1. August 2009
Heiter weiter
Meine Güte, es gibt Tage, da bin ich vom Zuspruch meiner Mitmenschen völlig überwältigt. Gestern Abend habe ich eine Mail erhalten, von jemandem, der mich mal hier im Blog total zur Sau gemacht hat. Und jetzt einfach menschlich und solidarisch auf die veränderten Umstände reagiert und mir die besten Wünsche schickt. Ein anderer wohlmeinender Mensch hat in seinem Buddhismus-Kalender nachgeguckt, was da am 2. Juli stand, dem Tag, an dem ich die Krebs-Diagnose erfahren habe. Weil ich den Autor des Zitats sehr schätze und den Inhalt sehr stark auf mich beziehe, will ich es Ihnen nicht vorenthalten:
"Wir hoffen, dass die Welt unbedingt die Erfüllung unserer Wünsche zulässt, und da das nicht der Fall ist, sind wir in den Fängen des Leidens. Unsere Suche nach dem Glück ist häufiger auf unsere Illusion gegründet als auf die Wirklichkeit. Es ist müßig, zu versuchen, die Welt nach unseren Launen zu gestalten; wir müssen vielmehr unseren Geist transformieren." - Matthieu Ricard
Sehr berührt bin ich auch von den Mails, in denen angefragt wird: "Heh, wie geht's weiter? Warum schreibst du keine neuen Einträge im Blog?" Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Zum einen hängt es mit meinem Energievorrat zusammen. Weil ich nachts seit Wochen nicht mehr durchschlafen kann, und alle ein, zwei Stunden aufstehen und ein nass geschwitztes T-Shirt gegen ein trocknes tauschen muss. Und dazwischen falle ich selten in Tiefschlaf. Die Folge: Ich hänge tagsüber ziemlich schlaff in den Seilen, lege mich zwei Mal für eine Stunde aufs Ohr, und habe wenig bis keinen Antrieb, mich an den Computer zu setzen. Ein weiterer Grund: Es gab nichts Neues, was den Kampf mit der Bedrohung angeht. Bis gestern. Da hat mich mein Allgemein- und ganzheitlicher Arzt anhand der neuen Blutwerte ernsthaft darauf hingewiesen, dass die Misteltherapie nicht so anspricht wie von ihm erhofft. Dass mir die Zeit davonläuft. Dass ich bald Auswirkungen der geschädigten Leber spüren werde, gegen die irgendwelche Nebenwirkungen von Chemotherapie wie ein Klacks erscheinen würden: "Ich kann Ihnen nur einen Rat geben: Gehen Sie zur Chemotherapie ins Krankenhaus Rechts der Isar." Und das werde ich tun.
Eintrag vom 1. August 2008:
Bundesfeier
Heute begeht die Schweiz ihren Nationalfeiertag, die Bundesfeier. Da wehen überall die farbvertauschten helvetischen Rotkreuzfahnen, auf den Bergen brennen frohgemut die Holzfeuer, und jeder Schweizer mobilisiert seinen patriotischen Kern, dass es einem ganz rotweiß vor Augen wird. Machen Sie mit! Werden Sie heute Schweizer! Das geht ganz einfach: Schneiden Sie das unten eingeblendete Emaille-Schild aus und schrauben Sie es an ihrer Auto-, Haus- oder Wohnungstür fest (dazu brauchen Sie nur vier einfache Schrauben, die hier nicht im Lieferumfang inbegriffen sind).
Ein herzhaftes Grüezi beisammen! Hopp Schwyz! 2. August 2009
Wen wundert's?
Ich habe eine große Zärtlichkeit und Bewunderung für die Erde und keine Spur davon für meine Generation. - Ernest Hemingway, US-amerikanischer Schriftsteller (1899 - 1961)
WWN*)
Wir sind schwanger!
Nach Wochen der Heimlichkeiten gehen Boris Becker und Lilly in die Offensive und verkünden die frohe Botschaft. Für Ex-Tennisstar Becker ist es bereits das vierte Kind.
*) Wirklich Wichtige Nachrichten (von web.de) 4. August 2009
Ein Jahr Finanz- und Wirtschaftskrise: September 2008 bis August 2009
Wahlkampf: Josef Ackermann ist es scheißegal, wer unter ihm Kanzler wird.
Meet the new boss ............................ same as the old boss.
(The Who, Won't get fooled again)
Zeichen und Wunder: Ein taz-Interview mit dem Dalai Lama
Gestern morgen habe ich wirklich meinen Augen nicht trauen wollen: Eine ganze Seite Interview mit dem Dalai Lama in der taz. Und noch dazu von der Redaktion mit allem Respekt und aller Ernsthaftigkeit vorgestellt, die dem geistlichen Oberhaupt eines Volkes angemessen sind. Das könnte man bei jeder anderen Zeitung unter Selbstverständlichkeit abhaken, bei der taz nicht. Gewöhnlich werden beim Thema Dalai Lama eimerweise Häme verschüttet und pubertäre Witzchen vom Stapel gelassen - ein deutlicher Hinweis darauf, dass taz-Redakteure (vor allem die auf der Wahrheit-Seite) entweder Angst vor Spiritualität haben, oder einfach nur a bisserl bläd sind. Das Interview von Klemens Ludwig klammert spirituelle Fragen aus und konzentriert sich auf die Politik. Wobei der Dalai Lama seine Haltung mit der ihm eigenen Klarheit, Gelassenheit und Vernunft darlegt. Diese Haltung hat er unermüdlich und immer wieder in diversen Büchern vertreten, und wer wollte, konnte schon vor zwanzig Jahren seine Einsichten in politische Zusammenhänge bewundern - es gibt bis heute nur wenige Politiker weltweit, die auch nur annähernd sein Niveau erreichen. Die Vorschläge zur Umwandlung Tibets in eine atomwaffenfreie Zone (aus "Das Buch des Friedens") könnten ebensogut auf die Umwandlung in eine atomwaffenfreie Erde übertragen werden. Es müsste nur genug Menschen geben, die ihre Regierungen endlich dazu zwingen, diese Ideen zu verwirklichen. Es könnte ja sein, dass Barack Obamas Initiative ein neuer Vorstoß in diese Richtung ist. Sehr aufschlussreich finde ich eine Bemerkung im taz-Interview, dass die Regierung (und damit wohl auch die Reinkarnation) des Dalai Lama mit ihm zu Ende geht: "Seit 2001 gibt es eine politische Führung im Exil, die durch freie und geheime Wahlen an die Macht gekommen ist. Damit endet die 400 Jahre alte Tradition, wonach der Dalai Lama das spirituelle und politische Oberhaupt der Tibeter ist." Das haben nur wenige Menschen hierzulande mitbekommen, was aber nicht verwunderlich ist: Dümmliche Witze und unverdauter Atheismus allein reichen eben nicht aus, um Leser zu informieren. Ob dieses Interview der neuen Chefredakteurin Ines Pohl zu verdanken ist? Falls ja: Diese Art Veränderung wird der taz gut tun.
6. August 2009
Schuldscheine
"Die moderne Industriegesellschaft ist eine fanatische Religion. Wir demolieren, vergiften und zerstören alle Lebenssysteme auf diesem Planeten. Wir zeichnen Schuldscheine, die unsere Kinder nicht werden einlösen können ... Wir handeln, als seien wir die letzte Generation auf diesem Planeten. Ohne einen radikalen Wandel in unserem Herzen, in unserem Geist und in unserer Vision wird die Erde enden wie die Venus: tot und verkohlt." - José Antonio Lutzenberger, Sunday Times, März 1991
Gut gefragt
Zum Lazarus
Lass die heilgen Parabolen, Lass die frommen Hypothesen - Suche die verdammten Fragen Ohne Umschweif uns zu lösen.
Warum schleppt sich blutend, elend, Unter Kreuzlast der Gerechte, Während glücklich als ein Sieger Trabt auf hohem Ross der Schlechte?
Woran liegt die Schuld? Ist etwa Unser Herr nicht ganz allmächtig? Oder treibt er selbst den Unfug? Ach, das wäre niederträchtig.
Also fragen wir beständig, Bis man uns mit einer Handvoll Erde endlich stopft die Mäuler - Aber ist das eine Antwort?
- Heinrich Heine (Gedichte, 1853)
8. August 2009
Kurze Denkpause
08. 08.08 - vor einem Jahr ging's los mit den Oly-Spielen in Peking, und hinten weit in der Georgei prallten zwei Völker aufeinander. Ich hab damals das I Ging befragt, und es hat gesagt, das sei nicht weiter tragisch, der Donner verzieht sich. So kam's dann auch. (Nachzulesen im Eintrag vom August 2008, hier oben zu finden unter "Blog + E-Books".) Am selben Tag bin ich nachmittags hinter einer 17er Trambahn hergespurtet, und hab sie doch nicht mehr erreicht. Weil ich den Reißverschluss an der hinteren Außentasche des Rucksacks nicht zugezogen hatte, fiel beim Laufen meine Jensen-Armbanduhr raus - vom iBook abgesehen wahrscheinlich das teuerste Teil in meinem Besitz. Vermisst hab ich sie erst später, beim Fundbüro ist sie nie aufgetaucht. Man soll sein Herz nicht an materielle Dinge hängen.
Und wie geht's weiter?
Ab Dienstag, 11. 8., ist meine Adresse Krankenhaus Rechts der Isar, Ismaningerstraße, München. Voraussichtlich fünf Tage dauert die erste Chemotherapie, und seit gestern bin ich körperlich vorbereitet: In den frühen Morgenstunden, nachdem ich von einem klinisch irren Pfleger in den OP-Saal geschoben wurde, hat mir ein netter junger Chirurg einen Port implantiert. Was das ist? Ein kleines Plastikkästchen, das, mit einer Membran und einem Schlauch versehen, unter die Haut eingesetzt wird. Durch die Membran kann jederzeit eine Infusion gespritzt werden, denn der Schlauch ist mit einer Ader verbunden worden, die ihrerseits in die Schlüsselbeinvene mündet - auf diese Weise muss nicht jedes Mal eine neue Vene gesucht und angestochen werden. Schlau, gell? Ich werd immer kraftloser, die fröhlichen Fahradtouren isarauf- und -abwärts sind schon seit über einer Woche mangels Energie gestrichen. Ich lieg viel auf dem Rücken rum, meist mag ich nicht mal Musik hören, sogar Mozarts Requiem hat mich neulich arg genervt. Pop- und Rockmusik? Vergiss es. Ich kann kaum noch Bayern 4 Klassik ertragen. Mei Ruah mog i haben. Schlimm: Nicht mal das Bier will mir schmecken, schon beim zweiten frag ich mich, warum ich nicht nach dem ersten aufgehört habe. Schlimm. Moni Schopp aus Berlin, die wunderbare Exlebensgefährtin aus den frühen Achtzigern, hat mir ein faszinierendes Buch geschickt: "Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben", verfasst von Sogyal Rinpoche. Genau, was ich jetzt brauche und bei schlaflosen nächtlichen Toilettensitzungen mit großem Eifer lese. Im Gegensatz zum berühmten "Tibetischen Totenbuch" wendet sich Sogyal nicht an Wissenschaftler und Eliten - er kann so schreiben, dass jeder gutwillig Interessierte es verstehen kann - ein Schriftsteller nach meinem Herzen. Ein ganz herzliches Dankeschön, liebe Moni, Segen auf deinen Wegen. Ich melde mich wieder, bleibt mir gewogen.
Der taz-Chefreporter: König der Lemminge
Leute, die sich Fernreisen mit dem Flugzeug immer noch schön reden, denken wie Lemminge: Mal sehen, wie lange es noch bis zum Abgrund dauert - gib Gas, ich will Spaß! Aber als Journalist hat man ja ein bewährtes Mittel gegen schlechtes Gewissen: Einfach über die eigene Dummheit schreiben, schon tut sie nicht mehr so weh.
22. August 2009
Trompete blasen
Es gibt mich noch. Aber so richtig viel Energie habe ich auch eine Woche nach der Entlassung und drei Tage nach Abschluss der ersten Chemotherapie nicht, um ausführlich über das Klinikum Rechts der Isar und meine Abenteuer zu berichten. Was die Betreuung dort, die Zuwendung und Kompetenz der Ärzte betrifft, scheint das zu stimmen was mir U. W. aus Berlin von einem Fachmann mitgeteilt hat: Die erste Adresse in Deutschland. Dazu kommt, dass es auf dieser Station Krankenschwestern gibt, die ihre Aufgabe mit so viel Sachkunde, Aufmerksamkeit für die Patienten, Hingabe an ihren Beruf und, ja, Liebe, erfüllen, dass mir manchmal fast die Tränen gekommen sind. Ob man die Gehälter der Ackermänner dieses Landes nicht an die wahren Leistungsträger unserer Gesellschaft, die Kranken- und Nachtschwestern auf den Stationen der Schwerstkranken, verteilen könnte? Schön ist: Seit ein paar Tagen spüre ich, wie meine Lebenskraft zurückkommt. Und dann hat es heute in den frühen Morgenstunden auch noch angefangen zu regnen, und die Temperatur ging auf 15 Grad runter. Aaaah - was für eine Wohltat! Tage mit 34 Grad sind für kranke Menschen eine echte Zusatzbelastung. Voller Dankbarkeit höre ich zu, wie draußen der Regen seit Stunden in die Bäume rauscht.
Wir können auch die Trompete blasen, und schmettern weithin durch das Land; Doch schreiten wir lieber in Maientagen, Wenn die Primeln blühn und die Drosseln schlagen, Still sinnend an des Baches Rand.
- Theodor Storm (1817 - 1888)
24. August 2009
Brief nach Südafrika
Will you still need me Will you still feed me When I'm sixty-four - The Beatles, 1967
Grüß dich, Afrika-Huck, wenn ich da wäre, wo du bist, hätte ich meinen 64. Geburtstag wahrscheinlich nicht erlebt. Und jetzt bin ich schon einen Tag älter, und jeder Tag zählt in diesem Zustand extrem erhöhter Wahrnehmung, in dem ich mich seit zwei Wochen befinde. Wenn du auf dem Laufenden bleiben willst, dann schau mal gelegentlich bei HANSblog vorbei, da versuche ich, Freunde, Cyber-Nachbarn und Bekannte einigermaßen zu informieren. So weit es die "Fatigue" zulässt. Letzteres ist tatsächlich der medizinische Fachausdruck für den mit der Chemotherapie verbundenen Energiemangel - viel schlapp und schlaff. Danke für die Musik-Dateien - nö, kein Interesse, brauch ich alles nicht, und DVD-Player hab ich eh keinen (siehe Halbsatz vorher). Schön, dass du das Doors-Buch wiedergelesen hast. Belebend hat es auf dich gewirkt? Aaah, der Autor verneigt sich, so soll es sein. Ich hab neulich beim Abstauben drin geblättert, und mir gedacht: Hat die Jahre gut überstanden, und wenn ein paar Menschen aus der HighTech-Spielzeug-Generation es lesen und eine Anregung zum Aufstand gegen den vorherrschenden Wahnsinn bekommen, wäre ich schon sehr froh. Du hast also 45 Kilometer bis zum nächsten Arzt? Heh, Huck, mach dich vom Acker! So einen Wohnort kann man mit 20, 30, 40 Lebensjahren wählen, aber wer da mit 60 rumhängt, hat nicht mehr alle Afrikaner in der Hütte. Du spinnst für mich. Mein Arzt ist keine fünf Minuten zu Fuß entfernt, und das hoch gelobte Klinikum für meine Art von bösartigem Befall zwanzig. My little town. Ich wünsch dir das Beste - Hans
25. August 2009
Entdeckung
Was macht der Mensch, während er sich von der Chemotherapie erholt? Lesen, lesen, lesen. Und die ganze Zeit, als ich im Krankenhaus lag, und in den Schwachtagen danach, wartete, seit Anfang August, in der Buchhandlung Waldmann in der Inneren Wiener Straße ein Buch auf mich: "Teil der Lösung" von Ulrich Peltzer. Nun hatte ich - außer zwei Kommentaren in der taz - noch nie etwas von Ulrich Peltzer gehört oder gar ein Buch von ihm gelesen. Da fiel mir, weiß Gott woher, die Information zu, dass im August "Teil der Lösung" als Taschenbuch erscheint, und ich hab's gleich telefonisch bestellt. Freitag endlich konnte ich es abholen, Samstag fing ich an zu lesen, Montagabend hatte ich es durch, und fing vor lauter Abschiedsschmerz von vorne an. Was für ein Gigant, dieser Ulrich Peltzer! Ich war dem Himmel dankbar, dass so ein begnadeter Schriftsteller zu meinen Zeitgenossen gehört (er ist Jahrgang 1956), und dass ich dieses Buch lesen durfte. Besser kann das Berlin der Gegenwart keiner beschreiben. Anders vielleicht schon, aber wer könnte Peltzer mit seiner unfassbaren Stilsicherheit und Intensität auch nur das Wasser reichen? Ich kenne nicht viel aus der Abteilung "Zeitgenössische Literatur, deutsch", das gebe ich zu. Doch selten habe ich mich auf so hohem Niveau so gegenwärtig gefühlt beim Lesen eines Buches. Der Klappentext reduziert den Roman auf eine Liebesgeschichte - typisch, so nimmt man ihm den Stachel. Dabei ist es ein ebenso grandioser wie verzweifelter Versuch, die Geschichte des anarchistischen Widerstands - am Beispiel der Roten Brigaden im Italien der siebziger und achtziger Jahre - ins Berlin der Gegenwart zu bringen. Lieber Ulrich Peltzer, falls Sie diese Zeilen jemals lesen, möchte ich Ihnen sagen: Ich habe Mut, Kraft und Hoffnung aus Ihrem Buch geschöpft, und dafür möchte ich Ihnen von ganzem Herzen danken.
28. August 2009
Laaange nicht gesehen
Valerie, ich fass es nicht! Das sind ja nichts als gute Nachrichten, was die Veränderungen in deinem Leben betrifft. Ganz ehrlich: Hätte ich dir nicht zugetraut, aber der Mensch wächst wie ein Baum, und der Wandel ist das einzig Beständige (entschuldige die Binsenweisheit, stimmt trotzdem). Selbstverständlich erinnert mich deine Tätigkeit in der ambulanten Pflege an diese liebevollen Krankenschwestern im Klinikum Rechts der Isar und an anderen Orten. Sie wissen, dass es richtig und wichtig ist, was sie tun, und gehören wahrscheinlich zu den am wenigsten neurotischen Menschen in dieser Stadt. - Die Relax-Bilder macht mein Computer nicht auf, hat kein Programm dafür. Muss ich nicht unbedingt haben. - Dein Angebot, für mich einzukaufen, nehme ich gerne an, wenn es notwendig ist. Das ist aber im Moment nicht der Fall, und ich krieg so richtig einen Freudenschub, weil ich das selbst machen kann. Und ich kann wieder schlafen - vor der Chemotherapie hab ich kaum Schlaf gekriegt und jede Nacht vier oder fünf T-Shirts durchgeschwitzt. Das ist jetzt nicht mehr so, und letzte Nacht hab ich bestimmt sechs Stunden richtig geschlafen. Ich weiß nicht, wie ich am Montag drauf bin. Um halb acht in der Früh wird mir mal wieder Blut abgezapft, und danach bin ich meistens reif zum Hinlegen. Der Arzt meint, das kann gar nicht sein, aber zwei Mal die Woche Blutabnahme ... Heh, muss ich ja wieder ersetzen. Was mich fröhlich macht: Von Appetitlosigkeit, der weit verbreiteten Nebenwirkung von Chemotherapie, bin ich nicht betroffen. Beim Rewe stöber ich durch die Regalreihen und nehm alles mit, worauf ich Appetit habe - nix mehr Sportlerdiät: Käse mit sechzig Prozent Fett, immer nen Klacks Butter in die morgendliche Hähnchen-Bouillon-Brotsuppe und abends auf die Tortelloni, und weil ich nicht viel auf einmal essen kann, bin ich tagsüber dauernd mit Häppchen aller Art beschäftigt. Ich muss dringend zunehmen, und ich habe den Eindruck, das tu ich auch. Morgen geh ich runter in die Konditorei (ein paar Meter die Montgelasstraße hoch im Nachbarhaus) und kauf mir irgendein Stück Matschtorte - hab ich seit Jaaahren nicht mehr gegessen. Ruf mich doch mal an, nur nicht so früh am Tag. Love & peace & joy - Hans
31. August 2009 Internationaler Blog-Tag?!??
Na schön, heute ist Internationaler Blog-Tag, und das steht für die meisten Leute als Meldung in etwa auf einer Stufe mit der Nachricht, dass in Untergiesing mal wieder ein Fahrradl umgefallen ist. Aber die Blog-Tradition will es (seit etwa 1897), dass jeder Blogger an diesem Tag seinen Lesern fünf Blogs empfiehlt. Michael Kausch, der zu den IT-Experten gehört, die zusammen czyslansky.net betreiben, hat das Folgende auf seiner Seite veröffentlicht. Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen beinahe geheult habe:
"An diesem Tag, so will es seit fünf Jahren der Brauch, empfehlen alle wohlerzogenen Blogs fünf andere interessante Blogs ihren Lesern. Und so sei es:
Meine ganz persönlichen “Take Five” zum Blogday 2009:
1. Das taz-Blog, das schon deshalb hier empfohlen werden muss, weil es ihn nach vielen spannenden Ausgaben nicht mehr gibt. Genauer: es heisst jetzt HANSblog und wird wie eh und je von Hans Pfitzinger verantwortet. Hans ist Buchautor (u.a. Delfina Paradise - Eine Liebe in München) und immer geistreicher und lesenwerter Beobachter unserer Welt. Und ein Kämpfer. Er kämpft derzeit gegen einen miesen Feind, der ihm ans Leben will. Alle guten Wünsche gehen deshalb an diesem heutigen Blogday an Hans. Schon weil wir sein Blog auch künftig brauchen…"
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