22. Januar 2009
Die israelische Armee hat Phosphorgranaten gegen Menschen eingesetzt
"Wir haben überall im Gazastreifen Nachweise für weißen Phosphor gefunden", sagt Chris Cobb-Smith, Militärexperte der Menschenrechtsorganisation amnesty international. "Nicht nur die Überreste, sondern Stücke, die noch schwelen. Wenn sie die an die Luft bringen oder kicken, schlagen die Flammen sofort wieder aus."
Cobb-Smith war früher Offizier der britischen Armee. Der dichte Rauch des weißen Phosphor, sagt er, werde gewöhnlich eingesetzt, um Truppenbewegungen zu verbergen. Als Antipersonenwaffe war er nie gedacht. Doch die israelische Armee hat ihn offensichtlich als solche eingesetzt: "Es ist unmöglich, dass dies versehentlich geschehen ist. Die Granaten wurden bewusst auf dicht besiedelte Wohngebiete abgefeuert." Schon kleine Verbrennungen führen zum Tod.
Quelle: Esther Saoub, ARD-Hörfunkstudio Kairo, auf tagesschau.de am 22. Januar 2009
Die Rückkehr des Michael Rutschky
Oh je, schlechte Nachrichten: Rutschky ist wieder da. Viele Monde sind vergangen, seit ich ihn zum letzten Mal in der taz gelesen habe, immer widerwilliger, weil sich dieser arrogante Pinsel eigentlich nur durch Nullinhalte und pseudo-elitäre Gedanken auszeichnet. Und weiß der Himmel, weshalb er sich immer so dünkelhaft ausdrückt, so herablassend auf die dumme kleine Welt da draußen schaut. Um von oben herab zu urteilen, muss man erst einmal erhöht sein. Jedenfalls isser wieder da. Los ging's mit einem kleinen Beitrag über Bamberg als solches im taz.mag am 17. Januar. Dazu darf ich einen Leser zitieren, Andreas Schroth aus Berlin, der wohl ähnlich über Herrn Rutschkys Schreibe denkt: "... ihm ist zu Bamberg trotz offenbar monatelangem Aufenthalt so gut wie nichts eingefallen. Das wiederholte 'hübsch' und 'bildhübsch' soll das in seinem Kern ja erhaben schöne Bamberg ob seiner vermuteten Provinzialität ein bisschen demütigen." Kam mir auch so vor, nur hat mich das nicht weiter verwundert - so schreibt der Kerl halt. "Ansonsten fiel dem Autor nur das Bamberger Bier ein - das ist noch unter dem Niveau der städtischen Tourismusreklame." Ich wette, der Text hätte es nicht mal auf die chronisch schleichwerbenden Reise-Seiten der taz geschafft. Der Leserbriefschreiber in der Dienstagsausgabe weist auch noch darauf hin, dass Rutschky den "vielleicht glücklicheren fränkischen Lebensstil auf die Römer" zurückführt. Da musste ich schon wiehern - vom Limes hat Rutschky wohl nie gehört. Diese Grenzlinie, die den römischen Einflussbereich nach Norden abschloss, verlief etwa 120 Kilometer südlich von Bamberg. Und dann blättere ich in der Dienstagsausgabe weiter und finde auf tazzwei, Seite 14, schon wieder - Rutschky: "Steile These" nennt sich die unregelmäßig bestückte Rubrik, die gelegentlich mal nicht ganz sinnfrei gefüllt wird. Nicht in diesem Fall: "Obama", so heißt es da, "ist der würdige Nachfolger Napoleons. Weil der im 19. Jahrhundert scheiterte, befinden wir uns seit 1945 innerhalb des amerikanischen Imperiums." Dazu zitiert Rutschky einen "Geschichtsprofessor aus meiner Bekanntschaft", und fügt als running gag des Öfteren ein: "...sagt mein verrückter Geschichtsprofessor." Huhähähä, iss das komisch. Der Blödsinn endet so: "Ich würde gern beweisen, dass ein Stalin keine Chance bekommen hätte, wäre Napoleon Bonapartes Eroberungsfeldzug 100 Jahre davor erfolgreich verlaufen, sagt er. Wäre Russland gleichfalls Teil des aufgeklärten, demokratischen, transnationalen Imperiums in Europa geworden. Aber das kriege ich einfach nicht hin." So schreibt Michael Rutschky am Ende des überflüssigsten Beitrags der ersten drei Wochen des Jahres. Und glauben Sie bloß nicht, ich hätte aus Boshaftigkeit seine Interpunktion verändert. Nö, so steht's da.
Grüne Krause
Schön, wie Ulrike Winkelmann für die taz am Puls der Grünen Welt bleibt. Beneidenswert finde ich den Job nicht. Unermüdlich stellt die taz-Redakteurin, ohne selbst sonderlich überrascht zu sein, die krausen Gedankengänge grüner Funktionäre vor. Thema gestern: "Ökologisierung der Abwrackprämie".*) So geht Grünen-Politik im Jahr 2009: In Bremen wollen sie "dem Konjunkturpaket zustimmen - ohne Bedingungen." Und so verläuft die grün-krause Argumentation der grünen Finanzsenatorin Karoline Linnert in Bremen: "Ich habe nicht versucht, einen Senatsbeschluss zu erreichen, der unsere Zustimmung an eine Klimakomponente knüpft." Der Senat habe "sich dagegen entschieden, ein Koppelgeschäft zu machen." Um die Windungen grünen Denkens zu verfolgen und journalistisch darzustellen, muss man wohl einige Zeit Erfahrung als Parlamentsredakteurin der taz gesammelt haben, weshalb ich hier Winkelmann das Wort überlasse: "Die Zustimmung solle verhindern helfen, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sich genötigt sehe, dem Drängen von FDP-Chef Guido Westerwelle nachzugeben. 'Wir wollen nicht die Ausrede sein, dass Merkel der FDP weitere Zugeständnisse bei Steuererleichterungen für Gutverdiener macht', sagte Linnert. Die Abwrackprämie sei nicht zustimmungspflichtig. Das Risiko, dass Merkel sich eher auf FDP-Steuergeschenke als auf grüne CO2-Werte einlasse, sei zu groß." Alles klar? Wer so viel politischen Weitblick sein eigen nennt, versieht wohl zu recht das Amt einer Finanzsenatorin.
*) Ich hatte mich ursprünglich vertippt, "Abewrackprämie", und das Rechtschreibprogramm von TextEdit zeigte rot unterstrichen Fehler an. Nachdem ich das e vor dem w entfernt habe, zeigt es für "Abwrackprämie" immer noch Fehler an. Schlau, dieses Programm!
23. Januar 2009
Ruanda - Propagandadurcheinander
Noch vor wenigen Tagen rief Dominic Johnson in einem taz-Kommentar den Frieden im Ostkongo aus. Und schon sind ruandische Truppen der Tutsi-Regierung von Präsident Paul Kagame in den Ostkongo einmarschiert, angeblich mit Wissen und Billigung der Kongo-Regierung. Gemeinsam will man die Hutu-Rebellen von der FDLR entwaffnen, so heißt es, wobei Dominic Johnson nie den Hinweis vergisst, dass diese Organisation von Leuten angeführt wird, die 1994 am Völkermord beteiligt waren. Jedenfalls kämpfen sie gegen die kongolesische Armee, und gegen die CNDP. Das sind Tutsi wie die ruandischen Regierungstruppen, und ein nicht näher genannter CNDP-Mann sagte angeblich vorgestern der taz: "Jetzt schießen wir alle in die gleiche Regierung - auf die FDLR." Nun ja, gemeint ist sicher "Richtung", aber für diesen Fehler im Gedruckten muss man wohl die Korrektoren von der taz verantwortlich machen, nicht den Afrika-Redakteur. Der konnte vorgestern noch nicht wissen, dass der CNDP-"General" Laurent Nkunda vor den ruandischen Truppen über die Grenze geflohen ist, und gestern Abend in Ruanda verhaftet wurde. Seltsam - hieß es doch vorher immer, Kagame würde Nkunda unterstützen. Vielleicht hat er einen Machtkampf in der CNDP-Führung verloren. Bleiben Sie dran.
24. Januar 2009 (An dieser Stelle steht ein Foto vom Angriff mit Phosphorgranaten auf Zivilisten in Gaza.)
Die taz-Korrespondenten in Israel ist keine Mossad-Agentin
Die taz macht daraus ihre Schlagzeile auf Seite eins - "phosphor gegen zivilisten" - und zeigt auf einem halbseitigen Foto einen glimmenden Phosphorklumpen, der auf dem Boden liegt. Darunter schreibt Susanne Knaul den Tageskommentar und wiederholt am Ende die israelische Propaganda, dass die Hamas Zivilpersonen als Schutzschild missbraucht habe, und der israelischen Armee deshalb gar nichts anderes übrig blieb, als sie umzubringen. Susanne Knaul weist auch auf den feinen, aber entscheidenden Unterschied hin, der wesentlich ist, wenn es sich um israelische Tote oder um palästinensische Tote handelt. Dabei zitiert sie Zipi Livni, die Mossad-Agentin, die jetzt als Außenministerin arbeitet. Die dreizehn israelischen Opfer des Gazakriegs, darunter vier Zivilisten, wurden von der Hamas "gezielt" getötet, "während Israel umgekehrt den Tod von Unschuldigen lediglich in Kauf nehme. Recht hat die israelische Chefdiplomatin: Hier besteht ein fundamentaler moralischer Unterschied. Auch dass im Krieg Fehler passieren, lässt sich kaum vermeiden. Schließlich müssen mit dieser traurigen Erfahrung nun auch die Familien der vier israelischen Soldaten leben, die unter dem Panzerfeuer der eigenen Kameraden starben." Könnte es nicht sein, dass diese Konstruktion eines "fundamentalen moralischen Unterschieds" einfach ein Zeichen von Rassismus ist, und palästinensische Menschenleben in dieser Sichtweise weniger wert sind als israelische? Keine Rede vom israelischen Staat, der gezielt Hamas-Funktionäre mit Raketen angreift und dabei Menschen umbringt, die mit Politik oder Widerstandskampf nicht das geringste zu tun haben. Auch keine Rede davon, dass den 13 toten Israelis 1300 tote Pälästinenser gegenüberstehen, darunter 400 Kinder. Wohlgemerkt, die oben zitierte Ansicht der Mossad-Frau Zipi Livni, die von Susanne Knaul flugs übernommen wird, ist der Einstieg zu einem Kommentar über die Nachricht, dass amnesty international, Human Rights Watch und die UN die israelische Armee beschuldigen, Zivilisten mit Phosphor beschossen zu haben. Und wer sich gewundert hat, weshalb im UN-Hauptquartier tonnenweise Lebensmittel verbrannt sind, möge sich doch bei BBC News kundig machen: Das Lebensmittellager wurde mit Phosphor beschossen. Nun macht sich die taz-Korrespondentin Susanne Knaul, voraussehbar und reflexhaft, an ihre Aufgabe, dem geneigten Leser die objektive Wahrheit über die Geschehnisse zu vermitteln. Wer ihre Arbeit längere Zeit verfolgt hat, weiß, wen sie bei solchen Gelegenheiten am liebsten vors Mikrofon holt: Israelische Militärs. Neulich sprach sie mit einem Oberstleutnant i. R., der die Palästinenser zur Vernunft bomben wollte, für die Freitagausgabe schien ihr Schalom Harari, "israelischer Brigadegeneral der Reserve" der geeignete Gesprächspartner. Der Mann arbeitet schließlich "am Institut für Counter Terrorism am interdisziplinären Zentrum in Herzlia". Damit hat Knaul zweifellos den kompetenten und integren Fachmann ausgewählt, um die fragwürdigen Meldungen für die taz ins rechte Licht zu setzen:
- "Amnesty International ist für mich keine zuverlässige Quelle. Ich verfolge, was die Armee sagt." - "Das sind Rauchbomben mit Brennstoffen, die aber kein Phosphor enthalten und auch nicht am Körper kleben bleiben, wenn man damit in Kontakt gerät." - "Es wäre nicht das erste Mal, dass palästinensische Krankenhäuser für Propagandazwecke missbraucht werden. Die Hamas hat die Kontrolle. Sie bestimmt, wann und was gefilmt wird. Sie sagt dem Arzt, was er sagen soll." - "Ich weiß nur so viel: Wenn ein palästinensischer Arzt 'guten Morgen' sagt, sollte man sofort zum Fenster rennen." Warum das denn? "Um zu gucken, ob da nicht der Mond und die Sterne am Himmel stehen."
Hohoho, ich nehme mal an, Schalom Harari, der alte Haudegen, findet das komisch. Im umgekehrten Fall, wenn es um einen israelischen Arzt ginge, würde der General wohl ohne Umschweife zum Antisemiten erklärt werden. Aber die Aufgabe, der sich Susanne Knaul für die taz stellt, wird auch so deutlich: Sie gibt der israelischen Seite Gelegenheit zur Desinformation. Die Hamas ist an allem schuld, und das Foto von dem Brandopfer auf derselben taz-Seite ist von der Hamas inszeniert worden, und wurde von der Agentur ap naiv und gutgläubig veröffentlicht, ebenso wie das Foto vom Phosphorangriff hier oben, das die Hamas der Agentur afp untergejubelt hat. So viel zur Berichterstattung der tageszeitung (taz) über den Gaza-Krieg. Nein, Susanne Knaul ist keine Mossad-Agentin.
Ich hab jetzt eigentlich keine Lust mehr, auf den Kommentar "Antisemitismus von links" auf der Meinungsseite einzugehen. Aber so infam wie die Argumentation von Martin Altmeyer verläuft, erwähne ich dieses üble Pamphlet doch noch, damit Sie, geneigter Leser, sich selbst ein Bild machen können. Erst greift Altmeyer die Autorin Naomi Klein an (er nennt sie die "Ikone der Antiglobalisierungsbewegung"), zitiert danach Ulrike Meinhof, um Klein zu denunzieren, und bringt dann ein paar Zeilen aus ihrem Artikel im britischen Guardian, der wohl Auslöser für den taz-Kommentar war: "Israel benutze, so Naomi Klein in ihrem verstiegenen Essay, 'den Status eines befestigten Landes, das von wütenden Feinden umgeben ist, als eine Art rund um die Uhr geöffneten Ausstellungsraum - als lebendiges Beispiel für den Genuss relativer Sicherheit mitten im Dauerkrieg'." Dieser Satz wird von Martin Altmeyer, vorgestellt als "Psychologe", der "den Ansatz einer 'relationalen' Psychoanalyse'" vertritt, so interpretiert: "Das dämonisierte Israelbild, das sie hier entwirft, enthält die ganze Palette antisemitischer Klischees, nur dass diese nicht den Juden, sondern dem Staat Israel angeheftet werden: die Geschäftstüchtigkeit und Habgier der Juden; ihre Gerissenheit und Hinterhältigkeit; der heimliche Einfluss, den sie in aller Welt ausüben, bis zur Wahnvorstellung von jüdischer Allmacht; das 'Gerücht über die Juden' (Adorno), dem Anspielungen genügen, um zu wissen, wer hinter der großenn Weltverschwörung steckt; und schließlich der Vorwurf, die Juden seien selbst für den Antisemitismus verantwortlich." Um all das aus diesem einen zitierten Satz von Naomi Klein herauszulesen, muss man wohl, wie Altmeyer, "relationale Psychoanalyse" studiert haben. Was für ein Schwachsinn, was für ein Blödmann!
Zitat
"Dass es ausgerechnet sozialdemokratisch geführte Ministerien sind, die Deutschlands Superreichen Steuergeschenke für ihre Protzkarossen zugedenken, illustriert den Zustand der 'Gerechtigkeitspartei': Wer so im politischen Alltagsgeschäft agiert, verdient es bei Wahlen auch nicht, über die 25-Prozent-Hürde zu kommen." - Nick Reimer
Heh, was ist eigentlich aus dem "Projekt 18 Prozent" von Jürgen Möllemann selig geworden? Schafft die SPD doch locker, von oben her.
WWM*) von web.de
Wackelt mit ihr das Bett?
Unschuldslamm oder Sexluder: Ob ihre neue Angebetete im Bett hält, was ihr Äußeres verspricht, können Sie an 13 kleinen Indizien leicht erkennen.
*) Wirklich Wichtige Meldungen
25. Januar 2009
Die Wahrheitenvertreiber
Was für eine Freude - Jochen Schimmang schreibt über Jorge Luis Borges im taz.mag, und da finde ich dies hier von Samuel Butler (1612–1680): "Der Himmel ist das Werk der besten und gütigsten Männer. Die Hölle ist das Werk der Eingebildeten, der Pedanten, und derer, die gerne Wahrheiten von sich geben. Die Welt ist ein Versuch, die einen wie die anderen zu ertragen."
Hehehe. Gepriesen sei der Hanser Verlag, der einen neuen Band mit unverkäuflichen Werken des großen Borges herausgebracht hat. Ach, wie geht das? Man bringt die echten Größen, damit das Finanzamt nicht alles abkriegt, was die zeitgenössisch überschätzten Autoren einspielen. Interessant: Es gibt noch immer Verlagspersonen, die das eine vom anderen unterscheiden können.
Hallelujah.
26. Januar 2009
Chinesisches Neujahrsfest
Heute beginnt im chinesischen Kalender das "Jahr des Büffels" (taz) oder das "Jahr des Rindes" (tagesschau.de), auch Year of the Ox genannt. Möge es ein gutes werden!
Die taz-Korrespondentin in Israel ist möglicherweise vielleicht doch keine Mossad-Agentin
Aber sie sieht sich ganz offensichtlich als Sprachrohr für israelische Regierungspropaganda und versucht weiterhin, den Feldzug gegen die Bevölkerung von Gaza zu rechtfertigen. Diesmal zieht Susanne Knaul die Iran-Karte. In der Ausgabe von heute druckt die taz einen Artikel, der unverändert in einem Springer-Blatt stehen könnte: "Teheran ist erfreut über den Gaza-Krieg", steht oben drüber. Dann folgt die übliche Hetze gegen den Iran und Präsident Mahmud Ahmadinedschad, und dafür zitiert die Korrespondentin der unabhängigen tageszeitung ihre üblichen Quellen: den ehemaligen und vielleicht nächsten Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu; Motti Kedar, einen Mitarbeiter des "Begin-Sadat Center for Strategic Studies in TelAviv"; den "reaktionären Parteichef von 'Israel Beiteinu'", Avigdor Liebermann; das US-amerikanische "Hudson-Institut"*); und den "iranischstämmigen israelischen Nahostexperten Meir Javedanfar", der "vermutet, dass der wichtigste Teil der Unterstützung in Form von Waffen durch die Tunnels den Gazastreifen erreicht." Und mit Javedanfars Ansicht, "dass der eigentliche Kriegsgewinner in Teheran sitzt", schließt der Artikel: "Die Gaza-Geschichte ist ein Geschenk für Ahmadinedschad, denn sie lenkt das iranische Volk von der eigenen Not ab." Die taz-Korrespondentin in Israel ist möglicherweise vielleicht doch keine Mossad-Agentin. Aber wenn sie für den israelischen Geheimdienst arbeiten würde, sähen ihre Beiträge in der taz wohl kein bisschen anders aus.
Ich war im Übrigen nicht der einzige taz-Leser, dem Susanne Knauls skandalöser Kommentar auf der ersten Seite vom Freitag aufgefallen ist. Völlig ungeniert machte sie sich darin die menschenverachtende Haltung von Außenministerin Zipi Livni zu eigen: "Recht hat die israelische Chefdiplomatin: Hier besteht ein fundamentaler moralischer Unterschied." Dazu veröffentlicht die taz heute einen Leserbrief von Michael Stoffels aus Kempen: "Wie Susanne Knaul einen 'fundamentalen moralischen Unterschied' zwischen der 'gezielten' Tötung israelischer Zivilisten und der 'lediglich in Kauf' genommenen Tötung von 900 zivilen palästinensischen Opfern in Gaza auszumachen, ist eine derart unglaubliche moralische Entgleisung, dass es einem den Atem verschlägt. Eine mit modernstem Kriegsgerät hochgerüstete Armee, die in den dichtestbesiedelten Landstrich der Erde einmarschiert, ist eine bewusst eingesetzte Mordmaschine und nichts anderes." Die verantwortlichen Redakteure der tageszeitung sollten sich von der Israel-Korrespondentin Susanne Knaul so rasch wie möglich trennen. Diese Art von Beiträgen können sie direkt beim Pressesprecher des israelischen Außenministeriums bestellen.
*) Ausgerechnet das Hudson Institute! Das ist ein rechter, neokonservativer Thinktank, dessen Unterstützer sich wie das Who is Who? der übelsten Konzerne der Welt lesen. Das Hudson Institute wird unter anderem finanziert von Ciba-Geigy, DuPont, Exxon Mobil, McDonalds, Monsanto, Novartis, Proctor & Gamble, Sunkist Growers und United Agri Products.
28. Januar 2009
Familie, Weihnachten, Arbeitsplätze
tagesschau.de am 26. Januar: "Schonung von Mittelklasse-Wagen
Als Begründung für die Koppelung von CO2-Ausstoß und Hubraum werden in der Koalition soziale Gründe genannt. Bei einer reinen Orientierung am Schadstoffausstoß wären die vor allem von Familien genutzten Mittelklasse-Wagen stärker als bisher besteuert worden, hieß es. Deutsche Hersteller sind in der Mittelklasse zudem besonders stark vertreten."
Mir kommen die Tränen. Familie wird als Begriff genauso missbraucht wie Weihnachten und Arbeitsplätze. Die angenäherte Wahrheit ist der letzte Satz. Uuuuääääh!!!
Hamas und Fatah
"Wenn eine Gruppe von Menschen sich nicht gegen ihre Unterdrücker wehren kann, dann fangen sie an, sich untereinander zu bekämpfen." Melvin van Peebles
Georg Baltissen schreibt auf der Kommentarseite: "Die Forderung der Europäer nach einer palästinensischen 'Versöhnung' unter Führung von Präsident Abbas verkennt schlicht, wie es inzwischen tatsächlich um das Kräfteverhältnis zwischen Hamas und Fatah bestellt ist. Die Hamas hat eine 18-monatige Waffenruhe angeboten, die zu Verhandlungen genutzt werden sollte. Und solange nicht einmal im Ansatz eine Lösung in Sicht ist, die das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser in den Grenzen von 1967 berücksichtigt, wird die Hamas der Fatah weiter den Rang ablaufen."
Nein, bisher ist keine Lösung in Sicht, und eben höre ich in den Nachrichten, dass die israelische Luftwaffe wieder Tunnel an der ägyptischen Grenze bombardiert. Sie wollen Gaza weiterhin aushungern. Die ganze westliche Welt liefert Waffen nach Israel, allen voran die USA - Kampfbomber und Panzer mit deutschen Motoren und Zielsystemen. Und meine wunderbare Regierung schickt auch noch U-Boote in das Krisengebiet, die aus dem Bundeshaushalt - aus Steuergeldern - bezahlt wurden, damit die israelische Regierung Gaza von See her blockieren kann.
"Wer die Definitionen hat, der hat die Macht"
So ähnlich formuliert es Lewis Carroll in "Alice im Wunderland". Wie weit sich intellektuell veranlagte Menschen von der Wirklichkeit - was immer das sein mag - entfernen können, zeigt taz-Kulturchef Andreas Fanizadeh. Er nimmt sich einen Krimi vor, dessen Erscheinen vom C. H. Beck Verlag schlauerweise vorgezogen wurde, das Buch zum Krieg, gewissermaßen: "Ein Grab in Gaza. Omar Jussufs zweiter Fall". Dem britischen Autor Matt Beynon Rees wirft der taz-Redakteur haufenweise Klischees und Vorurteile vor, die Palästinenser sind "alle korrupt, jeder erschießt jeden". Und folgert daraus: "Die Hamas kann literarisch nur glaubwürdig unterwandern, wer dabei keine antiarabischen Vorurteile schürt." So weit, so brav. Aber: Die Hamas literarisch unterwandern! Mit einem englischen Krimi! Das ist rührend. In welchem Wunderland der taz-Kulturredakteur verweilt, wage ich nicht zu raten. Die Aktionen der israelischen Regierung, den Mord an hunderten von Menschen, versucht er nämlich damit zu rechtfertigen, dass die Begründung stichhaltiger ausfällt als die Begründung der Hamas für ihre Aktionen. Das sollte Fanizadeh mal den Angehörigen der Opfer in Gaza verklickern: "Der Unterschied (...) ist der, dass die israelische Regierung erklärt, mit ihren Aktionen eine angreifende politisch-militärische Organisation - und nicht eine gesamte Bevölkerung - treffen zu wollen." Es kommt also darauf an, wie man die Morde erklärt. Ganz anders nämlich verhält es sich mit der anderen Seite: "Während die in Syrien beheimatete Exilführung der Hamas (ebenso wie die libanesische Hisbollah) qua völkisch-rassistischer Wahnideologie nicht zwischen Kombattant und Zivilist unterscheidet. Und damit auch nicht zwischen Juden und Israelis, wie sich bei Attentaten immer wieder zeigte." Häh? Im Gegensatz dazu unterscheidet die israelische Armee strikt zwischen Fatah-Wählern und Hamas-Anhängern, oder was? Der Unterschied liegt also in der Begründung: Es gibt moralisch höherstehende und moralisch verdammenswerte Morde. Wer vorher erklärt, dass er eigentlich keine Zivilisten umbringen will, darf sie umbringen. Wer dagegen einer Wahnideologie anhängt, darf das nicht. Jetzt mal ganz abgesehen von der Frage, wer das definieren soll - das ist ein total verrenkter Trugschluss, verehrter taz-Redakteur, eine Denkweise, die schon zu ähnlich dummen und verlogenen Sprüchen geführt hat, zum Beispiel, dass es süß und ehrenvoll ist, fürs Vaterland zu sterben. So ein Begriff wie "völkisch-rassistische Wahnideologie" weist deutlich auf Schaum vorm Mund und im Hirn hin. Mir fällt dazu gerade Robert Walser ein: "Immer wenn ich große Worte benutze, merke ich, dass sie falsch sind." Verdient um den Leser macht sich Fanizadeh dann doch noch, weil er aus Barack Obamas Antrittsrede zitiert: "Den Führern auf diesem Globus, die versuchen, Streit zu säen oder den Westen für die Probleme ihrer Gesellschaft verantwortlich machen, sagen wir: Ihr sollt wissen, dass eure Bürger euch daran messen, was ihr aufbauen könnt, nicht an dem, was ihr zerstört."
29. Januar 2009
Israel wirft den Botschafter Venezuelas raus
Nachdem Venezuela am 6. Januar den israelischen Botschafter wegen des Kriegs in Gaza ausgewiesen und am 14. Januar die diplomatischen Beziehungen abgebrochen hatte, wirft jetzt Israel den venezolanischen Botschafter raus. Er hat bis morgen Zeit, das Land zu verlassen. Außenminister Nicolas Maduro sagte dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira am gestrigen Mittwoch: "Wir sind stolz darauf, dass der heute existierende Staat Israel, der von diesen Verbrechern*) angeführt wird, diese Entscheidung getroffen hat." Anschuldigungen, die Regierung von Venuezuela sei anti-semitisch wies Maduro zurück: "Länder, die Israel kritisieren, landen automatisch auf der Liste der Anti-Semiten. Alle Mitglieder der muslimischen, jüdischen und christlichen Gemeinden wissen, das wir in unserer Gesellschaft kein Problem mit religiöser Diskriminierung haben oder haben werden." (Quelle: english.aljazeera.net/)
*) siehe meinen Eintrag vom 21. Januar: Weiber des Grauens 30. Januar 2009
Freitag der Dreißigste I
Heute ist Freutag: Vor einem Jahr hab ich aufgehört, mir van Nelles zu drehen. Und gleichzeitig hab ich aufgehört zu kiffen. Im April hätte ich mein 40-jähriges Kifferjubiläum feiern können, aber da ist dann nix draus geworden. Warum ich aufgehört habe? Ich hab eine fiebrige Erkältung gekriegt (wahrscheinlich von dem ständigen raus aus dem Café zum Rauchen, rein ins Café zum Trinken). Jedenfalls ging's mir so beschissen, dass ich nicht mal Appetit auf ne Selbstgedrehte hatte. Und das ging eine Woche so, und dann hab ich mir gesagt - heh, warum wieder anfangen? Und dieses Rauchen vor der Kneipentür ist eh würdelos, und wenn du dein Gras nicht selber anbauen kannst und nie weißt, was du eigentlich rauchst, kannste mit den Joints auch aufhören. So kam's, und seit einem Jahr bin ich rauchfrei.
WWN*) (von web.de)
Mit 35 Millionen auf Einkaufstour
Deutschland ist im Lotto-Fieber. Doch was tun, wenn das Glück einen tatsächlich trifft? Shopping-Tipps, bei denen Sie garantiert ein Vermögen loswerden, sehen Sie hier.
*) Wirklich Wichtige Nachrichten
Freutag der Dreißigste II
Noch ein Grund zum Freuen: Vorgestern hätt ich mir beinah die Knochen gebrochen, als eine dünne Schneedecke über dem Eispanzer lag und ich beim Lauftraining im Biotop vor der Emmeramsbrücke*) zwei mal ausgerutscht und hingefallen bin. Beim ersten Mal hab ich mir das Knie geprellt und die rechte Hand gezerrt, beim zweiten Mal - Sprung übern Bach und Glatteis auf der andern Seite - hats mich aufn Arsch gebrettert, und ich hätte mir beinahe das linke Handgelenk gebrochen. Jedenfalls schwoll es sofort an, aber nachdem ich mich aufgerappelt hatte, und während ich weiterlief, überkam mich eine gewaltige Euphorie: Ich konnte noch laufen, ich hatte mir nichts gebrochen, die Pulverschneelandschaft um mich war ein Wintertraum, und der leichte Schneefall ionisierte die Luft und gab gute Energie ab - verstärkt von dem hohen Luftdruck, der am Abend vorher zu steigen angefangen hatte. Und weshalb heute der Freitag zum Freutag wurde? Weil ich mich in zwei Tagen von den Stürzen so weit erholt habe, dass ich heute schon wieder acht Kilometer gelaufen bin. Hab selbstverständlich das Biotop gemieden, weil man die Eisplatten unterm Schnee immer noch nicht sehen kann. Bin brav und strikt auf den geräumten Straßen und gesplitteten Wegen im Englischen Garten geblieben. Das mit dem Freutag habe ich heute beim Wetterfrosch auf der "Wahrheitseite" der taz gelesen. Den Frosch sollte man nie auslassen, ist oft der einzige Lichtblick da hinten. Und manchmal in der ganzen taz.
*) vgl. "Delfina Paradise - Eine Liebe in München", Kapitel 12: Der Regenspaziergang
Zitat
"Man kann zu Hartz IV stehen, wie man will. Aber die vielen Klagen werden das Grundgerüst der Hartz-Gesetzgebung nicht umstürzen."
Sagt Karl Lauterbach, der bekannteste Fliegenträger der SPD. Ob er das jetzt nur feststellt, oder ob er das gut findet, wird aus dem Interview nicht deutlich. Jedenfalls sagt er nicht, wie man das Grundgerüst denn dann umstürzen könnte. Und das würde mich brennend interessieren. Aber ich vermute mal, das passiert erst, wenn das ganze Pack weg ist, diese gesamte SPCDU-Klasse, die sich diese Demokratie gekrallt hat. An welchem Wochentag es passiert, ist mir egal, aber das ist dann auch ein Freutag. Einen schönen selbigen! 31. Januar 2009
Tendenz: Gleichbleibend
Die Israel-Korrespondentin berichtet zur Abwechslung mal von der anderen Seite. Weit und breit kein Reservegeneral der israelischen Armee, dessen Sicht der Dinge sie ausbreiten kann. Sogar die Information über die finanzielle Hilfe der Hamas fehlt nicht: Sie zahlt 4.000 Euro Direkthilfe "an Familien, deren Häuser komplett zerstört wurden." Die Korrespondentin findet auch einen Gesprächspartner, der ihr sagt: "Ich will das Geld der Hamas nicht." Grund: Er will sich "nirgendwo anstellen, um zu betteln." Daraus macht die taz eine Titelzeile, die nahelegen soll, dies sei eine politische Ablehnung: "Nicht alle wollen das Geld der Hamas".
Deutsch für Fortgeschrittene
"Ist es zu viel verlangt, sich von einem Sender wie dem BR bescheiden zu wünschen, dass er keine Promotion ausstrahlt? Dass er außerdem den Film wenigstens mit einer kritischen Stimme (und vielen gewogenen Äußerungen, meinetwegen) nennt, was er ist - ein Opferbeglückungsgefühle absichtsvoll wecken wollendes Stück Drittweltdramolett?" Nun, jetzt wissen Sie, was taz-Redakteur Jan Feddersen von dem Film "Feuerherz" hält. Es ist also ein "Opferbeglück..." ..., nein, einmal reicht. Ich lauf jetzt schreiend davon.
Wo sonst ...
... wenn nicht in der taz, sollte man ein Interview mit John Sinclair lesen können? Selten kommt mir solch ein Gedanke, viel zu selten besinnt sich die "kultur" darauf, über Leute und Ereignisse zu berichten, die andere Tageszeitungen garantiert nicht erwähnen. Seufz. Das Sinclair-Interview ist wunderbar. Er lebt immer noch den pazifistischen, gewaltlos kampfbereiten Hippie. Nachdem er dargelegt hat, dass die politischen Linken "totale Spießer" waren, erklärt Sinclair den Unterschied: "Unser Konzept dagegen war: Du lebst die Revolution, indem du keinen Job hast, indem du nicht zur Armee gehst, indem du dich dem Normalprogramm entziehst. Das sind Befreiungsschläge, und es war de facto der einzig richtige Weg. Es ging um persönliche Transformation." (vgl. dazu den Einstieg zum Blog hier oben auf dieser Seite. Amen.) Sinclair zeichnete sich auch nie durch Bescheidenheit aus. Bezeichnend seine Feststellung, als ihm die Interviewer bescheinigen, dass der Bombenkrater, den er auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs vor dem Kommunehaus in Ann Arbor in Michigan ausgebuddelt hat, "große Kunst" war, erklärt John Sinclair: "Es war in der Tat brillant."
Eine Seite Schleichwerbung für Tempo
So geht das: Zwei Fotos, die den Urheber mit "Promo" angeben (sprich: kostenlos von der Firma spendiert), dazu ein Text, in dem die Autorin fleißig den Pressesprecher der Firma zu Wort kommen lässt - peinlich, so eine ganzseitige Anzeige, die wie ein redaktioneller Beitrag aussieht.
Kritische Juden
Holla, da steht doch endlich mal ein Kommentar auf der Meinungsseite, der nicht die platte Antisemitismus-Keule schwingt, sondern zugibt, dass man die Politik der israelischen Regierung durchaus kritisieren darf - sogar als Jüdin, die in Berlin lebt. Iris Hefets heißt die Frau. Von ihr erfahre ich: "Und Amos Oz spricht sich auf hebräisch für den Krieg aus, und wird in Deutschland als 'Friedensaktivist' geehrt." Viel wichtiger erscheint mir aber, dass meine Haltung zur deutschen Presse (inklusive taz) von Hefets bestätigt wird. Sie hat das eben auch mitgekriegt: "Die meisten Medien in Deutschland verbreiten im Nahost-Konflikt die israelische Position. Andere Stimmen dagegen werden in den deutschen Medien ignoriert. Eine Gesprächsrunde zu Gaza mit Daniel Barenboim und Sumaya Frahat-Naser bei Anne Will wurde abgesagt. Ein TV-Interview, das zwei Mitglieder der 'Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost' dem RBB gaben, wurde nie gesendet. Die Liste ließe sich verlängern." Tja.
Sport: Ach Diego! /Aaah Serena!
Es ist ja kein Geheimnis, dass Diego Maradona, inzwischen argentinischer Nationaltrainer, eine Tätowierung von Che Guevara auf dem Oberarm hat. Auch dass er ein Freund von Fidel Castro ist, hat er oft deutlich gemacht. Jetzt war er gerade in Caracas, wo er einen Lehrgang mit 70 Jugendlichen geleitet hat und anschließend mit Hugo Chávez in einem Stadion aufgetreten ist. Die taz bringt ein kleines Foto, auf dem Maradona ein T-Shirt trägt, auf dem ein großes "Si" prangt, und klein darüber: "con Chávez" und darunter "al Depórte": "Mit Chávez Ja zum Sport". Sowas nennt man Wahlwerbung. Trotzdem kommt hier ein Foto von Serena Williams, meiner liebsten Tennisspielerin - sie hat nämlich gerade eben die Australian Open gewonnen. Jetzt kann sie wieder in Ruhe baden gehen. Hallo: Die taz wird grün!
Die Doppelseite "Mit Öko aus der Krise" ist fast zu schön, um wahr zu sein: Das ist klasse! Schade, dass Ulrike Herrmann nicht anstelle von Michael "Betonkopf" Glos im Wirtschaftsministerium sitzt. Die Vorschläge, was man mit den 50 Milliarden des Konjunkturprogramms ökologisch Sinnvolles anfangen könnte, sind von Obamascher Vernunft geprägt - weshalb sie wohl keine Chance haben. Hier wird lieber Müll erzeugt statt vermieden ("Abwrackprämie"), lieber die Autohersteller unterstützt und die Landschaft betoniert und versiegelt. Nein, diese Regierung wird nicht von Vernunft geprägt. Diese Regierung zieht hauptsächlich Maßnahmen durch, die ihren Auftraggebern nützen: Dem BDI und den Großbanken.
Lobbykontrolle? Nicht in Deutschland
"Den Text zum Bankenrettungsfonds hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann selbst mitformuliert. Bei den jüngsten Gesundheitsreformen saß die Private Krankenversicherung direkt am Koalitionstisch." Ulrike Winkelmann plädiert mal wieder für mehr Lobbykontrolle äääh, für Kontrolle überhaupt, und führt die neue Regierung von Barack Obama als Beispiel an. Da möchte ich doch noch einmal auf den Eintrag hier vom 1. Dezember verweisen, die Zugeständnisse, die Bill Clinton von Obamas Leuten abgerungen wurden, damit seine Frau Hilary ihr Amt antreten konnte: "Um es seiner Ehefrau zu ermöglichen, oberste Diplomatin der USA zu werden, hat sich der frühere Präsident Clinton nach Angaben von Mitgliedern des Obama-Übergangsteams dazu bereit erklärt: - die Namen aller Spender für seine Stiftung seit der Gründung im Jahr 1997 und die Namen aller zukünftigen Spender offenzulegen. - Spenden von auswärtigen Regierungen für die jährliche Wohltätigkeitsveranstaltung der Clinton Global Initiative zurückzuweisen. - keine Versammlungen der CGI mehr im Ausland abzuhalten. - sich freiwillig aus dem Tagesgeschäft der Stiftung herauszuhalten, so lange seine Frau das Amt des Außenministers ausübt. - dem Außenministerium und den Beratern des Weißen Hauses seine Vortragstermine zur Überprüfung vorzulegen. - alle neuen Einnahmequellen anzugeben und einer ähnlichen ethischen Überprüfung zu unterziehen."
Und jetzt hat Obama auch noch per Erlass geregelt, dass ehemalige Regierungsmitglieder und -beamte nicht einfach lukrative Posten in der Wirtschaft annehmen dürfen. Da sähe Gerhard Schröder alt aus. Mindestens so alt wie Wolfgang Clement.
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