tötest du, Zaid?" von Jürgen Todenhöfer. Der sagte dazu in einem Interview mit dem buchjournal: "George W. Bush hat in diesem völkerrechtswidrigen Krieg den Tod von mehr als einer Million Menschen zu verantworten. Und trotzdem hat er es geschafft, den Eindruck zu erwecken, die Gewalttätigkeit der muslimischen Welt sei das Problem unserer Zeit. Das ist eine bemerkenswerte Verdrehung der Wahrheit. Das Hauptproblem unserer Zeit ist die Gewalttätigkeit einiger westlicher Länder. Das möchte ich aufklären." Ich bin ganz seiner Meinung, falls das jemanden interessiert. Und wer über "Terror" und Al-Quaida spricht und nicht von den Angriffskriegen der westlichen Welt und den Waffenexporten und Kriegstreibereien unserer eigenen Regierung, betreibt das Geschäft von George W. Bush - zur Aufkärung trägt das nichts bei.
Abgeschottet
Kein Schwein hier regt sich über die neuen Abschieberichtlinien der EU auf. Das ganze Trara galt den Iren und der Ablehnung des EU-Vertrags, den man offenbar für solche menschenrechtswidrigen Regelungen gar nicht braucht. Schön, dass wenigstens einige Regierungen in Südamerika die Europäer an ihre eigenen Grundsätze erinnern. Gerhard Dilger berichtet aus Porto Allegre, wo sich die Staatschefs der Andengemeinschaft getroffen haben. Rafael Correa, Präsident von Ecuador, nannte die EU-Bestimmungen "kriminell und schändlich. Wir werden hart antworten, es reicht, dass sie uns treten und demütigen." Fernando Lugo aus Paraguay erklärte, worum es ihm geht: "Wir träumen von der Freizügigkeit der Menschen." Und Hugo Chávez macht gleich praktische Vorschläge. Er will den Staaten, die das Abkommen umsetzen, kein Öl mehr liefern und den Spieß umdrehen: "Stellen Sie sich einmal vor, wir erlassen eine Abschieberichtlinie für europäische Investitionen."
Speisekartenpoesie
Ratlos hinterlässt mich ein als "Anzeige" gekennzeichneter Kasten, der dick überschrieben ist mit "Stadt von Acqui Terme (Provinz von Alessandria) Italien. Darunter steht "Ausschreibung". Die Anzeige hat den folgenden Wortlaut: "Die kommunale Verwaltung mit Beratung Nr. 108 vom 05.06.2008 beschlossen hat, die 'Ex-Gerichtsgebäude' mit Sitz in Acqui Terme, Poritici Saracco - 12, für 30 Jahren wie Mietvertrag zu gewähren. Interessierte Parteien können ihre Gebote innerhalb weniger Stunden von 14 Tagen, 29. Juli 2008 nach vorheriger Bezug der Unterlagen über dem Wettstreit beim Verwaltungsamt, Via Salvadori 64 - Acqui Terme oder von der Website - Rathaus von Acqui Terme: www.communeacqui.com. DIE MANAGER, Dr. Armando Ivaldi Acqui Terme, 16.06.2008" Na ja, ich glaube zu verstehen, was da angeboten wird. Mich erinnert das an die früher so beliebten fehlerhaften Zitate von Speisekarten in der Satirezeitschrift Titanic. Aber ich frag mich doch, ob die taz-Menschen von der Anzeigenabteilung den Auftraggeber nicht auf sein fehlerhaftes Deutsch hätten hinweisen müssen. Oder fanden die das lustig? Hm.
Leser & Widerstand
Was mir in der taz vom 19. 6. auffiel, darüber beschwert sich auch ein Leser über die "Tipps vom Akademiker aus Bremen". (Sie erinnern sich bestimmt an den Eintrag hier im tazblog, oder? Falls nicht, hier isser noch mal: "Ein Politikwissenschaftler, Lothar Probst, gibt der SPD in staatsmännischer Betriebsblindheit gute Ratschläge, "Wie der Sinkflug zu stoppen ist": Mit einer rot-gelb-grünen Koalitionsaussage vor den Bundestagswahlen im nächsten Jahr. Da lachen doch die Hühner: Weshalb sollte man eine von diesen Parteien wählen, wenn sie in ihren Programm eh nicht mehr zu unterscheiden sind?") Theo Krönert fragt nun, wieso das "in meiner taz!" stehen kann. Und er weiß auch noch, wann der neoliberale Niedergang der Sozialdemokraten anfing: Am 9. September 1982. Da legte Otto Graf Lambsdorff von der FDP sein "Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" vor. Das hieß später dann "Lambsdorff-Papier", und man kann es getrost als Neubeginn des Klassenkampfes von oben betrachten. Leser Krönert: "Dieser Denkschrift folgt die Führungsriege der SPD immer noch, wenn sie mit Gelben oder Schwarzen koaliert. Bundeskanzler Schmidt nannte sie ein 'Dokument der Trennung', das als Wegweiser zu anderen Mehrheiten diene: 'Sie (die FDP) will in der Tat eine Wende, und zwar eine Abwendung vom demokratischen Sozialstaat im Sinne des Artikels 20 unseres Grundgesetzes und eine Hinwendung zur Ellbogengesellschaft.' Seitdem werden bei uns die kleinen Leute verarscht. Und jetzt darf der Akademiker aus Bremen in meiner taz Tipps geben, wie die SPD im Sinkflug diesen Kurs weiter verfolgen könnte, obwohl ihr propagiertes Streben nach sozialer Gerechtigkeit unglaubwürdig geworden ist." 26 Jahre nach Lambsdorff sieht es so aus, als hätte Helmut Schmidt schon vorhergesehen, was auf uns zukommt. Mir war das damals nicht so klar - ich hab eine solche Dreistigkeit einfach nicht für möglich gehalten. Und konnte mir in meinen kühnsten Alpträumen nicht vorstellen, dass Helmut Kohl 16 lange Jahre feste an der Umsetzung des Lambsdorff-Konzepts arbeiten und ausgerechnet ein sozialdemokratischer Kanzler den letzten Nagel in den Sarg des Sozialstaats hämmern würde. Zur Erinnerung hier der Wortlaut von Artikel 20 des Grundgesetzes:
1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
Wer sein Recht auf Widerstand nicht wahrnimmt, hilft denen, die den demokratischen und sozialen Bundesstaat abgeschafft haben. Dass über eine so genannte Ampelkoalition überhaupt diskutiert wird zeigt doch schon, dass mit "Wahlen und Abstimmungen" eine Abhilfe nicht möglich ist. Die Leute, die den demokratischen Sozialstaat abgeschafft und "diese Ordnung" des Grundgesetzes beseitigt haben, sitzen im Parlament, in der gegenwärtigen Regierung, in der Bertelsmann-Stiftung, bei Gazprom und in der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft". Ganz klar: ein Fall für den Verfassungsschutz. Und, weil es sich um eine kriminelle Vereinigung handelt, ein Fall fürs Bundeskriminalamt.
Wieder einer
Endlich Geld verdienen will auch Joachim Wuermeling. Der ehemalige Staatssekretär aus dem Wirtschaftsministerium wird "Bevollmächtigter für europäische und internationale Angelegenheiten" beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft.
Niemals aufgeben
Zur Erinnerung: Nachdem der Deutsche Presserat so einfalls- wie trickreich meine Beschwerde gegen die taz abgelehnt hat (siehe auch hier), blieb die Frage offen, weshalb Paul Kagame, der Präsident von Ruanda, ausgerechnet vom deutschen Verteidigungsminister empfangen wurde. Ging's um Waffenlieferungen in Krisengebiete? Oder werden wir bald die deutsche Freiheit nicht nur "am Hindukusch verteidigen", wie es Peter Struck, der Vorgänger von Franz Josef Jung so schön ausgedrückt hat? Dies ist die Pressemeldung, die das Bundesministerium für Verteidiung zu diesem Thema herausgegeben hat - die einzige:
"Kontakte vertiefen
Berlin, 23.04.2008. Der Bundesminister der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, traf sich am 23. April mit dem Staatspräsidenten von Ruanda, Paul Kagame, zu einem Gespräch. Die guten bilateralen Beziehungen sollen weiter vertieft werden, dazu dient in erster Linie der Arbeitsbesuch des Präsidenten.
Deutschland zählt zu den wenigen westlichen Ländern, die in Ruanda stark engagiert sind und dem Land in einem schwierigen Transformations- und Versöhnungsprozess zur Seite stehen. Jung betonte in dem Gespräch die Rolle Deutschlands bei der Übernahme der Verantwortung in Afrika.
Dies geschieht zum einen im Rahmen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union, zum anderen auch durch bilaterale Beziehungen. Die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme bilateraler militärpolitischer und militärischer Beziehungen mit Ruanda wurden ebenfalls angesprochen."
"Wiederaufnahme?" Heißt das, die Bundesregierung hatte da schon früher ihre Finger drin? Militärpolitisch und militärisch? Und was bitte ist unter "militärische Beziehungen mit Ruanda" zu verstehen?
25. Juni 2008
EM
Brav - kaum schlag ich vor, die Sportseiten zu reduzieren, weil ja jetzt nicht mehr jeden Tag Fußball passiert, schon kommt die Dienstag-taz mit "nur" drei Seiten. "Nach dem Spiel ist vor dem Waldi" gehört zu den guten Schlagzeilen, eine ganze Seite über den dicken Weißbierplauderer scheint mir dann doch zu viel der Ehre. Ich kann ihn nicht ausstehen, ich mag seine Art nicht. Aber ich halt ihn auch nicht für so wichtig, dass ich mich lang über ihn aufrege.
Meine geheime Meinung
Sich nicht über Dinge ärgern, die man nicht ändern kann: Das klingt weise. Also ärgere ich mich nicht übers Wetter und über "Das geheime Tagebuch der Carla Bruni" auf der dienstäglichen Wahrheitseite und schreibe ganz emotionslos: Mein Gott, was für ein Scheiß da dauernd abgedruckt wird. Es ist nicht zu fassen. Wenigstens haben sie diesmal kein Foto von ihrem grauenerregenden Ehemann abgedruckt. Danke.
tazz-Jazz
Bisher habe ich den Mann für Jazz bei der tazz noch gar nicht gebührend gewürdigt: Christian Broecking heißt er, und ein dickes Lob ist an der Zeit. Er hat Ahnung, viel Geschichtswissen, die richtige Einstellung und eine klare Schreibe. Ich fühle mich gut informiert, egal, zu welchen Themen er schreibt, er kennt sich aus. Ein sehr guter Mann für Jazz bei der tazz.
Das Sonar
Tobias Rapp hat's gut: Fährt (na, ich nehme an, er fliegt) anscheinend jedes Jahr nach Barcelona zum Sonar-Festival. Dort treffen sich seit 15 Jahren die Avantgarde-Musiker von der elektronischen Musikabteilung, und das bringt einen Haufen gute Leute auf die Beine. Eine schöne Reportage kam dabei raus, und wie Daedalus alias Alfred Darlington das Problem löst, dass man auf der Bühne eigentlich nicht zeigen kann, wie die Musik entsteht, beschreibt Tobias Rapp am Schluss: "Daedalus ... hatte das Touchpad leicht in Richtung Publikum gekippt, sauste mit seinen Fingern über die weiße Fläche, und auf einmal sah man, was man hörte: Finger oben links - Drumbreak. Zwei Finger unten rechts - aller Sound weg, bis auf den Bass."
Design der Diktatoren
Große Klasse - Julia Büttner schreibt eine feine Buchbesprechung zu Steven Hellers Band "Iron Fists. Branding the 20th Century Totalitarian State", der beim Phaidon Verlag in Berlin als englische Originalausgabe herauskam. Richtet sich an die Besserverdienenden - 75 Euro. Aber es scheint sich da um ein aufregendes Buch zu handeln. Heller ging der Frage nach, wie das Design der Diktatur aussah, bei Mussolini, bei Hitler, bei Stalin und bei Mao. Das scheint auf den ersten Blick ein etwas frivoler Ansatz, aber bei näherem Hinsehen ein doch sehr aufschlussreicher. Mussolini war selbst "Art Director" der von ihm heraisgegebenen Zeitung, Il popolo d'Italia, bevor er auf Dikator umsattelte und das Design für seinen eigenen Staat entwarf. Ein tolles Foto illustriert den Beitrag fast halbseitig: Eine Straßenszene in den 20er-Jahren, ein Riesenplakat an einer Hausfassade, von oben bis unten mit Schriftzeilen, die ausschließlich das Wort SI (Ja) enthalten, und in der Mitte eine Gesichtsmaske von Mussolini. Julia Büttner berichtet, was sie bei Heller gelesen hat: "Hitler selbst wählte mit Unterstützung seines Chefdesigners Robert Ley und seines Hausfotografen Heinrich Hoffmann die Farben, Symbole, Posen, Designs seines Reichs - und ein uraltes mythisches Symbol als Logo: Die Swastika, die in nur zwölf Jahren für immer zum Symbol für Staatskriminalität und Hass wurde." Das Design umfasste Uniformen, Symbole, Flaggen, Waffen, Gürtel, Abzeichen. Ähnlich gingen auch Stalin und Mao vor, und der Autor Steven Heller betont im Interview die Bedeutung von Markenzeichen, das "branding" (ursprünglich das Brandzeichen für Pferde und Rinder): "Branding ist Teil unseres Lebens. (...) Daran ist nichts falsch, so werden Dinge attraktiv. Das Logo auf Ihrem Mac, das Logo auf Ihrem Walkman: So unterscheiden wir einen Gegenstand von einem anderen. daran ist per se nichts Finsteres. Finster ist, wie diese Logos benutzt wurden." Steven Heller war 33 Jahre Art Director der New York Times und hat zahlreiche Design-Bücher veröffentlicht. Er kam auf die Idee zu diesem Bildband, weil er gemerkt hatte, wie er, als linker Student, von den schwarzen Uniformen der italienischen Faschisten fasziniert war. Und er überlegte: "Also, wenn ich verführbar bin, was ist dann mit den Leuten, die eine Verbindung zu dieser Art Ideologie fühlen? Ich wollte ergründen, wie das vom visuellen Standpunkt her gelingt, denn ich bin ein visueller Mensch." Über schwarze Uniformen habe ich mal mit William Kotzwinkle gesprochen, das muss etwa 1984 gewesen sein, als er an seinem Buch "The Exile" gearbeitet hat. (Auf deutsch hieß es "Filmriss", ich habe es 1987 für Eichborn übersetzt, später kam es bei rororo heraus. Es ist leider vergriffen, gibt's aber noch antiquarisch.) Kotzwinkle saß mir in einem Bundeswehrjackett gegenüber, Ausgehuniform. Hatte er von einem Trödler in Bangor, Bundesstaat Maine. Er erzählte mir von seiner Faszination für Uniformen, und dass er die schwarze SS-Uniform mit dem Totenkopf und den SS-Runen für das grandioseste Uniform-Design überhaupt halte. Das war für mich damals starker Tobak, es kam mir höchst frivol vor, über den künstlerischen Wert von SS-Uniformen zu reden. Man muss offenbar den Blick von außen haben, um eine andere Sichtweise auf die Vergangenheit überhaupt zuzulassen. Wäre interessant, in diesem Zusammenhang mal wieder über den okkulten Hintergrund totalitärer Ideologien nachzudenken. Kotzwinkle zitiert in einem Absatz in "Filmriss" einen Satz von Hitler aus den Tischgesprächen: "Denken Sie nur an diese gottverdammten Aufmärsche, die sie veranstalteten - hunderttausend glänzende Helme, hunderttausend blitzende Bajonette. Wir in Amerika betrachten das als politisch, aber Hitler hat selbst gesagt: 'Sie machen einen Fehler, wenn Sie das, was wir tun, nur als Politik ansehen.' Es war Magie, und es hat funktioniert. (...) Die haben einem ganzen Land die Seele aus dem Leib gezogen. Deutschland war die Nation von Goethe und Bach. Was ist da geschehen. Ich bin nur ein zweitklassiger Historiker, aber meine Ansicht ist: Die sind ausgetrickst worden."
Swami Meschuggananda
Da steht auf der Medienseite ein Zweispalter über das Satiremagazin Titanic - die werben mit einem kleinen Filmchen auf ihrer Webseite für regelmäßige Aids-Tests. Und was erfahre ich? Die haben einen Swami Durchananda in ihren Videoclips, der "persifliert normalerweise das Guru- und Predigergewerbe." Issjatoll. Jetzt sag bloß noch einer, ich hätte den Swami Meschuggananda, der in meiner Romanbiografie "Alles Wugg!" vorkommt von Titanic abgekupfert! Dazu eine feierliche Erklärung: Der Swami-Name in "Alles Wugg!" wurde von meinem Freund Lenny Freedman 1974 in San Francisco erfunden, und vom Titanic-Swami habe ich gestern zum ersten Mal in der taz gelesen. Ich schwöre es.
Spekulanten
Das Wort Spekulanten wird meist in einem seeehr verächtlichen Tonfall ausgesprochen, dabei tun die doch nichts anderes, als das, was unser Wirtschaftssystem am Laufen hält: Man kauft was ein und verkauft es teurer weiter, und so macht man Gewinn. Nicola Liebert versucht in ihrem Kommentar zu erklären, ob "die Spekulanten" tatsächlich an den steigenden Preisen für fast alles schuld sind. Am Ende schwirrt einem der Kopf von all den widersprüchlichen Theorien die Liebert ausbreitet. Ich schreibe das Wort Wirtschafts-"wissenschaftler" inzwischen nur noch mit Anführungszeichen und spreche es genauso verächtlich aus wie andere Leute "Spekulanten". Lieberst Kommentar läuft auf die alte fränkische Volksweisheit hinaus: "Nix Gwies was ma ned" - Gewissheit gibt es keine. Am Schluss zitiert Liebert den US-Ökonomen Paul Krugman. Der "hegt einen bösen Verdacht, warum gerade nicht zuletzt auch Politiker jetzt so gern die Schuld an den Preissteigerungen bei Spekulanten suchen: Nur so könnten sie vermeiden, den wahren Tatsachen ins Gesicht zu sehen und die entsprechenden Konsequenzen ziehen: dass die Ressourcen endlich sind und Sparen die einzig wahre Lösung des Problems ist." Deshalb wäre es halt schön, wenn man zumindest ein paar erste Schritte machen würde, um die Öldollarmilliarden nicht weiter nach Saudi-Arabien zu schaufeln: Den Widerstand gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen aufgeben, Inandsflüge stoppen, den öffentlichen Nahverkehr zum Nulltarif anbieten, Neubau von Autobahnen verbieten, Schienennetz ausbauen, Bahnpreise senken. Aber nein - Lana Stille berichtet ein paar Seiten vorher auf "inland" darüber, wie die CDU "Die Schöpfung bewahren will": "Kernkraft ist für die CDU Öko-Energie" - so was sagt der Generalsekretär und fordert längere Laufzeiten für die Atommeiler. Tempolimit? Nicht mit Angela Merkels Autolobbypartei.
Sprechblasen-Köhler
Horst Köhler hat ein neues Bonmot unter die Leute gebracht. Wie hieß es noch bei Gerhard Schröders Agenda? Fordern und fördern. Bei Köhler heißt es jetzt, die öffentlichen Haushalte müssten umgestellt werden "vom Betreuen auf Ertüchtigen". Fragt sich nur, wozu sie ertüchtigen sollen. Aber Köhler gibt schon mal die Richtung vor, indem er befindet, der deutsche Sozialstaat sei teuer. Nein, zu teuer hat er nicht gesagt, aber "es muss darum gehen, das Geld fruchtbringend einzusetzen." Fruchtbringend.
Atombomben? Ja, bitte!
Das meint der Bürgermeister von Büchel: "Die Bundeswehr ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region. Wir fürchten, dass bei einem Abzug der Atomwaffen dieser Standort in Frage gestellt wird." Den Hintergrund dröselt Ulrike Winkelmann auf. Die SPD war mal für den Abzug des Dreckszeugs, die CDU ist dagegen, also passiert - wie in solchen Fällen bei Großen Koalitionen üblich - gar nichts. Alle Oppositionsparteien sind auch für den Abzug, das bedeutet, sogar im Bundestag hätten die Befürworter eine satte Mehrheit. Nur der Verteidigungsminister will sein Atombombenspielzeug nicht hergeben, "die Lagerung in Büchel sei 'Ausdruck der nuklearen Teilhabe' der Bundesrepublik", zitiert ihn Winkelmann. Die Bundeswehr hat Tornado-Kampfflieger, und mit denen kann man das Zeug schön verteilen. Nur: Wo? Na überall, wo die deutsche Freiheit verteidigt wird, da wird dem Jung schon was einfallen. Winkelmann sieht keine schnelle Änderung des bestehenden Zustands: "Die zuständige Nato-Arbeitsgruppe tagt im Juni 2009. Weil bis dahin entweder Barack Obama oder John McCain im Präsidentensattel sitzen dürfte und beide im Wahlkampf entsprechende Ankündigungen gemacht haben, könnte dann das Ende der Atomwaffen in Europa eingeläutet werden." Der arme Franz Josef Jung! Dafür wird er bestimmt ein anderes Spielzeug kriegen.
EU-Grenzfälle: tvF*
Die Reportage von Ruth Reichstein aus Ceuta bringt einem die europäische Politik hautnah: Es ist unglaublich, was sich an den Außengrenzen der EU abspielt. Die Zäune, die Melilla und Ceuta, die beiden spanischen Enklaven in Marokko abschirmen, sind inzwischen sechs Meter hoch. Reichstein berichtet von einem Mann aus Sierra Leone, der eineinhalb Jahre zu Fuß unterwegs war, bis er nach Tanger kam und von dort nach Ceuta geschwommen ist. Seit fünf Monaten wartet er jetzt, dass man ihn nach Spanien einreisen lässt. Am aberwitzigsten klingt die Geschichte von den "menschlichen Motoren": Viele Afrikaner können nicht schwimmen, also lassen sie sich mit einem Seil an einen Marokkaner binden und über die Grenze bringen. Paula Domingo Domingo, eine Nonne von einer christlichen Nichtregierungsorganisation, erzählt es so: "Aber das Schleusen von Flüchtlingen ist ja bekanntlich illegal. Sobald also ein Schiff der spanischen Küstenwache auftaucht, bindet der Marokkaner seinen Passagier los und macht sich schleunigst aus dem Staub." Die Nonne hat auch das letzte Wort: "Europa kann die Grenzen noch so dicht machen, die Zäune noch so hoch bauen, die Flüchtlinge werden immer Wege finden, die Barrieren zu umgehen. Es wird nur immer gefährlicher für sie."
* taz vom Feinsten!
28. Juni 2008
Über die taz vom Freitag, 27. Juni 2008
taz heißt die Journaille
Diese Titelseite ist an politischer Dummheit schwer zu überbieten. "Der andere Obama" steht da neben dem fast ganzseitigen Foto eines grimmig blickenden Präsidentschaftskandidaten, der aus einem Flugzeug steigt und deutlich sichtbar die Zeitung Wall Street Journal in der Hand hält. Daneben steht: "Je näher die US-Präsidentschaftswahl rückt, desto deutlicher wird, dass Barack Obama kein linker Messias ist. Seine Forderung nach der Todesstrafe für Kinderschänder ist dafür nur das jüngste Beispiel SEITE 11". Nun könnte man fragen: Wer zum Teufel hat denn geglaubt, Barack Obama wäre der Messias, noch dazu der linke? Jemand bei der taz vielleicht? Und der oder die ist jetzt enttäuscht, dass er dem Bild nicht entspricht, das sie oder er sich von ihm gemacht hat? Und ganz abgesehen davon: "Ein" linker Messias bedeutet doch, dass es gleich mehrere davon gibt, und Obama ist nur einer davon, der keiner ist, zumindest kein linker. Bis hierher läuft noch alles nach dem Prinzip Bild-Zeitung, oder nach dem Prinzip "Presse im allgemeinen": Man bastelt sich einen Helden, mit dem man die Auflage steigern kann, und dann zerstört man ihn, weil das auch die Auflage steigert. Damit könnte man zur Tagesordnung übergehen mit der Feststellung: Die taz ist halt auch eine Zeitung und hält sich an die geltenden Regeln. Man kann aber auch die angekündigte Seite 11 aufschlagen, und erst recht in Wut geraten über das, was da im Vorspann zu Bernd Pickerts Artikel steht. Aber erst mal zum Titel: "Politisch käuflich?". Das Fragezeichen weißt darauf hin: Ganz genau wissen wir's auch nicht, aber es könnte schon sein, und zum Verunglimpfen reicht's schon. Was der Titel darüber hinaus aussagen soll, wird auch nach der Lektüre nicht klarer. So richtig niederträchtig ist dann aber der Vorspann: "Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat geht lieber ausgetrampelte Pfade als unsichere neue. Dabei stellt der Senator sich als intellektuell und massentauglich zugleich dar. Denn er will gewinnen". Nun, der erste Satz soll offensichtlich keine objektive Berichterstattung ankündigen, sondern eine Meinungsäußerung. Also schauen wir uns mal Bernd Pickerts Meinung an. Interessanterweise steht das Stück nicht im politischen Teil der taz, sondern auf der ersten tazzwei-Seite. Let me entertain you! Es geht zunächst um eine Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofes, der mit 5:4 Stimmen sein Urteil verkündet hat: Die Todesstrafe für Vergewaltiger von Kindern verstößt gegen die Verfassung. Da in den USA bekanntlich Wahlkampf ist, haben beide Kandidaten zu dem Urteil Stellung genommen. Was John McCain dazu gesagt hat, steht nicht in der taz, dagegen wird Obama zitiert. Er sagt im Prinzip nichts anderes, als das, was er in seinem Buch "The Audacity of Hope" geschrieben hat (audacity heißt Kühnheit, Verwegenheit, Waghalsigkeit, hope heißt Hoffnung, wenn mich nicht alles täuscht, ist es auf deutsch unter dem Titel "Wagnis Hoffnung" erschienen). Da steht: "Auch wenn die Beweislage dafür spricht, dass die Todesstrafe kaum eine abschreckende Wirkung hat, glaube ich, dass es einige Verbrechen gibt - Massenmord, Vergewaltigung und Ermordung von Kindern - die so abscheulich sind, so jenseits des Akzeptablen, dass die Gemeinschaft das Recht hat, ihre ganze Abscheu durch die höchstmögliche Bestrafung zum Ausdruck zu bringen." Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich glaube nicht, dass der Staat das Recht hat, irgendjemanden umzubringen und bin damit anderer Meinung als Barack Obama. Was nun Bernd Pickert als seine Interpretation dieses Buchzitats unter die taz-Leser bringt, verrät eine Niedertracht sondergleichen: "Der Anfang sagt: Ich bin Harvard-Absolvent, könnte als Anwalt unheimlich viel Geld verdienen, weiß, dass die Todesstrafe eigentlich nichts bringt und kenne alle Argumente. Der zweite Teil sagt: Hört auf das Volk und also: Rübe ab!" Das ist infam. Denn damit unterstellt er Obama, dass er nicht seine Meinung ausspricht und begründet, wozu er jedes Recht hat, sondern dass er das gar nicht glaubt und es lediglich sagt, um sich beim "Volk" beliebt zu machen. Weswegen Bernd Pickert zwei Spalten weiter den Artikel lapidar zu Ende bringt: "Er will halt Präsident werden." Pickert hat jedes Recht, seine Vorurteile öffentlich darzulegen, aber schauen wir doch mal, wo er sich die Argumente für seine Abneigung gegen Obama zusammensucht: In der New York Times, die er gleich zwei Mal zum Kronzeugen anruft und deren Meinung er sich zu eigen macht. Ausgerechnet die New York Times! Da sollten eigentlich alle Alarmsirenen losheulen. Hat Pickert schon vergessen, wie peinlich sich die Ostküstenpresse unter Führung der Times und der Washington Post vor Beginn des Irak-Kriegs hinter die Bush-Regierung gestellt und die Lügen von Colin Powell dem Volk als Wahrhheit verkauft hat? Später haben sich beide Zeitungen für ihre Berichterstattung entschuldigt, falls Sie sich noch erinnern. Aber da lief der Krieg und die Vernichtung schon wie am Schnürchen, der publizistische Auftrag des Pentagons war erledigt, man konnte wieder so tun, als sei man liberal und gebildet und etwas links. Wenn Bernd Pickert so naiv ist, die Kampagne der New York Times gegen Obama nicht zu durchschauen und sie auch noch in der taz zu unterstützen, dann will ich ihm sagen, weshalb die das tun: Barack Obama ist der Kandidat, der als einziger von allen Kandidaten - Demokraten und Republikaner - versuchen wird, die Vorherrschaft des Militärs in der Außenpolitik und den Rüstungswahnsinn der USA zu durchbrechen. Wenn einer es will und es schaffen kann, dann Obama. Der Mann ist das Gefährlichste, was dem militärisch-industriellen Komplex passieren könnte, und deshalb muss er mit allen Mitteln niedergemacht werden. Hätte Pickert auch nur einen Funken von Sympathie für Obama, hätte er vielleicht noch jenseits der Establishment-Presse recherchiert. Dann wäre er auf die Webseite der National Coalition to abolish Death Penalty (Nationale Koalition zur Abschaffung der Todesstrafe) gestoßen. Völlig klar, dass dieses Komitee in scharfer Gegnerschaft zu Obamas Meinung steht. Aber fairerweise kann man dort auch lesen, dass Obama in seiner Zeit als Anwalt und Senator von Illinois eine ganze Anzahl von unschuldig Verurteilten aus der Todeszelle geholt hat. Darüber hinaus hat er immer betont, dass es ihm darauf ankommt, mit allen nur möglichen Mitteln zu verhindern, dass Unschuldige hingerichtet werden. Oder, wie die National Coalition es ausdrückt: Er ist für die Todesstrafe, aber er ist auch dafür, dass nicht der Falsche hingerichtet wird. Mit diesem Ziel hat er in den Senat von Illinois ein Gesetz eingebracht, nach dem alle Verhöre auf Tonband aufgenommen werden und alle Ermittlungsakten unbegrenzt aufbewahrt werden müssen. Das Gesetz wurde nach langen Debatten mit 58:0 Stimmen verabschiedet. Nur um ganz bestimmt nicht missverstanden zu werden: Nach meiner Meinung ist der einzige Weg, um zu verhindern, dass Unschuldige zum Tode verurteilt werden, die Abschaffung der Todesstrafe. Obama ist in diesem Punkt ganz offensichtlich anderer Meinung. Deswegen halte ich ihn aber trotzdem für den besten Kandidaten, der in meiner Lebenszeit für die US-Präsidentschaft kandidiert hat, weit besser als John F. Kennedy. John McCain wird der taz für die Unterstützung in seinem Wahlkampf bestimmt aufrichtig dankbar sein.
Alte taz
Zununterst liegt da noch die taz vom Mittwoch, 25. Juni, mit den Vorberichten zu Deutschland - Türkei. Detlef Kuhlbrodt interviewt den Tiger von Kreuzberg, der "eigentlich Cemal Atakan heißt, in echt aber anders." Der Tiger ist davon überzeugt, dass die türkische Mannschaft gewinnt. Kuhlbrodts letzte Frage: "Und wenn Deutschland doch gewinnnt?" "Dann Türken sind ein bisschen sauer, ein, zwei Monate und dann Dönerpreis steigt auf zehn Euro bestimmt." Da kann man nur hoffen, dass er sich auch in diesem Punkt irrt, der Tiger.
Daily Dope: Fußball ist Big Business
Daily Dope - so heißt eine Rubrik auf der Seite Leibesübungen, die seit Beginn der EM ausfällt. Aber einer muss es ja machen ... Die letzten Tage war mein Freund Doug aus Kalifornien zu Besuch, mit seiner Frau Sharon. Doug ist ein großer Radsportfan, hat alle Bergpässe der Tour de France selbst bezwungen und fegt drei Mal die Woche über die Küstenberge in der Nähe von Santa Cruz, Hecker Pass, Mount Madonna, was halt so in der Landschaft steht. Er wollte wissen, wie es in der Tour de Suisse steht, und ich hab ihm erzählt, dass meine Zeitung nicht darüber berichtet, der ganze Platz auf den Sportseiten sei ausschließlich für Fußball reserviert. Und überhaupt - seit den Dopingaffären sei Radsport sowieso nicht mehr so beliebt in der Öffentlichkeit und den Medien. "Was für eine Heuchelei!", empörte sich Doug. "Dabei wird doch im Fußball genauso gedopt." Ich bezweifelte das. Doug ließ sich nicht davon abbringen. "Im Radsport tun sie jetzt wenigstens was dagegen, aber so lange es im Fußball kein Thema ist, dopen sie munter weiter. Dieser spanische Doktor, über den sie alle geschrieben haben, der hatte hunderte von 'Kunden', und nur ganz wenige waren Radprofis." "Und die anderen?" "Fußballer." "Und warum schreibt da keiner drüber?" "Fußball ist Big Business. Um einiges größer als Radsport." "Aber heh, beim Fußball bringt Doping nichts." "Was für ein Unsinn. Eigenblutdoping bringt in jeder Sportart was. Und die Sachen, die Leichtathleten helfen, sind auch für Fußballer gut. Wach auf, Mann, der einzige Grund, weshalb keiner darüber schreibt ist der angeführte: Fußball ist Big Business." Und das lass ich jetzt einfach mal so stehen.
taz vom Donnerstag, 26. Juni
Keinen Kopf fürs tazblog gestern - morgens noch mit dem Besuch beschäftigt, gegen Mittag hab ich sie zur S-Bahn gebracht und festgestellt, dass München zwar ganz gut versorgt ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dass aber kein Schwein das Tarifsystem und die Fahrkartenautomaten durchschaut. Und wenn jemand kein Deutsch kann isser ganz verloren. Am Nachmittag bin ich dann endlich wieder zum Zeitunglesen gekommen, und deshalb gibt's hier zumindest einen Schnelldurchgang.
XXY
Das ist ein Filmtitel, und nach der Kritik von Jan Kedves zu urteilen, scheint es sich um ein ganz besonderes Juwel zu handeln, eine argentinische Produktion, eine brillante Regisseurin (Lucia Puenzo) und eine offenbar hinreißende junge Hauptdarstellerin (Inés Efron). Es geht um einen Teenager, Alex, ein Mädchen, das von Natur aus geschlechtlich nicht eindeutig definiert ist. Alex "setzt eigenmächtig die Cortisol-Pillen ab, die ihre hormonelle Vermännlichung bislang in Schach halten." Damit löst sie Konflikte mit ihren Eltern aus, mit ihrem Arzt, und mit dem Jungen, der sich "tatsächlich heftig in sie als Person verliebt hat, nicht als Freak der Natur." Ich hab schon ein paar andere Kritiken zu dem Film gelesen - alle waren anscheinend tief berührt von "XXY".
Beiträge mit hohem ÜQ*
"Übernächstes Jahr in Cannes" - ein Stückchen über die nigerianische Filmindustrie, und wie sie von Hollywood was lernen könnte; eine Randspalte zum diesjährigen Wettvorlesen in Klagenfurt - "Bachmannpreis verdichtet"; die Spießer-Kolumne von Anja Maier hält, zusammen mit dem "geheimen" Bruni-Tagebuch dienstags auf der Wahrheitseite, alle Rekorde auf dem Messgerät für den Überflüssigkeitsquotienten.
*Überflüssigkeitsquotient
Zipi - klingt doch niedlich
Ob das die israelische Version von Condoleezza Rice wird? Susanne Kaul kriegt eine ganze Seite, um über Zipora "Zipi" Livni, seit 2006 Außenministerin von Israel, zu berichten. Und was muss ich lesen? "Die charmante Juristin, die seit früher Jugend engagierte Tierschützerin ist und aus Überzeugung auf den Verzehr von Fleisch verzichtet, wie ihre Jugendfreundin Mira Gal berichtet, hat indes auch harte Seiten." Tja, zum Beispiel als Agentin des israelischen Geheimdienstes, dem auch Susanne Knauls Kronzeugin Mira Gal angehörte. Von der erfahren wir auch noch, das Livni am 8. Juli ihren 50. Geburtstag feiern wird: "Solide, wie ich sie kenne." Was das heißt, erläutert Knaul: "Also mit ihrem Ehemann und den beiden Söhnen." Nach so viel Bunte-Berichterstattung kommt das dicke Ende. Die Vegetarierin gehört zu den absoluten Hardlinern: "Livnis Tonfall ändert sich schlagartig, wenn die Rede auf die Hamas kommt. Mit der islamistischen Palästinenserorgansiation geht sie keine Kompromisse ein, so wenig wie mit dem Iran oder der libanesischen Hisbollah."
Schwanengesänge
Was für ein grauenhaftes Foto von Gesine Schwan auf der "inland"-Seite! Drei Warzen im Gesicht, ein verschlagenes Lächeln, und dann hält sie auch noch die rechte Hand hoch mit eingeknicktem kleinen Finger und unsichtbarem Daumen, und sie sieht aus wie eine Hexe mit nur drei Fingern. Stefan Reinecke, der Spezialist für die Linkspartei, und Ulrike Winkelmann, Fachfrau für die Linken, berichten gemeinsam von Schwans Wahlchancen bei der Opposition. Die Grünen sind Schwan-Fans, die Linke sucht eine eigene Kandidatin.
Heuchler
Noch einmal Ulrike Winkelmann, die jetzt dankenswerterweise mehr Informationen zu Rüstungsexporten und Kriegseinsätzen in der taz unterbringt. Endlich, kann ich nur sagen, bevor der Frank-Walter Steinmeier noch mehr Leute davon überzeugen kann, dass er die neue SPD-Hoffnung ist. Selbstverständlich ist der Kerl, der die Schröder-Politik maßgeblich mitgestaltet hat, für verstärkten Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Winkelmann durchschaut seine Rhetorik und Gestik. Indem er rührselige Geschichten über dankbare Dorfbewohner erzählt, wirbt er für mehr Krieg: "Die Afghanen 'kämpfen für die Zukunft ihrer Kinder - wir reichen ihnen dabei nur die helfende Hand', sagte Steinmeier und hob seine Hand in vagem Bogen Richtung Regierungsbank. Die war gut gefüllt, sollte das Kabinett doch beweisen, wie wichtig nicht nur der Bundeswehreinsatz, sondern auch der zivile Aufbau Afghanistans ist." Doch Winkelmann macht eine symbolträchtige Entdeckung: "Ausgerechnet Entwicklungsministerin Heidi Wieczorek-Zeul (SPD) und Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU), denen Steinmeier explizit dankte, fehlten im Bundestag freilich. Und so musste Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) die Dankesgrüße lächelnd allein entgegennehmen." Interessant: Der Bundestag wurde bisher nicht über die Beschlüsse auf dem Nato-Gipeltreffen Anfang April in Bukarest informiert. Trotzdem soll er im Herbst über die Entsendung von 1.000 zusätzlichen Soladten abstimmen. Der FDP-Abgeordnete Werner Hoyer fragte: "Wie kommt man auf 1.000?" Eine Antwort bekam er nicht. Winkelmann: "Die Nato-Militärs begründen die Geheimhaltung der konkreten Ziele in Afghanistan damit, dass sie durch jede konkrete Information nur den Taliban strategisches Futter gäben. Auf diese Weise bleiben Öffentlichkeit und Bundestag auf ihr Vertrauen in den weisen Ratschluss von Militär und Regierung angewiesen. Und auf die Hoffnung, dass die schönen Dorfgeschichten stimmen." Hoffentlich bleibt sie dran am Thema, die taz-Frau. Die Taktik von Steinmeier und Konsorten beruht ja auch darauf, dass die Medien über ihre Nebelkerzen berichten, damit sie bei ihrer Unterstützung der amerikanischen Kriegspolitik nicht gestört werden - siehe die CIA-Flüge (die Steinmeier bewusst zugelassen hat) und die Nutzung der US-Stützpunkte in Deutschland für den Irak-Einsatz. Apropos: Wussten Sie schon, dass im Irak immer noch Krieg geführt wird? Der neulich erwähnte Jürgen Todenhöfer, der auf eigene Faust im Irak recherchiert hat, schätzt, dass 100.000 "Vollzeitkämpfer" gegen die 300.000 westlichen Soldaten im Einsatz sind, dazu jede Menge Iraker, die den Widerstand neben ihrer regulären Berufsarbeit unterstützen. Täglich gibt es 100 Kampfhandlungen, die von den Besatzern ausgelöst werden, und 100 von den Irakern. Und wir hier erfahren meistens nur von Anschlägen, für die dann die fast bedeutungslose Al-Qaida verantwortlich gemacht wird - die täglichen Lügen, Futter fürs Volk.
Schöne Überschrift
"Reiche werden mehr und reicher" steht da auf "wirtschaft und umwelt". Daneben ein Beitrag über die Dicken: "Regierung will Deutsche auf Diät setzen". Zusammenfassung: "Die Reichen werden reicher und die Armen dicker".
Atommüll: Die unendliche Geschichte
In einem ehemaligen Salzbergwerk in Niedersachsen, Asse II, lagern 126.000 Fässer mit Atommüll. Jetzt wurde bekannt, dass dort täglich zwölf Kubikmeter Salzlauge mit radioaktvem Cäsium reinfließen. Man weiß aber nicht, woher sie kommt. Aber man weiß jetzt, dass die ursprünglichen Beschwichtigungen gelogen waren: Die Radioaktivität liegt weit über den so genannten "zulässigen Grenzwerten".
Atomkraft ist ökologisch und sicher. Todsicher.
Ölpest in Alaska
Der Ölkonzern Exxon/Mobil war verantwortlich für die Ölkatastrophe 1989 in Alaska. Eine Jury hatte ihn deswegen "zur Zahlung von fünf Milliarden Dollar verurteilt, ein Berufungsgericht halbierte diese Summe dann aber. Auch diesen Betrag hatte das Unternehmen nicht akzeptiert." Weiter meldet dpa: "Das höchste Gericht der USA setzte die von einem Bundesgericht festgelegte Strafgeldsumme gestern laut Medien auf 507 Millionen Dollar herunter." Jetzt zahlt es sich im wahrsten Wortsinn aus, dass der Ölpräsident George W. Bush den Supreme Court mit konservativen Nachrückern besetzt hat.
Kommentar
29. Juni 2008 Eigentlich ... ... sollte hier von der Wochenend-taz die Rede sein, allein, sie lag nicht vor der Tür gestern. Stattdessen eine kaminscheitdicke Rolle Zeitungspapier, die sich dann, nach öffnen des Knotens in dem weißen Plastikbändchen, als Süddeutsche Zeitung entrollte. War auch nicht schlecht, mal ne andere Variante aus dem Meinungskartell. Die hatten im Feuilleton ein tolles Interview mit Julie Christie - na ja, blöde Fragen, aber klasse Antworten. Die Frau habe ich schon immer (seit dem Film "Darling" von John Schlesinger) und immer noch heiß und innig ins Herz geschlossen. Am Schluss sagt sie noch etwas sehr liebevolles über Regisseure, die sie mag: "Es gibt ja nur sehr wenig interessante Regisseure: Hal Ashby, Robert Altman, Hal Hartley. Und Warren (Beatty) natürlich. Sein 'Bulworth' war doch wundervoll. Warren macht clevere Sachen. In jeder Hinsicht. Annette Benning heiraten zum Beispiel. Ich rede so über ihn, weil wir lange zusammen waren und er immer noch ein guter Freund ist, wissen Sie?" Na klar, wir wissen, damals, als die beiden in "McCabe & Mrs. Miller" von Robert Altman Also hab ich gestern die SZ gelesen - na ja. Den Lokalteil würde ich abonnieren, wenn's ihn extra gäbe, und die Wochenendbeilage auch. Den Sportteil - EM ohne Ende - hab ich nicht mal angeschaut. Ich glaube, ich bin von der taz her EM-geschädigt. Overkill. Dem Wirtschaftsteil entnehme ich die übliche unkritisch neoliberale Berichterstattung - ach wie schön ist Kapitalismus. Und der Rest? Autowerbung ohne Ende. Ungelesen ins Altpapier. Immer noch: taz vom 27. Juni Kein Respekt Ein wunderbar respektloses Stückchen hat der Michael Ringel für seine Freitagskolumne geschrieben. Ein Korvettenkapitän der Bundesmarine hatte ihn angerufen, weil Ringel auf der Wahrheitseite die Sprengung des Pressezentrums der Marine in Glücksburg gefordert hatte. Hehehe. Ringel war aber nicht im Haus, sodass der Blaue Junge eine Nachricht hinterließ: Er wolle mit Ringel diskutieren. Der verbittet sich so ein Ansinnen, weil er seit der Uni vom Diskutieren genug hat: "Diese studentischen Debattierklubs (sind) nur der Uterus für die Brut der Berufspolitiker, die alle dort ihre Karrieren gemacht haben. Wenn sie dann zwanzig Jahre später in Amt und Würden sind, beschließen sie Kriegseinsätze im Irak und Afghanistan." Und endet: "Diskutieren! Das kann Korvettenkapitän Krüger von mir aus in seiner Glücksburger WG machen, aber nicht mit der Wahrheit." Wilsonmanie Da lob ich mir die taz-Kultur: Ich erfahre endlich, dass "Pacific Ocean Blue", die geheimnisvolle Solo-LP von Dennis Wilson aus dem Jahr 1977 als CD herausgekommen ist. Und mit Maurice Summen schreibt auch noch ein Autor darüber, der dem Leser so kenntnisreich wie allgemeinverständlich die Umstände der Veröffentlichung dieses "unterschätzten Meisterwerks" und den Hintergrund von Dennis Wilson erläutert. Zum Album selbst schreibt Summen: "So wirkt dieses Album vollkommen und unfertig gleichermaßen. Die Musik ist ein Mix aus Beach-Blood, Sweat and Tears, Randy Newman, Neptun-Gospel, Pink Floyd-Prog-Schweinereien und Siebzigerjahre-ZZ-Top-Vollbartblues. Dennis Wilson singt seine selbst komponierten Lieder mit der Zerbrechlichkeit eines Robert Wyatt, allerdings auf der Stimmhöhe eines Lemmy von Motörhead. Die Rauheit seines Gesangs erinnert unfreiwillig an Joe Cocker, für dessen Welterfolg 'You are so beautiful' Dennis Wilson übrigens den Text geschrieben hat." Alles klar? Alles klar. Haben! gespielt haben, einem der wunderbarsten Western aller Zeiten, unvergessliche Winterbilder. Anzeige Ein tolles Schwarzweißfoto von Jakob Dylan, dem gut aussehenden Sohn von Bob. Es ist die Anzeige für sein erstes Soloalbum, produziert vom gigantischen Rick Rubin, der die letzten CDs von Johnny Cash und in den vergangenen Jahren zwei mit Neil Diamond aufgenommen hat. Der junge Dylan hatte mal ne Band, die hieß Wallflower und war richtig gut. Seine Solo-CD erscheint bei der Plattenfirma CBS, die auch Vater Bob in jungen Jahren unter Vertrag genommen hat. Aufrüstungsverpflichtung Neulich durfte die Brüssel-Korrespondentin Daniela Weingärtner einen Kommentar zum EU-Vertrag schreiben. Der zeigte deutlich, dass sie vor lauter Beschäftigung mit der EU nur noch innerhalb des Systems denken kann. Tarik Ahmia vom Ressort "Wirtschaft und Umwelt" blickt noch mal von außen drauf und bestätigt im Wesentlichen die fundierte Kritik an dem Vertragswerk, die Ralf Sotschek anlässlich der irischen Abstimmung formuliert hatte: "Freunden eines demokratischen, sozialen und friedlichen Europas gibt der Vertrag von Lissabon genug Gründe, misstrauisch zu sein." Er zählt die "Aufrüstungsverpflichtung" dazu, und "zahlreiche neoliberale Glaubenssätze" die "in Verfassungsrang erhoben werden". Ahmia kommt zu dem Schluss: "Niemand braucht Paragrafenmonster, wie etwa die ungeschriebene Verfassung der ältesten Demokratie Europas - Großbritanniens - zeigt. Bei verbindlichen Vereinbarungen von großer politischer Tragweite ist es zudem notwendig, die Bevölkerung direkt durch Referenden zu befragen. Dieser Prozess wird zäh und zeitraubend sein, denn Demokratie ist ein mühsames Geschäft. Er ist aber nötig, um die Bevölkerung wieder von der Idee der europäischen Integration zu überzeugen und Europa aus der Krise zu führen." Wenn man sich vor Augen führt, mit welcher Kaltschnäuzigkeit bei uns Bundestag und Bundesrat den Vertrag durchgewunken haben, wirft das ein bezeichnendes Licht auf das Demokratieverständnis hierzulande. Schon deswegen muss man den Iren dankbar sein. Kein Kommentar Die politische Karikatur zum Thema "taz-Wahlkampf für John McCain": Ein breit grinsender Barack Obama steht hinter einem Rednerpult mit zwei Mikrofonen und der Aufschrift "Change". Er streckt beide Arme in die Luft und zeigt mit Zeige und Mittelfinger das Peace-Zeichen. Über seinem Kopf steht in der Handschrift des Karikaturisten KS: "Für den Wandel!! Vom elektrischen Stuhl zur Giftspritze. Oder auch umgekehrt!" Morgen kein Ruhetag! Die taz vom Wochenende kommt also morgen ins Blog - ich hab sie mir heute, Sonntag, in aller Früh am Ostbahnhof besorgt und werde sie am Nachmittag unterm zitternden Espenlaub lesen. Bis morgen - dann werden wir wissen, ob die Titelseite mit dem Foto von den Hufen es toten Stiers auf dem Fußballrasen prophetisch oder überhebliches Wunnschdenken war.
30. Juni 2008
Sangria - Scientology 1 : 0
"Die deutsche Mannschaft hat auch ihre Momente gehabt", meinte Tom Bartels etwa 23 Minuten vor dem Abpfiff. Kann man wohl sagen, vor allem die Momente, in denen Herr Lehmann verhindert hat, dass es 3 : 0 oder 4 :0 ausging. Ein einziges schönes Spiel in so'nem Turnier (das gegen Portugal) reicht halt nicht. Die Spanier haben alles weggeputzt, was vorbeikam. Wie gut die sind, konnte jeder sehen, als sie die Russen vorgeführt haben. Falls Sie sich wundern, was da oben mit Scientology gemeint ist: Mir kommt der Joachim Löw immer so tomcruisemäßig Scientology-angehaucht vor. Und diese eng taillierten weißen Hemden, die der deutsche Trainerstab bevorzugt, schauen auch irgendwie nach Sekte aus.
In meinem Apartment
Die Wochenend-taz fang ich immer von hinten an, das tazmag wird zuerst durchgeblättert, verschiedene Beiträge angelesen, "Letzte Fragen" überflogen. Wie alle Leser steh ich auf Interviews, könnte ja sein, dass jemand sich als Mensch entpuppt und was zu sagen hat. Beides trifft auf Silvia Bovenschen zu, Autorin von "Älter werden" und "Verschwinden", die von Frank Schäfer befragt wurde. Zum Thema Nachruhm verweist sie auf Goethe und zitiert Woody Allen: "Goethe hat ja noch seinen gesamten Nachruhm gleich mitorganisiert. Hinten machen wir es uns mit der Vulpius bequem, und vorne inszenieren wir den Nachruhm. Das hat die Leute zu Lebzeiten aufgebaut, dieser Gedanke, dass sie da irgendwie in ihren Werken weiterleben. Mir fällt da immer der Kalauer von Woody Allen ein: Ich möchte nicht in den Herzen meiner Mitmenschen weiterleben, sondern in meinem Apartment. Geht mir ganz genauso." Na, ich weiß nicht. Schreiben kann ja ein Gewinn sein, allein, weil man es tut, ein spiritueller Gewinn. Schön ist aber auch, wenn man das Geschriebene mit anderen Menschen teilen kann, sprich: gelesen wird. Und da kommt ab einem bestimmten Alter unweigerlich der Gedanke dazu, dass man nicht allein für die jetzt lebenden Mitbewohner des Planeten schreibt, sondern auch für Menschen, die nach einem kommen. So wie man sich ja auch an Autoren freut, die vor einem da waren, längst tot sind, aber einem mit ihrer Sicht der Dinge beim Blick auf die Gegenwart helfen. Und oft stelle ich beglückt fest, wie mich jemand bestärkt, weil er oder sie schon vor achtzig oder zweihundert Jahren eine ähnliche Haltung zu seiner oder ihrer Mit- und Umwelt eingenommen hat, wie ich heute. Erich Kästner fällt mir ein, Robert Walser, Colette, Joseph von Eichendorff, Jean Paul.
So'n Theater
Der neulich hier arg gescholtene Dirk Knipphals hat ein ganz feines Interview geführt mit dem Theaterregisseur Jan Bosse und dem Autor und Intendanten des Maxim Gorki Theaters in Berlin, Armin Petras. Da kam mir beim Lesen der Gedanke, dass Theater doch noch wichtig sein kann, auch wenn ich schon lange keins mehr von innen gesehen habe - ich glaub, das letzte Mal war "Kabale und Liebe" als Abschlussinszenierung von Studenten der Theaterakademie. Und da bin ich auch nur hin, weil mein Freund der Knattermime als erfahrener alter Profi den jungen Hüpfern beistehen sollte. Jedenfalls erzählen Bosse und Petras ganz außerordentlich feine Sachen über ihre Inszenierung des 1300-Seiten-Romans "Anna Karenina" von Leo Tolstoi, und da dachte ich, dass nicht nur Theater noch wichtig sein kann, sondern auch das Schreiben und Reden darüber. Bosse sagt an einer Stelle: "Man bastelt sich heutzutage seine Dämonen selber, um sie dann schön bekämpfen zu können, weil man sich sonst gar nicht mehr verorten kann. Das empfinde ich als ein riesiges Problem unserer Zeit." Da musste ich sofort an die Art und Weise denken, wie die taz am Vortag mit Barack Obama umgesprungen ist. Schön fand ich auch Jan Bosses These, dass große Gefühle nur in wirklichen Lebenskatastrophen entstehen: "Von da aus gibt es vielleicht sogar eine unbewusste Sehnsucht nach der totalen Krise." Und Bosse sagt dann noch was, das mich direkt auf mich selber zurückgeworfen hat: "Ich glaube schon, dass man die Sehnsucht nach einer Amour fou ernst nehmen muss. Menschen sind einfach nicht zu verstehen ohne die Sehnsucht nach dem Irrationalen, danach, dass es wie der Blitz einschlägt, dass es die Liebe auf den ersten Blick tatsächlich gibt." Wie die Sehnsucht nach der "totalen Krise" mit der Sehnsucht nach der "großen Liebe" zusammentrifft, können Sie nachlesen, wenn Sie hier klicken und sich die Leseprobe meiner Novelle "Delfina Paradise" angucken.
In meiner Nachbarschaft
Da freut sich der Mensch, wenn auf der Seite 3 ein Artikel damit anfängt, dass der Autor, Philipp Gessler, meine Nachbarschaft beschreibt: "Und am Straßenende, am Kufsteiner Platz, wo die Kinder von Thomas Mann in die Tram stiegen und sich geheime Handzeichen gaben, dort drüben saßen sie immer auf den ruhenden Hirschen des Diana-Brunnens; auf den Rücken der steinernen Tiere, festgeklammert an den Ohren, die irgendwann abfielen. Und hier, erzählt Peter Jordan mit einer Geste Richtung Boden, ja hier, vor der Mauerkircherstraße 13, waren im Trottoir die Gedenksteine an seine ermordeten Eltern angebracht, bis die Stadt München diese 'Stolpersteine' herausreißen ließ. Vor dem Elternhaus des 85-jährigen Briten erinnert nichts mehr an seinen Vater und seine Mutter, die von den Nazis umgebracht wurden. Die Eltern tot, die Erinnerung beseitigt." Da sage noch einer, die arg berlinlastige taz ignoriere München vollkommen. Kürzlich ein Interview mit dem neuen Chefredakteur der Abendzeitung, und jetzt rücken sie mir fast bis vor die Haustür auf die Pelle. Deshalb noch ein paar Ergänzungen. Die Kinder von Thomas Mann mussten noch ein Stückchen weiterlaufen, bis zur Ecke Mauerkircher- und Montgelasstraße, um in die Trambahn einzusteigen - am Kufsteiner Platz fuhr und fährt keine. (Über das Mann-Haus finden Sie ein Kapitel in "Stille Winkel in München" - siehe Anzeige gleich im Anschluss -, und einen Artikel hier unter "Klicken - Lesen", Überschrift "Wohnen est omen".) Zum Diana-Brunnen wäre anzumerken, dass er vor zehn Jahren restauriert wurde, aber die Hirschohren werden auch heute noch gelegentlich von Kindern oder Rowdys abgebrochen. Zur Zeit sind sie mal wieder dran, sorgfältig ausgeführte Bildhauerarbeit, so dass man die Bruchstelle kaum bemerkt. Die Geschichte der Gedenksteine, der "Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig, erzählt Phillipp Gessler betont sachlich und verdeutlicht die Dorfposse anschaulich, die dahintersteckt. Das Politische steht eher zwischen den Zeilen. Es geht dabei um die Intoleranz der Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, und den meist schon vorauseilenden Gehorsam des Oberbürgermeisters Christian Ude, der aus Gründen politischer Korrektheit so ziemlich alles richtig findet, was die oftmals schwer nervende Dame vorschlägt. Und wenn die sture Knobloch eine andere Kunstauffassung vertritt als der alte Herr Jordan und der Künstler, der die "Stolpersteine" erdacht hat, dann wird sich Ude hüten, ihr zu widersprechen oder sich gar mit ihr anzulegen. Mir san mir, da kennt ja a jeda kemma. (Übers. a. d. Bayer.: Wir sind wir, da könnte ja jeder kommen.)
Männer
"Männer können halt seine Gefühle nicht zeigen." Das steht als Schlusssatz unter einer tazzwei-Meldung des Inhalts, die Selbstmordrate bei Männern sei höher als bei Frauen. Angeblicher Grund: Erstere reden "gegenüber Ärzten weniger häufig von seelischen Beschwerden". Redakteure können halt seine Sätze nicht korrigieren. Kein Grund, sich umzubringen!
Zitat
Er mag ja viel schreiben, der Robert Misik, aber das spricht nicht immer gegen das, was er schreibt. Manchmal gelingen ihm recht wohlgedrechselte Sätze. Hier ein Zitat aus seinem Artikel über den unglückseligen österreichischen Noch-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer: "Aber das einer sich auskennt, reicht noch nicht zum guten Politiker, und zwar nicht nur, weil ein Politiker in Österreich automatisch eine schlechte Presse hat, wenn er klüger erscheint "als der nächstbeste Chefredakteur" (Armin Thurnher). Wobei Gusenbauer ein besonderer Fall ist, aber auch ein Kind seiner Zeit. Ein besonderer Fall, weil er sich mit einem Schuss Eigensinn, den man auch Arroganz nennen kann, für einen ganz tollen Hecht hält und all jene, die diese Meinung nicht vollends teilen, für Idioten. Von legendärer Beratungsresistenz ist er ohnehin."
Martin Walser ist ein Blödmann
Oder zumindest war er einer, 1963, als er in seinem Tagebuch am 8. April mit dem Verleger Heinrich Maria Rowohlt eine Nacht durchmachte und in seinem Tagebuch notierte: "Abends Graham Greene bei Bucerius. Ledig-Rowohlt groß in Englisch. Danach fort nach St. Pauli. Ledig-Rowohlt bezahlt 1700. Die junge Schwarze. Aber die Großmutter kettet uns an sich. Also wird die Mulattin nicht beachtet. Man tut treu dieser Blödhure gegenüber und sieht gegen 7 Uhr ein, daß sich das nicht rentiert." Selber Blödmann! Wenn Leute von sich immer neutral als "man" reden, werde ich zutiefst misstrauisch. Statt "ich" zu schreiben und für sich und seine Äußerungen und Taten die Verantwortung zu übernehmen.
Ökotopia
Wo müssen Stromkonzerne bis 2020 ein Drittel ihrer Energie aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen? Wo dürfen bald nur noch Autos mit niedrigem CO2-Ausstoß fahren? Wo werden Hausbesitzer per Gesetz gezwungen, Solaranlagen auf ihre Dächer zu montieren? Wo dürfen Neubausiedlungen nur noch in der Nähe öffentlicher Verkehrsmittel errichtet werden, um Autofahrten zu reduzieren? Und wo wird der Urheber solcher Maßnahmen scharf angegriffen, von der (Auto-)Industrie und seinen Parteifreunden aus der republikansichen Partei? Antwort auf alle Fragen: Kalifornien. All das geschieht, um die ehrgeizigen Pläne von Arnold Schwarzenegger aus dem Klimaschutzgesetz zu erfüllen, das er vor zwei Jahren unterzeichnet hat. Und wer schrie gleich Zeter und Mordio und drohte mit Klagen vor Gericht? Richtig, die deutsche Autoindustrie, allen voran Daimler und BMW, fürchtet um ihre Exporte in die USA.
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