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16.09.2008 12:42:27
1. September 2008

zur taz von heute, Seite 12

Sozial schwach, sprachlich daneben

Auf der Meinungsseite ein Kommentar von Klaus Hillenbrand, der mal Chef vom Dienst war oder immer noch ist - der Leser erfährt ja nichts aus dem taz-Impressum. Na, jedenfalls arbeitet der Mann schon gefühlte 100 Jahre bei meinem geliebten Käseblättchen, schreibt seitenweise Artikel zum Thema Zypernkonflikt, und müsste eigentlich wissen, wie man mit Sprache umgeht. Und dann salbadert er doch wieder von den "sozial Schwachen", für die es einen Unterschied macht, ob die Bahn für Fahrkarten am Schalter 2,50 Euro draufschlägt. In der taz wurde schon mehrmals in Leserbriefen darauf hingewiesen, dass Menschen, die nur ein geringes Einkommen haben, nicht sozial schwach sind. Sie sind vielleicht finanziell schlechter gestellt, arm, "wirtschaftlich schwach", wenn's denn sein muss, aber sozial schwach oder asozial sind Leute wie Wolfgang Clement und Gerhard Schröder, die zehntausende von Menschen in die Armut getrieben haben, oder Helmut Mehdorn, Josef Ackermann, René Obermann und wie sie alle heißen, die Rekordprofite einfahren wollen und massenhaft Leute entlassen. Menschen, die weniger Geld zur Verfügung haben, können auch sozial schwach sein, klar, aber das hat Klaus Hillenbrand in diesem Zusammenhang ja wohl nicht gemeint.

Kommentar

3. September 2008

Treppensteigen - yesss!

In der Montags-taz, 1. September, eine ap-Meldung: "Regelmäßiges Treppensteigen statt Liftfahren verbessert nicht nur die Fitness, sondern verringert auch Körpergewicht und Hüftumfang." Issjatoll, wer hätte das gedacht? Na ich natürlich! Steht schon in der Liebesnovelle "Delfina Paradise - der aufrechte Gang", für die hier ein Stück weiter unten geworben wird (kostet schlappe 5 Euro in einem kleinen Schein!). Da steht schon ziemlich am Anfang:

„Ich will nicht wegziehen“, sagt er, „auch nicht nach Wien. Mein Herz hängt an dieser Stadt. Mir gefällt die Anonymität in München, da, wo ich jetzt wohne. Ich kenne niemanden in meinem Haus, von der Hausmeisterin abgesehen. Die ist richtig nett. Man grüßt sich freundlich auf der Treppe und lässt einander in Ruhe. Manchmal stehen Bücher oder CDs auf den Briefkästen. Zum Tauschen, zum Verschenken.
Ich glaub, ich hab meinen Platz zum Schreiben hier gefunden. Kein Verkehrslärm, alte Bäume im Hinterhof, Blick in den Himmel, fünf Minuten bis zum Urwald. Und die Treppen hochwippen in den vierten Stock hält mich auch noch fit. Ich kann Aufzugfahren nicht ab. Man verschwendet mehr Energie, als man sich beim Treppensteigen holen kann.“
Oh je, er doziert schon wieder.

zur taz vom Dienstag, 2. September


Der Staub von Kabul



Eine beklemmende Reportage aus Kabul, Kundus und Masar-i-Scharif. Ulrike Winkelmann war wohl letzte Woche in Afghanistan, eingeflogen mit einer Journalistengruppe, die von der Bundeswehr hautnah über den Stand der Dinge informiert werden sollte. So sieht die Presseperspektive dann aus, wenn man sich nur noch mit dem "Fuchs"-Panzer in der Stadt bewegen kann: "Durch die zwei Luken quillt jetzt der Staub so dicht, als würde er mutwillig hineingeblasen. Innen stehen die beiden Soldaten, die mit Waffe im Anschlag die Route sichern. Nur durch die winzige Heckscheibe dürfen die Journalisten etwas von Kabul sehen - wenn sie etwas sehen. Denn auch ihre Brillen mussten sie verstauen, was der Transportsoldat mit Ausführungen darüber garnierte, wie sich bei einem Anschlag splitternde Brillengläser in die Augen bohren."

Aber auch wenn die Presseleute so gut wie nichts von Kabul zu sehen bekommen haben, wird schon sehr deutlich: Da läuft was im wahrsten Wortsinn granatenmäßig schief im Staat Afghanistan. Die anfängliche Zurückhaltung in der Bevökerung der Bundeswehr gegenüber ist längst der Abneigung gegen das ausländische Militär gewichen. Inzwischen unterscheiden sich die deutschen Soldaten nicht mal mehr durch ihr Auftreten von den US-Amerikanern: "In der Mitte der Straße rast der Panzerkonvoi durch Kabul. Ganz genauso, wie es von 'den Amis' gemacht wird. 'Wir wollen nicht stehen bleiben. Wenn wir stehen bleiben, das ist das Schlimmste, was uns passieren kann', sagt der Soldat."
Eigentlich berichtet Ulrike Winkelmann aus dem Parlamentsbüro der taz. Es ehrt sie, sich mit eigenen Augen ein Bild von der Lage zu machen, in der sich die Soldaten befinden, weil sie von diesem Parlament nach Afghanistan geschickt worden sind. Jetzt steckt die Bundeswehr mitten drin im großen Schlamassel, das ihnen die deutsche Außenpolitik mit ihrer US-hörigen Kriegsbeteiligung eingebrockt hat. Ob es richtig war, dass sich Winkelmann in diese Gefahrensituation begeben hat, sei dahingestellt. Ich grüble ne Weile darüber nach, während ich unterm raschelnden Espenlaub am Tivoli-Pavillon sitze und die zweite Halbe Helles trinke. Würde ich für die taz nach Afghanistan fliegen? Für den taz-Leser? Für die Wahrheit über einen bescheuerten Krieg? (Gibt es andere Kriege?) Ich komme zu dem Ergebnis: Ich würde es nicht tun. Aber einer muss es wohl machen. Muss?
Vielleicht sollte man lieber die Kriegstreiber aus allen Parteien nach Afghanistan schicken, ihnen die Brillen abnehmen und sie dem Sand von Kabul in einem "Fuchs"-Panzer aussetzen.
Gestern hab ich auf tagesschau.de ein Interview mit einem russischen Professor gelesen, der einen schönen Satz zum Nato-Krieg in Afghanistan sagte: "Verlieren wird der Westen den Krieg nicht, aber gewinnen auch nicht."

Gustav - gUStAv

Sehr schön, was Arno Frank unter dem Titel "Ein politischer Wirbelsturm" auf tazzwei zusammengetragen hat. Da sich alle unsere Medien überwiegend auf die USA konzentrieren und sich dort ihre Informationen holen, erweckt die Berichterstattung den Eindruck, "dieser tropische Wirbelsturm sei erst am Montagabend auf die Zivilisation getroffen." Interessant wird so ein Hurrikan erst, wenn New Orleans evakuiert wird. Vorher sind zwar schon 95 Menschen gestorben, die waren aber in so nebensächlichen Ländern wie der Dominikanischen Republik, Haiti, Jamaika und Kuba zu Hause.
Um den Gedanken von Frank fortzuführen: Es ist doch viel wichtiger, zu melden, dass die Republikaner ihren Parteitag anders durchziehen als geplant, als über die Sturmschäden auf Kuba zu berichten. Selbstverständlich ist der Wirbelsturm politisch - John McCain betätigte sich als Katastrophenhelfer, auch wenn es keine Katastrophe gab, und George Bush stand bei der Organisation der Vorsichtsmaßnahmen im Weg rum. Zumindest Barack Obama behielt klaren Kopf und wartete lieber erst mal ab. Gute Taktik, Senator!
Ob es der Glaubwürdigkeit des Bürgermeisters von New Orleans schadet, dass sein "Jahrhundertsturm Gustav" eher als heftige Brise vorbeizog, ein gustav, klein geschrieben? Und was soll man vom Gouverneur von Louisiana halten, der vorhersagte, Gustav werde Katrina noch übertreffen?
Politik mit dem Wetter ist noch unberechenbarer als Politik im Allgemeinen.

Zitat

"Da werden, wie in jeder Hexenjagd üblich, die Einschüchterungsversuche und die Beleidigungen persönlich, wenn Henryk M. Broder etwa Frau Hecht-Galinsky als 'hysterische, geltungsbedürftige Hausfrau' abtut. Hier möchte man Broder an die Worte des Rechtsanwalts Joseph Welch erinnern, die dieser McCarthy während seiner berüchtigten Anhörungen zurief: 'Es reicht. Haben Sie denn überhaupt kein Anstandsgefühl, mein  Herr? Haben Sie kein Anstandsgefühl mehr?'"
Michael Bodemann in einem Kommentar über den  Rechtsstreit zwischen Broder und Evelyn Hecht-Galinsky und den reflexartigen Vorwurf, antisemitisch zu sein, wenn man die Politik der israelischen Regierung kritisiert. Bodemann unterstellt damit, Broder hätte einmal ein Anstandsgefühl gehabt.

Kommentar


4. September 2008

Kunst und Mode

Nanana, lieber Tobias Rapp - das ist doch wohl eine arg kühne Behauptung: "Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass langfristig nur zwei produktorientierte Kulturindustrien übrig bleiben werden. Kunst und Mode. Die Tonträger verschwinden. Sobald die Übertragungsgeschwindigkeiten und Speicherkapazitäten groß genug sind, wird die Filmindustrie in Schwierigkeiten kommen." Und dass die E-Books die Bücher verdrängen fehlt dann auch nicht. Später nehmen Sie Ihre anfängliche Behauptung zurück - und fügen als Drittes die Kochkunst hinzu, weil "Essen neben Anziehsachen und sozialer Distinktion das dritte Feld" sei, "das sich nicht digitalisieren lassen wird."
Jetzt mal abgesehen von der Einschränkung "produktorientiert", die ja das Unbedingte Ihrer Aussage etwas mildert, ich will Ihnen was sagen: Es wird auch in Zukunft CDs mit schön gestalteten Booklets und einfallsreicher Musikzusammenstellung geben, es werden weiterhin Leute ins Kino gehen, und schön gebundene Bücher oder Taschenbücher mit Seiten zum Umblättern und dem Geruch von bedrucktem Papier werden auch nicht verschwinden. Und Musiker und Schauspieler werden weiterhin ihre Konzert- und Aufführungs-"Produkte" an die Frau und den Mann bringen, und Zeitschriften wie die von Ihnen besprochenen Spex und Liebling und raschelnde Tageszeitungen wie die taz auf Papier wird es auch in Zukunft geben. Vielleicht werden darin aber weniger Artikel stehen, die bei jedem neuen Medium die Abschaffung der alten Medien beschwören, weil das irgendwann den Leser langweilt.

Kunst in der U-Bahn

Wenn die Münchner Verkehrsgesellschaft eine öffentliche Kunstaktion von Andreas Ammer verbietet, muss sich die taz-Kultur selbstverständlich auf die Seite der Münchner Kulturmafia stellen und einen Artikel von Johanna Schmeller abdrucken, in dem die geplante Performance verteidigt wird. Ich kann nur sagen: Da hat jemand bei den Verkehrsbetrieben völlig richtig gehandelt, denn den wehrlosen Leuten in der U 3 im Berufsverkehr "Dokumentararien" über den Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972 aufzudrängen - der Gedanke hat schon etwas Totalitäres, auch wenn das in der Kunstsprache "invasiv" heißt.
Der Skandal liegt woanders. Wie kann das Kulturreferat der Stadt München für solch menschenverachtenden Unfug 40.000 Euro aus Steuergeldern bewilligen? Ganz einfach: Man muss nur die richtigen Beziehungen haben, die entsprechenden Leute im rotgrünen Kulturfilz oder bei den öffentlich-rechtlichen Honigtöpfen kennen, dann kann man in München jahrelang Kunst produzieren, die kein Schwein interessiert.

Frank Zander - er lebe hoch, hoch, hoch!

Ein ganz wunderbares Interview von Corinna Stegemann (einen Fernkuss dafür!) mit Frank Zander. Ich muss mich schon sehr verändert haben im Lauf der Zeit, sonst hätte ich einfach weitergeblättert, aber wahrscheinlich lag's an der Kombination Interviewerin/Interviewter. Und was fragt ihn die taz-Frau? "Wie haben Sie sich im Laufe der Zeit verändert?" Das ist eigentlich eine dieser Fragen, auf die kein Mensch eine gescheite Antwort geben kann. Zander schon. Und weil er mir so sehr aus dem Herzen spricht (siehe den Eintrag "Planetenschmerz" vom 31. August!), kommt hier ein längeres Zwischenspiel. Das Wort hat Frank Zander, möge er lange leben und arbeiten:
"Ich behalte zwar meinen Humor und ich bin absolut optimistisch. Aber ich merke, dass ich, je älter ich werde, viel, viel mehr nachdenke. Über die dummen Menschen, den Egoismus, über Arschlöcher an der Börse, über Spekulanten, Hedgefonds, Manager und all das, was uns noch schneller zum bitteren Ende führen wird, als wir glauben. Die Gier ist so sehr gewachsen. Früher gab es nur ein paar Gierige, aber die reichten auch schon. Heute ist leider die Summe gieriger Arschlöcher sehr stark gestiegen. Das macht mir manchmal Sorgen, denn ich sehe genau, was passiert. Dinge geschehen, die wir nicht mehr kontrollieren können. Die Naturkatastrophen werden mehr, die Erderwärmung - all das sehe ich und spüre es auch, und das sind für mich manchmal richtige Schmerzen. Und wenn ich dann all die Obdachlosen sehe und auf der anderen Seite sehe, wie in Dubai die Menschen wie blöde das Geld rauswerfen, ach, das tut mir weh. Tja, das ist halt der andere Zander in mir."
Lieber anderer Zander: I love you! Ich würde dich gern als älteren Bruder adoptieren.

Alles mit Preisschild versehen: Grundeinkommen ist billiger als Hartz IV

Die armen Kranken von der neoliberalen Abteilung Raffke und Profitlich kapieren ja nur noch finanzielle Argumente. Natur ist nicht einfach gut, weil es sie gibt, nein, sie wird erst gut, wenn sie sich rentiert - wenn Tourismus Kohle bringt, oder wenn ihr Schutz Geld spart. Ähnlich argumentiert Stefan Senkel, ein Berliner Rechtsanwalt, in einem Leserbrief gegen Hartz IV: "Möglicherweise setzt sich bei steigenden Kosten für die justizielle Bearbeitung der  Harz-IV-Fehlentwicklungen in der Politik auch die Erkenntnis durch, dass das Hartz-IV-System dermaßen unwirtschaftlich ist, dass es zu Gunsten eines einfachen, bedingungslosen Grundeinkommens abgeschafft werden kann."

2 1/2 gute Nachrichten

1) Auf der Bahn wurden im ersten Halbjahr 5,4 Prozent mehr Güter transportiert. 1 gute Nachricht.
2) Peter Maffay will ab dem nächsten Jahr Bio-Lebensmittel verkaufen, die aus dem Anbau auf seinem eigenen Hof stammen. Das wäre eigentlich eine ganze gute Nachricht. Man muss sie aber halbieren: Der Hof heißt Finca, und die liegt in Mallorca, was wohl bedeutet, dass die Zucchini und Tomaten eingeflogen werden müssen. Ist das noch bio? Ja, aber öko isses nicht. 1/2 gute Nachricht.
3) Mit dem Gewinn aus dem Bioanbau will Maffay behinderten und missbrauchten Kindern Ferienaufenthalte finanzieren. 1 gute Nachricht.
Summe der guten Nachrichten: 2 1/2

Grüne Kriege

Holy Shit! Da kommen sie schon mal zu einer richtigen Einsicht, die staatstragenden Kriegsbefürworter von der Grünen Partei, und was kommt raus? Eine haarsträubende Begründung! Dass sie 1999 den Einsatz im Kosovokrieg mitgetragen haben, finden sie nachträglich nicht mehr richtig. Weil Krieg große Scheiße ist und dabei Menschen um- und zu Schaden kommen, weil Städte zerstört und Landschaften verwüstet werden? Denkste. Weil der Krieg "schädlich für die Glaubwürdigkeit" der rot-grünen Bundesregierung gewesen sei. Ich fass mich an den Kopf: Wo leben diese Grünlinge eigentlich? Wie krank sind die im Kopf?
Wenigstens geben sie zu, dass Joseph Fischer mit seiner Auschwitz-Keule bei der Begründung voll daneben lag, und dass nicht einmal der angebliche Zweck des Bombardements erreicht wurde. Der Kriegseinsatz hat alles noch viel schlimmer gemacht: "Die drohende humanitäre Katastrophe konnte nicht unmittelbar verhindert werden, im Gegenteil."
Was nützt es den Opfern auf dem Balkan, dass die Grünen in Berlin neun Jahre später zur Einsicht gekommen sind, dass es falsch war, sie umzubringen? Und vor allem: Wer glaubt diesem Grünvolk noch, dass sie den nächsten Krieg nicht wieder unterstützen? So lange Säbelrassler wie dieser Winfried Nachtwei das Sagen haben, gilt: Wer grün wählt, wählt "Kriseninterventionskräfte" und "Friedenserhaltende Maßnahmen", wer grün wählt, wählt Bundeswehreinsätze auf dem ganzen Planeten.
Wer grün wählt, wählt Krieg.

Kommentar


5. September 2008

SPD - einfach e-kel-haft

Sie wollen nicht zufällig wissen wie ein von den regulären Medien als "SPD-Linker" eingestufter Mensch am 5. September 2008 über die Agenda 2010 redet? In einem Interview mit tagesschau.de, wo er Werbung für sein neues Buch betreiben darf? Na denn, tun Sie es sich an!

Ottmar Schreiner:
Ich würde nicht von Lagern reden. Die entscheidende Frage ist, ob die Partei insgesamt unabhängig von den Flügeln die Kraft hat, eine differenzierte Beurteilung der Agenda 2010 vorzunehmen. Dabei geht es nicht darum, pauschal zu sagen, dass alles, was mit der Agenda 2010 zusammenhängt, falsch war, aber ebenso falsch wäre es zu sagen, die Agenda 2010 war insgesamt positiv.


Wollen Sie jetzt noch wissen, was Franz Müntefering, ein "SPD-Rechter", zum selben  Thema zu sagen hat? Nö? Ich auch nicht.

Aber immer wieder interessant finde ich, was einer der Mitbegründer der Bayrischen Räterepublik, der Philosoph Gustav Landauer, über die SPD zu sagen hatte. Und zwar im April 1919, vier Wochen, bevor ihn die Truppen des (SPD-)Kriegsministers Gustav Noske ermordet haben: «In der ganzen Naturgeschichte kenne ich kein ekelhafteres Lebewesen als die Sozialdemokratische Partei.»
Amen.
(vgl. dazu auch den Eintrag vom 22. 8.!)

Und hier noch ...

... das Wetter. Dieser Sommer hat der Meteorologie in dieser Gegend mal wieder deutlich ihre Grenzen aufgezeigt. Fest steht: Die meisten Prognosen, die das Wetter für mehr als drei Tage voraussagen, sind vollkommen unzuverlässig, überwiegend total für die Katz. Was die Drei-Tages-Prognosen betrifft, sind sie so oft daneben wie richtig - nur gefühlte 50 Prozent sind korrekt. Und oft stimmt nicht mal die Voraussage für den nächsten Tag - sei es, dass abends kein Gewitter kommt, dass es nachts doch nicht regnet, dass am Nachmittag trotz vorhergesagten Dauerregens die Sonne scheint, oder umgekehrt. Da längere stabile Sonnenwetterlagen in diesem Sommer kaum vorkamen, eine Woche am Stück ohne Regen gerade ein Mal, konnte man sich nur auf die Siebenschläferregel verlassen: An dem Tag gab's Sonnenschein, bedeckten Himmel, Regen, wolkenlosen Himmel in ständiger Abwechslung. Und so wurde der gesamte Sommer. Tage über 30 Grad waren Gott sei dank an den Fingern einer Hand ohne Daumen abzuzählen, und Dauerregenperioden gab's gar keine. Alles in allem, im Rückblick gesehen: Ein angenehm durchwachsener Sommer.
Oder haben Sie das anders empfunden?
Wie ich aufs Wetter komme? Weil gestern das Symbol "Sonne halb verdeckt von Wolke" für heute vormittag auf wetter-online stand, und jetzt ist der Himmel so dick mit Wolken bepackt und so duster, dass ich um neun Uhr das Licht der Schreibtischlampe brauche. Kein Lüftchen regt sich, die Blätter hängen bewegungslos, die Welt ist erstarrt.
In dem Film "Orfeo negro" kommen die beiden kleinen Jungs zu Orfeo und fragen ihn: "Stimmt es, dass du die Sonne aufgehen lassen kannst, wenn du Gitarre spielst?"
"Na klar", sagt Orfeo.
"Oh Mann, kannst du uns das zeigen?"
"Freilich, kommt morgen früh um vier bei mir vorbei, dann gehen wir rüber zur Klippe, und ich zeig es euch."
Es klappt tatsächlich, und die kleinen Jungs sind ganz begeistert und freuen sich wie kleine Jungs.
Vielleicht sollte ich jetzt lieber Gitarre spielen.

 
Alte vögeln


Apropos Wolken: Der Filmtitel "Wolke 9" stammt aus einem Song von John Lennon, und der Regisseur Andreas Dresen hat die LP "Walls and Bridges" so sehr geliebt, dass er irgendwann einen Film mit eben diesem Titel rausbringen wollte. Nur musste er den erst drehen. Das hat er gemacht, und da muss man sich jetzt 70-jährige Menschen anschauen, wie sie miteinander nackt ins Bett steigen und anschließend vögeln. Will das jemand sehen?
Ich frag ja nur, mich interessiert das nämlich kein winziges bisschen.
Cloud nine. Revolution number nine. Number nine, number nine, number nine. Das Weiße Album, von den Beatles. Hm.
"Vergiss nicht zu winken, wenn du vorbeifliegst, ich warte auf Wolke neun." Oder, wie die Zeichenfigur "George Harrison" in "Yellow Submarine" so richtig bemerkt: "It's all in your head."
Nein, ich will nicht zusehen, wie alte Leute vögeln.

Muss man Barack Obama mögen?

Nein, muss man nicht. Aber man kann, so wie ich (siehe oben unter "Bevorzugte Links").
Muss man fragen, weshalb Bernd Pickert in der taz dauernd an ihm rumnörgelt?
Muss man sich Gedanken machen, ob der Mann anti-US-amerikanisch eingestellt ist und die Amis grundsätzlich einfach nicht ausstehen kann?
Oder ob er masochistische Anlagen hat und sich und der Welt McCain wünscht?
Oder ob er rassistische Anlagen hat und auf keinen Fall einen Farbigen-Schwarzen-Mischling-Mulatten, Sohn einer weißen Amerikanerin und eines Afrikaners, als US-Präsident haben will?
Antwort auf alle Fragen: Keine Ahnung.
Aber merkwürdig ist es schon, dass Bernd Pickert dauernd an Obama rumnörgelt.

Boykottiert den Hofbräukeller!

Der Wirt vom Hofbräukeller heißt Günter Steinberg. Er ist stadtbekannt, weil er auch noch Wirt vom Hofbräuzelt ist auf der Wies'n. Günter Steinberg scheffelt schon sein Leben lang Geld, inzwischen ist er mehrfacher Millionär. Und er kriegt den Hals nicht voll. Jetzt hat er den Preis für die Halbe Helles im Hofbräukeller auf 3,50 Euro erhöht.
3,50 Euro für eine Halbe Bier ist eine bodenlose Unverschämtheit. Und trotzdem war ziemlich voll gestern abend, weil es geregnet hat und alle Leute, die sich schon vorher dort verabredet hatten, drinnen sitzen mussten. Ich gehe nicht mehr in den Hofbräukeller. Günter Steinberg kann mich mal.

Dichter rundum




Ich geh jetzt mal wieder eine Runde drehen. Sie wissen schon, meine Jogging-LiteraTour, hinter dem Carl Hanser Verlag vorbei, dann die Adalbert-Stifter-Straße am Steilhang entlang, über die kleine Brücke links abbiegen in die (Martin-)Opitzstraße,
beim Überqueren der (Paul-)Flemingstraße rüberwinken zum Haus von Erich Kästner, dann zur Heinrich-Mann-Allee, die Isar längs flussaufwärts, vorbei an der Gustav-Freytag-Straße, unter der John-F.-Kennedy-Brücke durch, wo der Uferweg als Thomas-Mann-Allee weiterführt, vorbei am Haus des Zauberers, bis zur Rückseite des Rewe-Markts am Kufsteiner Platz. Rewe war kein Dichter. John F. Kennedy auch nicht.

Schönen Tag noch!


Zehn Jahre ziellosen Umherschweifens


Die alten mächtigen Forste sind mir besonders teuer. Es trifft mich ins Herz, einen der Riesen fallen zu sehen, die dort ihre Äste ausbreiten. Da gibt's kein Gestrüpp, kein Unterholz. Säulengleich steht Baum an Baum. Die engen Pfade machen den Tag zur Nacht und lassen Schritt und Stimme schaurig widerhallen. Oh, wie liebe ich diese Wälder! Hier kann ich träumen, den Blick in die grüne, geheimnisvolle Ferne verloren,  hier genieße ich Ruhe, kostbare Einsamkeit und jene unnennbare Angst, die mir aus Stille und fließendem Dunkel erwächst. In diesen Wäldern finden sich keine Insekten, keine hohen, schwankenden Gräser. Hier ist der Boden bald fest und klingend, bald federnd weich, vom Wasser unzähliger Quellen gelockert. Weißbefrackte Hasen spazieren herum. Scheue Rehe huschen vorüber, so geschwind, dass man meinen möchte, es gäbe sie gar nicht.! Rotgoldene Fasane dick und fett, Wildschweine (ich bin noch keinem einzigen begegnet!), Wölfe - ja, eines Spätherbsttags, als ich Bucheckern sammelte (die guten öligen Bucheckern, die im Hals kratzen und zum Husten reizen), hörte ich einen Wolf, endlich und wahrhaftig!
Mitunter wird man in tiefem Wald von einem Gewitterregen überrascht. Dann wählt man die mächtigste Eiche in der Runde, duckt sich, wagt kaum zu atmen und lauscht im wohlig-warmen Nest dem Prasseln des Regens, der auf das Blätterdach herniederrauscht, um zögernd wieder aus dem Dunkel zu tauchen, geblendet und verloren im hellen Tageslicht.
Und die Tannenwälder! Sie sind weder dicht noch über die Maßen geheimnisvoll, doch ich liebe sie um ihres Duftes willen, ich liebe ihr Lied im Wind und das zarte, würzige Heidekraut, das in ihrem Schatten erblüht, rosa und violett. Der Weg zu ihnen führt durch einen Jungwald. Plötzlich - welch herrliche Überraschung! - steht man vor einem Weiher, glattem, tiefem Spiegel, von Wäldern umrahmt, weltfern und einsam. In der Mitte, auf einem Inselchen, drängen sich die Tannen aneinander und ein entwurzelter Stamm ist des Mutigen einzige  Brücke. Drüben angelangt, macht man Feuer, ob Sommer oder Winter (warum? Weil es verboten ist!), brät Äpfel, Birnen, eine gestohlene Kartoffel, was auch immer. Im Notfall tut's ein Stückchen Schwarzbrot. Dann riecht es bittersüß nach Harz und Rauch, unappetitlich, wundervoll.
In diesen Wäldern habe ich zehn Jahre ziellosen Umherschweifens verlebt, zehn herrliche Jahre der Entdeckungen, Siege und Eroberungen. Eines Tages werde ich scheiden müssen, und diesen Abschied fürchte ich heute schon.

Colette, Claudine erwacht. Paris, 1900. Aus dem Französischen von Lida Winiewicz. Wien, 1957


Kommentar



7. September 2008

Das Wort zum Sonntag

Kurt Beck
ist weg

Politische Wissenschaft: UnSere Amis

Warum sich ausgerechnet die Deutschen so brennend für die Präsidentenwahl in den USA interessieren, liegt auf der Hand: Wir wären schließlich gern alle US-amerikanisch. Die USA sind der Teil von Europa, der hier keinen Platz hatte. Die Träume, die in Nordamerika verwirklicht und geträumt werden, sind ja zutiefst europäisch geprägt. Und ob wir sie mögen oder nicht, sie sind unsere Amerikaner. Es wird Zeit, dass wir das Wahlrecht bekommen, und den Präsidenten mitbestimmen dürfen. Dann hätte McCain  nicht den Hauch einer Chance.
Randy Newman, der wie nur wenige Song-Schreiber seine Landsleute politisch durchschaut, verspottet und ironisiert hat, schrieb mal in einem Song ("Rednecks") über Lester Maddox, den erzkonservativen, bigotten Gouverneur von Georgia, der in seinen Reden und Aktionen dem "gesunden Volksempfinden" Ausdruck gab: "Er mag ja ein Depp sein, aber er ist unser Depp."
An Randy Newman wurde ich - zwangsläufig - erinnnert, als ich am Wochenende den Bericht vom Parteitag der Republikaner von Adrienne Woltersdorf und Bettina Gaus in der taz gelesen habe. John McCain hat mit Sicherheit noch nie von Randy Newman gehört, sonst hätte er bemerkt, wie lächerlich er sich gemacht hat. Aber seine Äußerungen haben auch gezeigt, wie genau Newman die Mentalität seiner Landsleute kennt, und wie geschickt konservative Politiker damit spielen.
Das "gesunde Volksempfinden" geht immer davon aus, dass die USA (grundsätzlich "Amerika" genannt) für alle Probleme der Welt da draußen eine militärische Lösung haben. McCain: "Ich habe für die richtige Strategie gekämpft, mehr Truppen in den Irak zu schicken, als es nicht populär war, so etwas zu sagen. Das rettete uns vor einer Niederlage." Und im Übrigen glaubt das "gesunde Volksempfinden" sowieso, dass man diesen Ländern da draußen zu viel amerikanisches Geld gibt, und sie sich dafür nicht einmal dankbar erweisen. McCain: "Wir werden damit aufhören, jedes Jahr 700 Milliarden Dollar an Länder zu geben, die uns nicht besonders mögen." Die taz: "Erklärt sich McCain näher? Nein. Stattdessen frenetischer Applaus. Solche Sätze kommen im Saal bei den rund 2.400 Delegierten besonders gut an."
Das bestätigt ein Gespräch mit einer Delegierten, einer jungen Frau aus Wyoming, die in der taz zitiert wird: "Ich liebe, wie er gegen Washington wettert, besonders gegen diese Geldverschwendung, vor allem für andere Länder. Die sollen doch selber sehen, wie sie klarkommen. Warum sollen wir uns immer aufopfern?"
Die Frau findet auch McCains Wahl für den Posten der Vizepräisdentin genau richtig: "Die (Sarah Palin) steht für die Dinge, die mir am wichtigsten sind: das Recht auf Waffentragen und Abtreibungsverbot."
Tja, sie mögen Deppen sein, aber sie sind unsere Deppen.
Randy Newman brachte 1972 seine LP "Sail away" heraus
. Darauf konnte man einen Song hören mit dem Titel "Political Science". Mit "the big one" ist die Atombombe gemeint. Schon die erste Zeile brachte vor 36 Jahren John McCains oben zitierten Satz. Im zweiten Vers spricht er dann die 700 Milliarden an:

No one likes us I don't know why.
We may not be perfect, but heaven knows we try.
But all around even our old friends put us down.
Let's drop the big one and see what happens.

We give them money, but are they grateful?
No they're spiteful, and they're hateful.
They don't respect us, so let's surprise them;
We'll drop the big one and pulverize them.

Now Asia's crowded and Europe's too old.
Africa's far too hot, and Canada's too cold.
And South America stole our name.
Let's drop the big one; there'll be no one left to blame us.

(Bridge:)
We'll save Australia;
Don't wanna hurt no kangaroo.
We'll build an all-American amusement park there;
They've got surfing, too.

Well, boom goes London, and boom Paris.
More room for you, and more room for me.
And every city the whole world round
Will just be another American town.
Oh, how peaceful it'll be;
We'll set everybody free;
You'll have Japanese kimonos, baby,
There'll be Italian shoes for me.
They all hate us anyhow,
So let's drop the big one now.
Let's drop the big one now.

Da steckt die ganze Beschränktheit der US-amerikanischen Hinterwäldler drin, die Cowboy-Mentalität, auf der traditionsgemäß die Republikaner ihre Macht aufbauen - von Reagan über Bush bis McCain: Erst schießen, dann fragen! Und boshaft wie Randy Newman ist, setzt er auch noch einen Seitenhieb auf die sentimentale Tierliebe seiner Landsleute: Australien wird verschont, wir wollen doch keinem Känguru wehtun!
Der Song wurde vor zwei Jahren von irgendwelchen Leuten mit Bildern illustriert und auf YouTube ins Internet gestellt. Das ist sehr hübsch anzusehen, weshalb ich hier einen Link gesetzt habe: Political Science. Dauert nur zwei Minuten. Und danach klicken Sie wieder zurück auf diese Seite, versprochen?

Kommentar

8. September 2008

Alles Gute zum Geburtstag, Wilhelm Raabe!

 Die mir allerliebsten seiner Werke (in Klammern die Themen):

- Die Akten des Vogelsangs (Rebell und Bürgertum)
- Pfisters Mühle (Naturverseuchung: der erste Öko-Roman, 1874!)
- Die Chronik der Sperlingsgasse (Altersweisheit eines großen Humanisten)
- Horacker (Terroristenhysterie)
- Der Lar (Menschen und Affen, Tierarzt und Altersschrullen)

Als kleines Ständchen für den Meister Raabe, den auch Hermann Hesse sehr verehrte ("Besuch bei einem Dichter"), wiederhole ich hier den Eintrag vom 19. Juli:

Sie erinnern sich? "Achtung: tazblog!" vom 9. Juli 2008: "Wir müssen Benzin vergessen".
Mein Kumpel Axel hat mir ein Spiegel-Interview mit Neil Young geschickt, in dem er am Schluss sagt: "Ich weiß heute, dass alles, wovon wir seit Jahrzehnten singen, worum es uns geht, nämlich die Kriege zwischen Menschen zu beenden, sich auf eine Frage reduzieren lässt: Wo kommt unsere Energie her, und wie verteilen wir sie gerecht? Darauf hat der Musiker leider keine Antwort. Der Wissenschaftler schon. Wir müssen das Öl vergessen, wir müssen Benzin vergessen. Wir müssen Tankstellen am Straßenrand abschaffen. Und das sage ich als Autofan."
Ähnlich sah das auch schon Wilhelm Raabe, der einen seiner populärsten Romane "Der Hungerpastor" mit den Sätzen einleitete: "Vom Hunger will ich in diesem schönen Buche handeln, von dem, was er bedeutet, was er will und was er vermag. Wie er für die Welt im ganzen Schiwa und Wischnu, Zerstörer und Erhalter in einer Person ist, kann ich freilich nicht auseinandersetzen, denn das ist die Sache der Geschichte; aber schildern kann ich, wie er im einzelnen zerstörend und erhaltend wirkt und wirken wird, bis an der Welt Ende."
Energie und Hunger. Falls Sie von Wilhelm Raabes "Der Hungerpastor" noch nie gehört oder gelesen haben, kann das an den Absurditäten der deutschen Nachkriegsgeschichte liegen.
Das Buch ist 1864 erschienen, meiner Ausgabe von 1931 entnehme ich, dass bis dahin 400.000 Exemplare verkauft wurden. "Der Hungerpastor" kam nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in die Buchhandlungen, weil ein in jungen Jahren noch unbescholtener Student seine Doktorarbeit darüber geschrieben hatte. Die wurde angenommen, und er nannte sich fortan Dr. Joseph Goebbels.
Der Doktor der Germanistik handelte sich später einen denkbar schlechten Ruf ein, vor allem, weil er bei einer Massenversammlung im Berliner Sportpalast auf die Frage: "Wollt ihr den totalen Krieg?" geradezu stürmisch mit "Ja!!!" gefeiert wurde. Seine Frau handelte sich noch viel später in einem Film von Bernd Eichinger einen denkbar schlechten Ruf ein, weil da gezeigt wird, wie sie ihre Kinder vergiftet. Da war es aber schon etwa eineinhalb Jahrhunderte her, dass Wilhelm Raabe seine schöne Hymne an das Humanistische im Menschen mit dem Titel "Der Hungerpastor" geschrieben hatte.
Wenn Sie es irgendwo auftreiben können - ich kann Ihnen nur empfehlen, das Buch zu lesen.


Kommentar

9. September 2008

USA lehnen Hilfsgesuch ab


Hurrikane im Sommer 2008: "Eine Bitte von Kubas Regierung an die USA, ein seit Jahrzehnten gegen ihr Land verhängtes Embargo vorübergehend auszusetzen, lehnte US-Außenministerin Condoleezza Rice ab. Die kubanische Führung hatte gegenüber Washington den Wunsch geäußert, den Kauf bestimmter Materialien zur Überwindung der Verwüstungen durch Hurrikan 'Gustav' zu erlauben, wie das Außenministerium erklärte."

Möge sie in der Hölle schmoren, an die sie glaubt, die blödstudierte Professorenkuh.
"Ja, wer zu klug wird, ist schon wieder dumm."
Von wem? Von meinem Hausheiligen: Erich Kästner.


Fröhliche Politikwissenschaft: Die Krawatte

Sie wollten doch schon immer wissen, ob man schon an der äußeren Erscheinung, am Stil eines Politikers, seine Einstellungen und Fähigkeiten erkennt? Die Antwort: Selbstverständlich! Schauen Sie sich bloß die Krawattenknoten der beiden Herren da unten an.
Der eine, Frank-Walter Steinmeier, hat überhaupt keinen Stil,
ist von gestern, und pflegt die Politik von gestern - Hartz IV, Agenda 2010, Schröder 2.0. Das Schröderlein.  Er kümmert  sich in erster Linie um seine eigene Karriere.
Der andere, Barack Obama, hat Stil und achtet sehr genau darauf, dass auch der Krawattenknoten Stil hat. Er will etwas Neues, er will, dass sich etwas ändert, er will sich um die Probleme seines Landes kümmern, und er weiß: Es kommt immer auch auf Stilfragen an.


 Achten Sie doch mal auf die Krawatten und -knoten von Steinmeier und Müntefering und der anderen Befürworter von Armut für Millionen und Millioneneinkommen für Wenige. Sie lassen auf tiefste Provinzmentalität schließen, haben null Stil, es ist die kleinbürgerliche Achtung für Leute, die es "geschafft" haben, die diese SPD-Leute leitet. Diese Deppen wären selbst gern Millionäre, weil sie glauben, das Höchste im Leben wäre ein hohes Einkommen. Was für bedauernswerte Idioten.Diese SPD-Menschen sind allseits reduzierte Persönlichkeiten, Spezialisten für Kompromisse mit den herrschenden Verhältnissen und den wahrhaft Mächtigen, sie sind die Vertreter des Weiter-So, die Erfüllungsgehilfen von Großkonzernen und Kapitalinteressen. Wenn solche Volldeppen bei der CDU auftreten, ist das schon okay. Das muss so sein. Aber wozu soll dann die SPD gut sein?


Und weil ich grade dabei bin: Andrea Nahles hat sich den SPD-Männern rein äußerlich vollkommen angepasst, ihre Körpersprache wirkt wie die eines Apparatschiks, ihre gesprochene sowieso.


Europaparlament: Sicheres Austragsstüberl

Was ein Austragsstüberl ist? Das kriegt der Bauer, wenn er sein Leben lang gearbeitet und geackert und gesät und gesenst hat. Da wird er dann von seinen Erben versorgt. Einmischen in den landwirtschaftlichen Betrieb soll er sich möglichst nicht, zu sagen hat er auch nichts mehr. Er sitzt auf dem Altenteil.
In der Politik kriegen das Austragsstüberl, unabhängig vom Alter, die Leute, die von ihren Gesinnungsgenossen aus der politischen Klasse versorgt werden sollen, mit rund 9.000 Euro monatlich. Aber in der Politik heißt das "Sitz im Europaparlament". Auf der "inland"-Seite der taz hab ich gestern geglaubt, dass sich da endlich jemand über das Altenteil in Sraßburg und Brüssel lustig macht. Aber ich glaub, es war doch keine Absicht. Neben einem Porträtfoto vom Grünen Werner Schulz stand da die Überschrift: "Sichere Jobs gesucht": "Sichere Jobs, genug Freizeit und ein gutes Arbeitsklima ...", hihihi. Aber dann ging's weiter: "...sind vielen Studenten bei der Wahl einer Stelle wichtiger als Karrierechancen." Hm.
Zum Bild von Werner Schulz gehörte die Überschrift auf der anderen Seite des Fotos: "Für die Grünen ins EP". "... nach Parteichef Bütikofer bewerbe sich nun auch der 58-Jährige für einen Listenplatz, schreibt Focus."
Also doch:
Sichere Jobs, genug Freizeit und ein gutes Arbeitsklima! Ab ins Austragsstüberl - und möglichst nicht einmischen.
Und zu sagen ham sie ja eh nichts, die Mitglieder des EP. Es ist zum Heulen.


Kommentar

11. September 2008

Ciao, Daniela!

Wo waren Sie am Nachmittag des 11. September 2001, als in den Nachrichten vom Angriff in New York berichtet wurde? Gegen 15 Uhr rief mich mein Bruder an: "Heh, ein Flugzeug ist ins World Trade Center gekracht, mach dein Fernseher an."
"Witzbold, du weißt doch, dass ich keinen mehr hab."
"Du verpasst was, Alter."
Nee, ich hab nichts verpasst, als ich kurz nach vier in den Tassilogarten kam, lief der Fernseher hinter der Theke, die Endlosschleife mit dem Einschlag und dem Feuerball, und dann der zweite Einschlag. Hat mir eigentlich schon mal jemand erklärt, wieso da genau in diesem Augenblick eine Kamera aufs WTC gerichtet war? Bestimmt, ich hab's nur wieder vergessen. (Ich muss mal bei Mathias Bröckers vorbeischauen, was der wohl heute vom Stand der Dinge hält.)
Nach dem Tassilo ging ich mit Daniela, die ich ein paar Tage vorher kennen gelernt hatte, zu Ramo in die Pariserstraße. Da gab's keinen Fernseher. Danielas Sohn war damals fünf Jahre alt. Er hatte am Nachmittag auch die Bilder im Fernsehen gesehen, und während ich mit Daniela redete und flirtete, sammelte der Kleine im ganzen Lokal die Bierdeckel aus den Plastikständern und baute immer wieder Türme damit auf dem Tisch. Das war seine Art, mit dem Gesehenen fertigzuwerden.
Die Sache mit Daniela hatte keine Zukunft, da war außerdem noch ein anderer Typ in ihrem Leben. Von dem wurde sie schwanger, und kurz nach der Abtreibung - hat sie mir selbst erzählt - lud sie mich mal spät abends zu sich ein. Ich fuhr zwar rüber zu ihr nach Giesing, aber so rechte Lust, mit ihr ins Bett zu gehen hatte ich unter den Umständen dann doch nicht.
Ich hab sie nach dem 11. 9. noch ein oder zwei Mal gesehen, aber mit Liebe war wohl nix. Daniela, wo steckst du?

taz von gestern

In Wahrheit: Öde

Ein furchtbar langweiliger, "sprachkritischer" Beitrag von Rudolf Walther auf der Wahrheitseite über den falschen Gebrauch des Wortes "Zivilgesellschaft". So eine Besserwisserei ist besonders peinlich, wenn sie mit einem falschen Dativ anhebt: "Beim intellektuell aufgepumptem Blödsinn weiß man meistens nicht so genau, womit alles angefangen hat." Und so weiter und so schlecht. Aber man gewöhnt sich an allem, auch am Dativ.
(Wollte mal wieder den  alten Kalauer unterbringen, hehehe.)

Ostwestfale

Aber auf der Wahrheitseite steht auch ein ganz wunderbarer Beitrag von Bernd Gieseking, selbst Ostwestfale, über Herrn Steinmeier und die Logik, dass ein Ostwestfale Kanzlerkandidat der SPD werden musste. "Frank-Walter, ein Name wie fürs Schützenfest, aufgewachsen zwischen Blutwurst und Stippgrütze. ... Wenn einer weiß, wohin die CIA in Europa fliegt, was der Russe tut und will und wie man die soziale Ungerechtigkeit am besten verteilt, dann ist das Steinmeier, zu dem seit Jahren alle Welt sagt: 'Du, Frank-Walter, ich erzähl dir jetzt mal was, aber das muss unter uns bleiben!'"

Falschmeldung auf taz zwei

Hehehe, ein Prachttag für Besserwisser! Da schreibt doch einer unter der berühmten Rubrik "Das gibt zu denken": "Hape Kerkeling, 43, will nun auch singen, so richtig und auf CD gebrannt." Hallooo, tazzwei, ich habe eine Naaachricht für euch: Hape singt seit 1992 richtig und auf CD gebrannt: Sein Hit damals hieß "Hurz!!!", mit drei Ausrufezeichen, und wenn ich noch Kopfrechnen kann, war er damals genau 16 Jahre jünger. Was war noch mal 43 minus 16? Egal, aber ich kann mich noch erinnern - das Lied war grauenvoll.

Schlagzeile auf Seite 1: "Deutschland spart sich dumm"

Zahlen

Geld aus Deutschland für den zivilen Wiederaufbau in Afghanistan in diesem Jahr: 170 Millionen Euro
Geld aus Deutschland für das militärische Engagement in Afghanistan in diesem Jahr: 500 Millionen Euro

(Quelle: Ulrike Winkelmann in der taz vom 10. 9. 2008)

Zitat: "Die Pro-Kopf-Ausgaben für Grundschüler in Deutschland lagen mit rund 5.000 Dollar etwa 1.200 Dollar unter dem Betrag, den ein durchschnittliches OECD-Land pro Grundschüler ausgegeben hatte."

(Quelle: Anna Lehmann in der taz vom 10. 9. 2008)

Das Wetter

für heute, 11. 9. 2008: Sonnenschein mit 28 Grad am Nachmittag. Vorhersage für morgen: Regen bei 23 Grad.
Bis später dann, ich geh jetzt erst mal raus.

Kommentar

12. September 2008

Aufklärung? Ach wo!

Hätte mich doch sehr gewundert, wenn sich Mathias Bröckers nicht zu Wort gemeldet hätte. Ein langes Stück von ihm zum Jahrestag von 9/11 gab's auf telepolis, und das hier ist das Fazit:

"9/11 stellte die Geschäftsgrundlage für einen 'Generationen dauernden Krieg' (Donald Rumsfeld) her und damit für die größten Profite seit Erfindung des Schießpulvers. Zum Jahrestag werden wir deshalb wieder viele Beschwörungen des Osama-Wunders zu hören bekommen, denn die Massenmedien sind Teil 'der riesigen industriell-militärischen Maschine', vor deren Einfluss Eisenhower warnte. Skepsis und Zweifel, die eigentlich jedem Menschen mit einem IQ über Zimmertemperatur angesichts der unbewiesenen, nicht aufgeklärten Wundertaten von St. Osama und den Hijackern kommen, werden aber sicher auch erwähnt, samt O-Ton eines UFOlogen, Holocaustleugners oder eines anderen Verrückten, der überzeugt ist, dass Elvis noch lebt …"

Ha! An mir soll's nicht liegen

Sie haben ihn bestimmt schon mal gelesen, den Namen Apichatpong Weerasethakul. Bestimmt, denn Apichatpong Weerasethakul dreht ganz tolle Filme, und gehört zu den ganz großen Regisseuren. Vor allem bei Filmkritikern ist Apichatpong Weerasethakul sehr beliebt, sie wetteifern regelrecht darum, Apichatpong Weerasethakul in ihren Berichten von diversen Filmfestivalen (oder -vals) unterzubringen. Das hat zum einen damit zu tun, dass sie den Kollegen Kritikern beweisen wollen, dass sie Apichatpong Weerasethakul richtig schreiben können, aber auch mit der Klasse der Filme von Apichatpong Weerasethakul. Der Mann kommt, wie man schon an dem Namen Apichatpong Weerasethakul erkennen kann, aus Thailand. Dort ist der  Name Apichatpong Weerasethakul so häufig, wie bei uns Schmidt und Meyer und Steinmeyer. Apichatpong Weerasethakul fällt da gar nicht weiter auf. Aber vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass in den Thai-Hotels die Kästchen auf den Anmeldezetteln länger sind als bei uns, damit so Namen wie Apitchatpong Weerasethakul reinpassen.
Nun fragen Sie sich bestimmt, weshalb ich heute über Apichatpong Weerasethakul schreibe. Das liegt an der Filmbesprechung in der taz von gestern, in der Kolumne dvdesk, wo Ekkehard Knörer einen Film von Apichatpong Weerasethakul ganz wunderbar findet. Er nennt ihn "den vielleicht immer noch schönsten des Regisseurs", und weil ich Ekkehard Knörer einen guten Filmgeschmack zutraue, möchte ich nicht zurückstehen und Ihnen meinerseits den Film "Blissfully Yours" von Apichatpong Weerasethakul für Ihre DVD-Sammlung empfehlen, oder, wie der taz-Autor mit dem komplizierten Namen meint, Sie sollten "sich durch den Kauf reich beschenken". Denn: "Alles ist möglich in Apichatpong Weerasethakuls Filmen."
Wenigstens das haben sie mit dem tazblog hier gemeinsam. Und den ungewöhnlich komplizierten Namen des Autors. Aber Sie haben ihn bestimmt schon mal gelesen, den Namen Hans Pfitzinger.
P. S. Ein Mal hab ich ihn mit Absicht falsch geschrieben, richtig ist die Schreibweise Apichatpong Weerasethakul.

So long seekers, and remember: Everything you know is wrong!
Monty Python's Radio Hour
 

Kommentar

13. September 2008

Warm anziehen, Federbetten raus

Falls die Vohersage auf wetter-online ausnahmsweise stimmt, wird es affenkalt am Montag, tagsüber neun Grad, nachts vier! Heh, das sind Temperaturen wie im Winter, und vorgestern waren's noch 28! Ich glaub, es wird Zeit, das Federbett aus dem Schrank im Flur zu holen und gegen die gesteppte Wildseidendecke auszutauschen.
Vier Grad nachts!

Hofbräukeller, zum Zweiten: Die historische Wahrheit

Vor ein paar Tagen, genauer: am 5. September, habe ich hier einen Boykott des Hofbräukellers gefordert, weil der Wirt Günter Steinberg für die Halbe Helles inzwischen 3,50 Euro verlangt. Nun muss ich noch einmal auf den unseligen Groß-Biergarten zurückkommen. Es geht um die historische Wahrheit.
Schon in der taz vom 11. September 2008 behauptete Ulrike Herrmann auf der Seite "meinung und diskussion" fälschlicherweise, Franz Müntefering sei "am 3. September im Hofbräuhaus zu München" auf die politische Bühne zurückgekehrt. Diese Darstellung ist falsch, scheint sich aber im fernen Berlin bereits als gängig durchzusetzen, denn am 12. September 2008 schreibt Peter Köhler auf der Wahrheitseite über Müntefering: "Und dass er berufen ist, für große Stimmung zu sorgen, hatte er schon am 4. September im Münchner Hofbräuhaus offenbart ..."
Hierzu möchte ich mitteilen: Franz Müntefering griff am 3. September in den bayrischen Wahlkampf zugunsten des Spitzenkandidaten Franz Maget ein. Zur Unterstützung der kleinen Partei, die irgendwo bei 20 Prozent der Wählerstimmen liegt, hielt Müntefering für seinen Vornamensvetter Maget eine Rede im Hofbräukeller. Der ist unter keinen Umständen zu verwechseln mit dem Hofbräuhaus. Dieses steht in der Altstadt von München, an einem kleinen Platz, der deshalb Platzl heißt. Das Hofbräuhaus wird in diversen Liedern besungen, darunter dem bekannten "In München steht ein Hofbräuhaus". Es wird häufig von amerikanischen und asiatischen Touristen besucht.
Der Hofbräukeller dagegen steht im Ortsteil Haidhausen, nicht weit vom Landtagsgebäude, ebenfalls an einem Platz, der aber etwas größer ist und Wiener Platz heißt. Auch dort gibt es, wie im Hofbräuhaus, diverse Versammlungssäle, und einen von diesen hat die SPD Bayern am 3. September 2008 gemietet, um Franz Müntefering zurück auf die politische Bühne zu bringen. Der Saal erwies sich dann, wegen des großen Andrangs bayrischer SPD-Anhänger, als zu klein, weshalb die Rede noch in einen Nebensaal per Videokamera übertragen wurde.
Um der historischen Wahrheit willen wiederhole ich: Das Unheil begann im Hofbräukeller am Wiener Platz in Haidhausen, dort kam das Grauen zurück in die Welt, und das Grauen heißt Franz Müntefering. Alle anderen Darstellungen sind falsch.
Nachtrag: Im Hofbräuhaus (nicht zu verwechseln mit dem Hofbräukeller) kostet die Maß Helles 6,90 Euro, die Halbe Weißbier 3,65 Euro. Da ich diese Preise für maß(!)los überhöht halte, fordere ich auch zum Boykott des Hofbräuhauses auf.
Es fällt mir nicht schwer, mich selbst daran zu halten, denn ich war seit 40 Jahren nicht mehr dort.

Bolivien - das Imperium schlägt zurück

Wer geglaubt hat, die USA seien zu sehr mit Irak und Afghanistan beschäftigt und würden zusehen, wie sich in Südamerika die linken Regierungen durchsetzen, wird zur Zeit in Bolivien eines Besseren belehrt. Das US-Imperium unterstützt die reaktionären Kräfte in der Provinz Santa Cruz. Daraufhin schmiss jetzt Präsident Evo Morales  den US-Botschafter raus, weil der mit seinen innenpolitischen Gegnern konspiriert hat. Sehr bezeichnend die Aussage eines militanten Morales-Gegners in Santa Cruz, wo die Rechte seit langer Zeit die Autonomie fordert: "Wenn es nötig ist, wird Blut fließen. Wir müssen den Kommunismus aufhalten und die Regierung dieses unseligen Indianers stürzen."
Das stand in der taz von gestern, als Abschluss des Artikels von Gerhard Dilger, von dem ich mich wie immer gut informiert fühle. Heute berichtet er von den ersten Toten. Und dass auch Hugo Chávez in Venezuela den US-Botschafter rausgeworfen hat.

Vom Bruch der Verfassung

Ein Polizist hat seine Memoiren geschrieben. Alfred Klaus war sehr nahe dran an den RAF-Gefangenen im Jahr 1977. Ein halbes Jahr nach seinem Tod erschien jetzt "Sie nannten mich Familienbulle. Meine Jahre als Sonderermittler gegen die RAF". Das Buch hat Klaus zusammen mit Gabriele Droste geschrieben, einer Journalistin, mit der ich in einem anderen Leben mal auf dem gleichen Redaktionsflur ein Zimmer hatte. Das Fazit: "Die verantwortlichen Politiker waren offenbar aus Gründen der Staatsräson nicht bereit, die vermeintliche Demütigung eines Gefangenenaustauschs auf sich zu nehmen. Sie nahmen lieber den Verfassungsbruch in Kauf."
Das war schon klar damals, und alle Appelle der Frau von Martin Schleyer an Helmut Schmidt brachten den nicht davon ab, ihren Mann für die Staatsräson zu opfern. Wolfgang Gast, der das Buch von Klaus und Droste in der taz bespricht: "Vom Bruch der Verfassung schreibt Klaus, weil nach seinem Erachten mit der kompromisslosen Haltung der Bundesregierung Schleyers Recht auf Menschenwürde verletzt worden sei, der Staat hätte seiner Schutzpflicht gegenüber seinem Bürger Schleyer nachkommen müssen."
Ob jetzt jemand Helmut Schmidt wegen Verfassungsbruch verklagt?

Sozialismus kann sehr schön sein

Diese junge Frau heißt Lucy Redler, ist 29 Jahre alt, und ich gestehe: Sie gefällt mir sehr, wie sie da selbstbewusst in die Kamera schmunzelt. Ich mag auch diese großen Ohrringe. Frau Redlers Bekanntheit beschränkt sich eher auf Berlin, wo sie 2006 Spitzenkandidatin der WASG bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus war. Der taz ist sie einen längeren Kommentar auf Seite 2 wert, weil sie in dieser Woche den Eintritt in die Partei Die Linke per Pressemitteilung bekannt gemacht hat. Grund: "Ich will die Kräfte in der Partei stärken, die für einen kämpferischen Kurs und ein sozialistisches Programm eintreten."
Das finde ich klasse, Lucy Redler! Deshalb hab ich von Ihrer Homepage (lucy-redler.de) das Foto da unten geklaut. Wenn's Ihnen nicht recht ist, schmeiß ich's wieder raus. Alle, die jetzt mehr über Sie wissen wollen, klicken hier.

Kommentar


14. September 2008

Seit heute steht die vollständige Zusammenfassung meiner Recherchen zur taz-Berichterstattung über Ruanda auf dieser Website. Hier der Anfang:

Die Ruanda-Propaganda –  alles, was Sie wissen sollen

Wie in Deutschland Desinformation betrieben wird: Ein afrikanischer Diktator, illegale Rüstungsexporte, ein willfähriger Journalist, und ein überforderter Presserat



Und immer wieder erhalte ich Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
„Herr Kästner, wo bleibt das Positive?“
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.
Erich Kästner



Wie einst das gallische Dorf

Unter den Zeitungen, die in Deutschland täglich überregional erscheinen, hat die tageszeitung die kleinste Auflage. Den größten Leseranteil machen die Abonnenten aus, knapp 45.000, dazu kommen etwa 10.000 verkaufte Exemplare am Kiosk. Die Auflage sagt allerdings wenig über den Einfluss aus, denn für viele Entscheidungsträger im Medienbereich gehört die taz, wie sie allgemein genannt wird, zur Pflichtlektüre. Man bemüht sich um lesefreundliches Format, das Layout gehört zum besten in der Zeitungslandschaft, die Fotoredaktion arbeitet auf hohem Niveau - mangelnde Finanzkraft wird durch Kreativität ausgeglichen. Die taz  gehört keinem Großverlag, keinem Konzern, sie gehört  einer Genossenschaft von 8.000 Mitgliedern, die mit ihren Einlagen die Existenz der Zeitung sichern.
Die taz hat wenig Anzeigen, weshalb die 20 täglichen Seiten und die etwas umfangreichere Wochenendausgabe (mit dem taz mag als Beilage) überwiegend aus redaktionellen Beiträgen bestehen. Ganzseitige Anzeigen schalten regelmäßig Der Stern und Der Spiegel, manchmal inseriert Die Zeit, gelegentlich auch, um ihr grünes Image bemüht, BP und RWE. Da kommen dann automatisch Leserbriefe, die "Verrat" schreien. Weshalb? Weil die taz nach Ansicht ihrer Leser sich nicht von den Großkonzernen finanzieren lassen, sondern sie bekämpfen soll. Schließlich wurde sie gegründet, weil im „Deutschen Herbst“ 1977 die gesamte Presse gleichgeschaltet den Vorgaben der Regierung folgte.
Um meinem häufigen Ärger über manch unsäglichen Artikel und die Richtung der taz im Allgemeinen Luft zu machen, fing ich auf meiner Website mit "Achtung: tazblog!" an, das ich im April 2008 eingerichtet habe. Ich wusste nicht, was mich erwartet, hatte aber anscheinend ein gutes Gespür für den richtigen Zeitpunkt.
Hier der Eintrag vom 23. 4. 2008, an dem der Artikel von Dominic Johnson mit dem Titel „Der Fall Ignace M.“ erschien:

Lesen Sie den vollständigen Beitrag unter "Blog + Leseproben"

Die Propaganda geht weiter

Es geht immer noch darum, den taz-Lesern glauben zu machen, dass es in Ruanda eine Demokratie gibt. Wer Dominic Johnsons Artikel zu den Parlamentswahlen in Ruanda liest (Wochenendausgabe, 13./14. September, "Ruandas Modernisierungsschock") wundert sich, dass der taz-Mann die Diktatur von Paul Kagame diesmal eher zurückhaltend verherrlicht. Bei genauem Hinsehen gibt Johnson auch zu, dass es keine Opposition gibt im Parlament: "Es besteht ausschließlich aus Parteien, die in der Regierung vertreten sind." Sogar etwas Sozialkritik kann zwischen den Zeilen entdeckt werden: Einerseits gibt es in der Hauptstadt Kigali, einer "pulsierenden Metropole", neue "ausgedehnte Villenviertel", andererseits "wurde ganz zentral, am Berghang Kiyovu direkt unterhalb der deutschen Botschaft, ein ganzes Wohnviertel aus Lehmhütten und verschlungenen steilen Gassen dem Erdboden gleichgemacht, damit dort Büros entstehen können."
Das sollte niemanden wundern, nicht umsonst ist Paul Kagame Träger der Andrew-Young-Medaille für Kapitalismus und sozialen Fortschritt der Georgia University in den USA.
Aber die Propaganda in der taz geht weiter: "Ruandas Parlament ist einzigartig: es hat die höchste Frauenquote der Welt, fast 50 Prozent." Das stimmt zwar nicht, im Informationskasten werden aus locker aufgerundeten "fast 50" konkret "30-Prozent-Frauenquote". Und was soll's, wenn keine Opposition im Parlament vertreten ist? Glaubt noch jemand nach Angela Merkel und Sarah Palin, dass es einen Unterschied macht, ob reaktionäre Politik von Frauen oder von Männern vertreten wird?
Aber zumindest gibt Johnson das Ergebnis der letzten "demokratischen" Präsidentschaftswahl korrekt wieder: 95,1 Prozent für Paul Kagame. Das sind zwar weniger, als Kurt Beck auf dem Parteitag der Pfälzer SPD eingefahren hat, aber Johnson präsentiert die Zahl ohne Kommentar, als sei so ein Wahlergebnis die normalste Sache der Welt.
Lieber Dominic Johnson, falls Sie es noch nicht wissen: 95,1 Prozent bei einer Präsidentschaftswahl - das ist eine Zahl, wie sie nur in Diktaturen vorkommt. Warum sagen Sie das Ihren Lesern nicht?

Kommentar







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