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1. Dezember 2008
Hillary Clinton wird Außenministerin
So weit ich das mitgekriegt habe, wird Barack Obama heute bekanntgeben, dass auch in seiner Regierung eine Frau das Außenministerium leiten wird: Hillary Clinton. Wir erinnern uns? Unter Bill Clinton war die sehr konservative Madeleine Albright "die ranghöchste Diplomatin", unter Dabblju Bush kam dann Condoleezza Rice ins Amt (als Nachfolgerin von Colin Powell). Die Gerüchte, dass Hillary Clinton von Obama ernannt wird, schwirren schon eine Weile durch die Medien, aber zunächst mussten noch Hindernisse beseitigt werden. Die lagen weniger in ihrer Person begründet, sondern es waren die Aktivitäten ihres Ehemannes, die im Weg standen. Obama und sein Beraterstab hatten strikte Regeln aufgestellt, um den Einfluss der Lobbyisten in der neuen Regierung so weit wie irgend möglich zurückzudrängen. Dazu gehörte die Offenlegung aller Einkünfte und die Veröffentlichung der Namen all der Leute, die den Kandidaten für Regierungsposten Spenden zukommen ließen. Hillary Clinton konnte nur als Außenministerin nominiert werden, wenn Bill Clinton einige Zugeständnisse an die neuen Regeln des Obama-Teams machen würde. Dabei ging es vor allem um die von ihm gegründete Stiftung "Clinton Global Intiative", für die er um die Welt reist und hochdotierte Vorträge hält (neulich bei einer Veranstaltung des Finanzdienstleisters AWD in Düsseldorf, von dem er 250.000 Dollar für seine Rede bekam - siehe auch den Eintrag weiter unten vom 20. November). Hier der Bericht der Chicago Tribune (Online-Ausgabe) vom 30. November 2008:
"Um es seiner Ehefrau zu ermöglichen, oberste Diplomatin der USA zu werden, hat sich der frühere Präsident Clinton nach Angaben von Mitgliedern des Obama-Übergangsteams dazu bereit erklärt: - die Namen aller Spender für seine Stiftung seit der Gründung im Jahr 1997 und die Namen aller zukünftigen Spender offenzulegen. - Spenden von auswärtigen Regierungen für die jährliche Wohltätigkeitsveranstaltung der Clinton Global Initiative zurückzuweisen. - keine Versammlungen der CGI mehr im Ausland abzuhalten. - sich freiwillig aus dem Tagesgeschäft der Stiftung herauszuhalten, so lange seine Frau das Amt des Außenministers ausübt. - dem Außenministerium und den Beratern des Weißen Hauses seine Vortragstermine zur Überprüfung vorzulegen. - alle neuen Einnahmequellen anzugeben und einer ähnlichen ethischen Überprüfung zu unterziehen. Es war erwartet worden, dass die geschäftlichen Aktivitäten und die weltweiten Wohltätigkeitsunternehmen von Bill Clinton bei der Ernennung der früheren First Lady Probleme bereiten würden. Aber in Verhandlungen mit dem Übergangsteam von Obama hat der frühere Präsident einigen Maßnahmen zugestimmt, um Einblick in diese Aktivitäten zu ermöglichen." 2. Dezember 2008
Kohlendioxyd: Gib Gas, ich will Spaß!
Sie erinnern sich? Die deutschen Autofirmen haben jahrzehntelang darauf gesetzt, immer schwerere Fahrzeuge mit immer stärkeren Motoren zu bauen, brrrummmm, damit - "aus Freude am Fahren" - immer schneller über immer besser ausgebaute Autobahnen gebrettert werden konnte. Es ging nicht darum, verbrauchsarme Autos zu entwickeln, die mit einer Geschwindigkeit bewegt werden konnten, die in allen zivilisierten Ländern per Gesetz festgelegt wurde. Nein, es ging darum, PS-stark motorisierte Luxusschlitten an die per Werbung gehirngewaschenen Menschen zu verkaufen, damit sie sich mit 250 Kilometer pro Stunde durch die schöne Gegend bewegen konnten - "aus Freude am Fahren". Das sprach vor allem den Neandertaler unter uns an, und ihm musste Auslauf auf vier Rädern geboten werden. Das ging aber nur, wenn eine Geschwindigkeitsbeschränkung unter allen Umständen verhindert wurde. Dafür sorgten die Regierungen in Berlin, der Autokanzler Gerhard Schröder (VW) und die Kanzlerin aller Autos, Angela Merkel. Und seit ein paar Tagen auch noch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der aus Ingolstadt stammt, wo zufällig die Firma Audi ihren Standort hat. Seehofer regiert jetzt in München, wo BMW zu Hause ist. (Dass diese Firma weitgehend die Politik in der bayerischen Landeshauptstadt bestimmt, kann der interessierte tazblog-Besucher in Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg" schon für die Zwanziger Jahre nachlesen.) Im ersten Halbjahr 2007 brach über Deutschland eine heftige Medienkampagne herein, die auch noch den uninteressiertesten Zeitgenossen in Film, Funk, Print und Fernsehen klar machte, dass die Abgase aus Kohlekraftwerken, Industriebetrieben und Autos diesen Planeten ruinieren. Das führte aber keineswegs zur Schlussfolgerung, auf diese zerstörerischen Errungenschaften der Zivilisation zu verzichten und - beispielsweise - mit dem Fahrrad zu fahren, sondern zu Überlegungen, wie man ihre Schädlichkeit für den Planeten etwas verringern könnte. So wurde behauptet, dass sich mit einem Kohlendioxydausstoß von lediglich 120 Gramm pro Kilometer Fahrleistung das bereits veränderte Klima langsamer verändern würde (dass aber ständig mehr Menschen Autos kaufen würden, kam dabei nicht auf die Rechnung). Und man stellte fest: Deutsche Autos pusten zum Teil mehr als doppelt so viel CO2 in die Luft, als gesetzlich erlaubt werden sollte. Wenn also die Europäische Union per Gesetz festlegt, dass Autos nur noch 120 Gramm Kohlendioxyd ausstoßen dürfen, sieht es für Audi, BMW, Daimler, Porsche, VW und wie sie alle heißen, die Fords und Opels, ziemlich schlecht aus. Für Seehofer persönlich auch, dachte ich, denn der müsste sich vermutlich von all seinen Dienstwagen trennen. Um Sie, lieber Leser, aber nicht einfach mit Vermutungen eines Autogegners abzuspeisen, habe ich bei der Bayerischen Staatskanzlei nachgefragt, und prompt die folgende Antwort erhalten:
"Betreff: Dienstwagen Staatskanzlei Sehr geehrter Herr Pfitzinger, zu Ihrer Anfrage betreffend den CO2-Ausstoß der Dienstwagen können wir folgendes mitteilen: Die Staatskanzlei in München verfügt zur Zeit über Dienstwagen folgender Hersteller: - Audi AG: Modelle A6 3.0, A8 3.0 und A8 4.2 jeweils TDI quattro - BMW AG: Modelle 530xd, 730d und 750i - VW AG: Modelle T3 2.0 und T5 2.5 TDI Die Fahrzeuge sind mit Ausnahme der VWs geleast und nicht älter als ein Jahr. Die Leasingraten werden aus dem Staatshaushalt beglichen. Der CO2-Ausstoß der Fahrzeuge kann den technischen Daten auf den Internetseiten der Hersteller entnommen werden."
Ohje, das klingt nach Arbeit. Also hab ich mich, meine Neugierde verfluchend, auf ins weltweite Netz gemacht, und fand diese bemerkenswerte Werbepoesie bei BMW: "Der Antrieb zum Erfolg. Der Achtzylinder-Benziner im BMW 750i. Überragende Kraftreserven für ein souveränes Fahrgefühl. Zwischen den Zylinderbänken des V8-Motors sitzt der Twin Turbo. Die kompakte Konstruktion mit kürzeren Ansaugwegen liefert Leistung und Kraftentfaltung auf zuvor unerreichtem Niveau - bei weniger Gewicht und geringerem Verbrauch. In Zahlen: 300 kW (407 PS), 600 Nm von 1.750 bis 4.500 U/min, 0 - 100 km/h in 5,2 Sekunden. Aber was sind Zahlen im Vergleich mit dem sonoren Klang des V8?" Tja, von CO2 nicht die Rede, aber was ist der CO2-Ausstoß schon im Vergleich mit ... Trotzdem, mit Vergrößerungsglas waren sie doch noch zu finden, die Zahlen von Horst Seehofers Fuhrpark (gerührt, nicht geschüttelt, Quatsch: geleast, nicht gekauft. Immer das neueste Modell, issjaklar):
- Audi AG (jeweils TDI quattro,): A6 3.0: ....................... 227 g A8 3.0: ....................... 223 g A8 4.2: ....................... 249 g - BMW AG: 530xd: ....................... 183 g 730d: ......................... 210 g 750i: .......................... 266 g - VW AG: T3 2.0: ....................... 222 g T5 2.5 TDI: ................ 243 g
Nun, was will uns das sagen? Dass Horst Seehofers Fahrer mit 407 PS in 5,2 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen kann. Und beim Aktenstudium (z. B. "Die Folgen des Klimawandels" oder "Die Bilanz der Bayerischen Landesbank"), wenn der bayerische Ministerpräsident die Zahlen vergleicht, hat er immer den sonoren Klang des V8 im Ohr.
Franz Josef Jungs Kriegerdenkmal
Der Kriegsminister lässt (sich) also ein Denkmal setzen, vordergründig für Bundeswehrsoldaten, die ihr Leben bei der Verteidigung der Freiheit (am Hindukusch und anderswo) verloren haben. Da wird es Zeit, mal wieder daran zu erinnern: Diese ganze so fortgeschrittene Menschenrasse, die es schafft, in wenigen Jahren elektronische Geräte zu entwickeln, die immer mehr Speicherplatz auf immer kleinerem Raum unterbringen und Daten mit ständig vergrößerter Beschleunigung zu übermitteln, denkt sich immer noch nichts dabei, andere Menschen abzumurksen. Bevor ich mich wiederhole, will ich lieber einen taz-Leser, Hugo Spohler aus Bremerhaven zitieren, der mir aus dem Herzen spricht: "Wie sich der Militärgedanke nach den Blutbädern der Weltkriege, nach Vietnam, Kongo und andernorts immer noch halten kann, ist schleierhaft. Der Druck auf den Auslöser einer Waffe wegen verbrecherischer Absichten, Unstimmigkeiten und Verschiedenheiten in Politik, Religion und Rasse muss als genauso kriminell, verrückt und unausführbar angesehen werden wie die Untat, ein Kind zu ermorden. Ehrenmäler nur für diejenigen, die sich geweigert haben, an den Metzeleien der Kriege teilzunehmen. Was anstelle des Geld und Menschen verschlingenden Molochs Militär für die Vermeidung oder Überwindung "ziviler" Massaker (Uganda u. a.) dringend benötigt wird, ist eine große, weltweite Polizei, in der für Massenvernichtungsmittel, Bomben, Raketen U-Boote usw. kein Platz ist."
3. Dezember 2008
Total daneben
Harrharr, ist das komisch, hehehehihihi, schenkelklopf! Schlagzeile auf Seite eins: "Wer hält Bill jetzt die Stange?" Das steht über einem ganzseitigen Porträtfoto von Hillary Clinton, und es geht um ihre Ernennung zur Außenministerin in Barack Obamas Kabinett. "Wer hält Bill jetzt die Stange?" Harrharr, ist das komisch, hehehehihihi, schenkelklopf! Was soll an dieser Schlagzeile eigentlich komisch sein? Habt ihrn Rad ab?
Wahrheit mit Lichtblick
Jenny Zilka ist einfach Klasse! Über die Ehefrau von Johannes "Joopi" Heesters schreibt sie: "... die guckt immer, als habe sie als Kind zu enge Socken angezogen bekommen. Oder hätte sich eine Dose Bier zu viel über die Frühstücksflocken gegossen." Das ist so was von genau beobachtet und goldrichtig - wie kann man Jenny Zilka nicht mögen? Titel des kleinen Brillanttextes: "Hunde, wollt ihr ewig wedeln?"
Wahrheit mit Tiefpunkt
Sie wissen schon, Dienstag, Depri-Tag, Carla-Bruni-Tagebuch, geklaute Idee aus Frankreich, das Grauen in Textform, un-säg-lich! Was für ein Mist!!! "Subtiler Sarkasmus" wirbt der taz-Newsletter für die Buchausgabe. Oh ja, sehr subtil: "Das Kondom mit links aufziehen, ohne Hingucken, mit Fäustlingen für kalte Wintertage, mit den Zähnen. Natürlich hatte ich für die Kinder extra Gummis mit Fruchtgeschmack besorgt, dummerweise aber vergessen, dass mein kleiner Schatz keine Erdbeeren verträgt. Na jedenfalls ist sein Glied schlagartig angeschwollen und mit Quaddeln bedeckt. Dr. Leroc ist bei ihm und schaut, ob sich was machen lässt." Wie gesagt: "Subtiler Sarkasmus." "Das geheime Tagebuch der Carla Bruni" ist der größte Mist, den die taz jemals abgedruckt hat. Zumindest gehört es zum düstersten Bodensatz dazu, taz ganz unten.
Links heißt: nichtzynisch
Ja da schau her: Isolde Charim hat einen Text von Slavoj Zizek in der London Review of Books entdeckt, "Use your illusions" der mit dem ganzen pessimistischen Linksgegreine um Barack Obama aufräumt. Nach Charim kann man daraus folgern, "links heißt, nichtzynisch, Nichtrealist zu sein. Es heißt, die gegebene Situation nie für abgeschlossen zu halten. Es heißt, die Realität nicht absolut zu setzen, sondern - aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz - dennoch an die Möglichkeit einer plötzlichen, unerwarteten, grundlegenden Veränderung zu glauben. An das, was Zizek mit Badiou das Ereignis nennt. In diesem Sinne: Freut euch über Obama. Und: Use your illusions! " Sie erinnern sich? Stand hier so oder ähnlich schon ein paar mal in "Achtung: tazblog!". Vom Obama-Sneaker da oben ganz zu schweigen!
Der rätselhafte Satz der Woche I
"Bei Rauchern dürfen die diversen Vereinsmarken und -ausweise nicht fehlen, um bei den Raucherclubs vor der Tür zu stehen." Ob ein zweites "nicht" geholfen hätte?
Mit wem soll Amy (Winehouse) Weihnachten feiern?
Wirklich, darüber macht sich Felix Rettberg zwei Spalten lang so seine Gedanken. Satire muss sein. Nein, nicht jede Satire muss sein.
Der rätselhafte Satz der Woche II
"Steigende Zahl von Studienanfängern ist kein Grund zum Ausruhen."
Gaza: Meldung am Rande
Keiner schaut mehr hin: Der Gaza-Streifen wird immer noch von der israelischen Regierung abgeriegelt. Eine kleine Meldung auf Seite 10, mehr ist der andauernde Staatsterror den westlichen Medien nicht mehr wert: "Israel hat das Anlegen eines libyschen Schiffes mit Hilfslieferungen für den Gaza-Streifen verhindert. Schiffe der isaelischen Marine stoppten das mit 3.000 Tonnen Hilfsgütern beladene Schiff mehrere Kilometer vor der Küste." Wahrscheinlich waren da antisemitische Hilfsgüter drauf.
Journalistische Furien
Manchmal denk ich mir, ich sollte Anja Maier einfach ignorieren, und nicht so sensibel auf ihre Bosheiten reagieren. Zu ihrem Artikel über Peter Sodann, den Präsidentschaftskandidaten der Linken, hab ich mich deshalb nicht länger ausgelassen, obwohl ich diese Häme wirklich nicht ausstehen kann (siehe Eintrag vom 27. November). Der taz-Leser Ingo Witzmann aus Berlin hat einen längeren Brief verfasst, und er sieht es so: "unsere journalistischen furien schnallen den brustpanzer und stampfen jede vermeintlich ausgemachte provokation gegen das establishment kreischend nieder. (...) schon unglaublich, wie oft man auf einer seite taz unglaubliich finden kann, was einem in nur zwei stunden peter sodann alles begegnet ist. (...) peter sodann ist also ein einfaltspinsel! dieses urteil würde er wahrscheinlich sogar gut finden, der schelm! für mich aber ist ausgemacht, wer hier eigentlich die einfaltspinsel sind."
Zwei Zitate
Zhang Sizhi ist 81 Jahre alt und Rechtsanwalt in China. Er erhält den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung. Das sagt er im taz-Artikel von Kristin Kupfer: "Als Rechtsanwalt bin ich von Natur aus Menschenrechtler." Und: "Man darf die eigene Schwäche nicht auf das politische System schieben."
Augen zu - CDU
"Merkel und die Kluft" steht über dem Bericht vom CDU-Parteitag. Ich hab mir fast den Kiefer ausgerenkt beim Gähnen. Als ich den Mund wieder zu bekam, fiel mein Blick auf die Überschrift zum Interview mit Josef Scharmann, 69, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU: "Es muss zwingend etwas geschehen". Schon hab ich wieder den Gähnkrampf bekommen. Iss schon spannend, wenn die Jungs von der "inland"-redaktion ihrer Informationspflicht nachgehen.
Willkommen im Deutschen
Ein neues Wort bittet um Asyl auf Seite 3: "Der Change". Ob das nicht "die Change" heißen müsste? Oder "das Change"? Wollen wir ihn reinlassen? Apropos: Bettina Gaus betreibt genau das Linksgegreine um Barack Obama, vor dem Slavoj Zizek warnt (Kulturseiten, siehe oben). Sie reiht sich immer mehr ins Tantengeschwader von Nicola Glass und Anja Maier ein. Na ja, ganz so schlimm ist Gaus noch nicht, aber aufm besten Weg.
Klassetitel!
Zum Bericht über die Bayerische Landesbank titelt die Seite 2: "Wieder Regionalliga". Sehr gut, trifft's genau.
4. 12. 2008
Schwarzmalen! Krise! Katastrophe! Bürgerkrieg! Bürgerkrieg! Hechel! Hechel! oder: Die Ungke von Bangkok
So geht Journalismus: Immer die Möglichkeit andeuten, dass der schlimmste Fall eintritt. Gleich zwei Mal an verschiedenen Ecken der taz warnt die Bangkok-Tante Nicola Glass vor dem Bürgerkrieg in Thailand. Und man spürt aus den Sätzen, wie recht ihr das wäre, denn dann würde sie prächtig dazu verdienen, weil sich öffentlich-rechtliche Rundfunksender und die taz weiterhin für ihre Beiträge interessieren würden: "Thailands politische Zukunft steht auf Messers Schneide. Viele sehen das Land auf einen Bürgerkrieg zusteuern." Viele. Hm. Viele Korrespondenten? Man muss ja der Redaktion im fernen Berlin verklickern, wie wichtig die Ereignisse sind, sonst bringen die doch lieber einen Beitrag aus einer anderen Weltgegend. "Und je länger dieser Konflikt dauert, desto mehr wachsen Enttäuschung und Wut - und damit eben auch die Bereitschaft zur Gewalt. Thailand befindet sich noch nicht im Bürgerkrieg. Aber es könnte einer werden." Überschrift: "Keine Chance auf Aussöhnung". Wär ja noch schöner, wenn sie nicht demnächst von dem bei Journalisten so beliebten "Blutbad" berichten könnte, die Ungke von Bangkok. Erst ein paar Tage ist es her, dass sie dem staunenden Leser erzählt hat, der Flughafen bräuchte nach dem Abzug der Demonstranten "Monate", bis er seinen Normalbetrieb wieder aufnehmen könnte. Nun sind gestern vormittag die ersten Frachtflieger gelandet, und am Nachmittag wurde die erste Passagiermaschine abgefertigt. Ob man nach einigen Jahren Korrespondenterei aus Gewohnheit immer mit dem Schlimmsten rechnet?
Wahrheit mal wieder okeh
Bernd Gieseking mit seiner Kolumne auf der unteren Wahrheitseite über seine Mutter und deren Sorgen um seine Finanzen iss ganz prima ("Spiel mir das Lied vom Geburtstag"), und Peter Köhler bleibt auf seinem sonstigen Niveau bei der Serie "Schurken, die die Welt beherrschen wollen". Peer Steinbrück macht es ihm selbstverständlich leicht. SPCDU, who gives a fuck - wer braucht mit so'nem Personal noch die SPD. Der running gag der Wahrheitredaktion, in der "gurke des tages" immer wieder seltsame Umfragen und Forschungsergebnisse aus der Apotheken Umschau zu zitieren verliert etwas an Wirkung, wenn das Blatt fälschlich als Apotheken Rundschau bezeichnet wird.
Was ist ein Hassfilm?
Das hab ich mich gefragt, weil das Wort in der Unterzeile vorkam, und dann gleich im ersten Satz (dazu später) noch einmal: Hassfilm. Ich nehme mal an, dass der mit einem Hassprediger irgendetwas gemeinsam hat, zum Beispiel, die wohlfeile Verkürzung. Man ist dann der Aufgabe enthoben, auf Inhalte einzugehen. So wird denn der Begriff in dem Zweispalter von Marcus Bensmann auf der Medienseite auch verwendet. Der Leser erfährt nichts über den Film, aber es wird heftig gegen eine Journalistin polemisiert, die darin einen "Auftritt" hatte. Der Artikel will offenbar den Eindruck erwecken, dass der taz-Autor brav auf der Seite des Guten gegen die böse Regierung Usbekistans und die ebenso böse Journalistin steht. Trotzdem ist er abgefasst wie ein Propagandatext und, wie die meisten dieser Art von journalistischen Grenzfällen, zudem noch in schlechtem Deutsch. Aber urteilen Sie selbst. Dies ist der erste Satz: "Die Deutsche Welle zieht endlich Konsequenzen aus dem Auftritt der Leiterin ihrer usbekischen Partnerorganisation in einem Hassfilm des usbekischen Fernsehens gegen Radio Free Europe, in dem die im Exil lebenden Journalisten des Prager Senders wie Terroristen vorgeführt und die Adressen der Familienmitglieder in Usbekistan genannt werden." "Endlich" heißt, der Autor findet, dass es langsam Zeit wurde. Und der Rest des Satzes klärt nicht auf, sondern gibt die Sicht des Schreibers als die offenbar einzig mögliche, als die objektive, unangreifbare Betrachtungsweise aus. Keine Fragen bitte! "Wie Terroristen vorgeführt". Das muss reichen. Äääh ... war da nicht mal was, so in der Richtung, dass Radio Free Europe vom CIA finanziert wird? Und dass es durchaus nicht falsch sein könnte, diesen Sender kritisch zu betrachten? Heh, liebe Redakteure von "flimmern und rauschen" - hinter diesem kleinen Propagandastückchen von Marcus Bensmann steckt mehr, als dem Leser auf den ersten Blick reingewürgt werden soll. Ich glaub, da hat euch einer einen Hassartikel untergejubelt.
Kino: Mit schönen Frauen schöne Dinge tun
Unseren jährlich Woody-Allen-Film gib uns zu Weihnachten. Was soll er auch sonst machen, der gute Mann aus Manhattan? Er hat zwar mit "Annie Hall" (bei uns hieß er "Der Stadtneurotiker") schon vor gefühlten hundert Jahren sein Meisterwerk gedreht, aber wenn man nichts anderes gelernt hat und seine Arbeit gern macht, kann man auch jedes Jahr eine Variation zum Thema herausgeben. Wer Woody Allen mag, kann dann alle fünf Jahre oder so nachprüfen, ob er immer noch denselben Film dreht, und dann beruhigt wieder fünf Jahre warten - man muss nicht jeden angucken. Diesmal juckt's mich mal wieder, denn ein Film mit Scarlett Johansson, Penélope Cruz und Javier Bardem kann nicht ganz schlecht sein. Ich mag auch den Titel "Vicky Cristina Barcelona", zeigt er doch, dass Allen seit einigen Jahren seine Strategie durchhält, die immer gleichen Filme in verschiedenen Städten zu drehen. Nach London ist jetzt also Barcelona dran. Bert Rebhandl warnt allerdings bei aller Liebe zu Allen und seinen Filmen: "Das alte Klischee, dass Kino darin besteht, mit schönen Frauen schöne Dinge zu tun, wird hier allzu ungebrochen ins Recht gesetzt." Aber andrerseits: Wo kriegt man sonst die Gelegenheit, eineinhalb Stunden lang Scarlett Johansson und Penélope Cruz anzugucken? Danke, Woody, bist n echter Kumpel! ;-)
Angriff der Killerameisen! Die Gartenkrise!
Hah, die Katastrophenmeldung! Spitze! Gewarnt wird vor der "invasiven Gartenameise". "Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die sogenannte invasive Gartenameise weitere Gärten in Deutschland, England und Skandinavien befällt und dort Schäden anrichtet, berichtet Sylvia Cremer von der Universltät Regensburg im US-Fachjournal PLoS ONE." Was sagt uns diese todernste dpa-Meldung, die unkommentiert auf der Seite "wirtschaft und umwelt" steht? Nun, offensichtlich gibt es bereits eine Fachzeitschrift zum Thema "invasive Gartenameisen". Aber Regensburg ist nicht Bangkok und die taz ist nicht PLoS ONE.
Die gute Nachricht
Eine taz-Autorin, deren Name Sarah Messina hier nicht unerwähnt bleiben soll, berichtet vom Klima-Aktionstag, der dieses Jahr mit dem Nikolaustag zusammenfällt. Ob das jetzt gut ist für die Teilnehmerzahl oder schlecht, wage ich nicht zu beurteilen. Gut finde ich allerdings diese Nachricht: "In Brandenburg schickt die Initiative für ein Volksbegehren gegen neue Braunkohle-Tagebaue bereits am 5. Dezember eine symbolische Umzugskolonne aus den bedrohten Lausitzer Dörfern wie Kerkwitz und Grabko nach Potsdam. Auch 'Ökoguerillas' haben sich angekündigt, denen 'Luft anhalten' zu wenig ist. Unter dem Motto 'Luft raus' sollen 'an zahlreichen Orten' Luxus- und Sportschlitten mit hohem Kohlendioxid-Ausstoß 'stillgelegt' werden." Falls Sie, meine Damen und Herren, jetzt zu dem Schluss kommen, dass ich klammheimlich mit solchen Aktionen sympathisiere, möchte ich ganz klar sagen, meine Damen und Herren: Lieber Luft raus als Luft weg.
Gratuliere, Herr Verheugen!
Dem (Auto-)Industriekommissar Günter Verheugen, der in der EU seit Jahren die Interessen der großen Stinker aus Deutschland vertritt, hat es bestimmt seine Basedow-Äuglein vor Freude durch die Brillengläser gedrückt, als er seine fleischigen Lippen um den Rand des Champagnerkelchs schloss. Er hatte aber auch allen Grund zu feiern: Die Autolobby hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt, die Deutschen Autos dürfen weiterstinken. Und das Schönste für die notleidenden Autoschrauber: vor 2012 passiert gar nichts, ab 2015 ein bisschen was, und Lastwagen und Kleintransporter ab 2.600 Kilo Gewicht sind von den Regelungen sowieso befreit. Hat da nicht jemand was von Klimawandel erzählt? Ach so, das war letztes Jahr. Man darf sich dem Fortschritt nicht verschließen, und dieses Jahr sind wir ja schon weiter. Näher am Abgrund. Idioten, habgierige.
Top-Meldung des Tages
Damit Ihnen nicht entgeht, was wirklich wichtig ist, werde ich in Zukunft gelegentlich die Top-Meldung des Tages von meinem Provider web.de hier einkopieren. Heute:
"Ab ins Dschungelcamp!
Was Giulia Siegel an Känguruhhoden reizen mag, wissen wir nicht. Aber: Sie gilt als heiße Kandidatin für die neue Staffel der Ekel-Show 'Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!'"
5. Dezember 2008
Jeder hat drei Wurf!
"Komm Se näher, komm Se ran, hier werden Se genauso beschissen wie nebenan." Ich kann es nicht mehr hören: "In der Krise liegt auch eine Chance." Uuuuuäääähhh! Und jetzt sind wir auch noch an dem Punkt angelangt, wo in der Krise jeder eine Chance bekommt, einen Vorschlag zu machen, über den morgen schon keiner mehr redet. Weil es saudummes Zeug war. Beispiel? Karl Lauterbach und Andrea Nahles von der SPD-Aktion "18 Prozent schaffen wir locker" haben gestern, Donnerstag, die Titelseite und die Seite 3 der taz vollständig gekriegt, weil sie vorschlagen, dass Josef Ackermann, Wendelin Wiedeking, Susanne Klatten und ich vom Finanzamt Einkaufsgutscheine für 500 Euro kriegen, die wir dann bei Karstadt in Schwabing oder beim Kaufring am Ostbahnhof einlösen können - aber nur wenn wir alle noch 200 Euro aus unserem Privatvermögen drauflegen. Das wird dem Josef und dem Wendelin, aber auch der Susanne, aus verschiedenen Gründen leichter fallen als mir. Das war der Schneematsch von gestern. Heute steht in der taz nicht eine Zeile zu dem Thema. Aber vielleicht, lieber Leser, suchen Sie sich einfach den Artikel "Blasphemie zur Adventszeit" von Bernward Janzing im taz-Archiv, der letztes Wochenende (29./30. November) hier aus unerfindlichen Gründen keine Beachtung fand. Janzing macht sich über den Fetisch "Wachstum" her und kommt zu dem Schluss: "Sobald Wachstum jedoch Rohstoffe, Energie, Luft, Wasser oder Landfläche verbraucht, wird es früher oder später zum Erliegen kommen." Und er zitiert Kenneth Edward Bolding: "Jeder der glaubt, dass exponentielles Wachstum für immer weitergehen kann in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom." Und dann bringt Janzing auch noch den Lauterbach-Nahles-Konsumgutschein-Unfug auf den richtigen Punkt, schon fünf Tage, bevor die taz dem Thema die Titelseite (ver-)schenkt: "Denn nicht zu wenig Konsum ist das Problem der nationalen und internationalen Wirtschaft, sondern zu viel vom falschen." Janzing weiß: "Wir brauchen den besten ökonomischen Sachverstand für den Entwurf eines Ökonomiemodells, das ohne materielles Wachstum bestehen kann." Seh ich genauso, und wenn jetzt einer dagegen hält, wir könnten die Menschen schon jetzt nicht mehr ernähren, ohne Wachstum würden noch mehr verhungern, dann kann ich nur sagen: Die müssten nicht verhungern, wenn wir nicht ein Wirtschaftssystem anbeten würden, in dem jedes rücksichtslose Ausbeuterarschloch unbegrenzten privaten Reichtum anhäufen kann. Auch das geht nicht in einer endlichen Welt. Und damit muss Schluss gemacht werden. Tut mir leid für Mr. Gates und Mr. Buffett, tut mir leid für die Aldi-Brüder und meinen Gutschein-Kumpel Ackermann, aber wir brauchen euer Geld zum Ausbau der Bahn und zur Abschaffung der Kohle- und Atomkraftwerke. Ihr müsst aber nicht verhungern, keine Angst, ihr bekommt alle Unterstützung nach Schröders Hartz-IV-Sätzen, okay?
Morgen mehr zur Donnerstag- und Freitag-taz. Gestern hab ich im Café lieber "Exile on Main Street" von Robert Greenfield gelesen - weil ich die taz zu Hause vergessen hatte. Und abends vor dem Einschlafen lese ich grundsätzlich keine Zeitung. Und am Vormittag wird geschrieben, nicht gelesen. Und mittags ging's raus in den Sonnenschein, ich musste die lange Runde drehen bis zum Aumeister. Und jetzt geht's ab in die Badewanne. Und draußen regnet's inzwischen.
Schönes Wochenende, lieber Leser! Und vergessen Sie nicht die Monty Python Radioshow: "And remember: everything you know is wrong. So long, seekers!" 6. Dezember 2008
Es ist ...
... nicht zu fassen. Ich hab's zwei Mal lesen müssen, was Jane Birkin (ja, die Chanteuse von "Je t'aime", die Lebensgefährtin von Serge Gainsbourgh) der taz-Korrespondentin Dorothea Hahn ins Mikrofon diktiert hat: "In Deutschland haben Sie großes Glück mit Angela Merkel. Sie ist nicht nach China gefahren, um Flugzeuge zu verkaufen, sondern um über Gefangene in Gefängnissen zu sprechen. Sie widersteht den Chinesen." Das musste ich dann noch einmal lesen: "In Deutschland haben Sie großes Glück mit Angela Merkel." Und Jane Birkin hat großes Glück, dass die taz ein ganzseitiges Interview mit ihr abdruckt, gerade, als, wasn Zufall, eine neue CD von ihr erscheint. Vielleicht meint Birkin, wenn Angela Merkel so populär ist in Deutschland, wird sie mit Merkel-Lob mehr CDs verkaufen. Mir verkauft sie keine.
Ihr Geld
Attac hat einen Kino-Werbespot drehen lassen, der des Breiten in einem Kasten auf tazzwei erörtert wird. Es geht um einen Bankangestellten und eine Kundin. Hier nur der Text: "Wir finden seit Jahrzehnten Wege und Möglichkeiten, Ihnen das abzunehmen, was uns am Herzen liegt: Ihr Geld. Das sollte Sie nicht davon abhalten, uns mit Ihren Steuern aus der Patsche zu helfen."
Hier noch ein Wort vom Sponsor
Also, das geht so: Die taz ist irgendwie als Sponsor an der BAP-Tour beteiligt. Damit da auch ein paar Leute hingehen, hat sie neulich sogar mal eine Anzeige gebracht, an der nicht dranstand, dass es sich um eine Anzeige handelt. Wenn jetzt der Stellvertr. Chefred. eine Spalte seiner Kolumne dem BAP-Konzert widmet ("Kein Schmuh, kein Getue. Musik."), iss das dann Schleichwerbung? Und für wen? Als Buchtipp empfiehlt Peter Unfried "Baustelle Deutschland" vom häufigen taz-Kommentator und -Interviewten Franz Walter, und darin vor allem das Grünen-Kapitel: "Der Postmaterialismus grüner Lohas ist explizit elitär." Mir verkauft er keines.
SDS
Es gibt also wieder eine Hochschulgruppe, die sich abkürzt wie der alte Sozialistische Deutsche Studentenbund, nur mit dem Zusatz Die Linke.SDS. Das bietet einer taz-Autorin Anlass, mal wieder deftig auf den Leuten herumzuhacken, die sich zum liebsten taz-Feindbild bekennen: Der Linken. Interessant, weshalb die SDSler von Alina Fichter abgelehnt werden: Sie kümmern sich um Dinge wie G-8-Proteste, organisieren eine "Venezuela-Reise zum sozialistischen Vorbild Hugo Chávez und schließlich den 68er-Kongress." Und dann bieten sie auch noch "kapitalismuskritische Lesekreise" an und schaffen es tatsächlich, dass zur Auftaktveranstaltung 2.000 Leute kommen. Was sie stattdessen tun sollten, weiß die taz-Frau auch: "... die Bedingungen für die Studierenden verbessern. Sozialverträgliche Studienfinanzierung, Durchlässigkeit des Bildungssystems, Verwendung der Studiengebühren - Themen gibt es genug." So ähnlich habe ich das ca. 1969 von Peter Gauweiler gehört, der damals an der Münchner Uni Vorsitzender des Rings Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) war. 2008 lese ich diese Argumente als Ratschläge einer Autorin in der taz. Um Die Linke.SDS madig zu machen holt sich Fichter Rat bei - ausgerechnet - dem grünen Oberzausel Daniel Cohn-Bendit: "Es ist doch das blödeste und bornierteste, was man machen kann, sich heute auf den SDS zu berufen." Ich nehme mal an, es ist doch das blödeste und bornierteste, zum Thema Studentenorganisation der Linkspartei Daniel Cohn-Bendit zu befragen. Aber die taz-Furie hat noch einen Pfeil im Köcher. Erst zitiert sie den SDS-Mann Luigi Wolf mit den Worten: "Die Bankenkrise hat schließlich gezeigt, dass der Kapitalismus das falsche System ist: Wir müssen ihn überwinden." Hah, das kann man nicht unterstützen als taz-Autorin, da muss man einen Fachmann finden, der den Luigi Wolf in die Pfanne haut. Das ist ein Leichtes! Sie findet ihn bei den Uni-Ökonomen, wo über Wolfs Aussage "jüngere Profs den Kopf schütteln: 'So ein Quatsch, der Kapitalismus ist doch wegen einer solchen Krise noch längst nicht überholt', sagt der Wirtschaftswissenschaftler Volker Nitsch von der FU Berlin." Ja wenn" jüngere Profs" über so was den Kopf schütteln und der Nitsch das sagt! Man hört beim Lesen richtig den Seufzer der Erleichterung, den die taz-Autorin ausstößt: Gott sei Dank, der Kapitalismus ist nicht überholt! Und so eine erzkonservative, neoliberale Dummbeutelei kriegt eine halbe Seite in der taz. Wenn's gegen die Linke geht, drucken sie anscheinend alles, was sie kriegen können. Aber machen Sie sich keine Sorgen, liebe Leser: Die Linke.SDS hat nach Ansicht von Alina Fichter eh keine Zukunft: "Weil sie vor lauter Events zu wenig auf die Interessen der Studierenden eingeht, dürfte die Linke bald den Geldhahn zudrehen."
Zitat
"Wer jetzt eine neue Politik begründen will, argumentiert nicht mehr, wie noch vor wenigen Monaten mit dem 'freien Wettbewerb' oder dem 'Markt'. Sondern mit der 'Krise'. So auch Nicolas Sarkozy, als er am Donnerstag ein Programm zur Ankurbelung der Konjunktur in Höhe von 26 Milliarden Euro ankündigte. In seiner Rede nannte er das Stichwort 'Krise' 33-mal." Dorothea Hahn.
7. Dezember 2006 Nachtrag zur taz vom 5. Dezember 2008, eingetragen am 7. 12. 2008
Objektiv, subjektiv
In Bremen ging am vergangenen Donnerstag der Prozess gegen einen Polizeiarzt zu Ende, der im Dezember 2004 einem verhafteten Drogendealer so lange Wasser einflößte, bis der Mann aus Sierra Leone ertrank. Der Arzt wurde freigesprochen. taz: "In seiner Urteilsbegründung sagte der Kammervorsitzende Bernd Asbrock, der Angeklagte habe 'objektiv gegen seine Sorgfaltspflicht verstoßen.' (...) Er habe sich 'mehrerer objektiver Pflichtverletzungen' schuldig gemacht, die ursächlich für den Tod waren, so die Richter. Weil er dies aber wegen 'mangelnder Ausbildung und Erfahrung mit Brechmittelvergaben subjektiv nicht erkennen' konnte, folgte die Kammer dem Antrag der Anklagebehörde." Nach einem Gutachterstreit hatten der Verteidiger des Arztes und die Staatsanwältin Freispruch gefordert. Eine Gruppe von vier Sachverständigen hatten einen "toxischen Herzmuskelschaden" als Todesursache angegeben. Merkwürdigerweise waren dieselben Gutachter in einem ähnlich gelagerten Fall in Hamburg zum selben Schluss gekommen. Was darauf hinausläuft: Wäre der Mann nicht schon vorher krank gewesen, hätte er die Misshandlung überlebt. Der Bruder des Toten sagte nach der Urteilsverkündung: "Der Prozess hat gezeigt, dass man meinen Bruder misshandelt hat und er daran gestorben ist. Das war kein natürlicher Tod. Und deshalb trägt auch jemand die Verantwortung. Sie wollen aber keinem die Schuld geben."
Tja, diese Sicht der Dinge ist so einfach wie richtig. Als ich im Januar 2005 von den Vorfällen in der taz gelesen habe, saß ich gerade an einer Übersetzung: "Glorianas Fackel", ein historischer Roman der britischen Schriftstellerin Patricia Finney. Darin geht es um die Hintergründe des Angriffs der spanischen Armada auf England im Jahr 1588, zur Zeit Elisabeths I. In Spanien herrschte damals noch die Inquisition. Es war gerade zwei Wochen her, dass ich eine Passage über Wasserfolter übersetzt hatte. Die Übereinstimmung der Nachrichten aus Bremen mit dem Buchinhalt fand ich bemerkenswert, und ich habe eine Textcollage zusammengestellt, die in der Gazette Nr. 5 im März 2005 erschien: ---------------------------------------------------------------------------------------------------
Deutschland im Winter: Wasserfolter
Josef Pasquale schaute eine Weile seine Notizen durch und nickte dann seinen drei Helfern zu. Zwei von ihnen hielten Anriques sorgsam fest, während ihm die Handschellen abgenommen wurden, und dann zogen sie ihm die Kleider aus bis aufs Hemd. Er protestierte, wie es Männer immer tun, stritt ab, wies sie zurecht ... Pasquale hielt es für übertrieben.
taz, 7. 1. 2005. Ein Mann aus Sierra Leone liegt seit dem 27. 12. 2004 in einem Bremer Krankenhaus im Koma, nachdem ihm zwei Polizisten und ein Arzt mit Gewalt ein Brechmittel verabreichten. Der mutmaßliche Dealer gilt als hirntot. Der Arzt habe ihm so viel Wasser gewaltsam in den Magen gepumpt, dass es auch die Lunge füllte und zum Atemstillstand geführt habe – das berichtet der zu Hilfe gerufene unabhängige Notarzt, der als erste Diagnose notierte: „Ertrinken“. Der Fall wurde nur deshalb öffentlich, weil der Notarzt über einen Anwalt jetzt die Staatsanwaltschaft und Medien informierte.
Anriques kämpfte immer noch, als er auf den langen Tisch mit den Abflüssen und dem kleinen Block gefesselt wurde, der unter den Rücken kam, um die Brust nach oben gewölbt zu halten. Er war dürr, überhaupt nicht gut gebaut, und machte den Helfern keine große Mühe. Sogar wenn er nicht seine eigene bevorzugte Methode gehabt hätte, Josef Pasquale hätte bei Anrique keine Streckbank oder Wippe benutzt, aus Angst, ihn versehentlich umzubringen. Auf Pasquales Nicken hin führten sie den kleinsten Metallknebel ein, um Anriques Mund offen zu halten, und schoben den Stofftrichter hinein. Aus irgendeinem Grund verhinderte der Holzblock, der gegen die Wirbelsäule drückte, das Kotzen. Anriques Augen rollten, seine Brust hob und senkte sich, sein Hals schnürte sich zu. Einer der Helfer band seinen Kopf fester an den Tisch. „Zwei Krüge“, sagte Pasquale und setzte sich mit dem Rücken zum Gefangenen hin.
Der junge Notarzt Jörn Günther war dabei, als Laya-Alama Condé aus Sierra Leone ertränkt wurde, und ist auch zwei Wochen nach dem Fall noch fassungslos. Condé war als mutmaßlicher Drogenhändler festgenommen worden und hatte gegen seinen Widerstand ein Brechmittel verabreicht bekommen. Weil die Werte für Blutdruck und Sauerstoffsättigung plötzlich abgefallen waren, wurde gegen zwei Uhr in der Nacht der Notarzt gerufen. Es stellte sich heraus, dass das Gerät des Polizeiarztes falsch angezeigt hatte. Während sich der Gerufene an einen Schreibtisch setzte, um das Protokoll eines Fehlalarms zu schreiben, erklärte der Gerichtsmediziner, er werde nun eine Magenspülung vornehmen, um die Wirkung des Brechmittels zu verstärken. „Der Kollege legte dem Mann eine Magensonde und befüllte diese mittels einer sehr großen (100 - 200 ml) Spritze mit Leitungswasser. Er füllte drei oder vier Spritzen hinein, und ich erkundigte mich, ob er das Wasser auch wieder ablassen wolle. Er antwortete, er werde den Magen so weit mit Wasser befüllen, bis der Patient erbricht“, notierte Günther in seinem Gedächtnisprotokoll am Tag danach: „Sowohl der Kollege als auch die beiden Polizeibeamten vermittelten den Eindruck, als sei dies ein absolut übliches Standardvorgehen.“
Das Wasserrieseln wurde vom Geräusch des Würgens, Hustens, wieder Würgens verdorben. Es würde genug Wasser in die Speiseröhre von Anriques gedrückt werden, um seinen Magen auszudehnen und ihn auf den Block unter seiner Wirbelsäule zu pressen, und die ganze Zeit würde er langsam ertrinken, während das Wasser in den Trichter in seinem Mund rieselte. Im Allgemeinen hatte Pasquale festgestellt, dass selten mehr als vier Krüge nötig waren, um die Wahrheit zu erfahren.
Bremens Innensenator Thomas Röwekamp war am 4. Januar im Fernsehstudio der Radio-Bremen-Sendung „buten & binnen“ befragt worden: „In Bremen liegt ein Mensch in einem Krankenhaus. Er stirbt vermutlich. Er liegt im Koma, weil die Polizei ihn als Drogendealer überführen wollte. Was empfinden Sie dabei?“ Der Senator: „Also, die Frage ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit. (...) Ich würde in der Abwägung sagen, ich halte das für eine gerechtfertigte Maßnahme. Der Umstand, dass er jetzt gesundheitliche Folgen davon trägt, ist im Wesentlichen nach den ersten Berichten wohl darauf zurückzuführen, dass er eine dieser Kapseln entsprechend offensichtlich zerbissen hat und sich dadurch eine Vergiftung zugeführt hat. Nach meinen Informationen befindet er sich nicht mehr in Lebensgefahr. Er hat eine schwere Vergiftung davongetragen ... Ich halte den Eingriff nach wie vor für verhältnismäßig und gerechtfertigt.“ In einem zweiten Fernsehinterview hat der Innensenator, inzwischen über den wirklichen Zustand des Schwarzafrikaners informiert, erklärt: „Ich bleibe dabei, solche Schwerstkriminellen müssen mit körperlichen Nachteilen rechnen.“
Als die zwei Krüge verbraucht waren, schickte Pasquale die Helfer weg, um mehr Wasser zu holen – und es war immer das beste Wasser, reines Brunnenwasser, kein Schmutz drin, wie manche es gern machten. Er ging hin und stellte sich neben den Kopf von Anriques, der hustete und nach Luft schnappte und sich aufbäumte. Seine Zunge war blutig von dem Knebel, der seine Zähne auseinander hielt, blutiger Speichel lief ihm die Wangen hinab.
taz, 10. 1. 2005 In Bremen ist ein 35 Jahre alter mutmaßlicher Drogendealer gestorben, nachdem die Polizei ihm vor zwei Wochen gewaltsam ein Brechmittel eingeflößt hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei beteiligte Ärzte wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Es geht um den Mediziner, der das Mittel verabreicht hat, und um einen hinzugezogenen Notarzt.
Seine Helfer kamen mit den Krügen zurück, führten den Stofftrichter wieder ein und begannen wieder, ganz langsam zu schütten. Man musste vorsichtig sein, denn wenn man einem Mann den Magen aufreißt, würde er selbstverständlich sterben, und dann konnte er nicht beichten, und seine Sünden konnten nicht vergeben werden. Es gehörte auch großes Geschick dazu, jemanden am Rand des Ertrinkens zu halten, damit er immer wieder das Bewusstsein verliert, ohne tatsächlich getötet zu werden. Pasquale bestimmte die Dauer gewöhnlich, indem er ein Ave Maria sprach. Nach mehr als drei Ave Marias begann der Mann zu sterben. Einmal hatten sie einen Gefangenen mit großer Mühe wieder belebt, nur um dann festzustellen, dass er sich in einen Idioten verwandelt hatte.
Als der Notarzt den Mann aus Sierra Leone reanimiert, entdeckt er bereits Symptome für den Hirntod. „Eindeutig unprofessionell“ habe der Gerichtsmediziner gehandelt, dessen Namen er am Einsatzort nicht erfahren habe. „So etwas darf man eigentlich nicht tun“, sagte Günther der taz. „Höchstens in der Intensivstation. Das Risiko ist einfach zu groß." Der Gerichtsmediziner hatte offenbar nicht mal die Geräte im Auge gehabt: „Der hat nicht erkannt, dass es dem Mann nicht gut ging, der hat überhaupt nichts erkannt.“
Da war auch noch das Problem mit der Art und Weise, in der Wasser Menschen beeinflusste: Es war für manche möglich, einfach daran zu sterben, dass sie zu viel Wasser tranken, so außergewöhnlich das erscheinen mag. Man musste sie gelegentlich kotzen lassen.
Dass der Einsatz von Brechmitteln lebensgefährlich sein kann, ist seit einiger Zeit bekannt: Am 12. Dezember 2001 erlitt der 19-jährige Nigerianer Achidi John einen Herzstillstand. Zuvor waren dem mutmaßlichen Crackdealer über eine Nasen-Magen-Sonde 30 Milliliter eines Sirups eingeflößt worden, der aus der lateinamerikanischen Brechwurzel 13 (Cephaelis ipecacuanha) gewonnen wird, dazu noch 800 Milliliter Wasser. Den sich heftig wehrenden Mann hatten vier Polizisten auf einer Trage fixiert. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen die Beteiligten sieben Monate später ein. Achidi John soll eine Herzerkrankung gehabt haben und hätte bei jedem anderen aufregenden Ereignis sterben können, erklärten die Hamburger Staatsanwälte.
Als sie zum vierten Mal den Knebel herausnahmen, begann er in irgendeiner germanischen Sprache zu reden, flämisch oder englisch, als er wieder zu sich kam. Das war interessant und ermutigend, deshalb nickte Pasquale, und die Helfer banden ihn los bis auf die rechte Hand, so dass er sich zur Seite drehen und seinen schwangeren Bauch leerkotzen konnte. Das tat er umgehend, hilflos, auf allen Vieren, schnappte nach Luft und würgte. Seine Nase fing an zu bluten, was ein schlechtes Zeichen war.
Trotz des Todes eines Dealers in Bremen nach der zwangsweisen Verabreichung eines Brechmittels hält die Gewerkschaft der Polizei an der Methode fest. „Andere Maßnahmen haben sich als nicht praktikabel erwiesen“, sagte GdP-Landeschef Horst Göbel. Die Polizei könne beim Verfolgen von Straftaten Zwangsmittel einsetzen. Auch in Berlin werden nach kurzem Aussetzen in Folge des Hamburger Todesfalls (im Jahr 2001) wieder Brechmittel verabreicht.
(Quellen: Patricia Finney, Glorianas Fackel, Roman, übersetzt von Hans Pfitzinger, btb, November 2004, S. 271 ff. Die zitierten Auszüge beschreiben die Wasserfolter der spanischen Inquisition im Jahr 1588. Die Ausschnitte aus der taz und von dpa erschienen zwischen dem 7. 1. und dem 14. 1. 2005. Die zwangsweise Verabreichung von Brechmitteln hat das Land Bremen inzwischen aufgegeben.)
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zur Wochenend-taz vom 6./7. Dezember 2008
Happy Birthday, Noam Chomsky!
Der große Aufklärer wird 80, und weiter unten können Sie lesen, dass er auch heute noch die richtigen Leute ärgert. Wie hieß das noch mal bei Bertolt Brecht über den chinesischen Teelöwen? Ich glaub, sinngemäß krieg ich es noch hin: "Die Schlechten fürchten deine Klaue, die Guten erfreuen sich an deiner Grazie - dergleichen hörte ich gern von meinem Vers."
Köhler? Satire? Geht das?
Die Frage muss man mit "nein" beantworten, zumindest, wenn es um "Der flotte Hotte" von Kay Sokolowsky auf der Wahrheitseite vom Wochenende geht. Der lässt Alice Schwarzer, Charlotte Roche, Maybritt Illner und Martina Gedeck darüber räsonieren, ob Horst Köhler sexy ist. Vier Versuche, den Tonfall der Promi-Frauen zu treffen, vier Mal daneben. Nicht mal zum Schmunzeln reicht's. Nur dämliches Zeug. Saublöd.
"Die Chomsky-Linke": Infam heißt niederträchtig
Weshalb will jemand das Kulturressort der taz übernehmen? Weil er - im weitesten Sinn "linke" - Kultur an die Öffentlichkeit bringen will? Weil er Stimmen zu Gehör bringen will, die anderswo keine Chance haben? Weil er den Hochkulturfeuilletons etwas entgegensetzen will? All das wären ehrenwerte Motive. Weil er die taz als Sprungbrett für besser bezahlte Redakteursjobs sieht? Verständlich, aber ehrenwert wäre das nicht. Und was denkt der gegenwärtige Kulturchef? Das kann man an der Auswahl der Artikel abschätzen, die im Kulturteil abgedruckt werden, das kann der aufmerksame Leser aber auch feststellen, wenn er die Beiträge liest, die Andreas Fanizadeh selbst schreibt. Beispiel: Die Besprechungen der beiden Bücher von Noam Chomsky, die eben zu seinem 80. Geburtstag auf Deutsch herausgekommen sind. Fanizadeh hält dem unermüdlichen Kritiker der US-Politik sein Engagement während des Vietnamkrieges in den sechziger Jahren vor, als Chomsky sein Buch "Die Verantwortlichkeit des Intellektuellen" veröffentlicht hat. Das Argument, mit dem der taz-Mann an Chomsky herumkrittelt, ist höchst aufschlussreich: "Die USA hatten führend an der militärischen Niederschlagung der faschistischen Systeme im Zweiten Weltkrieg mitgewirkt. Doch 22 Jahre später schien dies auf Seiten der Chomsky-Linken bereits vergessen." Welch hanebüchener Unsinn! Weder war es vergessen, noch wäre es ein Grund gewesen, den - damals - gegenwärtigen Militäreinsatz in Vietnam nicht zu kritisieren. Denn seit 1945 hatte sich die Lage grundlegend verändert. Schon Ende der fünfziger Jahre hatte der Ex-General Dwight D. Eisenhower, Held des Zweiten Weltkriegs, bei seiner Abschiedsrede dringend vor dem "militärisch-industriellen Komplex" gewarnt, davor, ein Wirtschaftssystem zu bestärken, dass nur mit ständigen Kriegen existieren kann. Dagegen kämpften die "Chomsky-Linken" (was für ein Ausdruck!), weil sie den Krieg in Vietnam ganz richtig als Teil der Entwicklung einstuften, vor der Eisenhower gewarnt hatte. Weil 22 Jahre früher die US-Armee Europa vom Faschismus befreit hatte, lag Chomsky mit seiner Opposition nach Ansicht Fanizadehs also voll daneben. Mit dieser Denkweise kommt der Ressortleiter der taz-Kultur einer eng verwandten Argumentation sehr nahe: Weil es den Holocaust gegeben hat, dürfen Deutsche keine Kritik an der gegenwärtigen Regierung Israels und ihren Verbrechen an den Palästinensern üben. Aber es kommt noch toller: "Die Geringschätzung menschenrechtlich-demokratischer Werte teilte damals fast die gesamte radikale Linke." Dieser Satz ist als allgemeine Feststellung, nicht nur in Bezug auf Noam Chomsky, so niederträchtig, dass mir beim Lesen die Luft wegblieb. Wer diese Sicht der Dinge gern als Ausrutscher Fanizadehs ansehen möchte, der muss nur weiterlesen, denn er ist mit seiner Denunziation noch nicht am Ende: "Fatal aber waren schon damals die Versuche einer 'antiimperialistischen Linken' - und Chomsky gehört neben Tariq Ali oder Eduardo Galeano zu ihren ausgiebigsten Stichwortgebern -, die USA und das System des Weltkapitalismus in die Nähe des Faschismus zu rücken. Heute, nach Wegfall der Blockkonfrontation, wirkt es noch befremdlicher." Fatal? Heute, nach acht Jahren Bush, könnte man auch feststellen, dass die Warnungen berechtigt waren - Abbau der Bürgerrechte, völkerrechtswidrige Angriffskriege, Überfälle auf andere Staaten mit durchsichtigen Lügen als Vorwand, Foltergefängnisse in den besetzten Ländern Irak und Afghanistan, Konzentrationslager auf Kuba ... Um die "Chomsky-Linken", Fanizadehs wiederholt als Begriff verwendetes Feindbild, weiter zu denunzieren, unterstellt er ihnen auch noch dogmatisches Denken: "Wer anders als Chomsky oder Ali denkt, gilt als Verräter an der linken Sache." (Wenn ich schon die Vokabel "gilt" lese, schrillt bei mir die Alarmglocke!) Der taz-Mann will nicht über Chomskys Argumente diskutieren, er will dem Leser seine Meinung aufzwingen. Aber urteilen Sie selbst, ob man Fanizadehs Verrätersicht aus dem zitierten Satz von Tariq Ali herauslesen kann. Ali schreibt im Vorwort zu Noam Chomskys "Interventionen" (erschienen im Nautilus-Verlag): "Bei Linken, die meinen, sich von Chomsky distanzieren zu müssen, sollte man sich also darauf gefasst machen, sie bald woanders stehen zu sehen. Ganz woanders." Ich nehme an, dass hat Fanizadeh persönlich genommen. Wetten, dass man sich darauf gefasst machen kann, Andreas Fanizadeh bald woanders stehen zu sehen? Ganz woanders.
Zitat
"Laut einer Umfrage der Stiftung Lesen liest jeder vierte Deutsche keine Bücher. (...) Es hat, kurzum, jeder vierte Deutsche womöglich Besseres oder doch wenigstens Dringlicheres zu tun, als seine Zeit mit dem Unsinn zu vetrödeln, der da traditionell zwischen zwei Buchseiten gepresst wird." FRA, auf tazzwei
Nun ja, manche Menschen lesen eben beim Motorradfahren die Landschaft, oder sie lesen Zeitung, oder sie holen sich die überlebensnotwendigen Informationen im Fernsehen. Aber wer schon mal ein Buch in der Hand hatte, weiß auch, dass es meistens mehr als zwei Seiten hat. Vielleicht sind ja Buchdeckel gemeint? Oder Umschlagseiten? Na, egal, ich les' einfach weiter. Übrigens: Jeder Dritte hat Zahnfleischbluten!
Advent, Advent
Die zweite Adventsbetrachtung: Nach Sibylle Berg am letzten Samstag ist diesmal Joachim Lottmann dran. Das ist ein Absturz, vergleichbar nur mit den Börsenkursen Anfang Oktober. Als ich zur Hälfte durch war, dachte ich: Das hab ich schon mal gelesen. Als ich zu Ende gelesen hatte, fiel mir auf: Lottmann schreibt immer dasselbe belanglose Zeug, da kommt man leicht auf die Idee, es schon zu kennen. Wat lernt uns dat? Ich werd nix mehr von ihm lesen.
Anarchists against the Wall
Klingt gut, der Name dieser israelisch-palästinensischen Gruppe. Sie werden für ihre Aktivitäten gegen die Mauer in Palästina mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet. Mohammed Katib, Verwaltungssekretär des Dorfes Bil´lin sagt dazu: "Wer die israelische Gesellschaft schützen will, muss die Unterdrückung der Palästinenser beenden." Und die Israelin Sahar Vardi erzählt von ihrem Beitrag zum Frieden: "Ich habe den Militärdienst verweigert und gehe dafür ins Gefängnis. Alle drei Wochen werde ich aufs Neue verurteilt. Wenn ich Glück habe, wird mich ein Armeepsychologe beim nächsten Mal für psychisch untauglich erklären."
Aaah, die Fotos!
Lange hab ich nichts mehr über die von mir seeehr geschätzte Fotoredaktion geschrieben. Das zeigt aber nur, wie sehr ich sie schätze. Heute fiel mir "Der Augenblick" so stark auf, dass ich extra darauf hinweisen will: Entspannte, fröhlich lachende Menschen im Park, im Hintergrund Palmen, vorne zwei Paare, ein Mann liegt lässig auf der Decke, die Frauen tragen Kopftücher, die eine hat ihrem Mann zärtlich die Hand aufs Knie gelegt. Bildunterschrift: "Der Zoo in Bagdad, Ausflugsziel am Wochenende, Mai 2008, Irak". Dieses Bild sagt mal wieder mehr als tausend Worte.
Die Verschwörung: Buena Vista Political Club
Der Artikel von Knut Henkel, taz-Mann in Havanna, macht glasklar deutlich, wer zur kommunistischen Weltverschwörung gehört. Selbstverständlich Fidel Castro, der schreibt: "Mit Obama kann man reden, wo er möchte." Und auch Sean Penn gehört dazu: Er hat für die Zeitschrift The Nation mit Raúl Castro gesprochen (das Interview erscheint am 15. Dezember). Fidels jüngerer Bruder über Barack Obama: "Wir müssen uns treffen und beginnen, unsere Probleme zu lösen." Als Ort schlägt er Guantánamo vor. Sehr symbolträchtig, Kolonialismus, Verletzung der Menschenrechte: Tolle Idee! Penn, der US-amerikanische Regisseur und Schauspieler, führte das Interview auf Vermittlung von Hugo Chávez. Ziel der Verhandlungen laut Raúl Castro: "Normalisierung des Handels." Tja, die Verschwörung. Es tut sich was in Nord-, Süd- und Mittelamerika. Buena Vista!
Der Krieg ist vorbei
Ob sich noch jemand an Yves Montand in Alain Resnais' Film "Der Krieg ist vorbei" erinnert? Die Hauptfigur, dargestellt von Montand, hat sich eng an Jorge Semprún angelehnt, der am 10. Dezember 85 Jahre alt wird und deshalb ein taz-Interview von Dorothea Hahn (!) auf Seite 3 bekommt. Er sagt schöne Sachen, das halbseitige Porträtfoto des alten Mannes ist klasse, und die Überschrift auch: "Sozialist ohne Partei". So seh ich mich auch. Auf die Frage, ob Schreiben für ihn eine Form der Militanz sei, sagt Semprún: "Nein. Das ist es nie gewesen. Im Gegenteil. Es ist das Ende der Militanz." Zumindest, wenn und so lange man schreibt.
Beilage zum 30.
Die taz muss viel Geld haben - schon wieder eine Beilage zum 30-jährigen Bestehen, in Vierfarbdruck, aber nicht so dick wie die Jubiläumsausgabe Ende September. Thema diesmal: "Werden wir öko?" Da sind ein paar gute Interviews drin, auf die ich noch zurückkommen möchte. Schön finde ich, wie fein die österreichische Grünen-Frau den Interviewer der taz sprachlich korrigiert: Also die Umstellung des ganzen Landes auf regenerative Energien? Eva Glawschnig: Ja, auf erneuerbare Energien.
Eine Frau nach meinem Herzen: Man kann richtige Dinge nur dann durchsetzen, wenn man sich verständlich ausdrückt. Ob die KulturredakteurInnen das irgendwann mal beherzigen?
Die wirklich wichtige Meldung des Tages (von web.de)
Zoff bei den Bauern
"Bauer sucht Frau"-Star Heinrich feiert mit seinem "Schäferlied" große Erfolge. Jetzt will auch Getreidebauer Georg die Charts stürmen und ihm Konkurrenz machen.
8. Dezember 2008
John Lennon: Tod in New York am 8. Dezember 1980
Vor 28 Jahren ist John Lennon gestorben. Er kam gerade von einer Session im Tonstudio Hit Factory nach Hause, als er vor dem Dakota-Gebäude, in dem er mit Yoko Ono wohnte, erschossen wurde. Der Mörder sitzt heute noch im Gefängnis.
Happy Birthday! Jim Morrison geht heute in Rente
Sie wissen ja: Jim Morrsion lebt! Die letzte - ganz sicher abolut zuverlässige - Meldung zu diesem Thema stand irgendwann im letzten Sommer in den Zeitungen. Da hieß es, Ray Manzarek, der bei den Doors die Orgel, gespielt hat, hätte in einem Interview mit einem britischen Boulevard-Blatt bestätigt: Morrison lebt auf den Seychellen (oder waren's die Malediven? Ich bring das immer durcheinander). Falls Sie regelmäßiger Leser des tazblogs sind, haben Sie den Eintrag damals mitbekommen: Als interessierter Doors-Fan habe ich sofort weiter recherchiert. Ich fand - ganz sicher absolut zuverlässige - Hinweise, dass er auf einer Insel in der Südsee lebt, in einer WG mit Janis Joplin, Brian Jones und Jimi Hendrix. Schräg gegenüber hat sich Elvis eine Hütte gemietet. Aber eines ist so sicher wie die Rente: Jim Morrison erreicht heute das immer noch gültige Alter, um in dieselbige zu gehen. Hier ein Auszug aus meinem Buch über die Doors:
Als ältestes von drei Kindern war er am 8. Dezember 1943 in Melbourne im US-Bundesstaat Florida geboren und im Laufe seines Lebens viel umgezogen. Weil der Vater als Marineoffizier ständig versetzt wurde, gingen die Kinder in Kalifornien, Neu-Mexiko, der Hauptstadt Washington und dann wieder in Florida zur Schule. Jim entwickelte sich zu einem eher durchschnittlichen Schüler, von seinem Interesse für Bücher einmmal abgesehen. Seine Lehrer erinnern sich übereinstimmend, dass er ein ungewöhnlich vielseitiger Leser war. Mit 15 entdeckte er die Beat-Dichter, allen voran Allen Ginsberg, der damals als Gallionsfigur den literarischen Untergrund verkörperte. Wie viele Jugendliche las auch Jim Morrison mehrere Male die "Bibel" der Beats, Jack Kerouacs wilden Roman Unterwegs, in dem der ungestüme, alle bürgerlichen Normen verachtende Lebensstil dieser Außenseiter die angemessene Sprache fand. Ständig getrieben von der Suche nach dem "richtigen" Leben, angefeuert vom Jazz der Bebop-Ära, unterwegs von New York nach San Francisco mit gelegentlichen Zwischenstationen in Denver, entwirft Kerouac in Unterwegs das Panorama einer Gruppe von Dichtern und Abenteurern, die dem American Way of Life mit allen Mitteln entkommen wollen, Rebellen ohne erkennbaren Grund, mit der festen Überzeugung, dass die ängstlichen, auf Sicherheit bedachten Prinzipien des Mittelklassendaseins den Tod zu Lebzeiten bedeuten. Kerouacs Helden wollen ausbrechen, den Rausch erleben - ob bei wilden Fahrten per Anhalter quer über den Kontinent, bei nächtelangen Diskussionen und Dichterlesungen, bei Jam Sessions in den Jazzclubs von San Francisco, bei Rotwein und Marihuana oder beim Erleben der überwältigenden Naturschönheiten Amerikas. Dean Moriarty, der in Unterwegs zum Mittelpunkt der Gruppe wird (im wirklichen Leben hieß er Neal Cassidy), erklärt die vage Philosophie der Beats auf dem Rücksitz eines Straßenkreuzers, nachdem er und Kerouac als Anhalter mitgenommen wurden: " ... der springende Punkt ist, dass wir wissen, was ES ist, und dass wir wissen, was ZEIT ist, und das alles wirklich GUT ist." Dann flüsterte er, mich am Ärmel packend, schwitzend: "Nun beobachte mal die da vorne ... sie müssen sich Sorgen machen und an der Zeit zu Verrätern werden mit falschen Dringlichkeiten und sonstwie, einfach in Angst und unter Jammern; ihre Seelen werden erst Frieden haben, wenn sie sich an eine anerkannte und gültige Sorge hängen können, und wenn sie die mal gefunden haben, setzen sie ein Miene auf, die dem entspricht und dazu passt; und das ist, siehst du, Unglücklichsein, und die ganze Zeit über fliegt das alles an ihnen vorbei und sie wissen es, und das bekümmert sie auch unendlich."
(Auszug aus: "The Doors / Tanz im Feuer", S. 25 ff. Bestellen Sie das Buch jetzt gleich, indem Sie unten auf den Link in der Anzeige klicken - ein ideales Weihnachtsgeschenk für Sie selbst, und für alle Leute, denen Musik mehr als Unterhaltung bedeutet. Ende der Werbedurchsage.)
10. Dezember 2008
Glauben Sie nicht, lieber Leser
dass es hier nicht weitergeht, und ich vielleicht beabsichtige, zu dem unverschämten Interview mit Jürgen Todenhöfer (Montagausgabe) zu schweigen. Zu dem Zyniker, der das Interview geführt hat, werd ich bestimmt noch was sagen. Allein - es gab gestern und auch heute Wichtigeres zu tun, worüber ich Sie gegebenenfalls in Kenntnis setzen werde (kein Gackern, wenn die Eier noch ungelegt sind). Deshalb heute nur ein Hinweis, was Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman heute der deutschen Merkel-Regierung ins Stammbuch äääh ... in sein Blog geschrieben hat:
December 10, 2008, 3:52 am
The German problem
A brief note on real economic issues. Everyone here seems to be talking about two things: the fate of the auto industry, which is in almost as much trouble in Sweden as it is in the United States, and the German problem. At a time when expansionary policies are desperately needed, the leaders of Europe’s largest economy seem to have their heads in the sand. This is a huge problem: there are large spillovers in fiscal policy among EU nations — that is, a significant fraction of, say, French fiscal expansion ends up promoting employment in Germany or Italy rather than France. So there’s a crying need for a coordinated policy. But the Germans aren’t participating. Much more on this when I have time.
Von mir auch mehr, wenn ich Zeit habe. Aber hier noch die
Wirklich wichtige Meldung von web.de:
"Melde Dich - oder es ist vorbei"
Kaum war es eine Weile ruhig um das frühere Promi-Traumpaar, da packt Sandy aus: Boris' Ex-Verlobte lüftet endlich das Geheimnis um ihre angebliche Trennung per SMS.
11. Dezember 2008
Lichtblick
Der ehemalige Burda-Verlagsmanager Jürgen Todenhöfer steht als Beispiel für Menschen, die mit ihrem eigenen Kopf denken. Selten sind diese Menschen, egal wohin man schaut, egal auf welcher Stufe der Hierarchien man sie sucht. Selbst so genannte Führungskräfte denken lieber im Rudel, wie man schon an der jahrelang vorherrschenden neoliberalen Ideologie bemerken konnte. Und ungezählt sind die Leute, die montags von Spiegel oder Focus oder täglich von ihrer Süddeutschen oder der taz denken lassen. Todenhöfer ging die ständige Gehirnwäsche in Verbindung mit dem "Kreuzzug gegen den Terror" derart auf den Wecker, dass er beschlossen hat, selbst nachzusehen, was in muslimischen Ländern tatsächlich los ist. Er schloss sich nicht den westlichen Truppen und ihren Pressestellen an, reiste nicht als "eingebetteter" Journalist durchs Land, mit Offizieren, die einem das zeigen, was man sehen soll. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete reiste in den Irak und sprach mit den Menschen dort, und er reiste nach Afghanistan, und sprach mit den Menschen dort. Und seither schrieb er drei Bücher über die zivilen Opfer der "Kriege gegen den Terror", zuletzt ein Buch über die Gründe, weshalb sich junge Iraker der Widerstandsbewegung gegen die amerikanischen Besatzungstruppen anschließen: "Warum tötest du, Zaid?". Endlich entdeckt auch die taz, dass Jürgen Todenhöfer eine wichtige Stimme gegen die Einheitsberichterstattung im Westen erhebt und Cigdem Akyol* trifft sich mit ihm zum Interview. Die Fragen, die er (ich nehm mal an, Cigdem ist ein männlicher Vorname) stellt, sind zum Teil von einer derartigen Unverschämtheit, dass ich Todenhöfer für seine gelassenen Antworten nur bewundern konnte. Und wenn er nicht unverschämte Fragen stellt, dann solche von einer erstaunlichen Naivität ("Verstößt der Westen gegen die Menschenrechte?" "Ist Obama wirklich der heilsbringende Messias, den alle vermuten?"). An einer Stelle fragt Akyol nach Todenhöfers Motiven für seine Aufklärungsarbeit: "Ist es nicht auch die Lust am Abenteuer? Von der Bambi-Verleihung nach Bagdad zurück ins Heim nach München, das bringt ja auch einen gewissen Nervenkitzel." Doch Todenhöfer bleibt gelassen und lässt sich gar nicht auf das zynische Niveau Akyols herab: "Das ist nicht meine Hauptmotivation. Menschen, die Glück haben, müssen davon etwas abgeben." Dann fragt der Journalist: "Fehlt es an mehr Bürgerjournalisten und Selbstentwicklungshelfern à la Todenhöfer?" Und ich denke mir: Was für eine Unverschämtheit, diesen Mann als "Selbstentwicklungshelfer" anzureden. Doch der ist über solche Journalistenfloskeln erhaben: "Ich halte mich nicht für ein Vorbild. Dafür habe ich zu viele Fehler. Eines meiner Hobbys ist Astronomie. Wenn ich durch mein Teleskop ins All schaue wird mir jedesmal bewusst, dass ich nichts bin. Was ich tue, sind kleine Selbstverständlichkeiten. Sie werden die Welt nicht verändern. Aber vielleicht kann ich einigen Menschen helfen, denen es schlecht geht. Dann hat es sich gelohnt."
------------------------------------------------------------------ * Neugierig geworden, hab ich ein bisschen rumgegugglt, den Namen eingegeben, und tatsächlich: Es handelt sich um eine Journalistin, Cigdem ist ein weiblicher Vorname. Das zeigt mal wieder, dass kaltschnäuziger Zynismus nicht auf Männer beschränkt ist. (Sie erinnern sich an den Eintrag "Journalisten-Furien" am 3. Dezember? Die taz zieht sowas anscheinend an wie ein Magnet.) Frau Akyol hat eine sehr andere Vorstellung von seriösem Journalismus als ich - so viel war mir schon nach zehn Minuten Internet-Recherche klar.
Zitate
"Die Afghanen und Iraker brauchen die Amerikaner nicht für ihre Sicherheit. Wenn die Besatzer weg sind, haben Widerstandskämpfer und Terroristen ihre behauptete Hauptlegitimation, die ausländische Besatzung verloren. Die Antiterrorkriege sind Terrorzuchtprogramme mit weltweiter Wirkung. Ich habe in Afghanistan und im Irak zu viel Elend gesehen, um schweigen zu können."
"Es gibt 45 muslimische Länder. Keines von ihnen hat in den letzten 200 Jahren ein westlichches Land überfallen. Die Fanatiker sitzen im Westen."
Beide Zitate: Jürgen Todenhöfer
Schwachsinn & Co
Was mir fast täglich auf den Geist geht: Diese Angewohnheit von geistig minderbemittelten Journalisten, locker lässig ein "... & Co" in den Satz zu flechten. In einem Bericht über vitaminreiche Ernährung steht dann "Bananen, Orangen & Co". Ein anderer prangert die Energiekonzerne an: "Eon, Vattenfall & Co". Und Stefan Reinecke spricht in einem Kommentar über die Linkspartei einmal von "Gysi & Co", und danach von "Lafontaine & Co". Es nervt. So wie der "Immermehrismus": "Immer mehr Vollbeschäftigte müssen Unterstützung durch Hartz IV beantragen." "Immer mehr Väter nehmen eine Auszeit." "Immer mehr Wirbelstürme treffen auf die Inseln in der Karibik." Und immer mehr Journalisten huldigen dem Immermehrismus. Noch toller finde ich die Redakteure, Politiker, Wissenschaftler und "Experten", die im Jahr 2008 immer noch, wie einstmals Gerhard Schröder zu seiner "Agenda 2010", TINA verkünden, die Abkürzung des amerikanischen Dummbeutelspruchs there is no alternative. Neulich war es der "Chefökonom des DGB", der behauptete, zu den Milliardensubventionen für die Banken gäbe es "keine Alternative". Und Montag behauptet die taz: "Zur Finanzspritze für die US-Autoindustrie gibt es keine Alternative." Seien Sie vorsichtig, lieber Leser, wenn Sie solche Dummbeutelsprüche sehen oder hören: Man will Sie verarschen.
Die gute Nachricht
In Island demonstrieren 7.000 Menschen gegen die Regierung. Das sind mehr als zwei Prozent der Bevölkerung. Auf deutsche Verhältnisse übertragen würden dann 1.600.000 Leute auf die Straße gehen. Der taz-Autor Philipp Boerger berichtet: "Die Isländer werden nämlich ungeduldig. Vor zwei Wochen stürmten sie das Polizeihauptquartier um einen arretierten Demonstranten zu befreien, der auf dem Dach des Parlaments die Fahne der Supermarktkette Bönus gehisst hatte - ein rosa Sparschwein. Vergangenen Mittwoch besetzten einige hundert Menschen das Foyer der Zentralbank." Auf Journalistendeutsch: Weiter so, Björk und Co!
Rüstungsexportweltmeisterschaft
Bei meiner Anfrage ans Verteidigungsministerium im Sommer dieses Jahres wegen Waffenexporten nach Ruanda wurde mir beschieden: "Rüstungsexporte in diese Region orientieren sich an den 'Politischen Grundsätzen der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern' vom 19. Januar 2000. Sie werden danach besonders restriktiv behandelt." Ich hatte immer im Hinterkopf, dass Rüstungsexporte in "Krisengebiete" verboten sind. Das war wohl etwas naiv von mir gedacht, wie allein die U-Boot-Lieferungen an Israel zeigen. Und überhaupt: Wer definiert ein Krisengebiet? Und ist nicht dieser ganze Planet ein Krisengebiet, solange irgendwo immer noch Kriege geführt werden? taz-Frau Ulrike Winkelmann, die sich offenbar immer stärker mit Rüstungsindustrie und dem Krieg in Afghanistan befasst, berichtet unter dem Titel "Man schießt deutsch" über die Zahlen zu den Waffenexporten 2007: "Die Ausfuhrgenehmigungen durch die Bundesregierung beliefen sich 2007 auf 8,7 Milliarden Euro, das sind eine Milliarde Euro oder 13 Prozent mehr als 2006." Die "politischen Grundsätze der Bundesregierung", von denen das Verteidigungsministerium sprach, werden geradezu abenteuerlich restriktiv gehandhabt. Man denkt sich nichts dabei, Rüstungsgüter nach Afghanistan, Indien, Pakistan und in die Türkei zu liefern. Ganz abgesehen davon, dass auch ohne Ausfuhrgenehmigung plötzlich Gewehre vom Typ G 36 der deutschen Firma Heckler & Koch in Georgien aufgetaucht sind. Von Ruanda ist nicht die Rede, aber dass deutsche Firmen Waffen dorthin liefern ist sehr wahrscheinlich. Der Vorsitzende der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung hat vergangenen Montag die Rüstungsexporte angeprangert. Prälat Stephan Reimers sagte: "Die Welt wird nicht sicherer mit noch mehr Waffen." Nun hat Winkelmann den "entwicklungspolitischen Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag" befragt zu den Waffenexporten. Der Mann gehört der CSU an, heißt Christian Ruck, und erzählt die typischen politischen Lügenmärchen. Ich habe sieben Lügen in weniger als vierzig kurzen Zeilen angekreuzt: 1) " Ich nehme den Bericht der Kirchen sehr ernst." 2) "Wir brauchen international abgestimmte Konzepte, wie wir den Sicherheitsbedürfnissen von Entwicklungsländern besser entsprechen können." 3) "Deutschland ist viel engagierter in der weltweiten Friedenserhaltung als früher." 4) "Doch müssen wir fragilen Staaten auch helfen." 5) "Indem wir deren Armeen und Polizei mit ausrüsten - etwa in Afghanistan." 6) "Es wäre undenkbar, dass wir den Verbündeten, die im ungemütlicheren Teil Afghanistans kämpfen müssen, unsere Waffenhilfe verweigern." 7) "Wir werden in Afghanistan nur mit Kochlöffeln nichts ausrichten." Wohlgemerkt, der Mann ist "entwicklungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion". So stellt sich diese Partei also "Entwicklungspolitik" vor.
Dreimal hält besser
Zwei Polizisten in deren "Obhut" ein afrikanischer Flüchtling umgekommen ist, werden vom Landgericht Dessau freigesprochen. Dreimal steht auf der Seite mit dem Bericht über die Verhandlung der Begriff "institutioneller Rassismus". Damit hat man einen Namen für das Problem. Abgehakt. Nächstes Thema.
12. Dezember 2008
zur taz vom Mittwoch, 10. 12.
Neuer Mann in Havanna
Oh je, da kommt der taz-Leser vom Regen in den Hagel. Was Bernd Bieberitz seit ein paar Wochen an Stelle von Knut Henkel aus Kuba liefert, gehört auch wieder zur Abteilung kapitalistischer Blick auf sozialistisches Land. Die Kerle schreiben immer so, als wären die Dinge, die sie an dem Land kritisieren, alle bei uns hier ganz wunderbar, und die Kubaner sollten sich gefälligst mal anschauen, wie man das macht. Neulich hat Bernd Bieberitz am Bildungssystem rumgekrittelt und eine Lehrerin als Kronzeugin gefunden, die lieber heute als morgen nach Miami auswandern will. Heh, mein Lieber Kuba-Kritiker, ich finde dir in zwei Stunden ein halbes Dutzend Lehrerinnen in Bayern, die lieber heute als morgen in Frührente gehen würden (vom Auswandern nach Mallorca ganz zu schweigen). Jetzt geht's also um eine Bloggerin, die heißt Yoani Sanchez und kriegt von der "Deutschen Welle" eine Auszeichnung als "Best Weblog 2008" (die kennen wohl "Achtung: tazblog!" nicht?). Bieberitz: "Für Sanchez ist jeder Blog ein Nadelstich gegen das staatliche Informationsmonopol." Denn: "Die Diskrepanz zwischen revolutionärem Anspruch und revolutionärer Realität spricht Bände." Ich bin ja immer der Meinung gewesen, dass man grundsätzlich nur am Sturz der eigenen Regierung mitwirken sollte. Und deshalb mach ich mir lieber Gedanken über die Diskrepanz zwischen demokratischem Anspruch in Deutschland und demokratischer Realität. Trotzdem bleibt die Frage hinter der dummen Phrase: Wirft der taz-Mann der kubanischen Regierung vor, nicht revolutionär genug zu sein? Und ist nicht jeder Blog hier bei uns ein Nadelstich gegen das Meinungskartell in Deutschland?
Aufregende Themen, unerträglich präsentiert
Seltsam, aber wenn ich was von Cord Riechelmann in der taz lese, interessieren mich fast immer die Themen, die er sich herauspickt. Diesmal schreibt er über Olivier Messiaen, den wundersamen französischen Komponisten, der Vogelstimmen in Notenschrift festhalten wollte. Und wenn ich dann zwei oder drei Absätze gelesen habe, stelle ich fest: Dieser Autor präsentiert die aufregendsten Themen so unerträglich, dass ich nicht weiterlesen will. So geschehen in dem Stück mit dem Titel: "Dieser Mann konnte mit den Augen hören." Was für ein Mist.
Hühnerscheiße
Ein ganz wunderbarer Beitrag von Ilija Trojanow auf der Meinungsseite. Er kennt jemanden aus der Investmentbranche in London, und hat aufgeschrieben, was der Typ über die "immer ausgefalleneren Wertpapiere aus den Laboratorien der Wall Street" erzählt: "Bizarre und komplexe Konstruktionen aus den Abteilungen 'strukturierte Kredite'. Die haben massive Gewinne eingefahren, aber keiner außerhalb des inneren Kreises begriff, wie sie wirklich funktionierten. Es war Geheimwissen. Ich weiß noch, wie ich im Jahr 2000 einen Kollegen bat, sie mir zu erklären, und er sagte wortwörtlich: 'Nun wir machen Hühnerscheiße zu Hühnersandwich.'" Nun, diese "strukturierten Kredite" sind dann ja spektakulär in sich zusammengefallen. Interessant ist seine Anmerkung zur deutschen Industriekreditbank: "Es war in London allgemein bekannt, dass man ihnen alles andrehen konnte, was nur exotisch und groß genug war. Als Kunde waren sie ein feuchter Traum für jeden Verkäufer. Keiner hat jemals gefragt, wieso eine Bank mit dem klaren Mandat, deutschen Mittelstandsfirmen Kredite zu gewähren, so viele strukturierte Kredite auf ihre Bilanzen lud." Die Bayerische Landesbank lässt in diesem Zusammenhang ganz herzlich grüßen.
Wald hat Bäume, Mensch hat Auto
Wie man sich in vorgegebenen Denkmustern verrennen kann, und nur an Symptomen herumkuriert, dafür liefern die systemkonformen taz-Journalisten täglich schöne Beispiele ab. Bloß nicht über den Tellerrand mit den allseits akzeptierten Vorgaben gucken. Vorgabe im Fall Pendlerpauschale: Der Verkehr findet mit dem Auto statt. Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, bekommt Steuervorteile, je weiter, umso mehr. Richard Rother behauptet nun: "... die zusätzliche Mobilität führt zu mehr Flexibilität - Unternehmen und ihre Beschäftigten können schneller auf Marktänderungen reagieren, was die Grundlage für Erfolg und damit auch Steuereinnahmen schafft. Auch regionalpolitisch ist das sinnvoll." So einfach ist das. Brrrummm, brrrummm.
Wort des Tages
"Hessen SPD steht weiterer Zoff bevor. Auf dem Parteitag will eine Neodissidentin Andrea Ypsilanti ganz von der Liste zur Landtagswahl kegeln." "inland"-Seite, Überschrift zu einem Artikel von Klaus-Peter Klingelschmitt
CDU jetzt auch in Bayern!
"Mörder sollen nach dem Willen der Innenminister von Bayern und Niedersachsen (beide CDU) für ihre Taten länger im Gefängnis sitzen als bisher." "inland"-Seite, ap-Meldung
Die WWM* des Tages (von web.de)
Mit dem Chef knutschen?
Trotz ungezwungenen Rahmens werden Vorgesetzte auf der Weihnachtsfeier nicht gleich zu Kumpeln. Eine Expertin klärt Sie über die Fettnäpfchen auf.
* Wirklich Wichtige Meldung 13. Dezember 2008
Schneelaufen
Nein, nicht mit Schneeschuhen, mit Laufschuhen war ich unterwegs gestern, das erste Mal auf richtigem Schnee am Boden. Na ja, vielleicht fünf Zentimeter, und an manchen Stellen unten an der Hangkante war's schon ganz schön matschig am Tauen gegen Mittag. Aber weiter draußen, bei der Fußgängerbrücke in Oberföhrung, lag richtig dicker Schnee und da war's auch noch schön unter Null. Das macht Spaß, wenn die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt oder knapp darunter liegen, und dann zwischenzeitlich auch noch die Sonne rauskommt - "Drei-Wetter-Lauf", hihihi. Ein bisschen anstrengender ist Schneelaufen schon, und was ich gar nicht mag, sind Stellen, die noch schneeweiß aussehen, aber schon zu Matsch getaut sind. Da patscht man rein und kriegt die Ladung auf den Fuß, der nachkommmt, und dann hat man eine Weile nasse und eiskalte Strumpfzehen. Die sind zwar nach ner Weile wieder warm, aber nass bis zum Ende des Laufs. Unangenehm. Aber sonst lief alles prima, waren fast neun Kilometer gestern, und das Phänomen des Nordschattens konnte ich auch wieder beobachten. Davon mehr demnächst: "Nordschatten" - wäre doch ein guter Buchtitel. Apropos - gestern, am 12. 12. 2008, kam auch die Nachricht, dass die Novelle "Delfina Paradise" als Buch fertiggestellt ist. Bin mal neugierig, wie's aussieht, wenn das erste Exemplar in meinem Briefkasten liegt. Die Spannung steigt.
Die taz vom 11. Dezember (gestern, 12. 12., folgt gleich danach!)
Alternative: Verhandeln
Das freut den Leser: Mal mit Leuten reden, die nicht die offizielle deutsche Außenpolitik vertreten, sondern ihr eigenes Konzept, das aus eigener Anschauung entstanden ist. So geschehen mit dem halbseitigen Interview, das Ulrike Winkelmann mit Christoph Hörstel geführt hat. Der setzt sich, als ehemaliger ARD-Korrespondent, selbstbewusst für Verhandlungen des Westens mit den Taliban ein, um aus der Misere in Afghanistan herauszukommen. Er kennt beide Seiten, hat Kontakte zu den Warlords und zur Regierung, und vor allem scheint er mit einer großen Portion gesunden Menschenverstands ausgestattet zu sein. Als ihm Winkelmann vorhält, "dass der (pakistanische Geheimdienst) ISI die Taliban unterstützt, steht in allen Zeitungen", legt Hörstel noch eins drauf: "Ja, aber meine Formel für das Vorgehen der USA heißt 'Terrormanagement': Die CIA weiß nicht nur, dass der ISI die Taliban unterstützt. Sondern sie fördert das. Dies glauben übrigens auch die meisten Afghanen: dass die USA ihre Feinde nähren, damit sie nicht abziehen müssen." Das trifft bei der taz-Frau auf Skepsis, so wie sie schon zu Beginn des Interviews Hörstel vorwirft, seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen, weil er behauptet, die CIA sei in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt. Aber angesichts der Tatsache, dass der militärisch-industrielle Komplex immer die Absatzmärkte sichern muss, klingt Hörstels These zu Afghanistan nicht unwahrscheinlich. Und auch seine Ansichten zu den "geopolitischen Interessen" der USA (für die Bush und seine Gang den Propagandabegriff "Krieg gegen den Terror" erfunden haben) klingen plausibel: Russland, China und Iran einkreisen, und die geplanten Pipelines sichern: Die "Ölpipeline aus Turkmenistan bis nach Pakistan und eine weitere für Gas nach Indien. (...) Die deutschen Stellen - Bundesregierung, Bundeswehr und BND - sind mit diesen US-Interessen vertraut, die Pipelinekarten erhielt ich immer von der Bundeswehr selbst." Na, die hätte er auch von Le Monde diplomatique bekommen, oder dem "Atlas der Gloablisierung" entnehmen können. Festhalten sollte man aber: Der Bundesregierung fällt tatsächlich nichts anderes ein, als, wie gerade geschehen, die Zahl der Soldaten zu erhöhen. Wenn man dann auch noch an SPD-Struck und die "Verteidigung der Freiheit am Hindukusch" denkt, kann einem schlecht werden. Die Lügen, mit denen sie hierzulande den Leuten die Unterstützung der US-Kriege verkaufen, sind schon dreist. Und dass die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik klammheimlich die Rüstungsindustrie unterstützt, sollte in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen werden. Deutschland, einig Kriegerland.
Bald wieder weltweit Spitze: Die arme deutsche Autoindustrie
Neben SPD-Verheugen, der ja eher als verdeckter Lobbyist arbeitet, setzt noch ein Politiker seine ganze Arbeitskraft zum Wohle der Autofirmen ein: der Exminister Matthias Wissmann (CDU), der jetzt als Präsident des Verbandes der Automobilindustrie sein Geld verdient. Ohne zu erwähnen, dass die großen Firmen wie Audi, Mercedes, BMW, VW und Porsche zusammen immer noch ein gutes Dutzend Milliarden Euro Profit im Jahr einfahren, fordert Wissmann Kredite zwischen 20 und 40 Milliarden, damit die Firmen ihre verfehlte Modellpolitik auffangen können. Gut, soll er ruhig fordern, das gehört zu seinem Job. Aberwitzig wird die Begründung: Die Kredite dienen "zur Unterstützung ihrer Forschung und Entwicklung umweltfreundlicher Autos". Das ist schlichtweg unverschämt. Eine Branche, die in ihrer Werbung jahrzehntelang auf überdimensionierte Motoren, Vollgas und hohen Spritverbrauch gesetzt hat, bis heute jede Gesetzgebung für Tempolimit und niedrige CO2-Werte ablehnt und nicht mal ihre Selbstverpflichtung für sparsamere Motoren eingehalten hat, will jetzt die Entwicklung neuer Modelle aus Steuergeldern finanziert bekommen. Wissmann wörtlich: "Die deutschen Autohersteller wollen sich weltweit an die Spitze des Wettbewerbs für umweltfreundliche Autos setzen." Das sollen sie mal machen, aber nicht mit Steuergeldern.
Der Leser: Da geht das Energiesparlicht auf
Wer bringt's auf den Punkt? Der Leser Kilian Becker aus Wegscheid: "Dieselben Entscheidungsträger, die jedwede Energieverschwendung fördern, wenn sie nur 'der Wirtschaft' 'dient', die Stahlwerken und Aluschmelzen jeglichen finanziellen Beitrag für die erneuerbaren Energien vom Hals halten, die das Flugbenzin steuerfrei stellen und die Autoindustrie von CO2-Grenzwerten befreien, die einen ungehemmten Straßen- und Flughafenausbau propagieren und durchführen (und dadurch den Energieverbrauch weiter anheizen) - diese Leute wollen nun Klimaschutz simulieren, indem sie die Bürger in ihrem privaten Lebensbereich schikanieren und reglementieren, anstatt die Energie über Steuern zu verteuern und jedem selbst zu überlassen, wie und wo er sparen will. Wer dem fahlen Licht der Energiesparlampen entfliehen will, kann ja in Zukunft eine Flugreise nach den Maldiven antreten. Das ist nicht verboten und sogar steuerfrei."
Oder, um mal wieder einen Autor der Süddeutschen Zeitung zu zitieren: "Mein Beitrag zum Umweltschutz besteht darin, dass ich beim Fliegen weiß, wie schädlich es ist."
Schöner Werbegag
Der Langenscheidt Verlag hat sich einen guten Gag einfallen lassen, wie er in allen Zeitungen erwähnt werden kann, ohne Anzeigen zu schalten: Das geht nur, wenn man in den Agenturmeldungen vorkommt. Also hat man eine Jury eingesetzt und deren Ergebnis per Pressemitteilung verschickt, und alle drucken es ab, die taz selbstverständlich auch (übrigens gleich zwei Mal: auf "inland" und "tazzwei" - die Redakteure der beiden Ressorts scheinen keinen besonders guten Draht zueinander zu haben). Es geht um das "Jugendwort des Jahres 2008", und ich gehe davon aus, dass sich die Jury alles selbst ausgedacht hat, auch "Gammelfleischparty" als Bezeichnung für eine Feier von Menschen über 30. Uuuuäääähhh. Piratenjagd
"Die Bundesregierung legt Wert darauf, dass der Schutz durch EU und Deutsche Marine primär den Nahrungsmittellieferungen für das zerfallene Somalia dient, wo ein Drittel der Bevölkerung humanitärer Hilfe bedarf. Doch habe 'Deutschland als Exportnation' auch an 'sicheren Handelswegen ein besonders großes Interesse', heißt es in der Mandatsbegründung." So berichtet Ulrike Winkelmann auf Seite 3. Wenn Sie mich fragen: Die Begründung "Brot für die Welt" iss mal wieder ne faustdicke Propagandalüge. Ich habe zwar schon davon gehört, dass spanische Fischkutter, französische Luxusyachten, Frachtschiffe mit Panzern und ein Öltanker gekapert wurden, auch von Gefahr für deutsche Kreuzfahrtschiffe war die Rede, aber in den ganzen Monaten der Piratenmeldungen aus dem Golf von Aden habe ich nicht mitgekriegt, dass Lebensmitteltransporte abgefangen wurden. So scheint mir der zweite Teil der Begründung schon eine Spur ehrlicher zu sein, und vorausschauend: Mit diesem Mandat steht der Bundesmarine endlich die Welt offen. Denn heute da hört uns Somalia ...
zur taz vom Freitag, 12. 12.
Dr. Wahrheit
Hättet ihr wohl nicht für möglich gehalten, dass es einer bemerkt? Aber ihr kennt doch noch den alten Stalker-Song von Sting: Every Breath You Take, wo es dann immer wieder heißt "I'll be watching you"? Hah, ihr werdet beobachtet, vor allem "Die Wahrheit", schon weil ihr so viel Mist auf der Seite unterbringt (vom "Tagebuch der ...", ihr wisst schon, dienstags, ganz zu schweigen. Nein, ich sag dazu nichts, aber es ist einfach unterirdisch, das Grauen. Nein, ich sag nichts, denn es muss ja nicht wiederholt werden, wie grässlich dieses "Geheime Tagebuch der ...", na, ihr wisst schon, kein Wort mehr, aber das liegt so weit unter dem niedrigsten Niveau, das jemals auf der Wahrheitseite gedruckt wurde, schlimmer als die Dalai-Lama-Artikel von dem Dingsbums, ihr wisst schon. Deshalb nur so viel und kein Wort mehr, unfassbar, dieser pseudosatirische Schwachsinn. Nein, ich sag dazu nichts.) Wenn ihr aber glaubt, es wäre mir nicht aufgefallen, dass am Freitag, also gestern, statt "Die Wahrheit" plötzlich "Dr. Wahrheit" über der Seite stand, dann täuscht ihr euch. P. S. Corinna Stegemanns "Hokuspokus" klang sehr bemüht.
Apropos Laufen: Dieter Baumann
Klar, lese ich immer, die Kolumne vom Tübinger Langstreckenweltmeister. Nett seine Nachricht vom Schokofestival, wo eine Besucherin verkündet, "Kalorien sind kleine versteckte Männchen, die nachts die Kleider enger nähen." Interessant: Um tausend Kalorien zu verbrauchen, muss man weit über eine Stunde Dauerlaufen. Es soll ja Leute geben, die laufen, um dünner zu werden. Hm.
Neues vom Besserwisser
Ach, stecken sie nicht in uns allen, dieser unselige Sebastian Sick ("Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod") und seine besserwisserischen Verwandten von der Sprachverbesserungsfront? Vielleicht erinnert sich sogar noch jemand an E. A. Rauter? Und freuen wir uns nicht alle diebisch, wenn wir so nen eitlen Labersack wie Reinhard Kahl auf der Meinungsseite dabei erwischen, dass er unsäglichen Mist erzählt, und die taz-Korrektur nicht mal einen total missglückten Satz verbessert? Aber vielleicht ging er den Korrektoren ebenso aufn Wecker wie mir, und sie haben ihn absichtlich auflaufen lassen ... Lesen Sie dies, und achten Sie bitte nicht nur auf den grausamen Stil, versuchen Sie auch den Inhalt zu erfassen: "Das renommierte Deutsche Institut für Urbanistik hat vor einigen Monaten ausgerechnet, dass allein der dringendste Sanierungsbedarf für Schulgebäude auf 73 Milliarden angewachsen ist. Die sind nötig, allein um zu verhindern, dass es nicht reinregnet und dass mancherorts bereits einstürzende Neubauten gerettet werden." Das glaube ich nicht - wenn jemand verhindern will, dass es nicht reinregnet, könnte er doch einfach die Dachziegeln runterschmeißen. Das kann nicht so teuer sein. Und um zu verhindern, dass einstürzende Neubauten gerettet werden, reicht es doch, einfach kein Geld dafür auszugeben.
Zum Aufstand in Griechenland
meint ein taz-Leser, Peter Zimmermann aus Ottendorf-Okrilla (wo immer das sein mag), dass wir uns an "den Anblick von Straßenschlachten und bürgerkriegsähnlichen Zuständen gewöhnen müssen." Das glaub ich auch. Er fährt fort: "Und mit der immer noch ungelösten sozialen Frage wird auch die Demokratie, die schon längst zu einer Gelddiktatur verkommen ist, zugrundegehen." Deutlicher als in den letzten zwei Monaten wurde dem staunenden Publikum selten vorgeführt, für wen dieser "Parlament-Kapitalismus" (Alain Bardiou) eingerichtet wurde: Für Banken, Autokonzerne und die Großindustrie. Die Politik von Frau Merkel spricht Bände, für den, der hören kann. Die Dreckskerle denken gar nicht daran, mit der Zerstörung des Planeten aufzuhören, so lange sie kurzfristig Riesenprofite einfahren können. Und wenn die neoliberalen Gesänge nicht mehr geglaubt werden, singen sie halt was anderes.
Ypsilanti spricht
Das wurde aber mal Zeit! In den letzten Monaten kamen immer nur die taz-Redakteure zu Wort, die schadenfroh über das Scheitern des rot-grün-linken Regierungsprojekts in Hessen herzogen. Zum Beispiel die skandalöse Berichterstattung von Klaus-Peter Klingelschmitt, der fast täglich sein Brett vorm Kopf vorführen durfte. Jetzt hat Stefan Reinecke ein Interview geführt und Andrea Ypsilanti endlich Gelegenheit gegeben, auf die Argumente des Meinungskartells (ja, "auch die taz...") zu antworten. Und siehe da - vorgeführt wird eher die scheuklappenbewehrte Sicht der Medienmeute (auch wenn Reinecke immerhin noch zu den handwerklich besten und besonneneren taz-Schreibern im Bereich Parteien- und Innenpolitik gehört). Zwei Zitate von Frau Ypsilanti: "Das Entscheidende war für mich der Politikwechsel - und dazu gehörte eine neuen Energiepolitik, die Arbeitsplätze schafft und den Mittelstand fördert. Dafür stand Hermann Scheer und nicht Jürgen Walter." Und: "Wir sind gescheitert, weil drei Abgeordnete 24 Stunden vor der Wahl ihr Gewissen entdeckt haben. Obwohl wir zuvor in einem offenen, demokratischen, langwierigen Prozess ausdiskutiert haben, welcher Weg richtig ist. Wir haben Bedingungen für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausgearbeitet, die von allen akzeptiert wurden. Rot-Grün, toleriert von der Linkspartei, ist nicht an der SPD gescheitert - sondern an drei Abgeordneten."
15. Dezember 2008
Ach Gottchen
"Wie kann man der drohenden Rezession entgegensteuern, wie die Wirtschaft ankurbeln? Über diese Fragen berät Kanzlerin Merkel zur Stunde mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft im Kanzleramt. Im Mittelpunkt steht die Sicherung von Arbeitsplätzen." Das stammt nicht aus der taz, so klingt das im Nachrichtenjargon der ARD auf tagesschau.de. Ich kann's einfach nicht mehr hören, das sind Propagandalügen. Im Mittelpunkt aller staatlichen Maßnahmen in diesem Land steht immer das ungehemmte Profitstreben. Und wenn dieses ganze Krisengerede irgendeinen Sinn hat, dann doch nur den, mal wieder für alle zu verdeutlichen, um was es tatsächlich geht: Es geht darum, das Geld von unten, wo - im Vergleich zu den Profiten - viel zu niedrige Löhne gezahlt werden, nach oben zu verteilen. Den braven Arbeitnehmern wird Geld für private Altersvorsorge, Praxisgebühr, Solidaritätszuschlag und ähnlichen Kleinviehmist abgenommen, das dann von den Banken eingesammelt und in abenteuerliche "Produkte" verwandelt wurde, mit denen sich die Kapitaleigentümer dumm und dämlich verdient haben. Jetzt sind die Luftnummern weggeblasen worden, und die Banken holen sich die Milliarden vom Staat. Und der hat, per Steuergesetzgebung unter Kohlschrödermerkel, dafür gesorgt, dass die Großkonzerne überhaupt keine Steuern mehr bezahlen und "der Staat" von den Leuten finanziert wird, die brav arbeiten gehen und bescheidenen Wohlstand ansammeln - Mittelstand, Arbeiter und Angestellte. Die nun also das Desaster ausbaden dürfen, indem Milliarden von Steuergeldern ausgegeben werden, die gar nicht vorhanden sind: Man nimmt Kredite auf, die unsere Enkel abzahlen sollen. Es ist also gar nicht die Frage, ob das System zusammenbricht, sondern wann. Bis dahin fahren sie weiter mit fabrikneuen Porsche Cayenne und Geländeluxuswagen von BMW, Mercedes, Audi und VW an mir vorüber, wenn ich an der Fußgängerampel stehe. Und die Abendzeitung ruft die Leute in jeder täglichen Ausgabe seitenweise dazu auf, vor Weihnachten möglichst viel unnützen Plunder einzukaufen. Nach dem Motto: "Genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich." (Deutscher Volksmund, ca. 1944)
Zahnreißen ... äääh, Zahnreisen
Die Reiseseiten der taz sind wirklich ein Witz. Der größte Teil unterscheidet sich nicht von den Reiseseiten anderer Blätter: Man macht Werbung für Veranstalter, die den/die Autor/in umsonst durch die Welt geflogen haben, damit er/sie darüber schreibt. Das liest sich dann wie Werbe- oder PR-Prosa, aber selten fällt es so penetrant ins Auge wie auf den drei Seiten PR für Zahnärzte und billigen Zahnersatz in Polen und Bulgarien. "Zahntourismus" nennt sich dieser Teil der Reisebranche, und das klingt so: "Geleitet wird die Klinik von Regina Schindjalowa. Die 37-jährige, hochgewachsene, schlanke Russin aus Saratow ist Fachärztin für Implantologie, hat an einem Aachener Klinikum in der Abteilung für Kiefer- und Gesichtschirurgie hospitiert und ist seit zweieinhalb Jahren für Dentaprime tätig. Wenn es sein muss, arbeitet sie mit ihrem Team von vier Ärzten, sieben Assistenten und zehn Zahntechnikern zehn bis zwölf Stunden am Tag." Ich bin auf Anhieb überzeugt - sogar in einem deutschen Klinikum hat sie hospitiert, die Zahnärztin, da kann nix schiefgehen in Varna. Und "hochgewachsen und schlank" ist sie auch noch, da lass ich doch glatt meinen kleinen dicken Zahnarzt in der Prinzregentenstraße stehen und flieg lieber nach Bulgarien zum Bohren (Zote beabsichtigt!). "Bis zu 70 Prozent günstiger als in Deutschland", marktschreit die taz. Und wenn Sie glauben, ich hätte da oben aus einem Werbeprospekt zitiert: Nein, das ist der Stil, in dem taz-Autorin Barbara Oertel auf einer halben taz-Seite für eine bulgarische Zahnklinik wirbt. Und gegen Schluss kommt auch noch eine Patientin zu Wort: "Die Klinikleiterin ist eine super Handwerkerin. Ich habe mich durchweg gut behandelt und betreut gefühlt." Da kann man Frau Oertel nur wünschen, dass sie ihr die Zahnlücken zum Nulltarif geschlossen haben, oder zumindest mit satten Rabatten. Nett, das Kleingedruckte am Schluss des prachtvollen PR-Artikels, der als redaktioneller Beitrag aufgemacht und erschienen ist: Diese Reise erfolgte auf Einladung der Dentaprime, www.dentaprime.com
Auf der Suche nach Prousts verlorenem Lachen
Ein weitschweifiger Artikel vom Marcel-Proust-Übersetzer Michael Kleeberg fragt in der Überschrift: "Hat Marcel Proust gelacht?". Nach langem Mäandern kommt er auf der nächsten Kulturseite zur Antwort im letzten Satz: "Proust hat gelacht." Was dazwischen steht bringt möglicherweise einem halben Dutzend Spezialisten der Proust-Forschung die eine oder andere Erkenntnis. Soll das deshalb nicht in der taz gedruckt werden? Doch, doch. Ich find's nur rührend.
So long, Marianne
Sie hat eine Doppel-CD mit Songs von anderen Leuten herausgebracht: Marianne Faithful interpretiert, und der Produzent Hal Willner hat sie einspielen lassen. Von Diedrich Diederichsen erfährt der Leser (so er will), dass es einen Unterschied gibt zwischen Cover-Songs und dem was Willner macht: Der arbeitet nämlich an einem "Great Songbook der Pop-Musik", und "verrät mit etwas zu viel Perfektion das Herz des Pop". Meint Diederichsen. Also muss man davon ausgehen, dass etwas perfekt sein kann, wenn man noch was drauflegt, wird es perfekter, und wenn es zu viel an Perfektion bekommt, ist es nicht am perfektesten, sondern "verrät das Herz des Pop". Ois klaro? Weshalb das Mikrofon, das auf dem Cover abgebildet ist, "in doppelter Handgranatengröße die Mitte des Bildraums dominiert", weiß der Geier. Ich frag mich nur: Denken Sie bei Mikrofonen auch immer gleich an Handgranaten?
Der unfassbare Satz des Tages ...
... steht auf tazzwei. Über Angela Merkel schreibt Annika Kühn: "Erst vor einigen Monaten hatte die Politikerin intern Unmut darüber geäußert, mehr als Knutschkugel denn als Kanzlerin wahrgenommen zu werden." Gut, dass die taz-Autorin über solche Interna Bescheid weiß und sie an die Leserschaft weiterreicht. Es ist nicht zu fassen.
Dritter Advent
Nach Sibylle Berg am ersten, dem Absturz mit Joachim Lottmann am zweiten, kommt zum dritten Advent Uli Hannemann mit einer "besinnlichen Geschichte" zu Wort. Die hat mich zutiefst verstört, und ich hab mir als Anmerkung "Heavy Shit!" an den Seitenrand notiert. Das war als Kompliment gedacht. Oh Mann, wo iss der denn zugange? Ich hoffe sehr, es geht ihm gut - falls er das will. Ich hab aber so meine Zweifel, ob ihm das viel helfen würde.
Krisenerklärung Nr. 46.832
"Was kann der Staat in einer liberalen Marktwirtschaft überhaupt tun?" fragt Ralph Bollmann den "Kulturwissenschaftler" Wolfgang Schivelbusch im Interview. Und der antwortet: "Geld drucken."
Bye, bye Betty Page!
Mit 85 Jahren ist Betty Page in Los Angeles gestorben. Nie wieder - vielleicht mal abgesehen von Pamela Anderson - war weibliche Nacktheit fröhlicher als bei ihr. Sogar gefesselt sah sie noch wie die fröhliche Unschuld aus.
Misstrauen im Straßenkampf
Ein gaaanz feiner Artikel von Niels Kadritzke über die Unruhen in Griechenland. Wer den Hintergrund kennt, vor dem die Proteste verständlich werden, muss sich nicht wundern, dass Randale der letzte Ausweg ist. Mir scheint, die politische Klasse in Griechenland hat sich noch weiter vom Volk entfernt als bei uns. Ein Bildungssystem nur für Reiche, weit mehr Militärausgaben pro Kopf als in allen anderen EU-Ländern, und keine Perspektiven für Menschen unter 20. Da fehlt der Glaube an die Obrigkeit und den Staat, der nur durch Polizeigewalt erlebt wird. Das Wort zum Geburtstag
Zum 70. Geburtstag (13. Dezember) von Christian Semler schreibt Daniel Cohn-Bendit: "Um es konkret zu machen: Er ist realpolitisch menschenrechtsorientiert, was mir gefällt. Und er hat gleichzeitig ein starkes, linkes Gewissen. Beides ist manchmal, zum Beispiel auf dem Balkan, schwierig zusammenzubringen. Christian gelingt es, und das macht ihn menschlich." Was das "konkret gemacht" aber heißen soll, müssen Sie den Autor bitteschön selbst fragen.
Zitat
"Das Universum ist nicht nur seltsamer, als wir es uns vorstellen, es ist seltsamer, als wir es uns vorstellen können." - Sir Arthur Eddington
Wer das war (oder ist), weiß ich auch nicht, aber ich bin der festen Überzeugung: Der Mann hat recht. Schöne Tage, frohes Schaffen, und vergessen Sie nicht den guten alten Monty Python-Spruch (der nach dem Wort von Sir Eddington wieder in ganz anderem Licht erscheint):
Everything you know is wrong. So long, seekers!
Die WWM* (von web.de)
So feiern die Stars Weihnachten
Rauschende Promi-Party oder besinnliches Familienfest: Hier erfahren Sie, wie Britney und Co. das Fest der Liebe verbringen. Und was Mariah im Weihnachtsbikini alles anstellt.
* Wirklich Wichtige Meldung
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