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HANSblog 1. Oktober 2009 - 31. Oktober 2009
30. Oktober 2009

Strahlentherapie

Da gibt's erst mal eine Simulation. Das war heute. Man liegt auf einer harten Bank, streckt die Arme über den Kopf und packt die Unterarme an. Danach machen die irgendwas im Nebenraum, und nach gut 20 Minuten kommen zwei junge Frauen rein und markieren mich mit Filzstift - ein Kreuz auf der Brust, jeweils eines an den Seiten.
Danach werden die Markierungen mit durchsichtigem und wasserfestem Pflaster überklebt, weil sie am nächsten Mittwoch, wenn die zehntägige Strahlentherapie losgeht, wissen müssen, wo sie den Strahl ansetzen sollen.
Wie sagte mein Freund William ganz richtig: Kein Mensch kann nachvollziehen, was da jetzt auf dich zukommt. Wie recht er hatte. Kein Mensch, ich auch nicht.

Lieber Thomas,

Wie es geht? Ja mei, a bisserl was erfähst du aus dem HANSblog, und so ganz persönlich: Seit  vorgestern geht's besser, weil die Entzündugen im Mund weg sind. Aber ich hänge den ganzen Tag ziemlich erschöpft rum. Das kommt von der "Fatigue", wie man medizinisch die Mattigkeit, Müdigkeit, Schlapp- und Schlaffheit im Gefolge der Chemotherapie nennt. Wenn's nix zu lesen gäbe, wär's schlimm. Aber ich bin jetzt durch vier Bände der Leatherstocking Tales von James Fenimore Cooper und gerade beim fünften und letzten angelangt, The Prairie . Was für ein Meister!!!! Weiter oben findest du eine Porträtzeichnung.

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27. Oktober 2009

Chemopoesie

Cisplatin und Fluorouracil
Glandomed und Embolex
Schwedentabletten, Calcium CT
Allopurinol und Pantozol
Polyerga, Buscopan und MCP
Ampho Moronal und Paspertin
Traumeel, Novaminsulfon
Uzara und Bepanthen
Panthenol und Haribo-Lakritz
Kaliumtabletten ohne Namen
Apothekenschluckauf, Amen

Lieber Hans,
 
habe bei deinem Blog vorbei geschaut und war erstmal ziemlich platt, als ich von deiner Krebsattacke erfuhr. Dass du den Kampf aufgenommen hast, war wohl die richtige Entscheidung, wenn man den positiven Fortschritt der Therapie verfolgt. Ich weiß nicht, wie ich selbst reagiert hätte... aber wer weiß das schon, bevor es einen betrifft. Große Hochachtung für deine Art mit dem verdammten Scheiß umzugehen und zu dokumentieren. Natürlich wünsche ich dir auch alles alles alles erdenklich Gute für einen positiven Ausgang der Geschichte, der für mich schon mal fest steht.
"Delfina Paradise" war eher weniger mein Fall, aber vielleicht fehlt mir da ja das Philip Roth-Gen. Deine neue CD interessiert mich sehr, werde ich natürlich bestellen. Hast du Gerry für eine Heimspiel-Besprechung im in-münchen eine zukommen lassen?
 DU SCHAFFST DAS!
 Gruß
 Rainer

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23. Oktober 2009

Und sonst?

Nach zwei Tagen in der Notaufnahme haben sie meinen Kaliumpegel wieder auf den eines gesunden Menschen gehoben. War schon beängstigend, als mein Doc Montagabend anrief und mir sagte, dass ich sofort in die Klinik muss. Als mir der junge Arzt dort sagte, dass dieser Kaliummangel "lebensbedrohlich" ist, hat sich meine ängstliche Grundeinstellung an diesem Abend nicht gerade verbessert. Na ja, sie ham mich an den Kaliumtropf angeschlaucht, und das ging noch den ganzen nächsten Tag so weiter. Mittwochmittag, nach der Blutanalyse, konnte ich nach Hause.
Kein Mensch kann sich vorstellen, was als Therapie auf einen zukommt. Am 4. November geht's weiter mit Strahlentherapie.
Ihnen schöne Tage - wird schon werden.

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17. Oktober 2009

Happy Birthday, Arthur Miller!

Wie kennen Sie nicht? Er war nicht nur ein großer Schriftsteller, er hat auch das Herz von Marilyn Monroe erobert, und sie haben in der San Francisco Civic Hall geheiratet. Ging anscheinend ein paar Jahre gut.

Hallo Jackl,

ja, so kann's gehen - nach dem Sommertag vorletzte Woche jetzt die Winterkälte. Jos Kummer um die Pflanzen kann ich gut verstehen, und dass du mir nicht auf die Nerven gehen willst mit "unqualifizierten Kommentaren" ehrt dich. Dieser hier gehört nicht dazu: "Aber nachdem Du nun mitten im Gefecht stehst, wünsch ich Dir weiter alle Kraft, die Du dazu benötigst. Kann ja durchaus sein, dass Dir noch einige gute Jahre bestimmt sind, und aus der Perspektive des Lebendigseins ist das vielleicht jede Anstrengung wert."
So beschissen wie nach diesem dritten Chemotherapie-Durchgang hab ich mich bisher nicht gefühlt. Hab keinen Appetit, keine Energie, und heute morgen beim Kaffee- und Teekochen, iss mir so schlecht geworden, und dann bin ich einfach in der Küche umgefallen. Keine Ohnmacht, ein extremer Schwächeanfall, und die oft verkündete Übelkeit als Nebenwirkung. Hatte ich nicht erlebt vorher. Nach ner Weile im Schock rumliegen auf den Küchenfliesen hab ich mich aufgerappelt und bin ins Bad gegangen, zum ersten Mal seit zwei Tagen wieder Stuhlgang.
Ist ein Scheißgefühl, wenn dich dein Körper einfach so im Stich lässt.
Herzliche Grüße
Hans

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Fontäne am Friedensengel, Sommer 2009 Foto: Hans Pfitzinger
12. Oktober 2009

Bosen und Rosen oder: Wadenkompressionsstrümpfe der Klasse 2

Es reicht schon, wenn ich mich verwirren lasse, das muss ich nicht auch noch an den Leser weitergeben. Also: Es gibt selbstverständlich keine Unterschenkelarthrose. Weil die Arthrose eine Gelenkkrankheit ist, und der Unterschenkel bekanntlich keine Gelenke aufweist. Was bei mir aufgetaucht ist, wird Thrombose genannt, und für die gibt es verschiedene Ursachen, eine davon: Liegen im Krankenbett. So habe ich schon beim ersten Aufenthalt vorbeugende Spritzen bekommen, und jetzt, nachdem der linke Unterschenkel angeschwollen war, haben sie im "Gefäßzentrum eine therapeutische Antikoagulation eingeleitet" und "das Bein eingewickelt. Im Verlauf empfehlen wir Wadenkompressionsstrümpfe der Klasse 2. Eine Wiedervorstellung bei den Kollegen des Gefäßzentrums ist in 3 Monaten vorgesehen."
Ob ich mir bis dahin jeden Tag zwei Mal eine Injektion geben muss? Das wird mir heute hoffentlich der Doc sagen können. Davon abgesehen: Heute ist Montag, und wie Sie oben lesen können, hat HANSblog eigentlich Ruhetag. Aber das mit den Throm-Bosen und den Arth-Rosen musste doch geklärt werden. Um sechs Uhr morgens, nach einer total verschwitzten Nacht.

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10. Oktober 2009

Häppy Börsdäih!

Auch wenn sie sich nicht im Geringsten für dieses Webtagebuch interessiert, schick ich ihr doch einen Geburtstagsgruß - alles Gute, liebe Mona. Du bist halt so, wie du bist, und das muss ich akzeptieren, ohne mich zu ärgern. Seit 44 Jahren kann ich es nicht fassen.
Bleib gesund und versuch, dich nicht ganz von der Kleinstadt einfärben zu lassen.


Nachtgedanken

03:10 zeigt die Zeit an, ganz oben, ganz rechts auf dem Bildschirm. Schlaflose Nacht, und ich geh in Gedanken den Arztbericht vom Klinikum durch, geschrieben von Frau Doktor S., an meinen "Hausarzt", mit mir als Boten. Aber es ist wohl Absicht, der Patient soll wissen, was da drinsteht. Na ja, das ist wohl auch ein Grund, dass ich nicht schlafen kann. Am 20. 10. hab ich einen Termin für Strahlentherapie. An einem Brustwirbel im Rücken hat sich ein Tumor vergrößert, der ganz offensichtlich auf die Chemotherapie pfeift. Und auch wenn die Tumore in der Leber und der Lunge abgenommen haben, die Blutwerte und der "Gesamtzustand" gut sind - der Hauptherd im Ösophagus, wie die Speiseröhre medizinisch genannt wird, hat nach dem zweiten Zyklus noch nicht reagiert. Insgesamt will Frau Doktor S. nicht von einer Verbesserung reden. Aber weil sonst alles in Ordnung ist, hat sie mich schon am zweiten Tag entlassen, mit der Baxter-Pumpe um den Hals und dem dünnen Schlauch als Verbindung zum Port und in die Vene. Wenn alles gut geht, ist die Pumpe am Mittwoch leer, spätestens am späten Nachmittag. Kann ich nur hoffen, dass der Doc dann Zeit hat zum Abmachen, und die Nadel rausziehen kann.
Heute habe ich schon mal die Abendinjektion vergessen, aber gegen halb zwei Uhr nachts (vor zwei Stunden) habe ich dran gedacht und die Prozedur nachgeholt. Ging ganz gut fürs erste Mal - mit Desinfektionsmittel besprüht, mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand einen Hautwulst am Oberschenkel gebildet und die Nadel mit rechts versenkt und leergedrückt. Schnell wieder raus und eine Weile den festen Bausch draufgedrückt, aber kein Tropfen Blut kam raus. Gut gelaufen, kaum weh getan hinterher.

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9. Oktober 2009



Friedensnobelpreis 2009 für Barack Obama

Meldung auf tagesschau.de vom selben Tag, 9.10. 2009

Signal an Iran und Nordkorea
USA drohen mit bunkerbrechender Superbombe

In wenigen Monaten werden die US-Streitkräfte wohl eine 14-Tonnen-Bombe haben, die sie gegen unterirdische Bunker einsetzen können. Die sogenannte MOP wird auch für einen diplomatischen Zweck gebaut: Sie soll im Atomstreit den Druck auf den Iran und Nordkorea erhöhen.

Von Albrecht Ziegler, SWR-Hörfunkstudio Washington

Die USA haben die Entwicklung der größten bunkerbrechenden Bombe der Welt beschleunigt. Die Bombe - bei US-Militärs unter dem Kürzel MOP bekannt - solle in wenigen Monaten einsatzbereit sein, sagte Pentagonsprecher Geoff Morrell.

Fachleute, wie der ehemalige  Luftwaffengeneral Chuck Wald bestätigen dies: "Wir kommen sehr schnell voran", sagte Wald im öffentlich-rechtlichen Radio NPR. "Es ist eine 14.000-Kilogramm-Waffe, die die Streitkräfte einsatzbereit machen werden und sie hat eine ziemliche Durchschlagskraft."

Die MOP ist für tiefliegende Bunker konzipiert. Sie dringt mehr als 60 Meter tief in die Erde ein, bevor die 2400 Kilogramm Sprengstoff explodieren, mit denen sie bestückt ist. Mit dieser Waffe werde eine Lücke im US-Arsenal geschlossen, sagt Morell - so etwas habe bislang gefehlt. Gegen wen sie eingesetzt werden könnte, wollte er aber nicht sagen. Spekulationen über mögliche Ziele seien nicht hilfreich.

Wieder dahoam

Ein Tag früher als sonst schmeißen sie mich wieder raus. Das Klinikum Rechts der Isar braucht die Plätze für die Chemotherapie ganz dringend: In "meinem" Dreibettzimmer wurden zwei Patienten entlassen, und schon rückten zwei neue ein.
Ganz seltsam magisch: Gestern lauf ich über den Flur, auf und ab, weil mein Bett noch nicht frei ist, und wer kommt zur Stationstür rein? Der Josef vom Tivoli-Pavillon, derselbe Josef, der mir seit drei Jahren das Bier bis zum Eichstrich einschenkt, und der sich über seine Erwähnung in "Stille Winkel in München" so gefreut hat: "Der Pächter ist ein sachlicher, nicht übertrieben freundlicher Mensch, der den ganzen Tag Classic Rock hört. Manchmal legt er auch Elvis auf. Vinylplatten. Er schmeißt den Laden mit zwei Schankkellnern, immer denselben, die abwechselnd mithelfen, ein alter Bär mit weißen Haaren und ein junger Drahtiger mit oben Glatze. Im vergangenen Sommer hat der Wirt dazu noch einen Koch eingestellt, und seitdem stehen drei Tagesgerichte auf der Tafel vor dem Kiosk. Es geht aufwärts am Tivoli-Pavillon."
Der Josef weiß seit Anfang August, dass er Lungenkrebs hat, bei ihm war's die zweite Chemotherapie, bei mir die dritte.
Sie haben mich auch deshalb so früh entlassen, weil die Fortschritte unverkennbar sind. Nur: Jetzt wurde im "Gefäßzentrum" eine Unterschenkelarthrose diagnostiziert. Keine Ahnung, was das ist, muss erst mal bei wikipedia gucken. Und was ich für eine Sehnenzerrung oder -reizung gehalten habe, ist eine Lymphknoten. Gegen die Arthrose muss ich mir jetzt morgens und abends eine Spritze setzen. Bin mal neugierig, ob das so einfach geht, wie die Schwester es mir vorgemacht hat. Aber es muss wohl sein, denn wer soll's sonst machen? Kann ja nicht zwei Mal am Tag den Doc Widmann damit belästigen. Zwei Mal die Woche Blutentnahme, die er selbst macht, das reicht schon.

Dran denken: John Lennon, Jackson Browne, Che Guevara

   

John und Yoko; Daryl (Hannah) und Jackson; Che und Fidel

Na ja, Geburtstage:

Stell dir vor, es gibt keinen Besitz
Ich frage mich, ob du das kannst
Keine Gier, kein Hunger mehr nötig
Alle Menschen Brüder
Stell dir vor: Alle Menschen teilen sich die ganze Welt
Vielleicht bin ich ein Träumer
Aber ich bin nicht der einzige
(John Lennon, Imagine)

Ich renn schon auf leer
Ich renn schon blind
Ich renne in die Sonne
Aber ich renne hinterher
(Jackson Browne, Running On Empty)

Na ja, Todestag:

Ermordet vom US-Geheimdienst CIA am 9. Oktober:
Ernesto Che Guevara

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7. Oktober 2009

Krankenhaus-Blues

Um sieben sollte ich mich bei der Röntgenaufnahme melden. Ich war zu früh dran, fünf nach halb, und da war niemand auf dem ganzen Flur, außer einer Frau mit einem Gefährt, auf dem allerlei Reinigungsgerät angehäuft war. Sie ging von Zimmer zu Zimmer und kümmerte sich nicht um mich. Gut, dass es einen Warteraum für "Sitzpatienten" gibt (es gibt auch einen für "Liegendpatienten"). Punkt sieben kam die Frau für die Anmeldung und konnte nicht glauben, dass ich einen so frühen Termin hatte. Ich war für acht Uhr vorgesehen, aber in der Stunde davor muss der Patient einen Liter "Darstellungsflüssigkeit" trinken, vom Personal einfach "Getränk" genannt.
Zwischendurch ging ich zur Tumorambulanz, Überweisungsformular, Versichertenkarte (neues Quartal!). Dann übernahm mich eine türkische Krankenschwester mit riesigen Ohrringen und trug die Blutwerte vom Hausarzt in eine Liste ein. Sie schob "eine Nadel" mit Plastikeingang in meine Vene am rechten Arm, zapfte mir Blut ab und verklebte die Nadel sicher mit Leukoplast, damit sie durch dieselbe bei der Computertomographie eine "Darstellungsflüssigkeit" in die Blutbahn schicken können. Das ist eigentlich das einzig Unangenehme bei der Tomographie, ansonsten wirst du, voll bekleidet und mit den Hosen bis zu den Knien runtergeschoben, im Liegen ein paar Mal unter einen Metallbogen gefahren, in dem sich ganz rasch irgendwelche Lichter bewegen. Die Flüssigkeit, die sie einem zweimal in die Venen schicken, sorgt für Wärme in der Blasengegend, was aber nach ein paar Minuten vorbeigeht. Du hörst die Stimme der Ärztin aus dem Nebenraum: "Jetzt tief einatmen und den Atem anhalten." Und dann: "Weiteratmen."
Und das Ergebnis? War gestern noch nicht ausgewertet, heute hat "mein" Onkologe keine Sprechstunde, und morgen rück ich wieder ein zur Chemotherapie. Keine Möglichkeit zur Besprechung. Da kann ich nur hoffen, dass die Chemo-Ärzte mehr wissen als ich.
Ich melde mich wieder, spätestens Anfang nächster Woche. Bis dann.

Schöne Tage!

Kommentar



Falls Sie, vereehrte/r HANSblog-Leser/in sich schon mal gefragt haben, wo ich wohne - hier sehen Sie ein Luftbild meiner näheren Umgebung. Unten links, der türkisfrabene Fleck auf dem  Hausdach ist der Swimming-Pool des Penthouse-Bewohners. Ich wohne ein Stockwerk tiefer, etwas nach links versetzt. Man beachte die schönen alten Bäume im Innenhof, auf die ich gerade einen Blick werfe, während ich das hier schreibe. Das imposante Gebäude mit dem  schrägen Anbau in dem kleinen Park am oberen Bildrand beherbergt den Bundesfinanzhof. Ursprünglich war das die Villa des Grafen Montgelas, ein Franzose, der den Bayern beigebracht hat, wie man einen modernen Staat führt. Fragen Sie mich nicht, was die im Bundesfinanzhof tun, aber wenigstens machen sie keinen Lärm bei der Arbeit.
 
4. Oktober 2009

Zweierlei Maß

Seit Monaten läuft die amerikanisch-israelische Propagandamaschine auf Hochtouren: Die bösen Buben um Mahmud Ahmadinedschad sind kurz davor, eine Atombombe zu basteln. Dabei weiß jeder, der es wissen will, dass Israel seit Jahren eine ganze Anzahl von Atombomben besitzt. Nur: Es wird nicht darüber geredet. Heute fand ich auf dem arabischen Nachrichtenportal Al Dschasira, dass in Katar zu Hause ist, eine interessante Meldung aus der Washington Times. Danach geht das Schweigen über die israelischen Atombomben zurück bis ins Jahr 1969, als Präsident Richard Nixon versprochen hat, beide Augen zuzudrücken und nicht darüber zu reden. Hier die Nachricht auf Al Dschasira:
"Barack Obama hat zugestimmt, sich an eine 40 Jahre alte politische Entscheidung zu halten, und Israel Atomwaffen zu erlauben, ohne dass sie international überwacht werden. Das schrieb eine US-Zeitung am Samstag. Die Washington Times zitierte drei ungenannte Quellen, die sagen, dass Obama dem iraelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu die Zusicherung gegeben hat, an der Politik des 'Frag nicht, sag nichts' festzuhalten. Dies geschah, als sich die beiden im Mai im Weißen Haus in Washington D. C. getroffen haben."
Es läuft darauf hinaus, dass die US-Regierung keine Einwände gegen die Nuklearwaffen erhebt, so lange die israelische Regierung Stillschweigen über den Besitz wahrt.
Vielleicht sieht man die Politik der Westmächte und die Reaktionen des Iran in einem anderen Licht, wenn man weiß, dass die USA und Israel seit Jahrzehnten eine verlogene Politik gegen den Iran betreiben.

Und was macht die Gesundheit?

Ich kann immer noch keine längeren Spaziergänge machen, ohne starke Schmerzen in der Leistengegend, wo die Oberschenkelsehnen am Knochen andocken. Das geht jetzt seit Mitte Juni, trat zum ersten Mal auf, als ich noch drei Mal die Woche zehn Kilometer gelaufen bin. Dann kam Anfang Juli die niederschmetternde Krebsdiagnose, und da waren dann andere Dinge wichtiger als eine Sehnenzerrung oder -reizung.
Davon mal abgesehen, geht's mir ganz gut. Die Entzündungen im Mund sind ganz ausgeblieben (Glandomed sei Dank!), der Durchfall ist besiegt (dank Uzara-Tabletten), und wenn die ständig wiederkehrende Schlaffheit nicht wäre (Sie erinnern sich: Fatigue ist der medizinische Fachausdruck), könnte ich ne Weile vergessen, dass ich krank bin.
Aber dann drängt sich wieder die dritte Chemotherapie ins Bewusstsein: Donnerstag geht's unweigerlich zum stationären Aufenthalt ins Klinikum Rechts der Isar.

Ihnen erst mal schöne Tage.

WWN*)

Hunziker präsentiert Käsefüße

Eklige Wetten, das Comeback von Whitney Houston und Michelle Hunziker an der Seite von Thomas Gottschalk. Die sexy Blondine hat "Wetten, dass...?" gehörig aufgemischt.

*) Wirklich Wichtige Nachrichten (von web.de)

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3. Oktober 2009

Medizinmann

Sagt doch der Doc gestern zu mir, nach der genaueren Betrachtung der Blutwerte auf seinem Computerbildschirm: "Im Moment weiß keiner, wer länger lebt - Sie oder ich."
Das sind selbstverständlich gute Nachrichten, die er nach der Ultraschalluntersuchung noch bestätigt. Aber er kann mit Ultraschall nichts über die Speiseröhre aussagen - dazu werde ich mehr erfahren nach der Computertomographie am Dienstag. Und Donnerstag geht's weiter - Chemotherapie, dritte Runde.

Fundsache

"Die SPD hat ihren Namen deshalb behalten und trägt ihn mit Stolz, weil sie sich schon vor hundert Jahren von Utopien wie 'Reichtum für alle' verabschiedet hat."
- Stefan Dietrich, Leitartikel der FAZ vom 30. September 2009

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1. Oktober 2009

Fatigue

Hab' ich schon erwähnt, glaube ich: Wenn man sich nach der Chemotherapie oder überhaupt im Lauf der Erkrankung schlapp, schlaff, müde, ständig erschöpft fühlt, dann heißt dieser Zustand in der Medizinersprache "Fatigue". Das kommt aus dem Französischen und steht für Müdigkeit. Oh ja, da weiß ich inzwischen Bescheid. Ich sitze im Sessel und lese oder schau den Espen im Hinterhof zu, wie sich die Blätter gelb färben. Und ich merke, dass ich müde werde. Der Kopf sinkt nach vorn, die Augen fallen zu, aber ich bin wach und denke, es wäre besser, sich ins Bett zu legen. Vom Entschluss bis zur Ausführung kann dann gut eine Viertelstunde vergehen, weil ich zu schlapp bin, irgendetwas zu tun, und sei es nur, das Buch aus der Hand zu legen.
Fatigue bedeutet aber nicht, dass ich nachts besser schlafen kann. Stundenlang lieg ich halbwach im Bett, zu müde, um zu lesen, aber nicht müde genug, um richtig einzuschlafen. Dann spüre ich Harndrang. Ich müsste aufs Klo. Von der Einsicht bis zur Umsetzung kann durchaus eine halbe Stunde verstreichen - zu müde, um die Beine aus dem Bett zu schwingen und die paar Schritte ins Bad zurückzulegen. Fatigue.
Und sonst? Ich hab langsam den Eindruck, dass ich die Apotheke durchteste, mit allem, was im Angebot ist. Heute war was ganz Besonderes dran: Bonviva. Das ist eine "Filmtablette". Ja, so heißt das, und hat nichts mit Hollywood zu tun. Man nimmt die ein Mal (!) im Monat, und sie soll vorbeugen gegen Osteoporose, die leicht eine Folge der Chemotherapie sein kann. Diese Tablette kommt in einer Packung von der Größe eines Reclam-Taschenbuchs, was wohl einen imponierenden Eindruck machen und auf die Wichtigkeit dieser Medizin hinweisen soll. Und, zugegeben, die Riesenpackung für eine einzige Tablette macht tatsächlich Eindruck. Die nächste ist am 1. November dran. Kleine Aufkleber für den Terminkalender werden mitgeliefert. Netter Service.
Morgen kommt morgens wieder Blutentnahme, später noch ein Termin mit dem Medizinmann zur Besprechung der letzten Laborergebnisse von vorgestern und zu den nötigen Ein- und Überweisungen und dem Papierkram für die Computertomographie am nächsten Dienstag. Und heute in einer Woche kommt Phase drei, und ich muss wieder ins Rechts der Isar einrücken. Hoffentlich kommt rechtzeitig "Der letzte Mohikaner" von amazon.

Kommentar



Nö, das Bild ist nicht verkehrt rum, der Vogel isses. Das Foto stammt von Burckhardt Huck, meinem Künstlerfreund aus Südafrika. Was das für Blüten sind? Ich musste erst mal nachfragen. So sehen die Blüten der Aloe vera aus, deren dicke, fleischige Blätter für allerlei Kosmetika und Salben verwendet werden. Nicht die aus Burckhardts Garten - die sind vor Ausbeutung sicher und füttern die Vögel.
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