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tazblog 16. Mai 2009 - 31. Mai 2009
tazblog 16. Mai 2009 - 31. Mai 2009
28.05.2009 14:59:15
16. Mai 2009

Obama-Dämmerung: Von jetzt an feste druff!

Die taz vom 15. Mai 2009 zeichnet sich dadurch aus, dass sie von Seite eins bis Seite 12 insgesamt sechs Mal auf Barack Obama eindrischt. Die geballte Ladung entspricht genau dem üblichen Pressereflex: Erst aufbauen, dann über ihn herfallen. Dabei finde ich es durchaus vernünftig und nachvollziehbar, nicht noch weitere Folterbilder aus dem Irak zu veröffentlichen. Klaro, dass die Voyeure des Grauens sich gern noch ein bisschen aufgeilen würden, und ebenso klar, dass es rechtlich gesehen keinen Unterschied macht, ob noch mehr Fotos von den Untergebenen der Bush-Cheney-Rice-Gonzales-Rumsfeld-Gang veröffentlicht werden. Es geht nicht um die niederen Dienstgrade, die ja vor Gericht gestellt und verurteilt wurden. Es geht darum, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen und Anklage gegen George W. Bush und seine Regierungsmannschaft zu erheben. Dass die taz überwiegend den Horror-Voyeurismus bedienen will, unterstreicht sie mit der sonntaz von heute eindrücklich: "Die USA weigern sich, 44 weitere Bilder über die Folter im Gefangenenlager Abu Ghraib im Irak zu veröffentlichen. Obama rückt damit teilweise vom Versprechen zu mehr Transparenz ab. taz.de dokumentiert deshalb noch einmal die eindringlichsten Bilder." Hechel, hechel!
Gestern waren es noch ein paar Bilder mehr, kommt ja nicht drauf an. Da schrieb Bernd Pickert in einem Kommentar: "Wer soll denn glauben, 2.000 weitere Bilder, darunter Schnappschüsse von US-Soldaten, aber auch medizinische Leichenfotos zur Dokumentierung von Folter und Misshandlung brächten 'keinerlei neue Erkenntnisse', wie Obama argumentiert?"
Wer das glauben soll? Ich zum Beispiel. Mir geht auch die Ausstellung fickender Leichen dieses Herrn von Hagens am Arsch vorbei. Auch da bin ich sicher, dass sie mir "keinerlei neue Erkenntnisse" bringt.

P. S. Was zum Teufel macht die irische Elfe Ralf Sotschek in Washington? Ist er jetzt US-Korrespondent? Wie üblich erfährt der taz-Leser nicht, ob Adrienne Woltersdorf gekündigt hat, gefeuert wurde, Urlaub macht. Und kriegt Sotschek in Washington genug Guinness? Und warum polemisiert er gegen Barack Obama und haut ihn
in die Pfanne für Gesetze zum Umgang mit Homosexuellen in der US-Army, die Obama gar nicht zu verantworten hat?

Musik drin: Gleich zwei wunderbare Plattenkritiken ...

... auf den Kulltour-Seiten: Die eine, kurze Plattenkritik, stammt von Sonja Eismann, der ich dankbar bin, dass sie mich in die Welt "nordischer Weirdo-Musik" eingeführt hat. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es die Abteilung "Childish Music" überhaupt gibt. Ein Song mit dem Titel "Cats on Crack" auf der CD einer Sängerin, die sich Frau Kraushaar und ihr Werk "Le Salon is very morbidä" nennt - so was kann nicht ganz schlecht sein. Die CD ist "weit davon entfernt, quatschige Clownerien zu bedienen", findet Sonja Eismann: "Dieses Weirdo-Geplinker im Retro-Sci-fi-Kostüm beschwört die Absurdität der Settings, ohne mit der Wimper zu zucken und vor allem ohne ausgestellte Ironie." Sachen gibt's!
Die andere, lange Plattenkritik, hat Julian Weber geschrieben, und mir kommt es vor, als hätte er tatsächlich Ahnung von dem, was er da dem unbeleckten Leser (mir) nahebringt: "The Future Will Come" von The Juan McLean. Mit all dem  Hintergrundwissen, dass Weber wie selbstverständlich einfließen lässt, mit der flüssigen Schreibe und der Hingabe an sein Thema hat er mich davon überzeugt: Hier findet wichtige Musik statt im großen weiten Reich des Pop, im unüberschaubaren Dauerbeschuss neuer Moden.
Und Weber gebraucht nicht einmal Wörter wie Dystopie und Ikonoklasten.

Jörg Gülden ist gestorben

"Gülden gehörte zu der ersten Generation professioneller Popjournalisten in (West-)Deutschland. Im Jahr 1973 stieg er beim Magazin Sounds in Hamburg als Redakteur ein." So heißt es im Nachruf der taz. Als ich 1975 meine San-Francisco-Kolumnen "Sound of the City" anfing, war Jörg schon fester Bestandteil des besten, einzigen, wildesten, wichtigsten Rockmusikmagazins im ganzen deutschen Zeitschriftengewerbe. Wo, wenn nicht bei Sounds konnte jemand unterkommen, für den Rockmusik so wichtig war wie essen und trinken? Jürgen Legath, der im Heft (auch in Güldens Texten) immer "der Verleger" genannt wurde, führte mich im Impressum als "Westcoast Correspondent" auf. Das klang etwas hochtrabend, aber als erster Schritt ins Journalistenleben kam mir das gerade recht. Eine Woche vor Redaktionsschluss rief Legath immer bei mir an, um mich an den Text zu errinnern, der auf Susans alter Remington-Schreibmaschine getippt und im Briefumschlag nach Hamburg verschickt wurde.
Legath: "Heh, schick's rechtzeitig ab, du weißt doch, die Post braucht manchmal vier Tage. Und mach Fotos."
Ich: "Jürgen, ich hab dir doch gesagt, dass ich nichts mehr für Sounds schreibe, wenn du nicht die vorherigen Kolumnen bezahlst."
Legath: "Ich hab dir gerade einen Scheck ausgeschrieben, er ist schon in der Post. Also nu mach hinne, ich brauch den Text Ende der Woche."
So setzte ich mich wieder ans Fenster mit Blick auf die Eukalyptus-Bäume am Rand des Golden Gate Parks und schrieb. Über den ersten Auftritt der Grateful Dead im Park seit drei Jahren; über ein Konzert von Hot Tuna in Bimbo's Nightclub; über den neuen Gitarristen der Jefferson Airplane; über Kraftwerk im Keystone in Berkeley; und über David Bromberg in der Great American Music Hall.
Jürgen Legath hat mir nie einen Scheck geschickt.
Das waren meine ersten Erfahrungen im professionellen Journalismus. Aber ich bin sicher, dass Jörg Gülden sein Gehalt bekommen hat. An den Folgen einer Hüftoperation sei er gestorben, schreibt die taz. So eine verdammte Scheiße.
Ciao, Jörg, alter Baustellenkumpel!

Leserbriefe: "Superreißerisch"

Die Leserbriefspalte füllen ausschließlich empörte Zuschriften zum Titel "Oskar Lafontaine steht das Wasser bis zum Hals". "Superreißerisch" nennt es ein Leser.
Nur um meine Haltung klarzustellen: Es ist nicht fair, wie geschehen, mir DDR- oder Myanmar-Denken vorzuwerfen, und ich sag an keiner Stelle, dass Dissidenten nicht interviewt werden oder zu Wort kommen sollen (abgesehen davon habe ich auch noch bemerkt, dass es ein gutes Interview war und die taz-Redakteurin die richtigen Fragen gestellt hat). Es ging mir nur um die Gewichtung, um die Titelseite (die Seite drei mit dem "Sozialismus schalala ..." - geschenkt, pubertär).
Und noch etwas möchte ich gern deutlich sagen: Ich seh die Linkspartei als "SPD heavy", immer noch mit dem Grauen der Sozialdemokratie behaftet, spießig. It don't mean a thing if it ain't got no swing. Und ich würde nicht mal im Traum daran denken, Mitglied zu werden (allerdings wähle ich sie, seit sie auf den Zetteln stehen). Ich nehme sie nur gegen die Verleumdungen der Konzernpresse und der bürgerlichen Massenmedien in Schutz. Wie die Dinge laufen sieht man hier, apropos Gewichtung: Das ist die Aufmachermeldung vom 16. Mai 2009, vormittags, auf tagesschau.de, noch vor "Germany's Next Top Guido". Titel: "Interview mit Lafontaine-Kritiker Wechselberg 'Wahlversprechen der Linkspartei sind verantwortungslos'". www.tagesschau.de/inland/interviewwechselberg100.html

WWN*)

So purzeln Promi-Pfunde

Fiese Pölsterchen und hartnäckige Kilos machen auch vor Stars und Sternchen nicht Halt. Um schlank zu bleiben, setzen die VIPs auf ganz unterschiedliche Diätmethoden.

*) Wirklich Wichtige Nachrichten (von web.de)

17. Mai 2009

So geht Journalismus in Deutschland I

Puh! Wir sind noch einmal davongekommen, knapp an einer Revolution oder den viel beschworenen "sozialen Unruhen" vorbeigeschrammt. Aber die öffentlich-rechtlichen Medien hatten Beruhigendes mitzuteilen: "Der Protestzug verlief nach Polizeiangaben friedlich, obwohl der Ärger bei vielen Teilnehmern groß war. So forderte ein Demonstrant auf seinem Plakat 'soziale Unruhe statt unsoziale Ruhe'".
1 Demonstrant. Fordert. Auf 1 Plakat.
Nachdem in den Nachrichten von "mehreren zehntausend" Demonstranten die Rede war, wollte ich genauer wissen, wie viele Leute der DGB in Berlin auf die Beine gebracht hat. Bei tagesschau.de war dann von 100.000 die Rede, und das erschien mir schon eine ganze Menge. Vielleicht gab's bei Spiegel Online Zahlen zur Demo? Ich fand dies hier:

Samstag, 16. Mai, Spiegel Online:
Meldung 1: "DEUTSCHLANDFONDS  BMW und Porsche bemühen sich um Staatskredit"
Meldung 2: "ABGABEN-DEBATTE Steuerstreit schwächt Merkels Autorität"
Meldung 3: "OPEL-RETTUNG Guttenberg schmäht SPD-Attacken als platten Wahlkampf"
Meldung 4: "BUNDESLIGA-TITELKAMPF Wolfsburg auf dem Weg zur Meisterschaft"
Meldung 5: "DITA VON TEESE BEI DER EUROVISION Debatte ums Dekolleté"
Meldung 6: "ABWRACKEN VON SCHIFFEN Fluch der schweren Pötte"
Meldung 7: "AUTOMOBILGESCHICHTE Vier gewinnt"

Unter den Top-Meldungen wurde die DGB-Demonstration in Berlin nicht einmal erwähnt. Dann ging's weiter mit:

"* Auto-Design: Traumschiffe auf Rädern
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MULTIMEDIA
* Sexy Song Contest: Viel nackte Haut in Moskau Video abspielen...
* Kinderpornografie: Mobilmachung gegen Internet-beschränkung Video abspielen...
* "Egalité, fraternité, Pfefferminztee": Sodann, der Kandidat ohne Chance Video abspielen...
* SPIEGEL TV Online: Der Wochenrückblick Video abspielen...
* Die globale Krise (5): Mallorcas abgekühlter Immobilienmarkt Video abspielen...
* Base Flying: Sprung in die Tiefe Video abspielen...
* "Frühling für Hitler": Musical "The Producers" in Berlin Video abspielen...
* Wenn das Handy zweimal klingelt: Die Rache der Genervten Video abspielen...
DER SPIEGEL
* Inhalt * Vorabmeldungen * Abo * E-Paper * Heft kaufen 21/2009
Die Komplizen
Hitlers europäische Helfer beim Judenmord
* Diskutieren Sie über das aktuelle Titelthema
UNISPIEGEL * Übersicht
SCHULSPIEGEL * Übersicht
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Studentenpisa: Männer schlagen Frauen beim Wissenstest
Es war vermutlich die größte Allgemeinwissen-Prüfung, die es in Deutschland je gegeben hat: In Kooperation mit StudiVZ hat der SPIEGEL den Studentenpisa-Test durchgeführt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor - sie sind eine echte Überraschung. mehr... [ Forum ]
* Roboter-Turnier: "Elefant" soll den Titel verteidigen
* Schicksalsfrage Gymnasium: Drohen, tricksen, prozessieren
* Schwarze Kassen in Trier: Uni-Mitarbeiter zu Gefängnis verurteilt
* Jobsuche als Schulfach: Was soll bloß aus mir werden?
* Grenzgänger: Daumen raus - und ab nach Osteuropa
* Mädchen in Nepal: Verkauft von den eigenen Eltern
* "Wie werde ich...": Johann König, Spaßmacher mit Fistelstimme
* Ratgeber für Lesefaule: Ein Manga als Karriereguide
* mehr UniSPIEGEL
* mehr SchulSPIEGEL
WIRTSCHAFT * Übersicht * Börse * Depot * Fonds * Derivate
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Aktionstag in Berlin: 100.000 Demonstranten fordern Maßnahmen gegen die Krise"

Was soll ich dazu sagen? So ordnet "das deutsche Nachrichtenmagazin" am Samstag, dem 16. Mai, die Ereignisse nach ihrer Bedeutung ein. Das ist der Stand der Dinge, das ist der Drecksjournalismus auf höchstem Niveau, wie er vom Spiegel im Internet praktiziert wird, die Gehirnwäsche für ein sowieso schon entpolitisiertes Volk.

So geht Journalismus in Deutschland II


Auf der ersten Seite der Wochenendausgabe kündigt die taz einen Essay über Hugo Chávez an: "Topmodel Hugo Chávez", darunter in etwas kleinerer Schrift: "Wie Venezuelas Präsident Hugo Chávez seine Herrschaft mit einer eigenen Miliz absichert > sonntaz". Jetzt mal abgesehen von dem Hohn, ihn als Topmodel zu bezeichnen, macht mich die Ankündigung neugierig - von "eigenen Milizen" hatte ich bisher nichts gewusst. Klingt ja böse! Mein Blick schweift nach rechts zu dem Foto einer jungen Frau im roten, schulterfreien Abendkleid. Daneben steht als Überschrift: "Roger Willemsen über Heidi Klum", darunter in etwas kleinerer Schrift: "'Man möchte elegant sechs Sorten Scheiße aus Heidi rausprügeln' > sonntaz".
Ja, das steht da, auf der ersten Seite, gleich unter "die tageszeitung".
Auf der ersten Seite der Wochenendbeilage, also der "sonntaz" wird noch einmal auf den Artikel hingewiesen: "Essay Hugo Chávez, seine Milizen und seine Reformrevolution > Seite 23". Darunter, angekündigt mit "Der stärkste Satz": "'Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt' Roger Willemsen, Publizist, über Heidi Klum im TV >  Seite 14".
Tja, dieses Wortgeklingel, dieses perfekt missbrauchte Sprachhandwerk, halten die taz-Redakteure für den stärksten Satz. Ich blättere zu Seite 14, da lassen Leute, darunter der angekündigte Willemsen weitere starke Sätze zur starken Frage ab: "Ist Germany's Next Topmodel frauenfeindlich?". Stark, gell? Und auch der Satz mit den sechs Sorten Scheiße vom Titel steht da wieder.
Auf Seite 23 betitelt man dann den Essay über Chávez mit "Der venezolanische Cowboy" und zeigt ihn mit weit ausholender Geste auf dem Rücken eines Pferdes. Verfasst hat den Artikel Michael Zeuske, ein Kölner Uni-Professor, der gut schreiben kann. Er geht weit zurück in die Vergangenheit, zeigt sachlich die Herkunft von Chávez auf und den politischen Werdegang, erwähnt sein historisches Vorbild Simón Bolivar, weist darauf hin, dass der Präsident "eine Vielzahl sauberer Wahlen und Referenden gewonnen" hat: "Auch von einer Diktatur oder systematischen Gewalt gegen die Opposition in Venezuela kann keine Rede sein. Die privaten Medien sind mehrheitlich gegen Chávez und existieren mehrheitlich trotzdem."

Zeuske enthält sich jeder Hetze, Herablassung und Häme, die beim Thema Hugo Chávez in den deutschen Medien üblich sind. Im Vergleich zu ARDSZSPIEGELFAZ kommt dieser Beitrag ohne ideologische Scheuklappen und eurozentrische Überheblichkeit aus. Aber ich erfahre nichts darüber "Wie Venezuelas Präsident Hugo Chávez seine Herrschaft mit einer eigenen Miliz absichert". Bis auf einen Satz, der einfach so als Behauptung am Schluss angehängt wird: "Hugo Chávez hat, von der Welt unbemerkt, eigene relativ gut ausgerüstete Milizen aufstellen lassen, die mittlerweile weit mehr Kämpfer haben als die Armee." Das ist alles zu dem angekündigten Thema. Die Formulierung könnte dem Leser nahelegen, da ginge etwas nicht mit rechten Dingen zu und Chávez treibe undurchsichtige Spiele zur Sicherung seiner Macht.
Aber dass die Milizen "von der Welt unbemerkt" aufgestellt wurden  - da kann Hugo Chávez wirklich nichts dafür. Die tribuna popular, Zeitung der Kommunistischen Partei Venezuelas, hat bereits vor eineinhalb Jahren darüber berichtet:
Präsident Chavez kündigt Bildung von Bolivarischen Milizen an
Caracas, 6. Dezember 2007, Tribuna Popular TP/ABN.- Der Präsident der Bolivarischen Republik Venezuela, Hugo Chávez Frías, kündigte die Bildung der Bolivarischen Milizen durch eine Änderung des Organgesetzes über die Nationalen Streitkräfte ("Ley Orgánica de Fuerza Armada Nacional" / Lofan) an.
Am Mittwoch erklärte Chávez auf der Pressekonferenz im Simón-Bolívar-Saal des Regierungspalastes Miraflores, dass er die Bildung der Bolivarischen Milizen umsetzen wird, die Teil des Verfassungsreformvorschlages war, über den am vergangenen Sonntag abgestimmt wurde.
Woher ich das weiß? Die tribuna popular hat eine deutschsprachige Ausgabe im Internet: deutsch.tribuna-popular.org/

Und sonst? Kai Diekmann, taz-Genosse

Ein Klasse-Interview von Katrin Bettina Müller mit dem wunderbaren Theaterregisseur Volker Lösch - es ist eine Freude, dass solche Leute in diesem Land leben und arbeiten und nicht aufgeben. Das Foto von ihm sei auch noch erwähnt: Schön für die taz, dass die Fotografin Anja Weber so oft Gelegenheit bekommt, ihre Porträtkunst zu zeigen. -
Zwei Seiten Nichtigkeiten: Das Interview mit Matthias Döpfner, Oberboss des Axel Springer Verlags. Hauptmeldung: Seine Blätter nehmen zwar keine Anzeigen von der Linkspartei, aber er geht gern mit Gregor Gysi essen. -
Nebenmeldung vorne auf Seite 11, versteckt unter den Leserbriefen: Bild-Chefredakteur Kai Diekmann ist neuer taz-Genosse. Konny Gellenbeck, "Projektleiterin der taz-Genossenschaft" äußert sich auf eine Leseranfrage: ""Für die taz ist Kai Diekmann ein ganz normaler Genosse, er hat, wie 8.586 andere Genossinnen und Genossen auch, eine Stimme. Die taz-Genossenschaft sichert die publizistische und ökonomische Unabhängigkeit der taz. Wer dafür Geld gibt, ist uns herzlich willkommen."
Dass jetzt nur niemand glaubt, die zwei Seiten Interview mit Diekmanns Chef in der sonntaz und die Information auf Seite 11 hätten irgendetwas miteinander zu tun!

Der rätselhafte Satz

"Denn von einem Wunsch nach 'Aufarbeitung der Vergangenheit' ist bis auf den Angehörigen der Opfer und einigen Historikern in China wenig zu spüren."
- Jutta Lietsch auf der Seite "Meinung + Diskussion"

Der rätselhafte Korrespondent

Weshalb berichtet die irische Elfe Ralf Sotschek jetzt aus Washington, und warum haut er täglich Barack Obama in die Pfanne?

WWN*)

"Den Rest regelt der Fußballgott, live und ohne besserwisserische exegetische Adjudanten. Im Übrigen scheint mir das Fußballschauen im Kollektiv ein sittliches Sedativ zu sein, eine Art Besänftigung des immer wüster sich gerierenden Gattungswesens Homo sapiens."
- Jürgen Roth zur weltbewegenden taz-Frage "Reicht's jetzt mal mit Fußballgucken?"

*) Wirklich Wichtige Nachrichten, diesmal aus der tageszeitung, der einzigen deutschen überregionalen Zeitung mit publizistischer und ökonomischer Unabhängigkeit


19. Mai 2009

Gruß zurück!

Schöner, rätselhafter Satz in der Kolumne von Peter Unfried (ob das wohl auf meine Anregung zurückgeht? Wenn ja: Gruß zurück!):
"Musik (neu): Just singing a song - Neil Young. Botschaft: "Just singing a song won't change the world". Deshalb bastelt er Tag und Nacht am neuen energetischen Antrieb seines alten Autos. Metapher für das Ganze."
Grübel, grübel. Also, es ist so: Der gute alte Neil will beweisen, dass sein Oldtimer, ein Lincoln-Straßenkreuzer, ein Cabrio von 1959, schwer wie ein Panzer, mit einem neuentwickelten Elektroantrieb in Kombination mit Benzinkompressor und Rotationsmotor fahren kann, und dabei nur 1,5 Liter Sprit verbraucht auf 100 km. (Rotationsmotor? Erinnert sich jemand an den NSU Ro 80?). Ich muss doch mal gucken, wie die Dinge stehen, indem ich >Lincvolt<, so heißt Neil Youngs Wagen, bei Google eingebe. Bis später! - - - -
Unter lincvolt.com gibt's eine Webcam, mit Blick in die Werkstatt, wo sie am Lincoln Continental arbeiten, allerdings vom letzten Februar. Die Lincvolt Gazette mit dem Untertitel "All the news about Electric Cars" scheint lebendiger zu sein: Die letzte Meldung ist ziemlich aktuell, von heute nämlich: Tue, 19 May 2009 08:09:14 GMT. (Es gibt eine Anzeige des Tesla Model S, der mit einer Batterieladung an die 450 km schafft und damit wirbt, zwei Mal effizienter als Autos mit Hybridantrieb zu sein: "2 X as efficient as hybrids".)

In mehreren Zeitungsartikeln wird über Youngs erste Reise mit dem neuen Altauto an die Ostküste berichtet, die technischen Grundlagen werden in allen Einzelheiten erläutert. Das Team arbeitet auch unterwegs ständig an Verbesserungen, und es gibt Leute, die behaupten, Young hätte schon 150.000 Dollar in die Entwicklung des Antriebs investiert. Na, das ist doch ein Klacks, verglichen mit den 30 Millionen Euro, die VW aus Steuergeldern für die Entwicklung eines Elektroautos kassiert hat. Zur Lincvolt Gazette geht's hier lang.

Sherlock Holmes revisited

Heh, das ist mal ein toller Artikel, eine ganze Seite taz zwei über Arthur Conan Doyle und seine Sherlock-Holmes-und-Doktor-Watson-Serie. Sehr nachvollziehbar, die Schlussfolgerungen von Anne Haeming, die den Erfolg der Bücher mit der Angst vor dem Unsichtbaren und einer gehörigen Portion Rassismus erklärt: Die Bedrohung geht häufig von Engländern aus, die sich in den Kolonien aufgehalten und dabei mit dem Gedankengut der Einheimischen "angesteckt" haben: "Jenes viktorianische Schreckensszenario vom Nationalkörper, dem die Invasion todbringender Elemente droht, erlebt seit einigen Jahren ein Revival. Die Angst vor Sporen des Bösen, die die Schutzmechanismen westlicher Länder überwinden, in sie eindringen und von innen zerstören, ist spätestens seit dem 11. September hochaktuell."
Ob Wolfgang Schäuble diesen Artikel liest ("Der Angriff des Unsichtbaren")? Interessant auch in diesem Zusammenhang: Der dumbe Tor George W. Bush hat ja unter Einfluss seiner Hintermänner virtuos auf diesem Bedrohungsklavier geklimpert, während sein Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Teilhaber des Tamiflu-Entwicklers Gilead von allen Schwindelkampagnen zur Grippebedrohung profitiert hat (und immer noch profitiert), von Vogel- bis Schweine-.

Rule Britannia!

Von Großbritannien gingen ja schon diverse Entwicklungen aus, die sich dann in anderen Ländern durchgesetzt haben - von der konstitutionellen Demokratie über Beatles, Punk und Minirock bis zur Dominanz des Angriffsfußball. Jetzt könnten sie wieder Vorreiter werden und die politische Klasse aus dem Verkehr ziehen, die sich, wie überall, die Demokratie unter den Nagel gerissen hat. Nach dem Missbrauch von Steuergeldern für Zweitwohnungen, dem Spesenskandal der Parlamentsabgeordneten, liegt die Labour-Party des Premierministers Gordon Brown in den Umfragen bei 17 Prozent, die Konservativen verloren ebenfalls 6 Prozent und liegen bei 30. 

Die Bahn: Strecken wieder herstellen

Wer wissen will, was hier in diesem tazblog seit einem Jahr immer wieder zum Thema "die Bahn als Ausweg aus dem Verkehrs-, Abgas- und Autodilemma" stand, findet eine Zusammenfassung in einer am Samstag in Köln veröffentlichten Erklärung von europäischen Gewerkschaften, Umweltverbänden, Attac, Bürgerinitiativen und und und: Lkw- und Pkw-Verkehr reduzieren, Autoindustrie umrüsten, öffentlichen Nahverkehr verdreifachen, Bahnstrecken für den Fernverkehr ausbauen, 25.000 Kilometer Regionalbahnstrecken wiederherstellen, neue und bequeme Züge anschaffen, 25.000 stillgelegte Bahnhöfe "revitalisieren", neue Hochgeschwindigkeitstrassen und unsinnige Großprojekte (Stuttgarter Hauptbahnhof) streichen. Das finden Sie bei der "Bahn für alle" (hier ihre Website). Horst Becker, der Sprecher der NRW-Grünen im Landtag sieht es so: "Statt des Abwrackprämienunsinns brauchen wir ein Konjunkturprogramm für die Bahn."
Ich hab ja nie behauptet, dass alle Grünen nur nach Posten schielen und immer nur Unsinn plappern.

Lieblingswort des Tages

- "Bruterfolgsmonitoring". Damit wird auf der Insel Trischen im Wattenmeer festgestellt, wie viele junge Silbermöven ausschlüpfen. Toll, gell?

Zitat

"Auch der Graben zwischen den Gemäßigten auf beiden Seiten ist ziemlich tief."
taz: Und wer ist schuld?
"Das weiß ich nicht. Ich finde die Frage auch nicht so interessant. Was mich fasziniert ist, dass eigentlich alle Israelis wissen, dass die Besetzung der palästinensischen Gebiete Israel als jüdisch-demokratischen Staat gefährdet. Alle wissen es - und trotzdem halten wir seit 40 Jahren an der Besatzung fest. Obwohl wir genau wissen, dass dies am Ende eine selbstmörderisch, zukunftzerstörende Politik ist."
- Tom Segev, israelischer Historiker ("1967 - Israels zweite Geburt")

taz-Titel: Brav

"Die Krise ist angekommen" steht auf der ersten Seite, und ein Foto von der 100.000-Menschen-Demo in Berlin, dazu eine Seite 3 mit Bericht und Interview (Ursula Engelen-Kefer). Brav, die taz. Da kann man nicht meckern - tut niemand weh, bringt nix voran.


20. Mai 2009

Sommer

Wenn es morgens um acht schon 16 Grad hat, keine Wolke am Himmel dahinzieht, und für nachmittags 26 Grad angekündigt sind - dann steht wohl ein Sommertag bevor. Vermutlich wird es dann zu meiner üblichen Laufzeit gegen 12 Uhr schon zu heiß sein, also nichts wie raus. Jetzt!
Ob ich danach noch Lust habe, über die Dienstag-taz was abzulassen? So viel sei schon gesagt: Gestern gab's das geballte Grauen - nicht nur Silke Burmesters unsägliches Carala-Bruni-Tagebuch auf der Wahrheitseite, nein, sie haben mich auch noch mit Julia Grosses Nichtigkeiten im Kulltour-Teil und Anja Maiers Hohlspießer-Kolumne auf taz zwei belästigt. Das taz-Boulevard-Trio - und nirgends komisch, witzig, satirisch. Nur wohlformulierte Nullinhalte.
Und weshalb ich Robert Misik (Kommentar: "Lafontaines Freaks") nicht als Teil der Lösung, sondern des Problems sehe, erfahren Sie später. Aber nur, wenn's der Sommertag erlaubt.


21. Mai 2009

Es ist unfassbar: Sie machen einfach so weiter!

"Und die Linke? Die frohlockt schon mal vorschnell, der Kapitalismus sei am Ende. Von wegen! Die rhetorische Gebetsmühle rattert wieder und sondert altbekannte Statements ab: Der Kapitalismus funktioniert nicht so recht - wir können es besser! Chefs und Manager sind schamlos reich - her mit ihrem Geld für die Sozialhilfeempfänger! Die profitgeile Wirtschaft vernichtet Arbeitsplätzen - wir fordern Arbeit für alle! Restriktive Steuerpolitik begünstigt bloß die Reichen - linke Konsumpolitik wird endlich wieder Wachstum bringen! Ist da irgendwo irgendetwas Neues in Sicht? Ein Umdenken, ein Paradigmenwechsel, Visionen gar? Es könnte einen die Verzweiflung überkommen!"

- Horst Stowasser, in: Zeitpunkt Nr. 101, Mai/Juni 2009, S. 9 (www.zeitpunkt.ch/)

Seltsames Zusammentreffen: Den Artikel von Horst Stowasser, aus dem das obige Zitat stammt, las ich am selben Tag, als die taz mit der Schlagzeile herauskam: "Millionäre fordern Vermögensabgabe". Das war gestern. Vorgestern stand auf Seite 4 ein Interview mit Heinz-Josef Bontrup. Der wird als "Ökonom" vorgestellt, scheint aber trotzdem noch alle Tassen im Schrank zu haben. Bontrup: "Zuerst hat die Politik versagt, nachdem sie sich am Neoliberalismus orientiert und die Steuerungsebene und damit den Staat weitgehend abgeschafft hat." (Da umschlingt ein enges Band die Jahrhundertstaatsfrau Margret Thatcher mit Ronald Reagan, Tony Blair und Gerhard "VW" Schröder. Aber lassen wir Herrn Bontrup ausreden:) "Nun versagt der sich selbst überlassene Markt, und wir lassen die gleichen Politikversager noch einmal machen - und dann soll alles wieder gut werden? Schauen Sie sich nur das aktuelle Wahlprogramm der FDP an. Weiter Neoliberalismus pur. Unfassbar."
Und was schlägt Heinz-Josef Bontrup vor? Eine Demokratisierung der Wirtschaft. In den Aufsichtsräten müssen mehr als bisher Betriebsräte und andere Bevölkerungsteile mitbestimmen, Verbraucherschützer, Umweltverbände (kurz: Menschen, die anderes im Sinn haben als die wunderbare, größtmögliche Geldvermehrung in kürzester Zeit - egal, ob der Planet vor die Hunde geht). Bontrup drückt es so aus: "Weil wir keine demokratisierte Wirtschaft haben, hat es das Kapital überhaupt vermocht, für eine gigantische Umverteilung von unten nach oben zu sorgen und für eine Prekarisierung, die immer mehr Menschen an den Rand drängt. Hätten wir eine demokratische Wirtschaft, wäre das gar nicht möglich gewesen."
Und um es möglich zu machen, brauchte "das Kapital", brauchten VW und die Bertelsmann-Stiftung, ihren braven Vollstrecker Gerhard Schröder, der lachend und mit Zigarre in der Hand die Menschen in die Armut getrieben und den Sozialdemokraten einen Schwund beschert hat, von dem sie sich nie mehr erholen werden.
Ja, es ist in der Tat unfassbar. In derselben taz salbadert Robert Misik wortgewandt wie gewohnt darüber, dass die Linke (als diffuse Strömung) und Die Linke (als konkrete Partei) trotz der Krise kein Bein auf den Boden bekommt. Und sieht dabei weder seine eigene Rolle noch die der Massenmedien: Die politischen Vorstellungen der Partei Die Linke kommen in den Konzernmedien, im Fernsehen, in der taz schlicht nicht vor. Was vorkommt, sind Aggressionen gegen "Radikale" innerhalb der Linkspartei (kein Schwein berichtet über die Vorstellungen von Sahra Wagenknecht, es reicht schon, sie als "Stalinistin" zu bezeichnen), und abwertende Meldungen über den "Populisten" Lafontaine, mit möglichst unvorteilhaften Fotos, geballter Faust, verzerrtem Gesicht. Wenn Die Linke vorkommt, dann wird abwertend gehetzt, verspottet, verhöhnt. (Vor ein paar Tagen überschrieb Spiegel Online einen Bericht über den Präsidentschaftskandidaten Peter Sodann mit "Liberté, Egalité, Pfefferminztee". Siehe auch den Eintrag hier im tazblog vom 13. Mai: "Schweinchenrosa Propaganda".) Mit dem Programm der Linken muss man sich gar nicht erst auseinandersetzen, nachdem es als "nicht finanzierbar" diffamiert wird (während Milliardenhilfen für marode Banken offenbar locker finanzierbar sind). Die Ablehnung der EU-Verfassung, der Nato und des Kriegseinsatzes in Afghanistan werden als nicht diskussionwürdig befunden, die Partei als "nicht regierungsfähig". (Wobei ich mich frage, im Vergleich zu wem oder was? Ist Angela Merkel "regierungsfähig"? FW Steinmeier? Müntefering? Westerwelle? Özdemir? Seehofer? Wenn ich demnächst wieder höre, Die Linke sei nicht regierungsfähig, kotze ich über den Tisch.)
Bei Robert Misik hört sich das so an: "Aber was ist eigentlich aus Lafontaine geworden? Statt die Partei zum Protagonisten dieser Ideen zu machen, erweckt der frühere SPD-Chef und Ministerpräsident heute allzu oft den Eindruck, als protegiere er alle Irren, die bei jeder K-Gruppenspaltung in den vergangenen dreißig Jahren im Westen mit von der Partie gewesen sind. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, freilich einer, an dem nicht viel lustig ist."
Genauso wenig wie an Misiks Kommentar. "Diese Ideen", die er anführt - dazu erfährt der Leser inhaltlich nichts. Ein Halbsatz nennt sie "die wirtschaftlichen Konzepte, die vor elf Jahren der Finanzminister Oskar Lafontaine und sein Staatssekretär Heiner Flassbeck propagierten". Diese Konzepte setzt Misik als bekannt voraus, und die "sind die richtigen". Aber heute steht Lafontaine offenbar nicht mehr dazu, er "protegiert die Irren". Und das ist die vorherrschende Linie der taz: Wer an der Veränderung oder Überwindung des herrschenden Systems arbeitet, statt es nur zu reparieren, ist irre. Daher auch der Titel über dem Kommentar: "Lafontaines Freaks".
(Was Lafontaine und Flassbeck vor elf Jahren umsetzen wollten, war mit Schröder nicht zu machen, Lafontaine musste zurücktreten. Was haben sie ihn fertig gemacht in der "liberalen" Presse, den "Verräter Lafontaine", der "seinen Job" hinwarf, die "SPD in Stich gelassen hat". Dabei hat Schröder nur getan, was ihm aufgetragen war. Er musste Lafontaine loswerden, nachdem Rupert Murdochs britisches Gossendrecksblatt Sun auf der Titelseite seinen Steckbrief veröffentlich hatte. Zu einem fast ganzseitigen Foto des deutschen Finanzministers schrie die Schlagzeile: The most dangerous man in Europe.)
Aber was sagt Oskar Lafontaine heute, im Mai 2009, wenn er nicht gerade "alle Irren protegiert"? In einer Rede zum 60. Jahrestags der Verabschiedung des Grundgesetzes sagt er Dinge, die in der taz und den Talkshows keinen Platz finden, weshalb ich aus der Dokumentation der Rede bei Junge Welt zitieren muss. Nachdem er Goethe, Marx und Engels und Theodor W. Adorno als Zeugen angerufen hat, holt er noch weiter aus und zitiert Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778): "Die Menschenrechte müssen ergänzt werden durch einschränkende Bestimmungen über das Eigentum; sonst sind sie nur für die Reichen da, für die Schieber und Börsenwucherer." Oskar Lafontaine überträgt diese Gedanken in die Gegenwart: "Im Finanzkapitalismus heutiger Prägung wird der größte Teil der Gewinne nicht mehr in moderne Produktionsanlagen reinvestiert. Vielmehr wird er im weltweiten Spielkasino verzockt, mit verheerenden Folgen für die Menschen, vor allem für die Hungernden und Kranken in der Welt. Der Finanzkapitalismus enteignet die Beschäftigten nicht nur dadurch, daß er ihnen den Zuwachs des Produktivvermögens vorenthält. Er verschärft Jahr für Jahr die ohnehin bestehende soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit durch fallende Löhne, Renten und soziale Leistungen bei gleichzeitigen spekulationsbedingten Preissteigerungen." Um dem entgegenzutreten, fordert Lafontaine das Gleiche wie der oben erwähnte Heinz-Josef Bontrup: Eine echte Wirtschaftsdemokratie. Die wäre sogar unter den Vorgaben des Grundgesetzes möglich, ohne dass es geändert werden müsste: "Der Artikel 14 des Grundgesetzes muß neu interpretiert werden. Während die im Absatz 2 geforderte Verpflichtung, der Gebrauch des Eigentums solle auch dem Wohle der Allgemeinheit dienen, in einer Gesellschaftsordnung mit einer anderen Verteilung des Vermögens und des Eigentums an Produktionsmitteln ebenso ihre Gültigkeit behält, ist der Absatz 3 neu zu interpretieren. Wenn eine Enteignung nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig ist, dann ist die in unserem Wirtschaftsalltag Praxis gewordene ständige Enteignung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zum Nachteil der Allgemeinheit führt, schlicht grundgesetzwidrig."
Hah? Das muss man sich mal genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Und Lafontaine setzt noch eins drauf: Ein Wirtschaftssystem, in dem die Menschen nicht mehr in unmündiger Abhängigkeit arbeiten, sondern Verantwortung für die Folgen ihrer Arbeit tragen (jenseits der Bestimmung, ihren Arbeitgeber reicher zu machen), würde auch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur führen: "Eine durch die Beteiligung der Belegschaften an den Unternehmen geprägte Wirtschaftsordnung dient auch der Erhaltung unserer Umwelt. Echte, solidarische, gesellschaftliche Verantwortlichkeit kann der Mensch in seiner Arbeit nur entwickeln, wenn er im Arbeitsprozeß nicht entmündigt wird. Produktive Arbeit ist Umformung der Natur zu Gebrauchsgütern. Wer im Arbeitsprozeß von jeglicher Verantwortlichkeit enteignet worden ist, der wird auch gegenüber dem Gegenstand seiner Arbeit, der Natur, nicht die notwendige Verantwortung empfinden. Daher müssen diejenigen, die für einen verantwortlichen Umgang des Menschen mit der Natur plädieren, dafür eintreten, daß solidarische Verantwortlichkeit im Arbeitsprozeß entstehen kann. Es würde nicht viel nützen, wenn es hin und wieder gelänge, ein Atomkraftwerk stillzulegen oder eine Chemiefabrik zu schließen, und der Mensch in anderen Gebieten genauso unverantwortlich weiterproduzierte, genauso ausbeuterisch mit der Natur umginge wie bisher."
So weit, so richtig. Mit anderen Worten sagt das auch Evo Morales in Bolivien. Aber ich habe es bisher noch von keinem deutschen Politiker, ob links, ob grün, in dieser Form gehört. Oskar Lafontaine hat diese Rede im Bundestag gehalten, am 14. Mai 2009. Haben Sie davon etwas mitbekommen? Im Fernsehen? In Ihrer Zeitung? In der taz?
Das meine ich, wenn ich schreibe: Die politischen Vorstellungen der Partei Die Linke kommen in den Konzernmedien, im Fernsehen, in der taz schlicht nicht vor.
Interessant auch, wie ich darauf gestoßen bin: Ich wollte eine Website für das eingangs zitierte Schweizer Zweimonatsmagazin Zeitpunkt angeben, und bin dort auf einen Link zur Tageszeitung Junge Welt gestoßen, wo die ganze Rede von Oskar Lafontaine dokumentiert wird.
Keine Ahnung, wer ihm die Rede geschrieben hat, aber Lafontaines Niveau erreicht zur Zeit keiner unter unseren Politikschranzen auch nur annähernd.

WWN*)

Promi-Lady sucht Traummann

Was haben Sabrina Setlur, die Prinzessin von Hohenzollern und Desiree Nick gemeinsam? Richtig: Sie suchen einen Mann - und zwar nicht in freier Wildbahn, sondern im TV.

*) Wirklich Wichtige Nachrichten (von web.de)


Schönen Himmelfahrtstag!


23. 5. 2008

Wie oft kommt es vor, dass über Bundespräsident und Deutsche Fußballmeisterschaft am selben Tag entschieden wird? Nun ja, heute ist der große Tag für Zahlenspinner wie mich: 23, Quersumme 5. An diesem Tag sterben große Anarchisten, an diesem Tag kann sich die Welt zum Besseren verändern, an diesem Tag kann sie untergehen, können Kriege beginnen oder der ewige Frieden einkehren. Der 23. 5. ist jedenfalls ein besonderer Tag.
Höchsttemperatur heute in München laut Vorhersage von wetteronline: 23 Grad.

Pudding an der Wand

Wer sich vornimmt, die taz-Chefredaktion zu kritisieren, steht ähnlich da wie jemand, der versucht, einen Pudding an die Wand zu nageln. Die Chefredakteurin schreibt so gut wie nie in dieser Zeitung, ihr Stellvertreter Reiner Metzger äußerst selten. Wie kann man jemanden kritisieren, wenn sie nichts von sich geben? Vielleicht ist die Frau Mika ja ein Verwaltungsgenie und hält den Laden am Laufen, vielleicht hat sie die Machtspiele innerhalb der Redaktion am besten verstanden und sich dadurch unangreifbar gemacht? Jedenfalls ist sie länger auf ihrem Posten, als jede/r andere vor ihr. Was für eine politische Haltung sie hat, ob sie überhaupt eine hat - Fehlanzeige.
Der Einzige aus dem Trio, der regelmäßig schreibt und Interviews führt, ist der zweite Stellvertreter Peter Unfried. Der war früher als Redakteur für Leibesübungen und Sportberichte zuständig, und darf ohne Verdacht auf zweckgerichtete Schmeichelei als guter Schreiber eingestuft werden. Wer eine erkennbare Haltung, Einstellung, Überzeugung in seinen Texten sucht, wird sich allerdings schwer tun. Die Grunddevise ist: Alles geht, Meinungen sind alle gleichwertig, Zeitungen werden strategisch geführt, links war gestern, heute ist Mittelschicht, Erfolg zählt. Und um den zu erreichen, öffnet sich der taz-Mann heute diesem Einfluss, morgen jenem. In einem Interview mit dem Gewerkschaftsblättchen "M - Menschen machen Medien" strotzt er nur so vor Selbstgefälligkeit. "Die taz ist ein Erfolgsmodell", verkündet er stolz. Und: "Die Inhalte lassen überhaupt nichts zu wünschen übrig. Die Inhalte sind sehr gut, wir sind eine der besten Zeitungen in Deutschland."
Und auf die Frage, ob die taz das Thema Auslandseinsätze der Bundeswehr unter Rot-grün "verschlafen" hat, erhält die Interviewerin zur Antwort: "Wir haben überhaupt nichts verschlafen und es bringt auch nichts, über Dinge zu reden, die zehn Jahre zurückliegen."
Wie kann den Mann Kritik erreichen? Keine Ahnung, aber vermutlich lautet die Antwort: Überhaupt nicht.

Der taz-Leser, das dumme Kind
oder: Die radikale Beliebigkeit

Silvio Berlusconi hat sich mal verplappert und sein Erfolgsgeheimnis preisgegeben: Fernsehzuschauer und Wahlvolk müssen auf dem Niveau von elf Jahre alten Kinderm angesprochen werden. Das haben auch die taz-Chefredakteure kapiert. Was die Informationen im Impressum betrifft, behandelt die taz ihre Leser wie unmündige Kinder, die manche Dinge gar nicht so genau wissen sollen. Und am besten, das wissen Eltern, sind immer Erziehungsmaßnahmen, die von denen, die erzogen werden sollen, gar nicht bemerkt werden.
Beispiel: Die Korrespondenten. Dazu zählen ein paar ganz feine Journalisten, die frei sind vom Routinedenken in der Rudi-Dutschke-Straße, von den Scheuklappen, die man nach langen Jahren auf Redaktionssesseln selbst gar nicht mehr wahrnimmt. Diese Korrespondenten kommen im Impressum der taz genauso wenig vor wie die Ressortleiter oder gar das einfache Fußvolk. Nach außen und für den Leser repräsentiert nur das oben erwähnte Trio die tageszeitung. Dabei stehen Personen oft (auch heute noch) für gewisse Haltungen, politische Überzeugungen. Beispiele von Korrespondenten, die ich schätze: Gerhard Dilger (Südamerika), Dorothea Hahn (Paris), Reinhard Wolff (Skandinavien), Reiner Wandler (Madrid), mit Abstrichen Michael Braun (Rom). Beispiele, die ich weniger schätze: Klaus-Helge Donath (Moskau), Sascha Zastiral (Indien), Susanne Knaul (Israel). Unsäglich finde ich Nicola Glass (Bangkok) und, nicht ganz so schlimm, Martina Schwikowski (Südafrika).
Die Aufzählung kann nicht vollständig sein, aber es wäre noch auf Ralf Sotschek hinzuweisen. Undurchsichtige strategische Maßnahmen - der taz-Leser wird über die Hintergründe nicht informiert - haben jetzt dazu geführt, dass der langjährige Irland- und Großbritannien-Korrespondent plötzlich aus Washington berichtet. Zum Schaden des Lesers, denn von Mentalität und Politik der Iren und Briten hat er eine Menge verstanden.
Weshalb er jetzt die sachkundige, putzmuntere, neugierige USA-Korrespondentin Adrienne Woltersdorf ersetzt, erfährt der Leser nicht, aber ich habe eine Theorie, die mehr ist als eine Vermutung: Es geht um einen strategischen Wechsel in der Berichterstattung über Barack Obama. Woltersdorf stand ihm zwar nicht unkritisch, aber mit offener Sympathie gegenüber. Dass sie nicht mehr in der taz schreibt, fiel mir zuerst vergangene Woche im Eintrag vom 16. Mai auf, Überschrift "Obama-Dämmerung". Da heißt es als P. S.: "Was zum Teufel macht die irische Elfe Ralf Sotschek in Washington? Ist er jetzt US-Korrespondent? Wie üblich erfährt der taz-Leser nicht, ob Adrienne Woltersdorf gekündigt hat, gefeuert wurde, Urlaub macht. Und kriegt Sotschek in Washington genug Guinness? Und warum polemisiert er gegen Barack Obama und haut ihn in die Pfanne für Gesetze zum Umgang mit Homosexuellen in der US-Army, die Obama gar nicht zu verantworten hat?"
Am nächsten Tag fragte ich dann hier im tazblog noch einmal: "Weshalb berichtet die irische Elfe Ralf Sotschek jetzt aus Washington, und warum haut er täglich Barack Obama in die Pfanne?"

Gestern habe ich, vermute ich mal, des Rätsels Lösung gefunden: Es ist die strategische Vorgabe aus der Chefredaktion. Das steht zwar nicht in der taz (das dumme Leserkind soll's ja nicht merken), aber es steht in der Mai-Ausgabe der oben erwähnten Zeitschrift "M", die ich leider erst gestern erhalten habe. Im selben Interview, das während des taz-Kongresses im April geführt wurde, geht es um den "Kuschelkurs mit Rot-grün", den der frühere Chefredakteur Arno Luik der taz vorgeworfen hat, und Peter Unfried sagt dazu: "Das sehe ich überhaupt nicht so. Wir haben seit 1979 darauf hingearbeitet, dass die Verhältnisse sich ändern und wenn sie sich mal geändert haben, dann ist das zunächst mal eine Sache, die ok ist. Wir haben jetzt auch gesagt, wir gucken Obama zunächst mal sehr aufgeschlossen an und wenn sich langsam was entwickelt, werden wir sicher kritischer werden. Und so war das mit rot-grün auch."
Da ich jetzt wieder auf Vermutungen angewiesen bin (als Leser erfahre ich zwar Interna aus anderen Verlagen, aber nichts über die taz-Redaktion) vermute ich mal: Adrienne Woltersdorf konnte und wollte solche strategischen Spielchen nicht nach- und mitvollziehen, noch dazu zu einem Zeitpunkt, an dem Obama gewaltigen Gegenwind aus seiner eigenen Partei und von Bushs Vize Dick Cheney bekommt. Der Polit-Zombie tingelt gerade durch die Talkshows, um die Aufklärung der Folterbefehle zu verhindern. In dem Moment, in dem der militärisch-industrielle Komplex,
der Goliath schlechthin, die Leute, die tatsächlich die USA beherrschen, dem David Obama das Leben schwer machen, kommt die taz auf die Idee, sich dem Obama-Bashing anzuschließen. Warum? "... so war das mit rot-grün auch." Und weil Woltersdorf das nicht mitmachen wollte, hat man Sotschek gefragt, ob der nicht als Vollstrecker der neuen taz-Strategie in die USA übersiedeln wollte - vermute ich mal.
Die Tendenz, seit Sotschek aus Washington berichtet, ist überdeutlich: Jetzt machen wir Obama fertig, aus Gründen, die nichts mit seiner Politik zu tun haben. Dabei kriegen sie fast den Krampf beim Ausdenken neuer Titelzeilen, die Obama schlecht aussehen lassen sollen. Beispiel heute: "Obama überzeugt Kritiker nicht". Das klingt erst mal negativ. Aber spricht die Überschrift jetzt gegen Obama, oder gegen seine Kritiker? Ralf Sotscheks Schreibe jedenfalls hat unter den Vorgaben der Chefredaktion gelitten, er klingt verkrampft, eingeengt, so, als fühle er sich im Land und in seiner Rolle nicht wohl.
Politisch oder ideologisch begründen lässt sich die tendenziöse Berichterstattung nicht. Deshalb kann sich die Richtung in ein paar Wochen auch wieder ändern. Wir sind offen für alles, politische Überzeugung war gestern - die taz ist schließlich ein Erfolgsmodell. Postideologisch. Alles geht, nur keine Haltung.
Radikal ist an der taz nur noch die Beliebigkeit.

Junge, komm bald wieder: Oh wie schön sind Kriegseinsätze

Die unsägliche PR für die Kriegsmarine in der taz geht weiter. Nachdem sie neulich eine ganze Seite Schleichwerbung betreiben durfte, bekommt Jasna Zajcek schon wieder zwei Spalten für Marine-Propaganda. Die Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern", die vor Somalia Piraten bekämpfen sollte, kehrt nach sechs Monaten Einsatz zurück nach Wilhelmshaven. Am Kai warten Angehörige und die eingeladenen Journalisten, darunter Zajcek. Sie sieht das so: "Plötzlich wird auch an Bord ein Transparent enthüllt: 'Anett, willst du mich heiraten?', fragt Obermaat Andreas Zippro aus Halle seine Freundin Anett, und irgendwo aus der Menge hört man sie 'Ja' rufen. Der Idealfall: Seemann kommt zurück, Mädchen hat gewartet."
Nicht ein Bundeswehrsoldat, ein Seemann kommt zurück. Ob der Presseoffizier den Namen und den Dienstgrad wohl schon vorher an die Journalisten verteilt hat? Aber es gibt noch viel aufregendere Dinge zu berichten, schon beim Einsatz draußen, vor Somalia, "sagt Nicole. Während der Fahrt hat sie ihren 23. Geburtstag auf See gefeiert, ist vom Bootsmann zum Oberbootsmann befördert worden und hat sich in Kamerad Carsten verliebt. Sie liebt ihren Job als Navigationsmeisterin und möchte Berufssoldatin werden, mit der Abwesenheit von zu Hause kommt sie gut zurecht."
Doch nicht alle denken nur an das wartende Mädchen zu Hause, an die Liebe und die friedliche Navigation beim fröhlichen Jagen vor Somalia. "Heiner M. (Name von der Redaktion geändert)" hat sich auch Gedanken gemacht, wie das Problem mit den Piraten gelöst werden könnte: "Wenn es nach ihm ginge, sollten 'die Amis in Somalia an Land mal so richtig aufräumen', aber sein Wunsch wird unerhört bleiben. Schließlich hat die EU das Einsatzgebiet der Piratenjagdmission gerade um einige hundert Seemeilen, bis zu den Seychellen, erweitert."
Piratenjagdmission. Mir entgeht zwar das Verständnis für den logischen Zusammenhang der letzten beiden Sätze, aber solche Kriegsberichterstattung in der taz zu veröffentlichen grenzt an kriminellen Schwachsinn. Vielleicht drucken sie demnächst Anzeigen vom Kriegsministerium - "Uncle Jung wants you!".


24. Mai 2009

Verschwörungstheorien

Heute morgen war eine "Post aus Washington" im Eingangskästchen, Mail von Ralf Sotscheck. Leider will er nicht, dass ich sie hier im Blog veröffentliche. Aber im Wesentlichen läuft's darauf hinaus: Nein, mit meiner Verschwörungstheorie liege ich daneben. Er vertritt Adrienne Woltersdorf bis zum Monatsende, weil sie dringend nach Deutschland musste, danach berichtet er wieder aus Dublin. Und Vorgaben aus der Chefredaktion erfüllt er nicht, das würde sich kein Korrespondent gefallen lassen, sagt er. Seine Obama-kritische Sicht sei seine eigene Auffassung von seiner Arbeit. Und Sotscheck schreibt man mit c k.
Ich hab ihm gleich zurück gemailt, und Sie dürfen mitlesen - sozusagen ein offener Brief an Ralf Sotscheck:

Sotscheck, Sotscheck, Sotscheck, Sotscheck, Sotscheck, Sotscheck, Sotscheck, Sotscheck, Sotscheck, Sotscheck.

Lieber Ralf Sotscheck, das fehlende c ist mir ausgesprochen peinlich, Sie wissen ja: Schreiben Sie was Sie wollen, aber schreiben Sie meinen Namen richtig. Soll nicht wieder passieren. -
Danke für die Aufklärung - schade, dass Sie es nicht im Blog haben wollen, so muss ich es inhaltlich referieren, ohne Ihnen zu nahe zu treten, denn meine Vermutungen haben sich ja als falsch erwiesen. -
Aber davon abgesehen, die Tendenz zeigt sich ja auch in den Headlines, und dass mir dieses Interview mit Unfried im Gewerkschaftsblättchen "M" genau in diesen Tagen ins Haus flattert - Verschwörungstheorie hin oder her, merkwürdig ist das schon. Schieben wir's auf den Weltgeist, oder auf die Elfen ...
Ich bin etwas erleichtert, dass ich im Wesentlichen daneben liege, denn Sotscheck (mit c) in Dublin ist mir schon lieber als in Washington.
Schöne Tage!

Obama-Dämmerung: Von jetzt an feste druff!

Nur um meine Haltung zu verdeutlichen: Ich hab noch mal nachgelesen, was da unter dem Eintrag am 16. Mai steht. Von Ralf Sotschecks Berichten und dem Grund für seinen Aufenthalt in Washington abgesehen (die tendenziösen Überschriften werden ja in der Redaktion gedichtet), stehe ich immer noch zu meiner Theorie über das Obama-Bashing. Seit Mitte Mai setzt die taz genau das um, was Peter Unfried in seinem Interview mit M gesagt hat: "...  wir gucken Obama zunächst mal sehr aufgeschlossen an und wenn sich langsam was entwickelt, werden wir sicher kritischer werden." Auch wenn Sotscheck nichts davon weiß - es gibt ja noch andere Hinweise auf die neue Strategie, und die stehen auch in dem Eintrag vom 16. Mai. Mein Vorschlag für taz-Leser: Selber atmen gucken, ob ich richtig liege.

Schnelldurchlauf: die BUNTE die sonntaz

1 Schwarzweißfoto. Unmassen von Riesenfarbfotos. Die Tage werden länger, die
Bilder werden immer größer, die Texte werden kürzer. Sehr erfreut war ich, dass der Schriftsteller Jochen Schimmang mal wieder eine seiner einfühlsamen Buchbesprechungen unterbringen konnte: Ein paar Überlegungen zu "Provinzlexikon" von Henning Ahrens. Klingt gut, was da von Ahrens berichtet und zitiert wird. - Wenn ich schon mal mit dem Kulltour-Chef einer Meinung bin, will ich es auch sagen: Andreas Fanizadeh findet auch, das "Waltz with Bashir" ein sehr sehenswerter Film ist. Ich hab ja hier vor ein paar Monaten darüber geschrieben, als er noch im Kino war - eine Dokumentation über den Libanon-Feldzug der israelischen Armee im Jahr 1982, von einem israelischen Regisseur, aber als Zeichentrickfilm (!). Jetzt kam er als DVD und als Comicband heraus. Nichts wie besorgen, verehrter Leser dieser Zeilen! In der Tat: "Es ist in seiner ästhetischen Form ein vielschichtiges politisches Werk, das einen Raum für Erinnerung und Veränderung öffnet. Unter Verzicht auf Parolen wird die Verantwortung des Individuums nach sich selbst und seinen Taten gestellt." Hm. "Verantwortung nach sich selbst"? Für sich selbst? -

Warum in jeder Woche auf einer immer gleichen Liste immer dieselben Bücher als lesenswert empfohlen werden, weiß vielleicht der zuständige Redakteur. Mir isses schleierhaft, von der Auswahl mal ganz abgesehen. Mein Vorschlag: Pfeif auf Aktualität, schreib einfach empfehlenswerte Bücher rein, egal, wann sie veröffentlicht wurden. Es gibt nämlich gar nicht so viele Neuerscheinungen, die lesenswert sind. -
Ein "Schundroman" wird besprochen und vorgestellt als "Roman für adoleszente Großstadtfrauen". Die Schreiberin befindet: "Das ist Unterhaltung an der Schmerzgrenze, mit Loserinnenbiografie und Abgründen galore." Die Frau, die sowas in der taz schreibt, kriegt hier nicht die Ehre der namentlichen Erwähnung, nönö. "... mit Loserinnenbiografie und Abgründen galore" - das hältst ja im Kopf  nicht aus.

Alpen-Albträume

Wenn ich schon mal an den Reise-Seiten nichts auszusetzen habe, sollen Sie es auch erfahren: Auf zwei Seiten stehen drei Beiträge von Thomas Pampuch über die schleichende Zerstörung der Alpen durch hirnlose, geldgierige,  größenwahnsinnige Älpler und Alpenvorlandbewohner. Hoffentlich steckt jemand dem Münchner OB Christian Ude, dass seine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 ("Ökospiele") ein Verbrechen ist. Schon die Ski-WM 2011 in Garmisch stinkt zum Himmel, ganze Berghänge wurden für Pisten und Beschneiungsanlagen gerodet: "Blöd allerdings, dass einige der vergangenen Winter in Garmisch bereits so warm waren, dass auch die Beschneiung nicht mehr funktioniert hat. Da wurde dann der Schnee per Lkw vom Alpenhauptkamm geholt und mit Hubschrauber zur Piste geflogen."
Diesen Irrsinn muss man sich mal vorstellen!

Zeitungsweine

Früher hab ich mich manchmal geärgert, weil in der Wochenend-SZ die Kurzgeschichte wieder einer ganzseitigen Anzeige für die "SZ-Vinothek" geopfert wurde. Ich weiß nicht, was die taz für ihre ganzseitige superbunte Weinanzeige ("tazlese") geopfert hat, aber wenn ich mir die Wochenendausgabe so anschaue, hätten sie ruhig noch ein paar Eigenanzeigen verteilen können. Zum Beispiel eine Dreiviertelseite neben den Leserbriefen. Das hätte dem Leser die Rubrik "Pro & contra" erspart. Sie wurde gefüllt von 1 Redakteurin und 1 Redakteur der einzigen genossenschaftlich organisierten Tageszeitung Deutschlands, der Bastion der Pressefreiheit in Berlin, wo man sich Gedanken macht über die Frage: "Ist konservativ zu sein wieder sexy?".
Was, das haben Sie nicht gelesen? Ich schon. Leider.

Zitat

In der Fachzeitschrift Current Biology, so die Agentur rtr, hat ein Biologe zum Paarungsverhalten von Singvögeln festgestellt: "Bei Überlebenstress würden die Weibchen nach kräftigen Männchen Ausschau halten, die sie am Gesang erkennen. Männchen mit auffällig schönen Melodien hätten weniger Parasiten, und ihr Nachwuchs überlebe überdurchschnittlich oft. Zudem sei guter Gesang ein Nachweis von Intelligenz."
Sag ich doch seit 1897. Für den Beweis kllicken Sie hier:
http://de.youtube.com/iWugg


25. Mai 2009

Ciao, Barbara!

Ich hab nen Kloß im Hals und versuche, die Tränen zurückzuhalten, aber es gelingt mir nicht. Barbara Rudnik ist gestorben. Das wirft mich zurück ins Jahr 1981, als sie mit meinem Kumpel und Kollegen Thomas W. die Liebe teilte. Sie hatte gerade die Schauspielschule hingeschmissen und ihre erste Filmrolle gespielt, in "Kopfschuss" von Beate Klöckner. Es lief damals gut für uns alle - wir standen noch am Anfang unserer Lebensarbeit, die Stadt gehörte uns, wir waren jung, wir waren neugierig, und wir waren unsterblich. Ich erinnere mich an laue Sommerabende, an unendliche Gespräche bis spät in die Nacht, auf den Stahlsesseln mit den geflochtenen Plastikschnüren, draußen vor dem Café Oase, im Innenhof der Amalienpassage, neben dem leise plätschernden Brunnen.

Ich hab dich sehr gemocht, Barbara, hab mich gefreut, als du mit deiner Arbeit Erfolg hattest und immer bekannter geworden bist. Vielleicht hast du zu viel gearbeitet in den letzten Jahren? Vielleicht warst du zu feinfühlig für das harte Geschäft, in dem du dich bewegt hast? Solche Fragen sind müßig, aber sie drängen sich auf, wenn jemand so früh dran ist mit dem Sterben. Ist das der Preis, den du bezahlst für die Berühmtheit?
Das hier hab ich heute bei br-online.de gefunden:
"Bis zum Schluss hat Barbara Rudnik gegen den Brustkrebs  gekämpft. Sie lebe jetzt bewusster, genieße jeden Tag und fühle sich sogar glücklicher, hat sie Journalisten verraten. Kurz vor ihrem Tod sagte sie: 'Ich hätte gerne auf andere Weise gelernt, mit gewissen Dingen besser umzugehen.'"



26. Mai 2009

Links und Merkel

Keine Ahnung, mit welchen Leuten der taz-Redakteur Ralph Bollmann verkehrt, aber ich will sie nicht kennenlernen. Schreibt er doch in der sonntaz tazächlich: "Endlich habe ich jemanden gefunden, der Angela Merkel nicht mag." Dieser jemand ist offenbar die Ausnahme in Bollmanns Bekanntenkreis: "Er verachte dieses Durchgewurstele und könne nicht verstehen, warum Merkel so beliebt ist.
Nicht dass mir solche Argumente unbekannt gewesen wären. Als CDU-Berichterstatter hatte ich sie schon oft gehört. Von Christdemokraten. Aber im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis? Von Leuten, die ich im Verdacht habe, habituell die Grünen zu wählen?" Und dann beruft er sich noch auf "Umfragen" (mit denen ja bekanntlich jede Position untermauert werden kann): "Grünen-Anhängern ist Merkel näher als der biedere Lipperländer Frank-Walter Steinmeier."
Was sagt uns das? Genau. Wahl? Was für eine Wahl? Merkel wird noch viereinhalb Jahre weiterbeten.









 








Die Wahrheit über Hans-Hermann Tiedje

Der Kerl war mal Chefredakteur der Bild-Zeitung, und er gehört zu den übelsten Charakteren, die jemals auf eine Tastatur getippt und Texte von sich gegeben haben: Hans-Hermann Tiedje. Zu meiner großen Erleichterung iss er mir jahrelang nicht mehr untergekommen. Bis gestern. Da zitiert ihn Christian Semler. Und woher stammt das Zitat? Genau, aus Bild. Und da schreibt Hans-Hermann Tiedje: "Unruhen und brennende Barrikaden, ja selbst der Tod von Rudi Dutschke haben ihren Ursprung direkt im Auftragsbereich von Erich Mielke, dem Stasi-Minister der SED (heute Linkspartei)."
Dieser Satz ist an Niederträchtigkeit schwer zu überbieten, vor allem die Nachbemerkung in Klammern. Hier trifft mal wieder zu, was beim taz-Kongress im April jemand über Ulf Poschardt geschrieben hat: "Glaubt bloß nicht, dass der Kerl so dumm ist, dass er glaubt, was er sagt." Nein, so dumm ist Tiedje nicht. Es ist schwer, wahrheitsgemäß über diese Ausgeburt eines Lügenblatts aufzuklären, ohne sich juristisch angreifbar zu machen. Deshalb wünsche ich ihm von ganzem Herzen, dass ihn der Blitz beim Scheißen trifft.

Der kleine journalistische Propagandakasten (Fortsetzung)

Die Israel-Korrespondentin Susanne Knaul ist mal wieder voll in ihrem Element. Im Libanon ging ein Ring israelischer Agenten hoch. 18 Personen wurden verhaftet. Ich nehme mal an, Knaul berichtet wahrheitsgemäß: "Die für die israelischen Geheimdienste Mossad, Schin Beth oder den militärischen Abwehrdienst Amman tätigen Agenten hatten zudem die Aufgabe, Informationen über militärische Anlagen einzuholen." So weit, so üblich. Und was macht Kaul mit der zweiten Hälfte des Beitrags? Propaganda gegen Hassan Nasrallah, den Anführer der Hisbollah. Der versuche nun, "aus der Sache politischen Profit zu schlagen." Na ja, wer kann es ihm verdenken? Um ihn zu diskreditieren, greift Susanne Knaul zu den bewährten Bausteinen aus dem journalistischen Propagandakasten.
1) Man zitiere möglichst Empörendes ohne Quellenangabe: "Fangt an, die Verräter aus der schiitischen Gruppe zu exekutieren", hatte Nasrallah, laut Knaul, am Wochenende vor Anhängern gefordert.
2) Man zitiere aus neutralen Quellen der Wahrheit, zum Beispiel Äußerungen des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman, der wiederum das über alle Zweifel erhabene Nachrichtenmagazin Der Spiegel als Beweis anführt. Dort stand nämlich, "die Hisbolllah", nicht Syrien sei für den Tod Rafik Hariris verantwortllich, der im Februuar 2005 bei einem Bombenanschlag ums Leben kam. Das greift Lieberman selbstverständlich hocherfreut auf: "Die Informationen beweisen einmal mehr, mit wem wir es zu tun haben." Knaul weiter: "Laut Spiegel ist der Auftrag zum Mord von Nasrallah persönlich erteilt worden, weil sich dieser im Jahre 2005 über die große Popularität und Unterstützung Hariris im Libanon geärgert habe."
Was die Hisbollah zu diesen Spekulationen eines deutschen Nachrichtenmagazins sagt, erfährt der taz-Leser nicht, lediglich die Reaktion Liebermans. Also gucken wir doch mal, ob es nicht andere Quellen gibt, muss ja nicht die offizielle Website der Hisbollah sein. Auch bei CNN erfährt man: Nasrallah hat die Beschuldigungen inzwischen zuurückgewiesen und den Spiegel beschuldigt, die israelische Seite zu unterstützen, um die Parlamentswahlen am 7. Juni zu beeinflussen. Da könnte was dran sein. Interessant erscheint mir dabei die Aussage einer Sprecherin des UN-Tribunals in Den Haag, auf dessen Ermittlungen sich der Spiegel beruft. Laut CNN sagte Radhia Achouri, dass sie "nach den Gepflogenheiten des Tribunals zu Spekulationen in den Medien keinen Kommentar abgebe. Das 'Tribunal lasse sich nicht in Mediendebatten über den Stand der Ermittlungen hineinziehen'. Sie fügte noch hinzu, die Medien sollten sich auf die offiziellen Informationen verlassen, die vom Tribunal herausgegeben werden."
Wenn das keine Watschn für die Spekulationen des Spiegel ist!
So geht Journalismus. Egal ob es stimmt oder nicht, irgendwas bleibt schon hängen, Hauptsache es schadet meinem politischen Gegner. Auf welcher Seite Susanne Knaul steht, hat sie ja schon beim Gaza-Feldzug mehr als deutlich gemacht.

Deutschland? Alles Spitze!

Die taz war zum Jubiläum voll mit Beiträgen, wie klasse hier alles läuft, und "60 Jahre Grundgesetz" sei eine einzige "Erfolgsgeschichte". Gut, dass es noch taz-Leser gibt, wie Roland Klose aus Bad Fredeburg. Er erinnert daran, dass 1990 sowohl Regierung als auch Gewerkschaften groß getönt hatten, die Ost-Löhne innerhalb von zehn Jahren den West-Löhnen anzugleichen. Klose weist auf die Gegenwart hin: "Mittlerweile läuft es in unserer 'globalisierten, von Lohn-Dumping geprägten Welt' in Deutschland darauf hinaus, die West-Löhne den Ost-Löhnen anzupassen. Können und dürfen wir da überhaupt noch von einer Erfolgsgeschichte des Grundgesetzes sprechen, wenn in der Praxis ganz andere Maßstäbe gelten?"

Die Büffelkuh und das Fischlein

Es kam einmal eine große Büffelkuh an ein Bächlein, um zu trinken; sie hatte einen unersättlichen Durst und soff ohne aufzuhören.
In dem Bächlein aber wohnte ein Fischlein, das war immer sehr lustig, hüpfte und sprang und spielte mit den glitzrigen Steinchen.
Es fürchtete nun, die Büffelkuh werde ihm das Wasser alles saufen und rief ihr zu: "Warum säufst du so viel? Soll ich etwa auf trockenem Sand bleiben und umkommen? Höre auf, nicht dass ich über dich komme!"
Aber die Büffelkuh spottete und brummte: "Boah! Du kleiner Schnips, ich werde mich gleich vor dir fürchten! Pass auf, dass ich dich nicht verschlinge!", und soff weiter und weiter, bis kein Wasser im Bächlein war.
Da wurde das Fischlein sehr, sehr zornig, sprang heraus und verschlang mit einem Mal das große Tier.
Nicht wahr, es geschah der Büffelkuh recht? Warum hat sie dem armen Fischlein alles Wasser gesoffen und hat es dazu auch noch verspottet?

Das hab ich in dem Schweizer Magazin Zeitpunkt gefunden (www.zeitpunkt.ch). Die haben es wiederum aus "Sächsische Vollksmärchen aus Siebenbürgen", gesammelt von Josef Haltrich. Mehr davon gibt es auf www.maerchenstiftung.ch


27. Mai 2009

BKK*): Die Krähe war's

Julia:
Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern.
Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche,
Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang;
Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort.
Glaub, Lieber, mir: es war die Nachtigall.

Romeo:
Die Lerche war´s, die Tagverkünderin,
Nicht Philomele; sieh den neid´schen Streif,
Der dort im Ost der Frühe Wolken säumt.

Tja, die Julia, klarer Fall von Wunschdenken! Sich nur aufs Gehör zu verlassen, führt zu falschen Schlussfolgerungen. Romeo sucht lieber noch am Himmel nach sichtbaren Anzeichen und ist dann sicher: Die Lerche war's. Und weil solche Unterscheidungen schon wichtig sein können (Romeo weiß beim Lerchengesang: "Nur Eile rettet mich, Verzug ist Tod"), muss ich hier unbedingt dem taz-Kulltour-Redakteur Andreas Fanizadeh zurufen: Die Krähe war's!
Auf einer Reise in die österreichische Hauptstadt besuchte der taz-Mann gleich zwei Bühnenhäuser und schreibt über die Aufführungen. Brav, so erfährt der Leser, dass es immer noch Leute gibt, die ins Theater gehen. Eingangs richtet der Redakteur den Blick in die weitere Umgebung: "Wanderer, trittst du in Wien auf den Balkon und schaust auf grüne Hügel in der Ferne, dann, ja dann hörst du mit großer Wahrscheinlichkeit den Ruf einer Krähe (oder ist's ein Raabe?): 'Krah-krah.' Es rauscht so sicher aus der Luft heran wie das Zischen vorbeifahrender Autos von der Erde."
Ein, zugegeben, selten poetischer Einstieg zu einem Beitrag über Theater, weshalb ich dem Mann gern behilflich bin: Nein, es war kein Raabe, auch kein Rabe, es war eine Krähe. Woher ich das weiß? Nun, der Raabe mit Doppel-A kommt zwar in der Literaturgeschichte vor und heißt Wilhelm, aber er fliegt nicht durch die Luft und macht auch nicht Krah-krah. Und der Rabe mit einem A hat sich zwar in den letzten Jahren bestandsmäßig etwas erholt, aber sein Aufenthaltsort beschränkt sich leider immer noch auf die Alpen und einige Gegenden Norddeutschlands. Weshalb diese großen, schwarzen, hochintelligenten Vögel, die in unseren Großstädten häufig vorkommen, immer Krähen sind - kleiner als Raben, mit kleineren Schnäbeln, und offenbar dem Stadtleben aufs vollkommenste angepasst. Zumindest hier in München, wo man sie jeden Abend tausendfach, Sommer wie Winter, in den Bäumen am Chinesischen Turm beobachten kann. Allein schon die Tatsache, dass sie den Menschen so weit wie irgend möglich einfach ignorieren, spricht für ihre Intelligenz. Darüber hinaus weiß man inzwischen, dass sie Werkzeuge benutzen, um an Essbares zu kommen, und essbar ist für Krähen bis auf Plastik fast alles.

So weit zum Einstieg. Am Ende des Artikels kommt dann Redakteur Fanizadeh auf den unverwüstlichen Sänger von Black Sabbath zu sprechen, von dem im Theater behauptet wird: "Ozzy Osbourne hat einmal gesagt, nur weil ich Paranoia habe, heißt das nicht, das ich verfolgt werde." Dazu wäre zu sagen: Es muss nach dem Komma "dass" heißen. Und ob jetzt die Theaterleute oder der taz-Redakteur das Zitat falsch wiedergeben, weiß ich nicht. Nur eines ist sicher: Viel witziger wäre doch, wenn Ozzy gesagt hätte: "Nur weil ich Paranoia habe, heißt das nicht, dass ich nicht verfolgt werde."
Hm?

*) Besserwissers Kurzkolumne

Zitat

"Dabei überträgt sich die Enge der Verhältnisse bisweilen auf den Film, die Autoritätskritik Hanekes wirkt umso autoritärer, je unbarmherziger, je rigider sie vorgetragen wird."
- Cristina Nord über "Das weiße Band", der Film von Michael Haneke, der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

Furcht vor dem Pferdewahn! Todeskraut! Noch tödlicher als Schweinegrippe! Kauft Unkrautvertilgungsmittel! Massenhaft!

Kaum sind wir der Todesgrippe entkommen, wird Deutschland von der nächsten tödlichen Seuche bedroht: "In Baden-Württemberg habe es schon einen Todesfall mit Pyrolizidin-Alkaloiden gegeben, berichtete Helmut Wiedenfeld von der Bonner Universität." Bevor Sie sich jetzt die Zunge brechen, kürzen wir die hochgefährliche Substanz einfach ab: PA. Das Zeug wird von dem gelb blühenden Jakobskraut produziert, und das "verbreitet sich rasch in Deutschland", am Wegesrand und auf Weiden. "Inzwischen häufen sich in Deutschland Todesfälle bei Pferden." Und weshalb? Das hat Herr Wiedenfeld auch schon herausgefunden: Die "wachsende Verbreitung sei auch darauf zurückzuführen, dass Brachflächen nicht mit Herbiziden behandelt würden und dort bereits Monokulturen entstünden."
Ob die "Experten von der Bonner Universität" von BASF oder anderen Herstellern von Unkrautvertilgungsmitteln finanziert werden, steht leider nicht in der dpa-Meldung.


28. Mai 2009

Immer mehr Angst vor Killerkraut! Bayern am bedrohtesten! Erste tödliche Todesfälle! Pferde- und Rinderalarm!

Wie bereits gestern hier und vorgestern von dpa gemeldet: Die grauenvolle Jakobskraut-Epidemie breitet sich aus. Schon haben sich Bürgerkomitees gebildet, die der entsetzlichen Killerpflanze, die auch unter dem Namen Kreuzkraut bekannt ist, den Kampf angesagt haben. Es wird aber auch höchste Zeit, denn Klaus Gehring vom Institut für Pflanzenschutz hat jetzt erschütternde Zahlen vorgelegt: "In Bayern starben im vergangenen Jahr 2 Rinder an Vergiftungen durch das Kreuzkraut sowie 1 Pferd. Die Dunkelziffer könnte aber höher liegen."
Und was tun unsere Politiker um Licht in die Dunkelziffer zu bringen? Nichts. Von keinem gewählten Volksvertreter oder Minister liegen bisher Äußerungen zu dieser tödlichen Bedrohung vor. Da bleibt dem Bürger nichts übrig, als selbst zu handeln. Während die Wissenschaftler der Uni Bonn die Herbizide großer Chemiekonzerne empfehlen, rät der "Arbeitskreis Kreuzkraut" zu radikalen Selbsthilfemaßnahmen. Die Internetseite br-online berichtet dazu: "Sobald man eine Kreuzkraut-Pflanze in seinem Garten entdeckt, sollte man sie ausreißen, möglichst verbrennen oder im Hausmüll entsorgen, rät der Arbeitskreis Kreuzkraut. 'Ich würde sie nicht in meinem Garten tolerieren', sagt Klaus Gehring."
Jeder verantwortungsbewusste Bürger wird ihm angesichts der bedrohlichen Lage von ganzem Herzen zustimmen. Es soll auch schon Selbsthilfegruppen geben, die in Seminaren die korrekte Aussprache des Jakobskraut-Wirkstoffs
Pyrolizidin-Alkaloid üben.

Märklin darf nicht sterben!


Ob das jemand mitbekommen hat bei den Nachrichten über die Pleite des Modellbahnherstellers Märklin? Falls nicht, sei hier daran erinnert: "Das traditionsreiche Unternehmen Märklin war 2006 von den Investoren Kingsbridge Capital und Goldman Sachs übernommen worden und hatte am 4. Februar dieses Jahres Insolvenz angemeldet."
Ah, Goldman Sachs! Man erinnert sich? Einen kurzen Überblick über die Aktivitäten von Alexander Dibelius, des Vorsitzenden von Goldman Sachs finden sie hier.

Generation 50 plus Dünkel

Hoffentlich glauben jüngere Leser nicht, dass diese hochnäsige, herablassende, dünkelhafte, eingebildete Dummbeutelei, die Klaus-Peter Klingelschmitt in seiner Kolumne "Älter werden" verbreitet, typisch für die "Generation 50 plus links" sein könnte. Nein, sie ist genau so wenig typisch, wie die Leute, die Klingelschmitt verhöhnt, für die Jüngeren typisch sind, die er "Generation Rap plus Porno" nennt: "Auch auf von überall tätowierten glatzköpfigen Stechern (alles Autodidakten) selbst noch in die Schamlippen - female - oder das Skrotum - male - gepiercte Gardinenringe können wir gerne verzichten; nicht nur aus ästhetischen Gründen. Aus dem Alter sind wir - Gott oder wem auch immer sei Dank - raus!"
Nun kann man auf diese Dünnpfiffkolumne nicht nur aus Gründen, die mit dem grauenhaften Schreibstil zusammenhängen, gerne verzichten. Aber wenn dann völlig sinnfreie Sätze wie der folgende drinstehen, komme ich doch ins Grübeln: "Leider herrscht aber auch in den Köpfen dieser Containerkinder (Big Brother), die in der Informationsgesellschaft heute - im Gegensatz zu uns damals (es gab ja noch nicht mal eine taz) - viel Finsternis."
Was, bitte, könnte der Autor damit meinen? Sieht er nur die Finsternis im Kopfe des anderen, nicht aber das Vakuum in dem seinen?

-----------------------------------------------------------Kommentar am 6. Juni 2009
Anyway. Nur zwei Anmerkungen zu Ihren falschen Schlussfolgerungen: An "dumm" daher kommenden Textpassagen in Zeitungen und Zeitschriften ist nicht immer der Autor schuld. Redigierfehler oft gepiercter Jungredakteuere kommen häufig vor - und sind ein permanentes Ärgernis auch in der taz. Der von Ihnen monierte Satz lautet - von mir aufgeschrieben - vollständig: "Leider herrscht aber auch in den Köpfen dieser Containerkinder (Big Brother), die in der Informationsgesellschaft heute - im Gegensatz zu uns .... - doch alles besser wissen müssten (!), viel Finsternis."
Der entscheidende Halbsatz zum Verständnis fiel einem plötzlich entdeckten Übersatz von 30 Zeichen zum Opfer; da geht es vor Redaktionsschluss dann zu wie beim Kofferpacken bei Charlie Chapin: Was rausguckt, wird abgeschnitten!

- Klaus-Peter Klingelschmitt, Redaktionsvertretung der Berliner tageszeitung (taz) in Frankfurt am Main

Politisch korrekt Schaum schlagen

Die Firma Adidas lädt in Rio de Janeiro in eine alte Villa zur Produktpräsentation ein, und jemandem fällt auf, dass die Kacheln am Rand des Swimming Pools Hakenkreuzmuster aufweisen. Daraus macht die taz eine drei Spalten lange, politisch schwer korrekte Schaumschlägerei mit zwei Fotos, auf denen mühsam Hakenkreuzkacheln zu erkennen sind. Und der Autor erinnert daran, dass Firmengründer Adolf Dassler im Zweiten Weltkrieg Panzerabwehrwaffen hergestellt hat. Was damit bewiesen werden soll? Dass Adidas eine gut getarnte Nachfolgeorgansiation der NSDAP ist? Man achte nur auf den Vornamen des Gründers!
Nächste Enthüllung demnächst in der taz: Die drei Streifen sind nichts anderes als geradegebogene Hakenkreuze.
Ach Gottchen.

Schöne Tage!

31. Mai 20009

Heute Pizza die Mai-Liste mit allem: Sex, Musik und Licht im Dunkeln

Bauernregel

Gibt's an der Uni
ne Prüfung im Juni
dann ist der Mai
vorbei

sonntaz des Monats: Tief und Hoch

Schwer gestört

Absoluter sonntaz-Tiefpunkt: Der dumm-arrogante, vom Dünkel eingebildeter Elitenzugehörigkeit geprägte Kurzbeitrag von Roger Willemsen über Heidi Klum am 16. Mai. (Ich will mich nicht noch mal aufregen, Sie finden meine gebündelte Empörung unter dem Titel "So geht Journalismus in Deutschland II" im tazblog-Eintrag vom 17. Mai. Da geht's auch noch darum, wie dümmlich ein Artikel über Hugo Chávez redaktionell angekündigt war.)

Matriarchat des Monats: Ehe? Sie lachen sich kaputt

sonntaz-Höhepunkt: Die sonntaz von gestern, die von der früheren taz-Redakteurin Ute Scheub zusammengestellt wurde. Nach dem Pfingstmotto "Heute nur gute Nachrichten" stellt Scheub über die gesamte sonntaz hinweg Menschen und Projekte vor, die "Eine neue Welt" sichtbar machen. Feine Sache, prima Idee!
Da interviewt zum Beispiel der Südamerika-Korrespondent Jürgen Vogt einen argentinischen Schriftsteller, Ricardo Coler, der den Globus nach einer von Frauen dominierten Gesellschaft abgesucht hat. Er findet sie bei den Mosuo in China und schreibt ein Buch darüber: "Das Paradies ist weiblich".*) Bei den Mosuo gibt es keine Ehe, die Frauen vögeln, mit wem sie wollen. Kinder bleiben bei der Mutter, der Mann spielt dabei keine Rolle. Häufig wissen die  Frauen gar nicht, von welchem Mann sie schwanger wurden.

Fragt Jürgen Vogt: "Wissen die Mosuo, was Heirat und Ehe bedeuten?"
Coler: "Ja, den Kindern wird sogar damit gedroht: Wenn du nicht brav bist, dann verheiraten wir dich. Die Kinder kennen Ehe als Horrorgeschichten. Mich haben sie gefragt, wie wir das machen. Ah, sagten sie, das muss toll sein. Dabei lachen sie sich kaputt, dass wir von etwas erzählen, von dem alle wissen, dass es nicht funktioniert."

*) Sag ich doch seit Jahr und Tag! Nachzulesen in der Novelle "Delfina Paradise", die irgendwo hier im tazblog mit einer penetranten Eigenanzeige beworben wird.

Bücher des Monats

- Bob Dylan, Chronicles Vol. 1. Deutsche Übersetzung von Kathrin Passig und Gerhard Henschel. Hat mich in einer schwierigen Zeit Anfang des Monats wieder aufgerichtet. Zitat: "Was Tag für Tag vor sich ging, den ganzen kulturellen Irrwitz, empfand ich als seelische Freiheitsberaubung; es ekelte mich an."
Ein paar Tage Pause, und ich konnte das tazblog etwas gelassener fortsetzen.

- Salwa Al Neimi, The Proof of the Honey. Englische Übersetzung von Carol Perkins. Ein ganz und gar ungewöhnliches Buch. Salwa Al Neimi, eine Syrerin, die in Paris lebt, hat es auf arabisch geschrieben. Es läuft zwar unter der Bezeichnung Roman, ist aber eher so was wie ein autobiographischer Essay zum Thema Sex in der klassischen arabischen Literatur vor, grob gerechnet, tausend Jahren. Al Neimi trennt das sehr strikt von der Literatur über Liebe, die es auch massenhaft gibt im Arabischen. Aber totgeschwiegen in neuerer Zeit wurde eben Sex, und das Verborgene holt Salwa Al Neimi wieder ans Licht der Gegenwart. "Arabisch", behauptet die Autorin, "ist für mich die Sprache des Sex. Keine Fremdsprache kommt ihr im Augenblick der Leidenschaft gleich, auch bei denen, die sie nicht sprechen - in solchen Augenblicken ist natürlich keine Übersetzung nötig."
Das Buch ist in vielen arabischen Ländern ein Bestseller, in anderen ist es verboten. Salwa Al Neimi beschreibt den Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen bereits in ihrem Buch im Gespräch mit einer Bekannten:
"Und wenn es verboten wird?"
Ich antwortete verächtlich: "Dann werde ich berühmt."
"Alle Schriftsteller träumen heute davon, dass ihre Bücher verboten werden, damit sie berühmt werden."
Und warum nicht? Wenn der Zensor sich auf eine solche Dummheit einlässt, warum nicht?

The Proof of the Honey ist auch auf Deutsch erschienen, unter dem etwas reduzierten Titel "Honigkuss".

Kurzgeschichte

Zufällig entdeckt: Der Scheißjob von Rena Dumont - zum Weinen schön. Sie finden die Geschichte einer Wurstverteilerin im Supermarkt als pdf-Datei auf Rena Dumonts Webseite unter "Texte", oder wenn sie hier klicken.

Musik: Der neue Boss - genau wie der alte

There's nothing in the street
Looks any different to me
And the slogans are replaced, by-the-bye
And the parting on the left
Is now the parting on the right
And the beards have all grown longer overnight

I'll tip my hat to the new constitution
Take a bow for the new revolution
Smile and grin at the change all around me
Pick up my guitar and play
Just like yesterday
Then I'll get on my knees and pray
We don't get fooled again
Don't get fooled again
No, no!

YAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!

Meet the new boss
Same as the old boss

Kommt Ihnen bekannt vor? Jepp, Won't Get Fooled Again von Who's next. Ein Freund hat sie als Schnäppchen ergattert, bei Saturn oder Media Markt, und mühsam das Booklet kopiert und die CD für mich gebrannt, und ich hab gemerkt, wie tief diese Klassemusik aus dem Jahr 1971 in meinem Gedächtnis verankert ist: Ich wusste immer noch, was als nächster Song kommt. Who's next war der aufregendere und rhythmisch interessantere Nachfolger zu Tommy, auf der die meisten Songs wie Marschmusik daherkommen. Nie waren The Who besser im Studio als auf Who's next (na ja, der Axel G. meint vielleicht noch auf Quadrophenia). Ich hab dieses Album nie zuvor auf CD gehört, und die Bandbreite der Töne, die Keith Moon aus seinem Schlagzeug herausklopft, ist in der digitalen Bearbeitung einfach umwerfend. Nicky Hopkins, der damals begehrteste Studiopianist, spielt Klavier auf einem Song, und Pete Townshend setzt zum ersten Mal Synthesizer ein. Das machte Stevie Wonder auch, aber erst im nächsten Jahr.
Auf dieser CD gibt's noch ein paar Bonus-Tracks, darunter eine frühere Aufnahme von Behind Blue Eyes und eine Live-Version von Water aus dem Young Vic Theatre in London:

Ooh we need water,
And maybe somebody's daughter

Beides wünsche ich Ihnen an Pfingsten in reichem Maße.

Licht im Dunkeln

Und als der Tag Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.

- Die Apostelgeschichte des Lukas, Das 2. Kapitel

Zitat des Monats

"Zwischen den Dummköpfen von rechts und den Wirrköpfen von links ist für mich kein Platz in Deutschland."

- Eric Voegelin, Professor für politische Philosophie (1901 - 1985), in einer Vorlesung an der Ludwig Maximilians Universität in München, Wintersemester 1967/68, als er ankündigte, wieder zurück in die USA zu gehen und sich in Palo Alto niederzulassen

Toren des Monats

Hans-Herrmann Tiedje; Thomas Schmid; Michael Wolffsohn; Wolfgang Kraushaar; BildWeltSpiegelFAZ: Die Arschgeigen-Gang sattelt wieder die Wahlkampfpferde.

Slogan des Monats

Enteignet Springer! Döpfner in die Spree!

Held des Monats

Josep Guardiola, 38, FC Barcelona. Warum? Er gewinnt in seinem ersten Jahr als Fußballtrainer die spanische Meisterschaft, den spanischen Pokal und die europäische Champions League.


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