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Delfina Paradise
Delfina Paradise - Eine Liebe in München
24.03.2008 22:19:13
Die Novelle "Delfina Paradise - Eine Liebe in München" ist im Januar 2009 als Taschenbuch (9,90 Euro) erschienen. Sie ist in jeder Buchhandlung erhältlich (ISBN 978-3-8370-8185-5) und bei den  bekannten Online-Versendern (siehe Startseite dieser Website "Über mich").

Erste Stimmen:

Das Buch ist nicht lang, eine Novelle, sie spielt in München, im Dezember 2007, und ist, wie der Untertitel sagt: "Eine Liebe in München". Der Autor ist Anfang 60, und sein Held ist ihm vermutlich ziemlich ähnlich.

Die Geschichte beginnt in einem Café, der Held verliebt sich auf den ersten oder zweiten Blick in eine jüngere, sehr schöne Frau, und drei Tage oder so geht alles gut. Dann zerbricht das empfindliche Gleichgewicht, der alte Kerl wird sentimental, erträgt die Spannung nicht und verpatzt die Sache (so wie Marlon Brando einst im "letzten Tango"). Nebenbei bemerkt: Die schöne junge Frau betreibt professionell Wunschmassagen und solche Sachen, und was sie überhaupt nicht mag, ist von ihm idealisiert zu werden. Am Ende gibt es ein Ende - und einen völlig überraschenden Schluss.
Hans Pfitzinger hat bereits einen vielgelobten Reiseführer geschrieben ("Stille Winkel in München"), auch ein Buch über die "Doors" und kann wirklich schreiben. Kurze, knappe Sätze, gute Dialoge, Selbstironie.
Ich hab's in einem Rutsch durchgelesen. Fünf Sterne! *****
- Rezension auf amazon.de


"Heh, das ist Klasse! Hat mich an James Joyce erinnert, dieselbe Power, ich konnt nicht mit lesen aufhören. Aber du  weißt  ja,  ich verfilme  nur  meine  eigenen Sachen. Musst du selber machen, Cowboy.
- Klaus  Lemke, Filmregisseur

 
"Ich finde der Text liest sich sehr amüsant und vielversprechend. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir nach Erscheinen ein Exemplar des Buches zusenden würden. Aus persönlichem Interesse - aber auch als Möglichkeit, den Band in unserem Feuilleton zu besprechen."
- Arno Makowsky, Chefredakteur der Abendzeitung, nach Lektüre der Leseprobe, die Sie hier im Folgenden auch lesen können.

"Ich hab's in einem Zug durchgelesen, war bis morgens um vier wach. So genau wie die Frau beschrieben ist, hab ich das Gefühl bekommen, dass ich sie kenne und denselben Typ schon ein paar Mal im Leben getroffen habe - blond, schwarz, rothaarig, mit ganz unterschiedlichen Berufen."

- Peter Patzak, Regisseur ("Kottan ermittelt")

"... Da der Text für eine Hörspieladaption mitunter zu explizit pornografisch gerät und uns die zuhauf vorgebrachten konventionellen Chauvinismen wenig erhellend erscheinen ..."
- Christiane Hänsel, Hörspielredaktion Bayerischer Rundfunk (siehe dazu oben in der Leiste die Rubrik "Darum geht's")

"Hallo Hans, gerade bin ich fertig mit deinem Buch. Es ist gut und echt und ehrlich. Sehr schön!!!"
-
Ingrid Huch-Hallwachs, Büro Ixtlan in Moosburg


heh, dein delfina buch gefällt mir im nachschmecken immer besser, sehr ehrlich, da kann sich jeder alte sack wiedererkennen. für junge säcke bestimmt auch spannend heh, aber mit dem umschlag kaufen die das nicht.
- Thomas Degen, Fotograf in Ebenhausen

Delfina Paradise – Eine Liebe in München


- Novelle -

Von Hans Pfitzinger

© Copyright 2008

Inhalt:

Vorspiel

- Erster Satz: Herz

1 Sie ist da

2 Die Brücke

3 Im Café

4 Nachtgedanken

5 Die Verabredung

5 a Einschub. Sachsen-Anhalt von oben

- Zweiter Satz: Schwanz

6 Paradiso

7 Stilfragen

8 Das Spiel um Geld und Liebe

9 Am Freitag Engel

10 Alles stimmt

11 Zweite Begegnung, zweiter Zufall

12 Der Regenspaziergang

13 Die Vertreibung

14 Die Außenwelt

- Dritter Satz: Seele

15 The Power of Song

16 Slapstick. Es wird ernst

17 Die Verfinsterung des Lichts

- Vierter Satz: Kopf

18 The End, Beautiful Friend, the End

19 Nachtgedanken II

20 Nachspann

Für Diana


"Ich rief: 'Bleib!' (Glas und Blech erscholl nicht gedämpfter).
'Lisa!' aber eine Leine machte Knoten und raschelte. Da ging ich hinaus und gaffte, wie sich der Reif auf dem Land bildete."

Arno Schmidt, Schwarze Spiegel

"I think it's a mistake to ever look for hope outside of one's self."
Arthur Miller


Vorspiel

Es war ein hell flackerndes Feuer, und es brannte zehn Tage lang. Bis die Glut ganz erloschen war, dauerte es noch einmal vier Tage. Übrig blieb nur die eiskalte Weißglut der Enttäuschung. Die unerbittliche Wahrheit ließ ihn an jenem Abend seine Lage so klar und leer sehen wie schon einige Male zuvor in seinem Leben – er musste die harte Droge der  enttäuschten Liebe schlucken. Am Schluss trat Delfina mit den Sohlen ihres spitzen, mattschwarzen Stöckelschuhs die letzten glimmenden Reste der Glut aus und eilte weiter.

Von: sebwugg@xxxxxx
Betreff:     wmv
Datum:     21. Dezember 2007 19:08:59 MEZ
An: mail@xxxxxxxxxx

Die .wmv-Datei, die du angehängt hast, macht mein Quicktime nicht auf.
Aber wenn du mal'n Abend frei hast in der staden Zeit, können wir uns gern treffen. Mein Leben sprengt mich fast. Jeder kriegt das, was er aushalten kann, manche mehr. Aber die müssen's auch aushalten.
Love & peace!
Seb


Von: mail@xxxxxxxxxx
Betreff: Das Leben als Song
Datum: 21. Dezember 2007 19:23:01 MEZ
An; : sebwugg@xxxxxx
 
hallo seb,
für wmv brauchste den windows media player.
den gibt's umsonst unter: http://windows-media-player.softonic.de/mac
"mein leben sprengt mich fast" ist übrigens 'n feiner songtitel.
beste grüße!
axel

Von: sebwugg@xxxxxx
Betreff:     Das Leben als Song
Datum:     21. Dezember 2007 21:47:34 MEZ
An: mail@xxxxxxx

Betr.: ’mein leben sprengt mich fast’ ist übrigens 'n feiner songtitel.
Original von mir, hehehe. Danke, Axel, hab seit Tagen zum ersten Mal vergnügt vor mich hingekichert.
Schreiben hat sie mir schon wieder beigebracht, vielleicht kommt Songschreiben als Nächstes. Sogar meine Fassung von "Hotel California" fand sie gut. War richtig gerührt von meiner Aufführung.
Ach ja, im Tumult die Flöten blasen.
Love & peace
Seb


Mit zwanzig Jahren hatte er diese Weißglut der Enttäuschung zum ersten Mal so intensiv erlebt, als er, vom Liebeswahn gebeutelt, den Kopf gegen die Wand schlug. Und ein paar Jahre danach zum zweiten Mal, als er Mona geohrfeigt hat, in Lenggries, an Silvester, weil sie mit dem Mille rumgeknutscht hatte. Da gingen Türen auf, zu ihm selbst, und in die gnadenlose und schreckliche Natur der Dinge. Und jetzt war er wieder im Hier und Jetzt der Wahrheit angelangt. Und es stand nicht in seiner Macht, irgendetwas dagegen zu tun oder seine Lage zu verändern.
Es geschah einfach. Die große Illusion brach schlagartig zusammen. Man kann das Schicksal nicht zwingen. Und die Liebe erst recht nicht. Kein Schamane, kein Zauberer. Liebe ist frei, unzähmbar, und wenn sie nicht erwidert wird, tut sie weh wie grenzenlose Ohnmacht.
Er registrierte verwundert, wie sehr ihn sein Seelenschmerz körperlich angriff. Er spürte ständig einen Druck in der Brust, Beklemmungen, Atemnot, Herzflimmern. Später kam ihm der Gedanke, dass er jetzt anders damit umgehen müsste als damals. Er war ja ein paar Jahre älter geworden.



Erster Satz: Herz


1
Sie ist da

Ich hatte schon etwa eine Woche in dem Haus gewohnt, als mir auffiel, dass am Briefkasten, der zu Apartment 2 gehörte, eine merkwürdige Karte im Namensschlitz steckte. Darauf stand in nüchternen Druckbuchstaben: Miss Holiday Golightly; und darunter in der Ecke, Auf Reisen. Es wurde zum Ohrwurm bei mir: Miss Holiday Golightly auf Reisen.
Truman Capote, Frühstück bei Tiffany 


Sebastian hatte am Nachmittag vor der ersten Begegnung mit Delfina im Notizbuch festgehalten:
30. 11.
Wie kann ich nur so vergnügt sein, an einem Tag wie heute? Morgens krieg ich die Mail vom Verleger, er wird den „Wugg“ nicht drucken. Die Art, in der er mir das mitteilte, war, hm, charmant. Von sympathisch war die Rede, davon, dass so ein Buch als „Werkstattbericht“ durchginge, wenn ich ein berühmter Schriftsteller wäre usw. Er hat sich bemüht, war nett, der W. F. Aber was bleibt ist: Abgelehnt. Warum bin ich trotzdem so gut drauf heute?

Samstagmittag, 1. Dezember
Nach dem nächtlichen Trinkgelage radelt er zu ihrem Haus hinüber, um sich zu vergewissern, dass er sie nicht geträumt hat. Er will ihr Klingelschild angucken. Es ist ein zweistöckiges Mietshaus, vielleicht 25 Klingelknöpfe, nirgends ihr Name. Da die Haustür offen steht, sucht er die Briefkästen ab und findet das kleine Papierschild, auf das mit Kugelschreiber „Paradise“ gekritzelt steht.
Später sagt sie ihm, dass sie auch gleich am Tag danach zu seinem Haus gegangen ist, um sein Klingelschild zu suchen, vergeblich, weil sie es unter den vielen Namen nicht entdecken konnte. Ging ihm beim Einziehen genauso. Wohnsilo. An die siebzig Schilder.
Den ganzen Samstag gehen ihm die Bilder vom Vorabend nicht aus dem Kopf. Er versucht, sich ihr Gesicht vorzustellen. Es taucht kurz auf in seiner Erinnerung, verschwindet, taucht wieder auf. Er sieht sie beide fest aneinandergedrückt auf dem Gehsteig, in der kalten Nachtluft am Eisbach. Die wenigen Lichter der großen Jugendstilhäuser spiegeln sich in den geriffelten Wellen, die an der Wasseroberfläche dahintreiben. Der Eisbach fließt etwas schneller als Delfina und Sebastian. Der passt sich mit einem kleinen Hüpfer ihrem Schritt an. Wie lange ist es her, dass er mit einer Frau so nah ein Stück des Wegs gemeinsam gegangen ist.

Die Frau hat Stil. Das ist das erste, was ihm auffällt an ihr, als sie, die Unbekannte mit den schwarzen Haaren, in der Ecke am Caféhaustisch sitzt. Und ihre aufrechte Haltung. Und wie langsam sie den Wein trinkt.
Saavas, der Kellner, steht an ihrem Tisch, unterhält sich mit ihr. Sie hat die Unterarme aufgestützt und sieht aufmerksam zu ihm hoch. Er fragt, wo sie wohnt. Dann schaut er zu Sebastian rüber. „Ah, in der Kunigundenstraße. Ist das nicht in deiner Nachbarschaft?“, fragt er.
Saavas hat keine Ahnung, wo die Kunigundenstraße sein könnte. Sebastian verzieht den Mund zu einem freundlichen Grinsen. Er packt das Notizbuch weg, schiebt den „Anton Reiser“ zurück in den Rucksack. Dann steht er auf und geht zur Toilette. Das Lokal ist wenig besetzt, zwei, drei Tische, die griechische Sirtaki-Musik hat genau die richtige Lautstärke. Als er zu seinem Tisch in der linken Ecke zurückgeht, lächelt er die Frau mit den schwarzen Haaren selbstbewusst und freundlich an. Sie lächelt zurück. Selbstbewusst und freundlich.
Er setzt sich wieder an seinen Tisch und dreht eine Zigarette. Gelegentlich schaut er in ihre Richtung. Frau mit schwarzen Haaren. Sie nippt an ihrem Wein, schaut zu ihm hin.
Er hört, wie seine Stimme sagt: „Mögen Sie nicht Ihren Wein hier an meinem Tisch austrinken?“
Sie lächelt, nickt, steht auf, hängt die hellbraune Ledertasche über die Schulter, schnappt sich den Mantel mit einer Hand, das Glas mit der anderen. Ihr Gesicht sieht er erst richtig, als sie vor ihm steht und ihn zum zweiten Mal an diesem Abend anlächelt und sagt: „Ich heiß Delfina.“
Meine Güte, denkt er und spürt einen Druck in der Brust, die schaut ja lieb aus! „Ich heiß Sebastian.“
Sie reicht ihm die Hand über den Tisch, er ergreift sie. Sanfter Händedruck.

Die dunkle Nacht will nicht vergehn
Nur dein Blick verspricht mir Feuer
Und er gibt mir zu verstehn
Du und ich, wir sind das Neue
Komm, wir zünden unser Feuer
Komm, wir zünden unser Feuer
Die Nacht verbrennt in unserm Feuer

Weiter jetzt, bleib nur nicht stehn
Liebe braucht das Abenteuer
Dunkelheit kann nur vergehn
Wenn die Glut die Zeit erneuert
Komm, wir zünden unser Feuer
Komm, wir zünden unser Feuer
Die Nacht verbrennt in unserm Feuer

Die alten Worte sind verbraucht
Ihr hohler Klang erstirbt am Feuer
Klarheit schenkt dir erst der Rauch
Aus der Asche wächst das Neue
Komm, wir zünden unser Feuer
Komm, wir zünden unser Feuer
Die Nacht verbrennt in unserm Feuer


In rasender Geschwindigkeit waren sie aufeinander zugefahren. Sie hat noch einen Wein bestellt, es war ihr zweiter, er bestellte das vierte Bier, und sie hat sofort angefangen, richtig zu fragen. Nix Smalltalk. „Hast du was mit Film zu tun?“
Er muss lachen. „Interessant, das war deine erste Frage. Wie kommst du denn da drauf? Seh ich so aus?“
„Ich hab ein paar Sätze von eurer Unterhaltung vorhin aufgeschnappt.“

Da waren noch der Klauski und der Popp an seinem Tisch gesessen. Mit dem Mimen hatte er sich am Anfang gleich ganz  wunderbar in die Haare gekriegt. Sebastian konnte ihm, mit Klauski als Zeuge, endlich mal nachweisen, dass er gerade sooo einen Stuss erzählt hatte, und dass er immer so’n Stuss erzählt, und Schauspieler nur einen Satz gerade denken können, wenn man ihnen einen Text zum Auswendiglernen gibt. Und dann ham sie sich wieder eingekriegt, und der Popp hing gemütlich auf dem Stuhl, der Klauski war schon weg. Er hatte der schönen schwarzen Luna mit dem glänzenden Fell und dem freundlichen Hundecharakter ein pinkfarbenes Leuchthalsband umgelegt und war in der Großstadtnacht verschwunden.
Sebastian hat dem Popp dann noch erzählt, dass der K. seinen Prozess gegen den Verschling-Konzern gewonnen hat, wo’s um sieben Millionen ging, aber mit der neuen Filmproduktion hätt’ der K. noch nicht angefangen, weil er im Moment vor Gericht mehr Geld verdienen kann, als wenn er nen Film produziert.
Reizworte: Sieben Millionen. Film.
„Du, guck mal“, sagt der Popp dann halblaut, weil ihn K.s Prozesse und Filme und Millionen nicht die Bohne interessieren, „die Frau da drüben hat was.“
Sebastian hatte sie gar nicht bemerkt beim Reinkommen. Jetzt schaut er kurz hinüber. Hmmhmmmm. „Ja Popp, die hat was, aber die ist nicht für dich.“

„Nee“, sagt er auf Delfinas Frage. „Mit Film hab ich eigentlich nichts zu tun. Der Typ vorhin, das war der Popp. Der ist zwar Schauspieler, aber Bühnenschauspieler. Nix viel Geld mit Fernsehserien. Provinztheater ein Leben lang. Jetzt rentnert er. Nö, nichts mit Film. Ich bin Schriftsteller.“
„Was schreibst du?“
„Bücher. Früher auch Zeitschriftenartikel. Reportagen. Kurzgeschichten. Bis vor zwei Jahren hab ich bei einer Zeitschrift mitgearbeitet, ohne Kohle, und Artikel geschrieben. Die wurden wenigstens honoriert, aber lausig. Kultur und so. ‚Hunger’, von Knut Hamsun.“
Sie sieht ihn fragend an, da kommt ein Geräusch aus ihrer gelben Ledertasche. Sie wendet den Kopf ruckartig, holt das Handy heraus und schaut das Display an. „Entschuldige. SMS.“
„Hast du noch was vor heute?“
„Nein. Lass uns nen Ouzo trinken.“

Und dann hat sie ihm von sich erzählt – dass sie aus Sachsen-Anhalt kommt, wegen Arbeit in den Westen gegangen ist. Zuerst in ein Wellness-Hotel am Tegernsee. „Ich bin Physiotherapeutin,“ hatte sie zuvor geantwortet auf seine Frage.
„Prima Beruf, das ist wichtig, es ist gut, wenn sich die Leute um ihren Körper kümmern. Und du hilfst ihnen dabei. Ich brauch’s Gottseidank nicht, ich kümmer mich selbst drum. Mach Gymnastik, Bodybuilding, bisschen Yoga. Bin viel mit dem Fahrrad unterwegs.“
„Yoga ist gut. Und Massagen?“
„Ja freilich, feine Sache.“
Dazu nickt sie nur, und sie reden über andere Dinge, Alter – 37. Verheiratet – nein. Das Handy klingelt. „Ich bin hier in einem Café, ich unterhalt mich gerade sehr gut, magst du vorbeikommen. ... Na, dann ruf mich morgen an.“
Sie steckt das Handy in die gelbe Tasche.
„War das dein Geliebter?“
„Nein, ein Freund.“
„Hast du einen?“
„Einen Geliebten? Nein, zurzeit nicht.“
„Warst du mal verheiratet?“
Sie überlegt. „Beinahe. Letzten Mai. Das war knapp, aber ich hab’s Gott sei Dank noch rechtzeitig gestoppt.“
Er lacht. „Da bin ich aber froh.“
Weiter ohne Pause, sie pushen einander zu ständigem Reden auf. In Wien hat sie auch schon gewohnt, die Ossifrau, gern, sie mochte die Wiener mit ihrer Einstellung. „Das stimmt ja gar nicht, dass die alle so morbide sind. Wien hat mir gut gefallen.“
„Mir auch, war ein paar Mal zu Besuch. Ich war mit jemandem befreundet, der da wohnt. Ein Stück außerhalb. Aber ich hab immer in einem Hotel gewohnt, direkt hinterm Stephansdom, bin viel in der Stadt herumgelaufen.“
„Außer in München möchte ich höchstens in Wien wohnen.“
„Für immer?“
„Was heißt schon immer? Ich zieh viel um. Vor Wien hab ich hier im Herzogpark gewohnt, Adalbert-Stifter-Straße.“
„Oh Mann, du hast wirklich Instinkt für die besten Wohnlagen. Tegernseer Tal, Herzogpark, und jetzt Biederstein. Läuft gut für dich im goldenen Westen.“
Sie schmunzelt.
„Heh“, sagt er, „weißt du, dass du dich glücklich schätzen kannst? Das sind die Idyllen auf diesem Planeten. Ich hab n bisschen was gesehen in der Welt. Kultur ist, wenn die Häuser nicht höher sind als die Bäume.“  
Sie lacht. „Ja, ruhige Straßen, viel Grün draußen, der Herzogpark ist schon okay. Aber ich bin nicht so naturverbunden im Moment. Außerdem war es das reinste Irrenhaus, dauernd irgendwelche Leute in der Wohnung. Keiner hat mehr gewusst, ob die da wohnen oder zu Besuch sind.“
Klingt wie mein Leben, dachte er. Abteilung Albtraum.
„Ich hab mich dann mit der Mitbewohnerin zerstritten und bin nach Wien gegangen.“
„Da war ein Mann im Spiel?“
„Ja, ein Mann.“ Sie schaut aufs Tischtuch, dann wieder in sein Gesicht. „Weißt du, es ist doch immer ein Spiel.“
Er sagt nichts dazu. Iss eh klar. Und Männer.
„Ich will nicht wegziehen“, sagt er, „auch nicht nach Wien. Mein Herz hängt an dieser Stadt. Mir gefällt die Anonymität in München, da, wo ich jetzt wohne. Ich kenne niemanden in meinem Haus, von der Hausmeisterin abgesehen. Die ist richtig nett. Man grüßt sich freundlich auf der Treppe und lässt einander in Ruhe. Manchmal stehen Bücher oder CDs auf dem Briefkasten. Zum Tauschen, zum Verschenken.
Ich glaub, ich hab meinen Platz zum Schreiben hier gefunden. Kein Verkehrslärm, alte Bäume im Hinterhof, Blick in den Himmel, fünf Minuten bis zum Urwald. Und die Treppen hochwippen in den vierten Stock hält mich auch noch fit. Ich kann Aufzugfahren nicht ab. Man verschwendet mehr Energie, als man sich beim Treppensteigen holen kann.“
Oh je, er doziert schon wieder.
Sie sagt nichts dazu. Er fragt: „Bleibst du denn in München?“
„Erst mal schon. Weihnachten fahr ich nach Hause, meine Schwester besuchen. Mein Zwilling. Und ich treff mich mit einer Freundin, die sich mit Finanzierungen auskennt. Ich will mir ein Haus kaufen, irgendwo in der Harzgegend.“
„Ein Haus kaufen? Hast du so viel Geld?“
„Das kann man finanzieren, meine Freundin hat das schon ausgerechnet. Ich verdien’ ja ganz gut.“
„Wahrscheinlich sind die Immobilienpreise eh günstig in der Gegend. Die haben doch überall Einwohnerschwund ohne Ende da drüben.“
„Wird alles teurer werden, wart nur ab, in ein paar Jahren ist das alles mehr wert.“

Er träumt. Er zieht zu Delfina in ein Haus im Harz. Ein Kind kriegt sie auch von ihm. Er kümmert sich um das Baby, wie John Lennon es getan hatte. Sebastian arbeitet ja sowieso zu Hause. Aber er wünscht sich ein Mädchen.

Hans Pfitzinger
Delfina Paradise- Eine Liebe in München. Novelle.
164 Seiten
Erschienen im Januar 2009 - Taschenbuch, 9,90 Euro

In jeder Buchhandlung: ISBN 978-3-8370-8185-5
oder bei amazon.de, libri.de, buecher.de, buch.de, bod.de

















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